KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

CO2-Ausstoß durch Autos 2009 gesunken – weiteres CO2-Einsparpotenzial ist vorhanden

Mittwoch 17. Februar 2010 von birdfish

Eine Untersuchung der Kfz-Zulassungen zeigt, dass die Umweltprämie des Jahres 2009 Potenziale für weitere CO2-Einsparungen im Autoverkehr mit sich gebracht hat.
Autoverkehr
CO2-Einsparpotenziale vorhanden – (c) Rainer Sturm / Pixelio
Gleichzeitig wird aber auch klar, dass Politik, Wirtschaft und Verbraucher noch mehr tun können, um einen Beitrag zur CO2-Reduktion im Straßenverkehr zu leisten. Zu diesem Schluss kommt eine Untersuchung des Centrums für Evaluation (CEval) der Universität des Saarlandes. In der Studie wurden die Kfz-Zulassungen der Jahre 2008 und 2009 untersucht. Die Studie ist im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv) entstanden.

Der Vergleich der in den Monaten Januar bis Juli der Jahre 2008 und 2009 neu zugelassenen Autos zeigt, dass neben einem längerfristigen Trend zum Kauf kleinerer Autos insbesondere die Sondereinflüsse Wirtschaftskrise und die sogenannte Abwrackprämie dazu geführt haben, dass die durchschnittliche CO2-Emission um sieben Prozent gesunken ist.

Ein vertiefter Blick auf die Pkw-Klassen, die von der Abwrackprämie am meisten profitiert haben, macht allerdings deutlich, welches Potenzial an CO2-Ersparnis der technische Fortschritt darüber hinaus ermöglicht hätte. Während der Verkehrsclub Deutschland (VCD) beispielsweise für die Kompaktklasse einen CO2-Ausstoß von maximal 120 Gramm pro Kilometer empfiehlt, lagen 2009 78 Prozent der im untersuchten Zeitraum zugelassenen Kompaktwagen deutlich über diesem Grenzwert.

Dies bedeutet einerseits, dass Politik und Wirtschaft mehr tun sollten, um den Absatz besonders umweltfreundlicher Pkw zu forcieren. Dazu gehört neben der Steuer- und Förderpolitik auch die Information der Verbraucher in Werbung und Verkauf.
Andererseits sind auch die Verbraucher aufgerufen, ihrem in aktuellen Umfragen geäußerten Klimabewusstsein Taten folgen zu lassen. Schließlich haben sie nicht nur durch ihre Kaufentscheidung, sondern auch durch ihr Nutzverhalten die Möglichkeit, ihre persönliche CO2-Bilanz zu beeinflussen. So wird beispielsweise die Menge CO2, die bei der Herstellung eines Kompaktwagens freigesetzt wird, bei einer jährlichen Fahrleistung von 5000 Kilometern über die Lebensdauer des Wagens verdoppelt, bei 15000 Kilometern Laufleistung pro Jahr aber bereits verfünffacht.

Viele Angebote der Verbraucherzentralen, des VCD und einer Reihe weiterer Verbände unterstützen Verbraucher, die sich möglichst umweltbewusst fortbewegen möchten. Unter Federführung des Verbraucherzentrale Bundesverbandes werden sie im Rahmen des vom Bundesumweltministerium geförderten Projekts “für mich. für dich. fürs klima.” mit zahlreichen Aktionen und Beratungen über Einsparmöglichkeiten informiert.

Verbraucherportal zum Klimaschutz

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Große Mehrheit der Deutschen will Merkel zum UN-Klimagipfel in Kopenhagen sehen

Freitag 6. November 2009 von birdfish

Eine neue Infratest-Umfrage beschäftigt sich mit Merkels Engagement bei den Klimaverhandlungen.

Angela Merkel
Angela Merkel – (c) ℵ / Wikipedia

Angesichts der kritischen Situation bei den UN-Klimaverhandlungen möchte die Mehrheit der Deutschen größeres persönliches Engagement von Bundeskanzlerin Angela Merkel, um die Klimaschutzkonferenz in Kopenhagen zum Erfolg zu führen.

Nach einer aktuellen repräsentativen Umfrage von Infratest dimap im Auftrag der Kampagne KlimakanzlerIn gesucht wollen 90 Prozent der wahlberechtigten Deutschen, dass Angela Merkel im Dezember persönlich am entscheidenden UN-Klimagipfel in Kopenhagen teilnimmt. Unter den Anhängern von CDU/CSU wollen sogar 95 Prozent, dass die Kanzlerin dem Beispiel des britischen Premiers Gordon Brown folgt, der eine Gipfelteilnahme bereits angekündigt hat. Zudem sind 82 Prozent der Deutschen der Meinung, dass Angela Merkels Ansehen steigt, würde sie eine führende Rolle beim Kampf gegen den Klimawandel einnehmen.

„US-Präsident Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel müssen jetzt Kopenhagen zur Chefsache machen und beide zum Gipfel fahren,“ sagte Avaaz-Sprecher Julius van de Laar.

„Die Bundeskanzlerin kann die USA nur für mehr Engagement im Klimaschutz gewinnen, wenn sie mit gutem Beispiel vorangeht,“ sagte Christoph Bals, politischer Geschäftsführer von Germanwatch, einem Mitglied bei KlimakanzlerIn gesucht. „Sie muss deutlich machen, dass die EU die längst zugesagten Gelder für die internationale Armutsbekämpfung nicht noch einmal für den Klimaschutz versprechen wird.“

Infratest Dimap Umfrageergebnisse finden Sie hier (pdf)

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Große Mengen nachhaltigen Palmöls sind auf dem Markt – ohne gekauft zu werden

Freitag 30. Oktober 2009 von birdfish

Die Mehrheit der Palmöl nutzenden Unternehmen in Europa kauft kein zertifiziertes Palmöl aus umweltverträglichem Anbau, obwohl dieses in großen Mengen auf dem Markt erhältlich ist.

Kahlschlag für das Palmöl
Der Kauf von Palmöl aus Regenwaldrodung trägt Mitschuld am Klimawandel – (c) Peter Prokosch / WWF

So ein diese Woche veröffentlichter WWF-Bericht. Die „Palmöl Scorecards“ untersuchen erstmalig die Einkaufspolitik der 59 bekanntesten Händler und Hersteller in Europa, die Palmöl kaufen und in ihren Produkten nutzen. Sie wurden anlässlich des Treffens der weltgrößten Palmöl-Produzenten, Händler und Käufer, dem Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl (RSPO) erstellt, der vom 2. bis 4. November in Kuala Lumpur stattfindet.

Zehn der 59 vom WWF befragten Unternehmen nutzen bereits nachhaltiges Palmöl, sind Mitglied im RSPO und überprüfen die Herkunft der von ihnen verwendeten Öle. „Diese Unternehmen zeigen, dass ein Umstieg auf nachhaltiges Palmöl machbar ist“, erklärt Martina Fleckenstein, Leiterin Agrarpolitik des WWF Deutschland. Allerdings sei auch bei diesen Top 10 noch Verbesserungspotential vorhanden. „Langfristig sollten die Unternehmen zu 100% auf zertifiziertes Palmöl umsteigen“, so Fleckenstein.

Zwölf der befragten Unternehmen erzielten in dem aktuellen Bericht Null Punkte. Sie unternehmen absolut nichts, um auf nachhaltiges Palmöl umzusteigen. „Es ist ein Armutszeugnis, dass bei diesen Unternehmen kein Interesse vorhanden ist, die Regenwaldrodung durch Palmöl-Anbau zu stoppen“, erklärt Martina Fleckenstein.  Palmöl ist einer der wichtigsten Rohstoffe für die Produktion vieler Alltagsprodukte, darunter Margarine, Schokolade, Shampoo und Fertigbackwaren wie Pizza. Für den Anbau werden jedoch meist riesige tropische Waldflächen gerodet und zahlreiche bedrohte Tier- und Pflanzenarten vernichtet. Die Rodung der Regenwälder sowie die Trockenlegung der Feuchtgebiete tragen außerdem zum Klimawandel bei.

Zertifiziertes Palmöl aus umweltverträglichem Anbau ist bereits seit November 2008 auf dem Markt, insgesamt mehr als eine Million Tonnen. Davon wurden bislang rund 19% (195.000 Tonnen) verkauft. „Mit dieser ersten Bestandsaufnahme wollen wir ein Problembewusstsein schaffen und die Nachfrage nach zertifiziertem Palmöl fördern“, so Martina Fleckenstein. Es gehe nicht darum, den Einsatz von Palmöl grundsätzlich zu verurteilen, da viele Länder auf die Produktion angewiesen seien. „Die Herstellung muss jedoch nachhaltig erfolgen und die Händler in Europa haben die Macht und die Verantwortung, das zu beeinflussen und so die Zerstörung des Regenwaldes zu stoppen“, so Fleckenstein.

Zur Methodik: Die „Palmöl-Scorecards“ wurden mit Hilfe eines zweistufigen Verfahrens innerhalb von sechs Monaten erstellt. In der ersten Phase wurde das Verhalten der Unternehmen anhand öffentlich zugänglicher Daten, wie Nachhaltigkeitsberichten, analysiert. Auf dieser Basis wurde eine erste Bewertung an die befragten Unternehmen geschickt. In einem zweiten Schritt konnten die Unternehmen bis Ende September 2009 darlegen, welche Schritte sie außerdem in Bezug auf nachhaltiges Palmöl eingeleitet haben. Die finale Bewertung setzt sich aus beiden Datenquellen zusammen. Der Ersatz von Palmöl durch andere pflanzliche Öle wurde in diese erste Bewertung nicht einbezogen. Die Palmöl-Scorecards werden alle zwei Jahre veröffentlicht. In die zukünftigen Bewertungen werden weitere Unternehmen und Kriterien mit einbezogen.

WWF-Bericht “WWF Palm Oil Buyers’ Scorecard 2009″ (PDF, engl.)

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Koalition auf Laufzeitverlängerung festgelegt – Finanzierung von Ökoenergien unsicher

Montag 19. Oktober 2009 von birdfish

Irgendwann soll der Anteil Erneuerbarer Energien 100 Prozent betragen. Da seien sich die Koalitionsparteien einig.

Biblis: Risiken wachsen
Auch im AKW Biblis ist das Sicherheitsproblem vorhanden – (c) setcookie / Pixelio

“Wir haben einen großen Schwerpunkt, und das ist ein wesentlicher Schwerpunkt, auf die regenerativen Energien gelegt.” so Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU).
Was sich zunächst positiv anhört wird jedoch zugleich relativiert mit der Botschaft, dass sich CDU und FDP auf längere Atom-Laufzeiten festgelegt haben. Mit dem beschwichtigenden Zusatz, dass die Atomkraft jedoch nur eine Übergangstechnologie sei. Ein Energiekonzept der Koalition soll es bereits geben, die geänderten Laufzeiten der maroden Atomkraftwerke wurde jedoch noch nicht fixiert. Die “Berliner Zeitung” will jedoch aus Koalitionskreisen erfahren haben, dass die Atommeiler 10 Jahre länger laufen sollen als seinerzeit festgelegt.
Obgleich die Aussage, dass Atomkraft für preiswerten Strom sorgt, durch zahlreiche, seriöse Studien widerlegt wurde und diverse Umfragen in der Bevölkerung bereits konstatierten, dass diese das Märchen vom Geldsparen durch Atomstrom nicht mehr glauben (gerade mal 4% glaubten daran nach einer Infratest-Umfrage im September), trotz allem wird in Berlin immer noch verkündet, dass die Laufzeitverlängerungen für einen günstigeren Strompreis sorgen werden. Klar ist jedoch, dass es Milliarden von Euro zusätzliche Gewinne gibt durch die längeren Laufzeiten. Geld, dass die Regierung gern abschöpfen würde.

Dass die Planungen für den Ausbau Erneuerbarer Energien bereits gut gediehen sind, das meint auch Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU). Allerdings ergänzt sie auch, dass da einiges noch unter Finanzierungvorbehalt stünde. Die Solarförderung zum Beispiel.

Und schließlich überrascht die Koalition auch in der Endlagerfrage nicht. Trotz Bekanntwerdens, dass Gorleben niemals als Untersuchungsobjekt in Frage gekommen wäre. Trotz Bekanntwerdens, wie in Sachen Gorleben getrickst und gekungelt wurde, hält man am Standort fest. Aller Widerstände zum Trotz wollen Union und FDP Gorleben als Endlager weiter untersuchen lassen. Sie haben schließlich keine vorzeigbare Alternative.


LichtBlick

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Planungen der neuen Bundesregierung sind eine Kampfansage gegen den Klimaschutz

Donnerstag 15. Oktober 2009 von birdfish

KOMMENTAR

Immer wieder wurde gebetsmühlenhaft auf das Schreckgespenst “Stromlücke” hingewiesen, wenn es um die Energiewende ging.

Atomkraft
(c) S. Hofschlaeger / Pixelio

Obgleich zahlreiche Gutachten und Studien bereits anderes besagten, hielten die konservativen Parteien der Atom- und Kohlelobby die Stange und verlautbarten, dass es ohne Laufzeitverlängerungen der Atomkraftwerke und den Bau zahlreicher neuer Kohlekraftwerke nicht ging. Dafür ist man auch bereit, das gefährliche CO2 quer durch die Republik zu transportieren, um es dann dort in die Erde zu pumpen. Offenbar sitzen die Erfahrungen, um das Endlagerproblem für Atommüll mit den Gorleben-Tricksereien und den Asse-Sicherheitsproblemen immer noch nicht tief genug, dass man sich Frohgemuts in neue potenzielle Probleme begeben mag. Nicht einen Moment des Innehaltens in Anbetracht dessen, dass man das unliebsame Problem des Atommülls auf den Rücken Schwächerer austrägt?

In Russland lagern tausende Tonnen giftige Abfälle aus der Herstellung von atomaren Brennelementen für deutsche Reaktoren. Erst kürzlich war bekannt geworden, dass Frankreich ebenfalls solche Abfallprodukte nach Russland schickt und die Aufregung darüber war groß. Die deutschen Atommüll-Ausfuhren sind allerdings zehnmal größer. 27.300 Tonnen Uran wurden nach Sibirien geliefert!!!. Und es ist den deutschen Verantwortlichen herzlich egal, was dort damit passiert und welche Gesundheits- und Umweltgefahren damit in Russland einhergehen.

Was CDU und FDP dazu einfällt ist lediglich ein: Weiter so! In Teilen der CDU propagiert man sogar schon laut, wieder neue Atomkraftwerke zu bauen. Selbst die Bundeskanzlerin ist dem ja nicht abgeneigt, wie man aus diversen Äußerungen zweifelsohne entnehmen kann. [Bundeskanzlerin Merkel am 15.06.2009: “Wenn ich sehe, wie viele Kernkraftwerke weltweit gebaut werden, wäre es jammerschade, wenn Deutschland aussteigen würde.”]

Und das alles gegen den Willen der Bevölkerung. Mehrere seriöse Umfragen ergaben, dass es mittlerweile nur noch einen geringen Prozentsatz in der deutschen Bevölkerung gibt, der auch nur die Laufzeitverlängerungen gutheißt. Das Gesetz zur CO2-Verpressung musste gar bis zur Bundestagswahl auf Eis gelegt werden, weil man den Protesten aus der Bevölkerung nichts entgegen zu setzen hatte.

Wenn heutzutage zigtausend Menschen gegen Atomkraft auf die Straße gehen, dann sind das keine “Ökospinner”, sondern Menschen, die mit ihrer Auffassung die Mehrheit der Bevölkerung repräsentieren und sich durch eine Vielzahl wissenschaftlicher Studien in ihren Tun bestätigt sehen können.

Nun soll von CDU/CSU und FDP alles durchgeboxt werden, obwohl sogar das Umweltbundesamt sich noch eingeschaltet hat mit dem Aufruf an die neue Bundesregierung, sie möge begreifen, dass es “die Stromlücke” nicht gibt und die Regierung keinesfalls auf Atom- und Kohlekraft setzen müsse.

Das ist CDU/CSU und FDP aber egal, weil es ohnehin nur ein Alibi-Argument war. Dass die Erneuerbaren Energien zurückgefahren werden sollen, das zeigt sich ja auch in anderen Bereichen. Die Koalition hat noch gar nicht richtig angefangen, da beschließt sie gleich erstmal, die Förderung für Solarstromanlagen zurückzufahren.

Eindeutiger geht es kaum, in welche Richtung es gehen soll. Oder doch? Na klar! Man hätte gern, dass der Bereich der Erneuerbaren Energien aus dem Umweltministerium herausgenommen wird. Überhaupt gehört alles, was klimarelevant ist, doch ins Wirtschaftsministerium, oder?

Auch ist man offenbar der Meinung, dass die Ärmsten der Armen in der Welt in Deutschland eine zu große Lobby haben. Die CDU/CSU-FDP-Koalition will offenbar nicht anerkennen, dass viele Entwicklungsländer schon heute existenzbedrohende Klimaveränderungen hinzunehmen haben, die aus den Emissionen anderer, nämlich der Industrieländer, wie Deutschland eines ist, resultieren.  Das Geld steckt man doch besser in Subventionen für Atomkraftwerke [Bis 2008 mindestens 165 Milliarden Euro an staatlichen Fördermitteln für die Atomkraft - und die Förderung läuft weiter.]. Das Entwicklungshilfeministerium kann nach Meinung der Koalitionäre einfach aufgelöst werden. Die Entscheidung hierüber wird vermutlich am kommenden Wochenende fallen.

Bei diesen Rahmenbedingungen dürfen sich deutsche Klimaschützer warm anziehen.

Dagmar Struß

A propos Klimagerechtigkeit. Diesen von Germanwatch prämierten Film sollten Sie gesehen haben!




LichtBlick

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Atomkraftgegner: “Fonds für Erneuerbare Energien ist ein vergiftetes Angebot”

Donnerstag 8. Oktober 2009 von birdfish

Rund 1.500 Atomkraftgegner haben in Berlin sportlich gegen Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke protestiert.

Anti Atom Demo
Renaissance der Anti-Atom-Bewegung – (c) BUND

Sie joggten, walkten, radelten oder spazierten von der CDU-Zentrale bis zur Landesvertretung von Nordrhein-Westfalen, wo die erste Runde der Koalitionsverhandlungen von Union und FDP stattfand. Zu der Aktion unter dem Motto “Warmlaufen für den Widerstand – Atomkraft kaltstellen.” hatten der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), die Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt und das Kampagnennetzwerk Campact aufgerufen.

“Diese Aktion zeigt deutlich: Wer am Atomausstieg rüttelt, wird ein Comeback der Anti-Atom-Bewegung erleben“, so Christoph Bautz von Campact. “Alle Umfragen belegen, dass die Mehrheit der Menschen und sogar der Anhänger von Schwarz-Gelb am Atomausstieg festhalten will. Die kommende schwarz-gelbe Regierung muss sich gut überlegen, ob sie die Gesellschaft mit einem Ausstieg aus dem Atomausstieg spalten will.”

Der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger bezeichnete den Vorschlag der Energiekonzerne, Zusatzgewinne aus längeren AKW-Laufzeiten in Erneuerbare Energien zu investieren, als “ein vergiftetes Angebot”, mit dem sich die Bevölkerung jedoch nicht ködern lasse. Seit Jahren werde die Atomkraft durch das Verzichten auf Nachrüstungen, eine Brennelementesteuer und ausreichende Haftpflichtversicherungen gegen Störfälle subventioniert. “Diese Subventionen zu streichen wäre jetzt die richtige Antwort, nicht aber verlängerte AKW-Laufzeiten. Die unflexible Atomkraft hat keinen Platz in einer zukunftsfähigen Energieversorgung und bremst den Ausbau der Erneuerbaren Energien. Solange Energiekonzerne Millionen Euro mit ihren alten und abgeschriebenen Meilern scheffeln, fehlen entsprechende Anreize in Erneuerbare zu investieren. Wir werden um die Energiewende kämpfen und es der neuen Regierung nicht durchgehen lassen, uns weiter den unbeherrschbaren Risiken der Atomenergie auszusetzen. Wir werden weiter Druck machen, dass es zu keinen Laufzeitverlängerungen kommt, sondern dass Atomkraftwerke schnell vom Netz gehen.”

Union und FDP hatten in den letzten Tagen verlautbart, die Laufzeitverlängerung sei kein Selbstläufer. Auch könnten die ältesten Reaktoren möglicherweise von einer Laufzeitverlängerung ausgenommen werden.

Die Atomkraftgegner bleiben jedoch skeptisch: “Wir befürchten, dass die Atomfans aus Union und FDP Kreide fressen, um die atomkritische Stimmung im Land nicht noch weiter anzuheizen”, erklärt Jochen Stay, Sprecher von .ausgestrahlt. “Was zählt, sind deshalb klare Beschlüsse in den Koalitionsverhandlungen, wann welches AKW stillgelegt wird.”

BUND, .ausgestrahlt und Campact kündigten weitere Protestaktionen während der schwarz-gelben Koalitionsverhandlungen an.

Hier kann man sich per Protestbrief an die Koalitionspartner gegen die Pro-Atom-Politik wenden. Mehr als 86.000 Menschen haben seit der Wahl diesen offenen Brief unterschrieben.

Hier sehen Sie einen Filmbericht des SPIEGEL über die Anti-Atom-Aktion anlässlich der Koalitionsverhandlungen in Berlin.

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Heute TV-Duell – wird in der Endphase der Klima- und Naturschutz noch zum Thema?

Sonntag 13. September 2009 von birdfish

Am heutigen Sonntag findet das Fernsehduell zwischen Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier und Kanzlerin Angela Merkel statt.

Klimakanzler
Klimaschutz kein Thema?

Die Kanzlerin und ihr Herausforderer werden vor den Kameras zu den zentralen bundespolitischen Themen Stellung beziehen und versuchen, mit ihren Argumenten bei den Wählern zu punkten.

„Klima – und Umweltschutz werden von Merkel und Steinmeier im Wahlkampf kaum beachtet, dabei sind das die Themen, die laut Umfragen die Menschen mit am meisten bewegen“, kritisiert Alois Vedder vom WWF Deutschland. „Inhaltliche Diskussionen finden nicht statt, klare Positionierungen sucht der Wähler vergeblich.“ Man sei gespannt, ob Merkel und Steinmeier im Duell auch über wichtige umweltpolitische Inhalte sprechen werden. Wird Merkel erklären, wie sie die Treibhausgasemissionen in Deutschland bis 2050 auf fast Null reduzieren will? Wie will Frank-Walter Steinmeier die Entwicklungsländer dabei unterstützen, sich an den Klimawandel anzupassen?

„Beide Kandidaten haben bis heute nicht erklärt, wie sie die schlimmsten Folgen des Klimawandels begrenzen wollen, obwohl wir alle existenziell davon bedroht sind“, so Alois Vedder. „Sie verschlafen den Aufbruch in eine neue Ära zukunftsfähiger Technologien und Arbeitsplätze. Am Sonntag wollen wir die Wende sehen.“ Der WWF erwartet, dass der zukünftige Klimakanzler oder die Klimakanzlerin für die Menschen im Land einen optimistischen Kurs aufzeichnet, wie der Umstieg von Kohle- und Atomkraft zu den Erneuerbaren Energien geschafft werden kann, um damit neue Green Jobs zu schaffen.

Zu umweltpolitischen Themen äußere sich Angela Merkel in den Medien nur selten. Meist glänzt sie außenpolitisch mit ihrem Einsatz für den Klimaschutz, lobt Barack Obama für sein Klimagesetz oder beschwört die Führungsrolle Europas in der Klimapolitik. In Deutschland blockiert ihre eigene Partei dafür konkrete Umweltschutz-Maßnahmen.

Frank-Walter Steinmeier habe Angela Merkel lange die Führungsrolle bei Umwelt- und Klimathemen überlassen. Mit seinem „Deutschland-Plan“ habe er – wenn auch verspätet – inhaltlich nachgelegt und endlich erkannt, dass Umwelt- und Klimaschutz keine Arbeitsplätze gefährden, sondern sie schaffen. „Diese Botschaft ist bisher jedoch kaum bei den Menschen angekommen“, so Alois Vedder. Den Begriff Klimaschutz meide Steinmeier in Reden und Interviews als sei es ein Unwort. Führungskompetenz beim Schlüsselthema Klimapolitik zeigen weder Merkel noch Steinmeier. „Die Wähler bekommen bei beiden umweltpolitisch die Katze im Sack“, so Alois Vedder.

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Befragung der Holzbranche: immer noch zu viele dubiose Holzprodukte auf dem Markt

Donnerstag 10. September 2009 von birdfish

Die ökologischen Zugpferde der deutschen Holzbranche gehen immer konsequenter den Weg der verantwortungsvollen Holzbeschaffung.

Holz mit FSC-Siegel
Holzbranche soll beim Einkauf die FSC-Brille aufsetzen – (c) Dirk Baumbach / WWF

Allerdings folgt die große Mehrheit noch immer nicht dem Trend FSC (Forest Stewardship Council). Zu diesem gemischten Ergebnis kommt die diesjährige Unternehmensbefragung des WWF, die jetzt auf der Gartenmöbelmesse „spoga“ in Köln vorgestellt wurde. Rund 180 Betriebe wie Baumärkte oder Versandhändler waren zum sechsten Mal seit 2003 gebeten worden, Angaben zu ihrem Holzsortiment zu machen.

Die Studie wurde am Rande eines WWF-Events vor dem Messeeingang vorgestellt. Mit einer überdimensionalen Brille mit FSC-Logo begrüßte der WWF die Besucher der „spoga“ am Messeeingang Süd und rief Unternehmen auf, den Zugpferden der Branche zu folgen und endlich auch die „FSC-Brille“ aufzusetzen und ihre Einkäufe für die nächste Saison darauf auszurichten.

Wie aus dem Ranking hervorgeht, bieten die Unternehmen, die der WWF als „vorbildlich“ oder „auf einem guten Weg“ einschätzt, zusammen rund 3800 Holzartikel aus FSC an. Das entspricht einem Plus von 20 Prozent gegenüber 2007. „Vor allem bei Gartenmöbeln gibt es einen eindeutigen Trend hin zu FSC“, so Johannes Zahnen, Holzexperte beim WWF Deutschland. „Die Unternehmen, die auf FSC setzen, leisten nicht nur einen Beitrag im Kampf gegen kriminellen Holzhandel, Raubbau an den Regenwäldern und für soziale Gerechtigkeit; sie sichern sich auch langfristig Marktanteile“.

Allerdings sind es nach wie vor erst 18 Unternehmen, die der WWF in seinem Ranking als „vorbildlich“ oder „auf einem guten Weg“ einstuft. Lediglich zwei Unternehmen (Garvida und Landmann-Peiga) schätzt der WWF als vorbildlich ein, da sie nahezu ausschließlich Produkte aus FSC-Holz anbieten. 16 Unternehmen sind „auf einem guten Weg“, darunter die großen Baumärkte Hornbach, Max Bahr, OBI und Praktiker. Bei 17 Unternehmen sieht der WWF in seinem Ranking Nachholbedarf. Allerdings setzen sich auch diese Firmen mit dem Thema nachhaltige Waldbewirtschaftung auseinander und bieten FSC-zertifizierte Produkte an.

„Da sich 145 Betriebe gar nicht erst an der Befragung beteiligt haben, gehen wir davon aus, dass für die meisten von ihnen verantwortungsvolle Holzbeschaffung leider immer noch kein Thema ist“, so Johannes Zahnen. „Wir würden uns wünschen, dass diese Unternehmen einsehen, dass sie auf dem Holzweg sind: ökologisch und betriebswirtschaftlich“.

Vor allem im Internet werden oft Tropenholz-Gartenmöbel ohne FSC-Zertifikat aus den Urwäldern Südamerikas und Südost-Asiens bedenkenlos und in großem Stil gehandelt. Allein Indonesien ist durch die gnadenlose Waldvernichtung zum drittgrößten CO2 Emittent der Welt geworden, Orang-Utans haben kaum noch eine Überlebenschance. Aktuellste Entwaldungszahlen des WWF für Indonesien haben kürzlich die Dramatik aufgezeigt. Bis zum Jahr 2020, so der Trend, werden beispielsweise die Tieflandregenwälder Borneos weitgehend abgeholzt sein. Verantwortungsbewusste Firmen haben gegenüber ihren skrupellosen Konkurrenten das Nachsehen, weil Produkte mit illegalem Hintergrund in der Regel billiger sind. Da viele Unternehmen nicht freiwillig auf Nachhaltigkeit beim Holzimport achten, fordert der WWF einen politischen Rahmen.

„Die Europäische Union muss endlich die lange angekündigte Verordnung zum Verbot von Holzimporten mit illegalem Hintergrund verabschieden. Wichtig dabei ist, dass wir eine Verordnung bekommen, dessen Inhalte auch dazu geeignet sind, eine Verbesserung herbeizuführen. Wir dürfen jetzt nicht noch mehr Zeit verlieren“, fordert Johannes Zahnen.

Kunden können sich vor dem Kauf von Holzprodukten aus dubiosen Quellen und der damit verbundenen Vernichtung wertvoller Wälder schon heute schützen, indem sie auf das FSC-Siegel achten.

Diese Ranking-Tabelle gibt Aufschluss darüber, wer bereits vorwiegend FSC-Produkte verwendet und welche schwarzen Schafe gar nicht erst an der Befragung teilgenommen haben. (PDF)

Eingehende Informationen über das FSC-Siegel finden Sie hier.

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