KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

Oxfam und Greenpeace unterstützen Protest gegen klimafeindliche Braunkohletagebaue

Freitag 18. November 2011 von birdfish

Drei Klimazeuginnen aus Entwicklungsländern forderten vor dem Kohlekraftwerk Jänschwalde von Betreiber Vattenfall, die Planung neuer Braunkohletagebaue zu stoppen und das Klima zu schützen.

Klimazeuginnen
Klimazeuginnen protestieren in Jänschwalde – Foto: Gordon Welters / Oxfam

Die Frauen halten Warnschilder, die symbolisch die sichtbaren Folgen des Klimawandels in ihrer Heimat abbilden: Trinkwassermangel in Südafrika, Dürre in Nigeria und Meeresspiegelanstieg in Papua-Neuguinea. Gemeinsam mit ihnen demonstrieren Aktivisten von Greenpeace und Oxfam sowie Menschen aus der Lausitz, deren Wohnort durch den Tagebau bedroht ist, gegen die Energiepolitik des schwedischen Stromkonzerns: Vattenfall setzt trotz der beschlossenen deutschen Klimaschutzziele auf den Abbau und die Verbrennung von Braunkohle und heizt so den Klimawandel an.

Vattenfall-Energiepolitik hat weltweite Folgen für Menschen

„In meiner Heimat Südafrika verdorren durch die weltweite Erwärmung die Felder. Heute bin ich an einem der Orte, an denen der Klimawandel vorangetrieben wird. Konzerne wie Vattenfall tragen mit ihrer Energiepolitik eine Mitschuld“, sagt eine der anwesenden Klimazeuginnen, Zukiswa Millicent Nomwa, Sprecherin der Environment Monitoring Group in Südafrika. Die drei Frauen engagieren sich seit Jahren für den Umwelt- und Klimaschutz in ihren Heimatländern. Gemeinsam mit Hauwa Uma-Mustaphar aus Nigeria und Serafhina Gigira Aupong aus Papua-Neuguinea besucht Frau Nomwa im Vorfeld der Weltklimakonferenz (18.11. bis 9.12.2011 in Durban, Südafrika) Deutschland, um über die sichtbaren Folgen des Klimawandels zu berichten. „Es kann nicht sein, dass vor allem arme Menschen in Entwicklungsländern unter Wetterextremen oder Dürren leiden, obwohl diese Länder insgesamt kaum zum Klimawandel beitragen“, sagt Jan Urhahn, Klima-Campaigner der Entwicklungsorganisation Oxfam.

Lausitz: Vattenfall vertreibt Menschen aus ihrer Heimat

Derzeit betreibt Vattenfall in der Lausitz bereits fünf Tagebaue und drei Kohlekraftwerke; darunter das Kraftwerk Jänschwalde, den drittgrößten CO2-Emittenten Europas. Fünf weitere Braunkohletagebaue sind geplant, die über Jahrzehnte hinweg zur Klimaerwärmung beitragen werden. Dafür müssten mehr als 3.000 Menschen ihre Dörfer verlassen. „Ohne Rücksicht stellt der schwedische Energiekonzern Vattenfall hier in der Lausitz seine Profitgier über das Wohl von Mensch und Umwelt. Wie sonst ist es zu erklären, dass Vattenfall noch immer an der Braunkohle, dem klimaschädlichsten aller Energieträger, festhält?“, sagt Greenpeace-Energieexpertin Anike Peters. Braunkohle setzt bei der Verbrennung etwa dreimal so viel klimaschädliches CO2 frei wie Erdgas.

Bürger/innen-Stimme gegen den Tagebau Welzow-Süd II

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Millionen von Dürre in China betroffen – Regenfälle bringen nur teilweise Besserung

Donnerstag 9. Juni 2011 von birdfish

Teile des Gebietes des Jangtse Flusses in China leiden unter der schlimmsten Dürre seit rund 50 Jahren.

Ohne Wasser liegen die Terrassen am Jangtse trocken
Ohne Wasser liegen die Terrassen am Jangtse trocken – Foto: Mauri Rautkari / WWF-Canon

Seit März blieben in vielen Regionen die Regenfälle aus. Illegale und ineffiziente Wassernutzung und der Mangel an Abstimmung in Bezug auf die am Jangtse etablierte Wasserinfrastruktur verstärken die Auswirkungen der Wasserknappheit. Glücklicherweise nimmt seit Freitag dank starker Regenfälle die Trockenheit in einigen Regionen ab. Jedoch kam es in den Provinzen Guizhou, Jiangxi und Hunan stattdessen zu Hochwasser.

“Diese Dürre ist selbst für die Trockenheit gewohnten Provinzen Chinas dramatisch”, so Martin Geiger, Wasserexperte beim WWF Deutschland. “35 Millionen Menschen am Mittel- und Unterlauf des Jangtse sind betroffen, akuter Trinkwassermangel bedroht auch nach den starken Regenfällen noch über zwei Millionen Menschen.”

Nach offiziellen Angaben hat die Dürre bislang Schäden in Höhe von rund 2,3 Millionen US-Dollar verursacht. Der WWF hält diese Zahl aber für zu niedrig angesetzt, da neben der Landwirtschaft auch die Fischwirtschaft, die Wasserkraft und die Trinkwasserversorgung direkt betroffen sind. Langjährige Investitionen des WWF sind entlang des Mittel- und Unterlaufs des Jangtse zunichte gemacht.

“Es ist schwierig dieses Ereignis wissenschaftlich unmittelbar dem Klimawandel zuzuordnen, aber es könnte ein Vorbote dessen sein, was uns in Zukunft in China und vielen anderen trockenen Regionen dieser Welt ereilen könnte”, so Geiger. “Die aktuellen heftigen Regenfälle in Teilen der Jangtse-Region dürfen nicht dazu verleiten, jetzt diese Dürre ad acta zu legen und untätig die nächste abzuwarten.”

Der WWF hält es für dringend notwendig, Wasser vom Jangtse auch in betroffene Feuchtebiete zu leiten, die durch den Bau des Drei-Schluchten-Staudamms teilweise vom Wasser des Jangtse abgeschnitten wurden. Mittel- und langfristig muss China sein Wassermanagement deutlich verbessern und sich den Risiken von Trockenperioden besser anzupassen. Verantwortlich für die sich weiter verschärfende Wasserkrise in China ist neben den längeren Trockenperioden und Bodenerosion vor allem Wasserverschwendung. Seit 1949 hat sich der Wasserbrauch in China in etwa verfünffacht. Bis zu 70 Prozent des verbrauchten Wassers wird in der Landwirtschaft eingesetzt. Vor allem im trockenen Norden und am mittleren Jangtse ist man auf Bewässerungssysteme angewiesen. Aufgrund veralteter Bewässerungsanlagen und hoher Verdunstungsraten kommt höchstens die Hälfte des Wassers auf den Feldern an.

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Rasanter Flächenverbrauch – EU-Kommission will die Bodenversiegelung verringern

Montag 30. Mai 2011 von birdfish

Weil immer mehr Straßen, Häuser oder Parkplätze gebaut werden, verschwindet in der Europäischen Union jedes Jahr eine Fläche, die größer ist als das Stadtgebiet von Berlin.

Straßenbau: die Versiegelung des Bodens schreitet rasant voran
Straßenbau: die Versiegelung des Bodens schreitet rasant voran – Foto: Rainer Sturm / Pixelio

Das geht aus einem Bericht hervor, den die EU-Kommission vergangene Woche veröffentlichte.

Darin macht die Kommission Vorschläge, wie der anhaltende Flächenverbrauch reduziert werden kann. So soll die Raumplanung verbessert werden und Subventionen, die die Bodenversiegelung indirekt begünstigen, sollen auf Prüfstand. Wenn eine Versiegelung nicht zu vermeiden ist, soll nach dem Willen der Kommission statt Asphalt oder Zement Material verwendet werden, das Regen in den Boden fließen lässt.

Außerdem schlagen die Autoren des Berichts vor, für jeden Bodenverlust an anderer Stelle eine Ausgleichmaßnahme durchzuführen. Das kann in Form von Geldzahlung oder von Sanierung bereits versiegelter Flächen geschehen. “Ohne unsere Böden würde das Leben auf unserem Planeten zum Erliegen kommen”, sagte EU-Umweltkommissar Janez Potocnik. “Wir können es uns nicht leisten, sie weiter zuzupflastern”.

Dem Bericht zufolge gingen zwischen 1990 und 2000 etwa 1.000 Quadratkilometer Boden im Jahr verloren. Die Hälfte davon sei durch undurchlässige Schichten dauerhaft versiegelt. Dadurch könne beispielsweise Wasser nicht mehr versickern und verdampfen, was zu mehr Überschwemmungen führe. Irland, Zypern und Spanien hatten von 2000 bis 2006 mit bis zu 15 Prozent die größte Zunahme an befestigten Flächen zu verzeichnen.

Deutschland erreicht nach Angaben des Naturschutzbundes NABU nicht das selbst gesteckte Ziel, bis zum Jahr 2020 den den täglichen Flächenverbrauch auf 30 Hektar zu reduzieren – so viel wie etwa vierzig Fußballfelder. Auch der BUND und der DNR setzen sich seit Langem für einen besseren Bodenschutz in der EU ein. Der DNR veröffentlichte Ende 2010 Argumentationshilfen zu dem Thema.

2006 hatte die EU-Kommission eine Rahmenrichtlinie zum Bodenschutz vorgeschlagen, die aber wegen des Widerstands einiger Mitgliedstaaten, darunter Deutschland, auf Eis liegt. Anfang 2012 will die Kommission einen weiteren Bericht vorlegen, der den nationalen, regionalen und lokalen Behörden als Leitfaden für bewährte Praktiken bei der Begrenzung der Bodenversiegelung und ihrer Folgen dienen soll.

Weitere Infos:

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Das erste weltweite Passiv-Hochhaus steht in Freiburg – Mieter ziehen jetzt ein

Dienstag 24. Mai 2011 von birdfish

Alte und neue Mieter ziehen nach 18 Monaten Sanierungszeit seit Ende April 2011 in das weltweit erste nach Passivhausstandard sanierte Hochhaus im Freiburger Stadtteil Weingarten.

Passivhochhaus: 90 sanierte Wohnungen
Passivhochhaus: 90 sanierte Wohnungen – Foto: Fraunhofer ISE

Der Primärenergiebedarf für Beheizung, Trinkwassererwärmung, Lüftung, Beleuchtung und Haushaltsstrom wurde um 40 Prozent gesenkt. Die Forschungen an dem Modellprojekt gehen weiter.

Im bewohnten Gebäude analysieren die Forscher des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE über zwei Jahre den Energieverbrauch im realen Betrieb. Die Ergebnisse haben, wie das gesamte Projekt, Modellcharakter und sollen zukünftig in vergleichbare energetische Sanierungsvorhaben einfließen. Gemeinsam haben sich die Freiburger Stadtbau GmbH, die badenova WÄRMEPLUS und das Fraunhofer-Institut zum Ziel gesetzt, den Primärenergiebedarf des gesamten Stadtteils bis zum Jahr 2020 um 50 Prozent zu reduzieren.

Der Heizwärmebedarf des Hauses ist nach der Sanierung deutlich unter 20 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr (kWh/m²a) gesunken und mit dem eines neu gebauten Passivhauses vergleichbar. Der Heizwärmebedarf nach Sanierung liegt bei einem Fünftel des ursprünglichen Werts und wurde damit um 80 Prozent gesenkt.

Der Energieverbrauch des sanierten Gebäudes wird seit März 2011 vom Fraunhofer-Institut gemessen. Einzelne Geschosse werden dabei sehr detailliert erfasst (Warmwasserbedarf, Haushaltsstrom, Heizung, Fensterkontakte). Die Messungen werden zwei Jahre dauern, die Ergebnisse anonymisiert erfasst. Für die Senkung des Primärenergiebedarfs ist auch die Senkung des Haushaltstroms ausschlaggebend. Über die Verbrauchsentwicklung werden die Bewohner der „Messgeschosse“ ständig informiert. Die Wärmebereitstellung des Stadtteils Weingarten basiert auf Kraft-Kärme-Kopplung. Auf Grund der optimierten Gebäudedämmung sinkt der Bedarf und wird im Jahresverlauf gleichmäßiger. Der Einsatz gasbetriebener Kessel kann reduziert werden.
Über das Sanierungsprojekt »Weingarten 2020«

Der westliche Teil des 1965-1969 entstandenen Freiburger Stadtteils Weingarten wird im Zeitraum 2007 bis ca. 2020 in drei Abschnitten modernisiert. Der BINE Informationsdienst berichtete zuletzt im Januar 2011.
Das Areal, in dem rund 5.800 Menschen wohnen, umfasst eine Fläche von etwa 30 ha. Im Sanierungsgebiet sind vier Gebäudetypen mit rund 1.300 Wohnungen vorhanden: 16-geschossige Hochhäuser, acht und viergeschossige Mehrfamilienhäuser sowie einige Nichtwohngebäude. Als erstes von vier Hochhäusern wurde in rund eineinhalb Jahren das Gebäude in der Bugginger Straße 50 energetisch modernisiert. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie förderte das Hochhausprojekt im Rahmen der Forschungsinitiative „Energieeffiziente Stadt“.

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Unverantwortlich: Brasilien will die Abholzung des Regenwalds wieder steigern

Freitag 20. Mai 2011 von birdfish

Brasiliens Parlament diskutiert derzeit ein neues Forstgesetz, das eine starke Verringerung der Waldschutzgebiete in Brasilien bedeuten würden.

Brandrodung in Brasilien
Brandrodung in Brasilien – Foto: NASA

Bisher durfte nur ein bestimmter Anteil in der Fläche und entlang von Gewässern, an steilen Hängen gar nicht gerodet werden. Die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhenden Schutzmaßnahmen sollen nun zugunsten der Plantagenwirtschaft aufgeweicht werden. Forscher vor Ort formieren sich entsprechend gegen die neue Vorlage. Welche Folgen verstärkte Abholzung für das Ökosystem, die Bevölkerung und das Klima haben kann, haben Deutsche Biodiversitätsforscher untersucht. NeFo (Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung) stellt Beispiele zum UN-Tag der biologischen Vielfalt am 22. Mai vor.

Noch 2009 rühmte sich Brasiliens Regierung für die deutlich gesunkene Abholzungsrate. Mit der Neuregelung erwarten die Forscher eine Umkehr des Trends – mit erheblichen Folgen für die Ökosystemfunktionen. So speichert der Wald Wasser, das zum einen die Gewässer speist, die die lokale Bevölkerung mit Trinkwasser und Fisch versorgt. Aber auch als Kohlenstoffspeicher funktioniert stark reduzierter Wald laut Studien nur noch eingeschränkt. Zudem schützt der Bewuchs an Hängen vor Erosion. Riesige Erdrutsche nach tagelangen Regengüssen haben im Januar dieses Jahres in Rio de Janeiro 844 Menschen das Leben gekostet. 20.790 verloren ihr Zuhause. Nicht zuletzt fallen bei zu starker Fragmentierung und Nutzung des Waldes wichtige Arten aus, die das Ökosystem stabilisieren und erhalten.

Untersuchungen in einem groß angelegten Forschungsprojekt zu den Folgen der Fragmentierung des Mata Atlantica Regenwaldes an der Ostküste Brasiliens zeigen, wo die Grenzen der Belastung eines Regenwaldökosystems liegen und bei welcher Übernutzung es zusammenbrechen kann. Der Ausfall der Ökosystemdienstleistungen des Amazonasregenwaldes hätte dramatische Folgen für die davon abhängenden Menschen vor Ort und, durch die globale Bedeutung des Amazonasregenwaldes für das Weltklima, auch für die restliche Welt. Der Amazonasregenwald enthält ein Sechstel des weltweit in der Natur gespeicherten Kohlenstoffs. „Wir können uns keine Erhöhung der Entwaldungsrate mehr leisten, wollen wir ernsthaft die durchschnittliche Klimaerwärmung unter 2°C halten.” meint Prof. Andreas Huth vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung UFZ.

Die Auswirkungen könnten schon relativ gut eingeschätzt werden, wenn auch immer Unsicherheiten blieben, etwa bei der Frage, ob es im Amazonas zu einem Kipp-Punkt kommen kann, an dem das gesamte Ökosystem in seiner jetzigen Form verloren geht, meint Prof. Elisabeth Kalko von der Universität Ulm und Vorsitzende von DIVERSITAS Deutschland e.V. „Daher ist meiner Meinung nach ein ganz wichtiger Punkt, parallel zu den Modellierungen und Simulierungen das Vorsorgeprinzip nicht außer acht zu lassen. Wir wissen im Grunde schon sehr viel über die Funktion von Ökosystemen und sollten daher weiterhin alles daran setzen, die jetzige Situation zu stabilisieren.”

Im NeFo-Webportal finden Sie im Presse-Top-Thema „Regenwald” Beispiele für Forschungsprojekte und Meinungen involvierter Forscher, die sich mit den Auswirkungen der nicht-nachhaltigen Nutzung der Regenwälder der Welt befassen.

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Tiefenströmungen im Atlantik spielen wichtige Rolle für Klima in Westafrika

Donnerstag 19. Mai 2011 von birdfish

Die Meere haben einen vielfältigen Einfluss auf unser Klima. Prominentestes Beispiel ist das El Niño Phänomen im Pazifik, die bekannteste, mehrjährige Klimaschwankung.

Messsonde überwacht Tiefen des Atlantiks
Messsonde überwacht Tiefen des Atlantiks – Foto: Mario Müller, IFM-GEOMAR

Wie Ozeanographen des Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) und der Woods Hole Oceanographic Institution (WHOI, USA) jetzt zeigen konnten, spielen auch Tiefenströmungen im äquatorialen Atlantik eine wichtige Rolle bei Klimaschwankungen in Westafrika. Die Ergebnisse der Studie erscheinen in der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift „Nature“.

Der Niederschlag des westafrikanischen Monsuns hat eine herausragende Bedeutung für Landwirtschaft, Wasserressourcen und Gesundheit in einem der dichtbesiedelten Gebiete Afrikas. Wann und wie viel Regen in den Küstenstaaten nördlich des Golfes von Guinea fällt, wird unter anderem durch die Oberflächentemperatur des tropischen Atlantiks bestimmt. Die Details dieser Wechselwirkung zwischen Ozean und Atmosphäre sind bei weitem nicht alle entschlüsselt. Bisher wurden Einflüsse aus dem Pazifik und dem Nordatlantik als wichtigste Quelle für Klimaschwankungen im äquatorialen Atlantik betrachtet. Ozeanographen des Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) konnten jetzt zusammen mit Kollegen aus den USA zeigen, dass es regelmäßige mehrjährige Temperaturschwankungen gibt, deren Ursache in den Tiefenströmungen des äquatorialen Atlantiks liegen und so die Niederschlagstätigkeit in Westafrika beeinflussen. „Bisher haben wir bei der Erklärung von tropischen Klimaschwankungen immer nach oben, insbesondere in die Atmosphäre, geschaut. Unsere neuen Daten lenken unseren Blick erstmals auch in die Tiefe des Ozeans und eröffneten ganz neue Denkansätze“; erklärt Professor Peter Brandt vom IFM-GEOMAR, Erstautor der Studie, die in der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift „Nature“ erscheint.

In einem groß angelegten, internationalen Forschungsprogramm, dem „Tropical Atlantic Climate Experiment“ (TACE), versuchen Experten den Mechanismen, Ursachen, und Wirkungen von Klimaschwankungen im tropischen Atlantik auf die Spur zu kommen. Der deutsche Beitrag zu diesem Programm, der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (Verbundprojekt „Nordatlantik“) und der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Rahmen des Kieler Sonderforschungsbereichs 754 „Klima – Biogeochemische Wechselwirkungen im tropischen Ozean“ gefördert wird, besteht unter anderem aus Tiefseeverankerungen am Äquator. An diesen zeichnen Messgeräte kontinuierlich die Strömungsrichtungen und -geschwindigkeiten, den Salzgehalt und die Wassertemperatur auf und erlauben damit langfristige Veränderungen im tiefen Ozean zu beobachten. Darüber hinaus werden Messungen von frei in der Tiefe treibenden Messsonden, sogenannten Argo Floats, sowie Daten aus Satellitenmessungen genutzt. „In den Messreihen der vergangenen zehn bis zwanzig Jahre haben wir bisher unbekannte Schwankungen der Oberflächenströmung und der Oberflächentemperatur des tropischen Atlantiks gefunden, die in einem regelmäßigen, viereinhalbjährigen Turnus wiederkehren“, erklärt Brandt. Ähnliche Schwankungen konnten die Wissenschaftler in sogenannten „Deep Jets“ nachweisen. Das sind Tiefenströmungen in Tiefen bis 3000 Metern mit Geschwindigkeiten von 10-20 Zentimeter pro Sekunde in Ost-West-Richtung. Sie erstrecken sich entlang des Äquators quer durch den gesamten Atlantik. Ihre Richtung kehrt sich mit der Tiefe alle paar hundert Meter um. „Diese Tiefenströmungen werden im tiefen Ozean erzeugt und ihre Energie wird offenbar durch die Wasserschichten nach oben weitergereicht, wo Oberflächenströmung und –temperatur beeinflusst werden“, so Brandt.

Die Oberflächentemperatur gehört wiederum zu den entscheidenden Faktoren für die Niederschlagsschwankungen über Westafrika. „Wie groß der Einfluss der Tiefenströmungen ist und wie sie entstehen, wissen wir leider noch nicht genau“ sagt Brandt, „da liegt noch viel Arbeit vor uns“. Neue Daten wollen die Wissenschaftler auf der aktuellen Forschungsfahrt mit dem deutschen Forschungsschiff MARIA S. MERIAN gewinnen, die vom 11. Mai bis 19. Juni 2011 stattfindet. „Wir nehmen unsere Verankerungen am Äquator auf, legen sie neu aus und hoffen dann mit den neuen Daten, die Vorgänge in der Tiefsee besser zu verstehen und damit letztendlich auch zur Verbesserung der Klimavorhersage für Westafrika beizutragen“, erklärt Professor Brandt.

Originalpublikation

Brandt, P., A. Funk, V. Hormann, M. Dengler, R. J.Greatbatch, J. M. Toole, 2011: Interannual atmospheric variability forced by the deep equatorial Atlantic Ocean. Nature Advance Online Publication, doi: 10.1038/nature10013:

Mehr Informationen zu den Projekten:

Tropical Atlantic Climate Experiment

Verbundprojekt Nordatlantik

Sonderforschungsbereich 754 “Klima – Biogeochemische Wechselwirkungen im tropischen Atlantik

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Mit Landwirtschaft auf Dächern könnten jährlich 28 Mio. t CO2 gebunden werden

Freitag 25. Februar 2011 von birdfish

Die Zahl dicht besiedelter Ballungszentren wächst. Weltweit lebt mehr als die Hälfte aller Menschen in Städten. Unbebaute Flächen und Grün sind hier rar.

In New York City wird derzeit ein Modell der integrierten Landwirtschaft umgesetzt
In New York City wird derzeit ein Modell der integrierten Landwirtschaft umgesetzt – Foto: BrightFarm Systems

Fassaden und Dächer können in Städten als landwirtschaftliche Nutzflächen dienen. »inFARMING« heißt das Konzept, das Landwirtschaft in urbane Räume integriert und für das Fraunhofer UMSICHT Konzepte, Materialien und Anbauprozesse entwickelt. Im Fraunhofer-inHaus-Zentrum in Duisburg soll dazu ein Prototyp entstehen.
Die Stadtfarm der Zukunft: Auf dem Flachdach des fünfgeschossigen Bürogebäudes steht ein Gewächshaus zur Gemüsezucht. Die Gebäudefassade ist vollständig mit Moos bewachsen, um Feinstaub zu binden. Das Wasser wird in einem geschlossenen Kreislauf wiederverwertet, der pflanzliche Abfall und die überschüssige Wärme, z. B. aus den Gebäuden als Energie genutzt.

Das Haus steht mitten in der Großstadt. – Noch nicht real, aber reales Ziel der gebäudeintegrierten urbanen Landwirtschaft, dem »inFARMING«. Eine mögliche Antwort auf den Mangel an Ressourcen und ländlicher Anbauflächen infolge der schnell wachsenden Weltbevölkerung und zunehmenden Verstädterung. Fraunhofer UMSICHT hat sich zum Ziel gesetzt, Konzepte für gebäudeintegrierte Landwirtschaft auf Gebäudedächern zu entwickeln und entsprechende Techniken und Anbauprozesse zu optimieren. Auf der Konferenz »Greener Cities« in Vietnam stellte das Institut das Thema kürzlich vor.

In Deutschland gibt es rund 1.200 Millionen Quadratmeter an Flachdächern von Nicht-Wohngebäuden. Rund 360 Millionen Quadratmeter können davon für den Anbau von Pflanzen in Gewächshäusern genutzt und so rund 28 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr gebunden werden. Das entspricht etwa 80 Prozent der jährlichen CO2-Emissionen von industriellen Betrieben in Deutschland.

Von den 11,2 Millionen. Hektar Ackerfläche in Deutschland werden rund 120 000 Hektar (2008) für den Gemüseanbau verwendet. Dies entspricht einer Produktion von 3,5 Millionen Tonnen Gemüse. In Deutschland sind laut Angaben des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung und des Umweltbundesamtes bereits 50 Prozent der Siedlungs- und Verkehrsfläche versiegelt. Täglich kommen etwa 110 Hektar dazu.

Die herkömmliche konventionelle Landwirtschaft ist sehr ressourcenintensiv, neben der benötigten Fläche werden weltweit rund 70 Prozent des verfügbaren Trinkwassers verbraucht. Darüber hinaus trägt der Energieverbrauch in der Landwirtschaft mit etwa 14 Prozent zu den weltweiten CO2-Emissionen bei. Aus heutiger Sicht ist auch kein plausibler Weg zu sehen, um zukünftig potentiell zehn Milliarden Menschen auf den Ernährungsstand zu bringen, auf dem sich heute die reiche Welt, und damit circa 1,5 Milliarden Menschen, befindet.

inFARMING bietet Ideen und Wege an, deren konkrete Vorteile in weniger Treibhausgasemissionen, einem geringeren Flächenverbrauch und -versiegelung durch Landwirtschaft, minimierten Transportkosten, innerstädtischen Grünflächen und frischeren Produkte, regional und kontrolliert direkt beim Verbraucher erzeugt, liegen.

Prototyp für das InFarming entsteht in Duisburg

Das Fraunhofer-inHaus-Zentrum in Duisburg ist die in Europa führende Innovationswerkstatt für intelligente Raum- und Gebäudesysteme. Hier wird gerade zusammen mit dem amerikanischen Partner BrightFarm Systems ein Prototyp für das inFARMING entwickelt. Die Forscher arbeiten an langfristigen Entwicklungsstrategien für die vertikale Landwirtschaft.

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Als eines der an diesem Thema forschenden Fraunhofer-Institute optimiert UMSICHT Prozesse bei der Wasser- und Energieversorgung. Im Fokus stehen die integrierte Energieversorgung durch Abwärmenutzung, Photovoltaik oder auch Kleinstwindkraftanlagen auf den Dächern. Im Bereich der Wasserversorgung werden die Wasserkreisläufe geschlossen, Schmutzwasser wird mittels Pflanzen gereinigt und wieder genutzt.»Zudem entwickeln wir passende Materialien und Werkstoffe zur Isolierung und zum Brandschutz oder besonders leichte Materialkomponenten. Ebenso integrieren wir vermehrt Biokunststoffe auf Basis nachwachsender Rohstoffe. Weitere Schwerpunkte werden Konzepte zur optimalen Flächennutzung und Ernteunterstützung sowie zur Nachhaltigkeitsbewertung sein. Gerade für Supermarktbetreiber kann das inFARMING-Konzept ein interessanter Ansatz für die Planung zukünftiger Filialen sein«, beschreibt Projektleiter Volkmar Keuter die Aktivitäten des Instituts.

Aber auch international stößt das Konzept auf breites Interesse. Bei der Konferenz »Greener Cities« in Vietnam (Saigon, Hanoi) im Dezember 2010 im Rahmen der Deutsch-Vietnamesischen Zusammenarbeit präsentierte Fraunhofer UMSICHT sein Know-how in diesem Bereich. »Gerade in den entstehenden Megacities in Asien spielt die urbane Landwirtschaft unter dem Aspekt der Ernährungssicherheit und -gesundheit eine immer größere Rolle, die integrierte Nutzung der Ressourcen eines Gebäudes führen zu neuen Ideen und Möglichkeiten «, erklärt Simone Krause, Projektmitarbeiterin bei UMSICHT. Rund 120 Teilnehmer aus Forschungsinstituten, öffentlichen Einrichtungen und Universitäten nahmen an den Konferenzen teil. Stadtentwicklung, Umweltschutz in Städten, soziale Aspekte von Grünflächen und städtische Nutzungskonzepte waren Themen dieses erfolgreichen Austauschs mit dem Land Vietnam.

Wissenschaftler aus den Bereichen Ernährung, Energie- und Wasserwirtschaft, Ingenieure und Architekten haben bereits verschiedene Ansätze der gebäudeintegrierten Landwirtschaft umgesetzt wie zum Beispiel in Greenpark Venlo (Venlo), Science Barge (Hudson River), Green Port (Shanghai) oder Greenport India (Bangalore).
Projektpartner oder Wirtschaftsunternehmen, die Interesse an der Gestaltung innovativer Lösungen für das inFARMING haben, sind eingeladen, sich dem Projekt anzuschließen und es mitzugestalten.

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“Endlösung” Export: Wird deutscher Atommüll in russisches Erdreich gepumpt?

Montag 22. November 2010 von birdfish

Majak ist einer der am schlimmsten verstrahlten Orte der Welt. Bald könnte auch deutscher Atommüll die Region im Ural verseuchen.

Mutter mit krankem Kind
Milia Saidhugina (20) mit ihrem Baby Marcel. Das Kind hat Zysten im Kopf und war schon achtmal im Krankenhaus. – Foto: Robert Knoth / Greenpeace

Die sächsische Landesregierung will die abgebrannten Brennelemente aus dem früheren Forschungsreaktor Rossendorf in die Wiederaufarbeitungsanlage Majak schaffen lassen. Seit 2005 lagern sie im Zwischenlager Ahaus.

In Russland werden flüssige heiße Atomabfälle aus der Wiederaufarbeitung mehr als 200 Meter tief in die Erde injiziert. Üblich ist diese Praxis in der Nähe der Atomanlagen von Tomsk, Dimitrowgrad und Krasnojarsk. In einem neuen Gesetz “Über den Umgang mit radioaktiven Abfällen” soll das Verfahren jetzt rechtlich abgesichert werden. Die zweite Lesung des Gesetzes war für den 17. November vorgesehen, wurde aber angesichts der Proteste in Russland und Deutschland gegen den geplanten Atommülltransport vertagt. Bis Ende 2010 soll es aber verabschiedet werden.

Die 951 Brennelemente aus Rossendorf sind sowjetischer Herkunft. Medienberichten zufolge hat Russland eine Rücknahmepflicht aus internationalen Abkommen. Diese ende aber, wenn die Transporte nicht spätestens Ende 2010 beginnen und bis zum 16. April abgeschlossen seien. Hamburg und Bremen haben einen Transport über ihre Häfen bereits abgelehnt.

Deutscher Atommüllexport nach Russland illegal

Greenpeace fordert die sofortige Offenlegung des geheimen Vertragsentwurfs zwischen der sächsischen Regierung und dem russischen Staatskonzern RosAtom. Auch der Staatsvertrag zwischen der Bundesregierung und der Regierung der Russischen Föderation soll veröffentlicht werden.

“Wir haben die Nase voll von Geheimverträgen zu Atomfragen. Atomminister Röttgen und das Land Sachsen müssen jetzt alle Papiere offen auf den Tisch legen”, sagt Greenpeace-Atomexperte Tobias Münchmeyer. “Atommüll in ein Land zu schicken, das radioaktive Abfälle einfach unter die Erde pumpt, ist wahnwitzig. Kein anderes Land der Erde geht so arglos mit Atommüll um wie Russland. Sächsischer Atommüll hat dort nichts zu suchen.”

Der geplante Transport von Ahaus nach Majak ist nach deutschem Recht illegal. Das deutsche Atomgesetz regelt in Paragraph 9a, dass radioaktiver Müll “schadlos verwertet oder als radioaktive Abfälle geordnet beseitigt werden (direkte Endlagerung)” muss. Das schließt die in Majak beabsichtigte Wiederaufarbeitung der sächsischen Brennelemente aus. Darüber hinaus verstieße die Ausfuhr des Atommülls gegen den Grundsatz der Bundesregierung sowie der Vorgängerregierungen, beim Umgang mit Atommüll nach dem Prinzip der “nationalen Verantwortung” zu verfahren.

Majak – der alltägliche GAU
Fluss Tetscha ist hochgradig radioaktiv belastet
Die Tetscha ist hochgradig radioaktiv belastet – Schwimmen, Trinkwasserentnahme oder Gemüseanbau an seinen Ufern sind verboten – Foto: Robert Knoth / Greenpeace

Der Atomkomplex Majak an der russisch-kasachischen Grenze war ab den 1940er Jahren das Zentrum der sowjetischen Plutonium-Gewinnung und Atomwaffen-Herstellung. Im September 1957 führte ein defektes Kühlsystem zur Katastrophe: Ein Tank mit hochradioaktiver Flüssigkeit explodierte, eine gewaltige radioaktive Wolke stieg auf und verseuchte große Teile der Region. Tausende Menschen starben, Dörfer und Städte mussten umgesiedelt werden.

Das Unglück wurde bislang nur von Tschernobyl übertroffen. Kleinere Havarien jedoch waren an der Tagesordnung, schon der alltägliche Betrieb war eine permanente Umweltkatastrophe. Flüssige radioaktive Abfälle wurden viele Jahre lang in die Tetscha geleitet. Der Fluss versorgte 120.000 Menschen mit Trinkwasser. Die gesundheitlichen Folgen waren verheerend. Im Dorf Musljumowo, 30 Kilometer vom Atomkomplex entfernt, gibt es bis heute kaum gesunde Menschen.

“Es ist nicht nur unmoralisch sondern auch ungesetzlich, deutschen Atommüll nach Russland abzuschieben. Atomminister Röttgen muss diesen Transport stoppen”, sagt Tobias Münchmeyer. “Die Umgebung der Atomanlage in Majak gehört schon heute zu den am stärksten verstrahlten Regionen der Erde.”

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