KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

Deutsche Buchenwälder sind Weltnaturerbe – NABU fordert weitere Wald-Nationalparke

Montag 4. Juli 2011 von birdfish

Fünf deutsche Buchenwaldgebiete wurden jetzt in die Liste der UNESCO-Weltnaturerbestätten aufgenommen.

700 Jahre alte Buche
700 Jahre alte Buche – Foto: Frank Baldus

NABU-Präsident Olaf Tschimpke dazu: „Die Ernennung ist eine hohe Auszeichnung für Deutschland. Damit sind diese Gebiete gleichgestellt mit der Serengeti in Ostafrika und dem Yellowstone Nationalpark in den USA. Das ist nicht nur ein enormer Imagegewinn für die Naturschätze Deutschlands, sondern auch ein deutliches Zeichen für die Verantwortung, die wir für diesen weltweit bedrohten Lebensraum tragen. Diese müssen wir ernst nehmen.“

Alte Buchenwälder gehören zu den am stärksten bedrohten Lebensräumen der Erde. Deutschland liegt im Zentrum des natürlichen Verbreitungsgebietes der Rotbuche und beherbergt etwa ein Viertel ihres Gesamtvorkommens. „Kein anderes Land hat einen vergleichbar hohen Anteil, zahlreiche Buchenwaldtypen gibt es nur bei uns“, erklärt Tschimpke. Besonders bedroht seien alte, naturnahe Buchenwälder mit urwaldähnlichen Strukturen und einer enormen Artenvielfalt von mehr als 4.000 Pflanzen und 6.700 Tierarten. „Solche Buchenwälder gibt es in Deutschland nur noch auf 0,16 Prozent der Waldfläche, dabei wäre die Bundesrepublik von Natur aus zu mehr als der Hälfte ein Buchenurwald.“

Derart geringe Anteile naturbelassener Wälder reichten nicht aus, um die biologische Vielfalt der Buchenwälder nachhaltig zu sichern. Die Bundesregierung und die Bundesländer müssten endlich dem Auftrag der nationalen Biodiversitätsstrategie folgen und bis 2020 auf mindestens fünf Prozent der Waldfläche ein Netzwerk von Urwäldern schaffen. „Wir brauchen weitere Nationalparke, zum Beispiel im Steigerwald und im Teutoburger Wald. Die Kernzonen bestehender Biosphärenreservate sollten vergrößert werden“, so Tschimpke.

Bei der Bewirtschaftung von Buchenwäldern in den nach EU-Recht geschützten Natura-2000-Gebieten sieht Tschimpke dringenden Nachbesserungsbedarf. „Für diese Gebiete brauchen wir verbesserte Qualitätsstandards und verbindliche Managementpläne, hierfür müssen die Bundesländer ausreichend Finanzmittel bereitstellen.“

UNESCO-Weltnaturerbe „Alte Buchenwälder Deutschlands“

Echte Buchen-Urwälder sind in Deutschland bis auf kleinere Relikte längst verschwunden und nur noch im östlichen Mitteleuropa, vor allem in den Karpaten, zu finden. Seit Juni 2007 sind zehn dieser Gebiete in der Slowakei und der Ukraine als Weltnaturerbe ausgewiesen. Seit einiger Zeit können sich jedoch auch in Deutschland wieder Wälder in Nationalparken oder Naturwaldreservaten natürlich entwickeln. Die Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Thüringen und Hessen haben daher einen gemeinsamen Antrag erarbeitet, der die Aufnahme fünf deutscher Buchenwaldgebiete in die Liste der UNESCO-Weltnaturerbestätten begründet.

Nach drei Jahren Vorbereitung wurde der Antrag nun dem UNESCO-Welterbekomitee vorgelegt. Jetzt hat das Welterbekomitee dem Antrag Deutschlands stattgegeben. Damit werden die in den Karpaten beheimateten Gebirgsbuchenwälder durch fünf Tiefland- und Mittelgebirgsbuchenwälder in Deutschland ergänzt.

Die fünf UNESCO-Buchwaldgebiete in Deutschland sind:

1. Nationalpark Jasmund (Mecklenburg-Vorpommern)
2. Müritz-Nationalpark (Mecklenburg-Vorpommern)
3. Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin (Brandenburg)
4. Nationalpark Hainich (Thüringen)
5. Nationalpark Kellerwald-Edersee (Hessen)

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Nordfriesische Halligen sollen Strategien gegen die Klimawandelfolgen erhalten

Freitag 7. Januar 2011 von birdfish

Wissenschaftler aus Siegen, Aachen, Göttingen und Schleswig-Holstein entwickeln Konzepte zur Sicherung der Halligen.

Halligen sind noch nicht für den Klimawandel gewappnet
Halligen sind noch nicht für den Klimawandel gewappnet – Foto: Irene Lehmann / Pixelio

Die Ergebnisse des Forschungsvorhabens sollen zum dauerhaften Schutz der Weltnaturerbes Wattenmeer beitragen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Projekt mit rund 1 Million Euro. Die Koordination erfolgt durch das Forschungsinstitut Wasser und Umwelt (fwu) der Universität Siegen unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr.-Ing. Jürgen Jensen.
Der Schriftsteller Theodor Storm nannte sie „Schwimmende Träume“ und in der Tat sind die zehn nordfriesischen Halligen an der Westküste Schleswig-Holsteins weltweit einzigartig. Die von der Nordsee umspülten und zeitweise überspülten Inseln zählen seit 2009 zum UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer. Mit einer Größe von ca. 9000 km² ist das Wattenmeer der Nordsee eines der größten Feuchtgebiete der Welt und hat neben der ökologischen und kulturhistorischen Bedeutung auch großen Einfluss auf den Küstenschutz an der Festlandküste. Die Halligen stellen hier in ihrer exponierten Lage eine einzigartige Naturerscheinung dar, die es zu schützen gilt.

Während bei den Nachbarinseln Amrum oder Föhr Deiche vor Sturmfluten schützen, ist dies bei den Halligen nicht der Fall. Stattdessen stehen die Gebäude hier auf künstlich aufgeworfenen Erdhügeln. Tritt eine Sturmflut ein, welche die Inseln überfluten, ragen nur noch diese so genannten Warften aus dem Meer. So heißt es bis zu 50 Mal im Jahr „Land unter“ auf den Halligen. Für die rund 400 Inselbewohner ist dies zum Alltag geworden. Sie leben und arbeiten im Einklang mit der Natur. Die immer wiederkehrenden Überflutungen beeinflussen jedoch den Zustand der Inseln.

Während viele Folgen und Konsequenzen des Klimawandels noch nicht wissenschaftlich abgesichert sind, ist der Meeresspiegelanstieg gesichert. Dieser hat direkte Auswirkungen auf die Überflutungshäufigkeit und -intensität der Halligen und stellt damit eine existenzielle Gefährdung dar. Um die Entwicklung der Halligen zu untersuchen, haben sich die Wissenschaftler nun zusammengeschlossen und ihre Kompetenzen gebündelt. Unter Berücksichtigung des Klimawandels erforschen nun das fwu der Universität Siegen, das Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft sowie das Institut für Soziologie der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen, das geowissenschaftliche Zentrum der Universität Göttingen und die Landesbetriebe für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN-SH) die Zukunft eines weltweit einzigartigen Landschaftsraumes.

„Ziel dabei ist es, innerhalb von drei Jahren nachhaltige, Küstenschutz- und Bewirtschaftungsstrategien unter Berücksichtigung des Klimawandels zu entwickeln, welche die Bedeutung der Halligen im nordfriesischen Wattenmeer fokussieren und zum Erhalt des Weltnaturerbes beitragen“, erklärte Prof. Jensen. Teilergebnisse des Forschungsvorhabens – z. B. Analysen zu Meeresspiegeländerungen, Sturmfluten, Seegang – lassen sich dabei auch auf andere Küstenbereiche übertragen und leisten dadurch einen Beitrag zu anderen Forschungsprojekten. Nur auf der Grundlage eines umfassenden Prozessverständnisses kann die zukünftige Entwicklung des Wattenmeers sowie der Halligen und Inseln auf der Grundlage ausgewählter Szenarien abgeschätzt werden.

Durch die Erfassung des derzeitig vorhandenen Schutzstandards sollen risikoorientierte Gefährdungsanalysen durchgeführt werden, die als Grundlage zur Entwicklung neuer Küstenschutzstrategien dienen. Abschließend erfolgt eine Untersuchung der Akzeptanz dieser Maßnahmen unter den Bewohnern der Halligen. Die Untersuchungen werden exemplarisch an den drei Halligen Langeneß, Nordstrandischmoor und Hooge durchgeführt. Als Referenzobjekte betrachten die Wissenschaftler zudem kleinräumig bedeichte Bereiche auf Norderney und Spiekeroog. Im Rahmen des Projektes werden dabei sowohl heutige, als auch zukünftige klimatische Randbedingungen berücksichtigt.

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2011 ist Internationales Jahr der Wälder – Privatisierung unserer Wälder stoppen

Mittwoch 5. Januar 2011 von birdfish

Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2011 zum “Internationalen Jahr der Wälder” erklärt.

CO2-Speicher Wald schützen
CO2-Speicher Wald schützen- Foto: Ingwer Hansen

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) will in diesem Jahr vor allem die Rolle der Wälder beim Schutz der Artenvielfalt ins Blickfeld rücken. “Der Wald ist nicht primär ein Wirtschaftsgut für die Holzindustrie, er ist vor allem ein Refugium für viele seltene Pflanzen und Tiere. Darunter bedrohte Arten wie Luchs, Wildkatze, Rauhfußkauz und Grauspecht. Der Wald hat eine wichtige Funktion beim Klimaschutz und ist ein unverzichtbarer Erholungsraum für die Bevölkerung”, sagte die BUND-Waldexpertin Heidrun Heidecke. Auch Deutschland müsse beim Waldschutz zulegen. Nadelforste müssten in Mischwälder umgewandelt, Waldmoore renaturiert und mindestens fünf Prozent der Waldfläche aus der Nutzung genommen und als künftige Urwälder geschützt werden.

Heidecke: “Global gesehen ist bei jedem Wimpernschlag ein Hektar Wald verschwunden. Die Vernichtung der Wälder trägt weltweit ebenso viel zum Klimawandel bei wie die CO2-Emissionen aller Autos, Flugzeuge und Schiffe. Die internationale Gemeinschaft muss den Beschluss des Klimagipfels von Cancun vom letzten Dezember schnell umsetzen und mit Geldern aus dem Waldfonds zuerst den Erhalt der Regenwälder sichern.”

Der BUND werde sich in diesem Jahr vor allem für den Schutz der Buchenwälder einsetzen, sagte Heidecke. Bedenklich sei, dass inzwischen jede zweite Buche in Deutschland Schäden aufweise. Hauptursache seien die Emissionen aus Verkehr und Landwirtschaft. Hohe Stickstoffeinträge führten zur Versauerung der Böden und schädigten die Baumwurzeln. Da ein Viertel der weltweiten Buchenbestände hierzulande vorkomme, trage Deutschland für deren Erhalt eine besondere Verantwortung. Die Bemühungen der Bundesregierung, Buchenwälder in Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen 2011 von der UNESCO als Weltnaturerbe schützen zu lassen, will der BUND unterstützen. Bund und Länder seien jedoch gefordert, zusätzlich Buchenwälder wie jene im bayerischen Steigerwald als nutzungsfreie Nationalparks auszuweisen. Gestoppt werden müsse auch die weitere Privatisierung öffentlicher Waldflächen.

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Greenpeace: In Polen sollte mindestens die Hälfte des Urwaldes Schutzgebiet werden

Donnerstag 12. August 2010 von birdfish

Greenpeace-Aktivisten hat am Donnerstag vor der polnischen Botschaft in Berlin protestiert.

 Wisent im Bialowieza-Urwald
Ein Europäischer Wisent im Bialowieza-Urwald – Foto: Public Domain

Dabei übergaben sie der Pressesprecherin der Botschaft eine Protestnote von Greenpeace-Geschäftsführerin Brigitte Behrens. In Warschau campieren Aktivisten bereits seit mehreren Tagen auf dem Dach des Umweltministeriums. Sie wollen damit auf die Bedrohung des Bialowieza-Urwaldes aufmerksam machen.

Auch die polnischen Botschaften in Österreich, der Slowakei, Rumänien und Ungarn bekamen Besuch oder Protestbriefe von Greenpeace. Kein Wunder: als letzter Tiefland-Urwald Europas gehört der Bialowieza-Urwald zum UNESCO-Weltnaturerbe. Er beherbergt mehr als 12.000 Tierarten, 5.500 Pflanzen- und 3.500 Pilzarten. Viele seltene Arten nutzen den Wald als Rückzugsgebiet. Besonders wichtig ist Bialowieza für den Europäischen Wisent: 60 Prozent der wilden Wisente der Welt leben dort.

Polen schützt hundert Quadratkilometer des Waldes als Nationalpark. Die strengste Schutzstufe gilt jedoch nur für die Hälfte dieses Gebiets. Außerdem umfasst der Nationalpark nur ein Sechstel des polnischen Teils des Waldes. Auf der restlichen Fläche gewinnt der staatliche Forstdienst jedes Jahr mehr als 100.000 Kubikmeter Holz. Angeblich werde es in der näheren Umgebung benötigt. Greenpeace wirft der Forstbehörde jedoch vor, einen großen Teil in andere Regionen Polens zu verkaufen. Die Aktivisten fordern, dass jährlich nur noch 30.000 bis 40.000 Kubikmeter Holz geschlagen werden dürfen.

“Der Umweltminister muss das Abholzen der Wälder stoppen und sich für eine Ausweitung des Nationalparks aussprechen”, erklärt Greenpeace-Campaignerin Andrea Cederquist. “Wissenschafter warnen schon seit Jahren, dass die bisher geschützten Teile des Urwaldes nicht ausreichen, um die Kontinuität der ökologischen Prozesse zu gewährleisten.”

Greenpeace will das polnische Umweltministerium dazu bewegen, mindestens die Hälfte des polnischen Urwaldgebiets zu schützen. Bereits 2009 hatte der damalige Umweltminister zugesagt, den Nationalpark stark zu erweitern. Die Pläne scheiterten jedoch am Widerstand der Bevölkerung, die ihre wirtschaftlichen Interessen bedroht sah.

Wikipedia-Artikel über den Bialowieza-Nationalpark


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Wassermanagement ist in Lima wegen anhaltender Wasserknappheit notwendig

Mittwoch 21. April 2010 von birdfish

Bereits seit eineinhalb Jahren forscht eine Gruppe von Wissenschaftlern aus Deutschland und Peru gemeinsam an “LiWa”.

LiWa-Projektgruppe traf sich
LiWa-Projektgruppe traf sich in Suderburg – (c) Linda Kreis

Die Rede ist von einem Forschungsprojekt, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bis ins Jahr 2013 mit einem Gesamtvolumen von etwa 2 Millionen Euro gefördert wird. Neun Forschungseinrichtungen aus Deutschland und Peru arbeiten in diesem Projekt zusammen, darunter auch die Fakultät Bau-Wasser-Boden der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften in Suderburg. Ziel des Forschungsvorhabens ist die konzeptionelle Entwicklung von Lösungsvorschlägen für das nachhaltige Management von Wasser und Abwasser in der Metropolregion Lima.

Megastadt Lima

Lima ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt sowie das bedeutendste Wirtschafts- und Kulturzentrum von Peru mit zahlreichen Hochschulen, Museen und Baudenkmälern. Die Altstadt von Lima wurde 1991 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Mit rund 8 Millionen Einwohnern zählt die peruanische Hauptstadt zu den Megastädten. Etwa 3.000 Menschen verteilen sich derzeit auf einen Quadratkilometer Fläche Lebensraum. Experten prognostizieren bis zum Jahr 2025 weitere vier Millionen Menschen – und damit den Kollaps für die Metropolregion.

Ein wesentliches Problem, das es im Rahmen des LiWa-Forschungsprojektes bestmöglich zu entschärfen gilt, ist die extreme Wasserknappheit in Lima. Bereits seit Jahren kämpft die Metropolregion dagegen an. Die Hauptursache ist in der geografischen Lage zu sehen, denn Lima liegt an der Westküste von Peru. Während in großen Teilen von Peru – östlich der Anden – tropisches Klima herrscht, liegt Lima in der Küstenregion mit Wüstenklima. Es werden jährlich nur etwa 10 mm Niederschlag verzeichnet. Die Wasserversorgung hängt am “Tropf” des Schmelzwassers aus den Anden, das vor allem über den Rio Rimac Richtung Pazifik fließt. Aufgrund des steigenden Wasserverbrauchs wird jedoch zunehmend auch auf das Grundwasser zurückgegriffen mit der Folge, dass die Quellen übermäßig beansprucht sind.

“Erschwerend kommen die Auswirkungen des Klimawandels hinzu wie das Abschmelzen der Gletscher, die Erhöhung des Meeresspiegels sowie die damit verbundenen Veränderungen der Temperaturen und Niederschläge. Die Situation in Regionen, die bereits unter extremer Wasserknappheit leiden, wird sich weiterhin verschärfen”, sagt Prof. Dr. Artur Mennerich, Projektleiter LiWa an der Ostfalia Hochschule in Suderburg.

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Wattenmeer: es liegt noch vieles im Argen – Anpassung an Klimawandel ist notwendig

Donnerstag 11. März 2010 von birdfish

Die bevorstehende Konferenz der Anrainerstaaten des Wattenmeeres am 17. und 18. März auf Sylt hat nicht nur Grund zum Feiern.

Kind im Watt
Kind im Watt – (c) Ingwer Hansen

Auch nach Anerkennung des Wattenmeeres als Weltnaturerbe durch die UNESCO sieht der WWF viele ungelöste Probleme.  Es drohe eine weitere Industrialisierung des Wattenmeeres durch Kohlekraftwerke, Ölförderung und übertriebenen Hafenausbau. Die Fischerei auf Muscheln und Krabben sei noch nicht naturverträglich. Das Risiko von großen Schiffsunfällen mit dem Austritt von Öl oder Chemikalien wachse. Und der durch den Klimawandel beschleunigt ansteigende Meeresspiegel bedrohe das Wattenmeer auf lange Sicht sogar in seiner Substanz. Der Bundestag müsse deshalb wichtige Weichen für die Zukunft des Wattenmeeres stellen.

„Wir müssen heute beginnen, die Anpassung des Wattenmeeres an den Klimawandel vorzubereiten“ sagte Hans-Ulrich Rösner, Projektleiter Wattenmeer beim WWF Deutschland. „Dazu brauchen wir Forschungsarbeiten und Pilotprojekte, die zeigen, wie der künftige Schutz der Menschen vor Sturmfluten mit dem Erhalt der einmaligen Wattenmeerlandschaft auch bei steigendem Meeresspiegel in Einklang gebracht werden kann.“

Besonders kurz greifen die Konferenzvorbereitungen beim Thema Schiffssicherheit. Auch weiterhin soll das von der Internationalen Schifffahrtsorganisation im Jahr 2002 ausgewiesene „Besonders Empfindliche Meeresgebiet“ (PSSA) nur das Wattenmeer selbst umfassen -  ausgerechnet die Schifffahrtsrouten bleiben ausgenommen. „Die Schifffahrts- und Umweltministerien müssen endlich miteinander ins Gespräch kommen. Wir brauchen ein gemeinsames Konzept zur Vorbeugung gegen Schiffsunfälle, um die einmalige Wattenmeer-Natur, aber auch die Tourismuswirtschaft an der Nordsee vor den Folgen von Öl- und Chemikalienaustrittten schützen zu können“ fordert Rösner.

Beim Thema Bildung drohen bei der Wattenmeerkonferenz sogar Rückschritte. Zwar haben die drei Wattenmeerstaaten in den letzten Jahren mit der „Internationalen Wattenmeerschule“ ein vorbildliches Programm entwickelt. Mit ihm wurden Klassenfahrten in das Wattenmeer der Nachbarländer unterstützt und zahlreiche Hilfestellungen für die Informations- und Bildungsarbeit im Wattenmeer entwickelt. Ein ganzes Netzwerk von Infozentren in Dänemark, Deutschland und den Niederlanden kann so erfolgreicher arbeiten. „Doch ausgerechnet kurz nach der Anerkennung als Weltnaturerbe, die doch eigentlich ein Mehr an Bildungsarbeit erfordert, droht nun die finanzielle Aushungerung,“ sagt Rösner. „Der WWF fordert von der Wattenmeerkonferenz eine Fortsetzung und Ausweitung der Aktivitäten der Internationalen Wattenmeerschule.“

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Hamburger Wattenmeer Weltnaturerbe? Hansestadt beschließt die Nachmeldung

Mittwoch 24. Februar 2010 von birdfish

Der Hamburger Senat hat nun doch noch beschlossen, auch das Wattenmeer der Freien Hansestadt als UNESCO-Weltnaturerbe melden zu wollen.

Kind im Watt
Kind im Watt – (c) Ingwer Hansen

Das Gebiet des niederländischen, niedersächsischen und schleswig-holsteinischen Wattenmeeres war bereits im Juni vergangenen Jahres von der UNESCO als Erbe der Menschheit anerkannt worden. Hamburg hatte sich im Januar 2008 jedoch aufgrund von Konflikten im Senat aus der gemeinsamen Anmeldung ausgeklinkt. Seitdem liegt das hamburgische Wattenmeer mit den Inseln Neuwerk und Scharhörn wie eine Exklave inmitten des Weltnaturerbes. „Seit 1990 ist das Hamburger Wattenmeer Nationalpark. Dieser hat es verdient, auch Teil des Weltnaturerbes zu werden“, sagte Hans-Ulrich Rösner, Projektleiter Wattenmeer beim WWF Deutschland. Die Umweltschutzorganisation rechnet allerdings damit, dass die Hamburger Watt-Region erst in einigen Jahren den Weltnaturerbe-Status erhalten kann.

Konkret würde ein Anschluss des hamburgischen Wattenmeeres an das fast 10.000 Quadratkilometer große Weltnaturerbe dieses um rund 1,4 Prozent erweitern. Allerdings fehlt neben dem hamburgischen Teil auch noch das dänische Wattenmeer. „Dänemark will sein Wattenmeer in diesem Jahr zum Nationalpark ernennen. Danach sollte es dann baldmöglichst einen Antrag bei der UNESCO geben, das Weltnaturerbe um den dänischen und den hamburgischen Teil des Wattenmeeres zu erweitern“, forderte Rösner. Erst dann sei das große Ziel erreicht, das gesamte Wattenmeer als UNESCO-Welterbe gesichert zu haben.

Die Anerkennung als Weltnaturerbe im Juni 2009 durch die UNESCO erfolgte aufgrund der Einzigartigkeit des Wattenmeeres auch im globalen Vergleich. Dazu gehören die weltweit größten Wattgebiete, die anhaltenden geologischen Veränderungen sowie die Artenvielfalt. So ist das Wattenmeer Drehscheibe für den Zug von rund 10 Millionen Wat- und Wasservögeln aus einem arktischen Einzugsgebiet, welches von Nordost-Kanada bis Nord-Sibirien reicht. Die Anerkennung hatte der Region eine hohe Aufmerksamkeit gebracht. Auch die Tourismuswirtschaft war begeistert, erhofft man sich davon doch eine wirtschaftliche Stabilisierung. Doch mehr Gäste können auch ein Risiko für die Natur sein, und so empfahl die UNESCO gleichzeitig mit der Anerkennung, eine Strategie für einen umweltverträglichen Tourismus im Wattenmeer entwickeln. Erste Schritte hierzu sind gemeinsam mit der Tourismuswirtschaft erfolgt und der WWF erwartet von der im März auf Sylt stattfindenden internationalen Wattenmeerkonferenz hierfür Unterstützung.

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Meeresspiegelanstieg könnte verursachen, dass große Tiger-Population bald ausstirbt

Montag 25. Januar 2010 von birdfish

Eine der größten Tiger-Populationen der Welt könnte bis zum Ende des Jahrhunderts ausgestorben sein.

Indischer Tiger
Große Population des indischen Tigers könnte Aussterben – (c) Dieter Gutmann / WWF

Ihr Lebensraum, die Mangrovenwälder an der Küste von Bangladesch, ist nach den Ergebnissen einer vom WWF geleiteten Studie durch den vom Klimawandel verursachten Anstieg des Meeresspiegels bedroht.

„Wenn wir die Auswirkungen des Klimawandels nicht in den Griff bekommen, werden die Tiger in den Sundarbans nur mit Tauchausrüstung überleben können“, erklärt WWF-Tigerexperte Volker Homes. Auch wenn Tiger sowohl in den im Winter schneereichen Wäldern Russlands als auch im tropischen Regenwald überleben können. „Der von Wissenschaftlern prognostizierte Anstieg des Meeresspiegels würde die Anpassungsfähigkeit des Tigers mit sehr großer Wahrscheinlichkeit überstrapazieren“, so Homes.

Wenn nicht sofort Schutzmaßnahmen ergriffen werden, könnten die Mangroven-Wälder mit all ihren Naturschätzen, die Millionen Menschen ernähren, innerhalb der nächsten 50 bis 90 Jahre untergehen, so das Ergebnis der Studie, die im „Climatic Change“ Journal erschienen ist. Ein Anstieg des Meeresspiegels um 28 cm über den Stand des Jahres 2000 würde 96 Prozent des Tiger-Lebensraumes zerstören und die Population auf wenige Exemplare minimieren.

Tiger sind weltweit bereits durch Wilderei und die Abholzung der Wälder bedroht. Ihr Verbreitungsgebiet ist im letzten Jahrzehnt um 40 Prozent geschrumpft. „Tiger werden für ihr Fell gejagt, ihre Knochen werden illegal für die traditionelle asiatische Medizin genutzt und jetzt werden sie auch noch von den Auswirkungen des Klimawandels bedroht“, so Homes. „Wir befürchten, dass diese Vielzahl an Bedrohungen die majestätische Raubkatze an den Rand des Aussterbens bringen wird.“

Die Sundarbans sind die größten, zusammenhängenden Mangrovenwälder der Erde. Das UNESCO Weltnaturerbe verläuft entlang der Mündung des Ganges in Indien und Bangladesch. Sie sind nicht nur die Heimat für rund 200 Tiger, sondern auch für zahlreiche Arten von Reptilien, Fischen, Vögeln und Säugetieren.

Nach dem chinesischen Kalender beginnt am 14. Februar 2010 das „Jahr des Tigers“. Weltweit gibt es nur noch rund 3200 Tiger in der Wildnis. Die Umweltschutzorganisation hat sich das Ziel gesetzt, die Bestandszahl des Tigers in seinen wichtigsten Verbreitungsregionen bis zum Jahr 2022 zu verdoppeln.

Die Studie zu den Mangrovenwäldern Bangladeschs (PDF, engl.)

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