Donnerstag 8. Dezember 2011 von birdfish
Mit Bestürzung reagiert der WWF auf die nächtliche Entscheidung des brasilianischen Senats, das geltende Waldschutzgesetz auszuhebeln.
Brasilianischer Regenwald in Gefahr – Foto: Nigel Dickonson / WWF
Damit bereitet die Kammer den Weg für die Zerstörung von 76,5 Millionen Hektar Regenwald, einer Fläche so groß wie Deutschland, Österreich und Italien zusammen. Der Senat votierte mit 59 zu 8 Stimmen für die Reform des Gesetzes. Nach offiziellen Angaben der brasilianischen Regierung würde die durch das neue Forstgesetz ermöglichte Zerstörung des Regenwaldes das Weltklima mit bis zu 28 Milliarden Tonnen CO2 zusätzlich aufheizen. Das entspräche etwa dem Treibhausgassaustoß von Deutschland in drei Jahrzehnten.
WWF-Vorstand Eberhard Brandes bezeichnete das Votum des brasilianischen Senats als „kurzsichtige Fehlentscheidung mit Folgen für die ganze Welt”. Brandes weiter:
„Brasilien torpediert mit dieser Entscheidung den weltweiten Wald- und Klimaschutz. Der brasilianische Senat ist vor der Agrarlobby eingeknickt. Die sozialen und wirtschaftlichen Kosten der Waldzerstörung wurden völlig ausgeblendet, ebenso wie die Folgen für das Weltklima. Damit hat Brasilien ein fatales Signal für viele andere Länder mit großen, schutzbedürftigen Waldflächen gegeben. Sechzig Prozent des Amazonas stehen auf brasilianischem Boden. Er hat aber Bedeutung für die ganze Welt. Eine solche Entscheidung ausgerechnet im UN-Jahr der Wälder und während der UN-Klimakonferenz zu fällen, zeugt eindeutig davon, dass hier wirtschaftliche Wachstumsraten vor Umweltschutz gehen.“
Der WWF ruft dazu auf, eine Protest-E-Mail direkt an die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff zu richten. Sie kann mit ihrem Einsatz die Rodung des Regenwaldes noch stoppen. „Jetzt ist die Zeit, sich direkt an die Präsidentin Dilma Rousseff zu wenden, die in wenigen Monaten Gastgeberin der großen Rio+20 Konferenz zu Umwelt und Nachhaltigkeit sein wird.“
Im Wahlkampf hatte sie zugesagt, keiner Amnestie für illegale Entwaldung zuzustimmen sowie keine Gesetze zu unterschreiben, die neue Entwaldungen ermöglichen. Damit entspräche die Präsidentin dem Wunsch der Mehrheit der Brasilianer: Einer repräsentativen Umfrage zufolge lehnen 85 Prozent der Brasilianer die Ausweitung von Nutzflächen auf Kosten des Regenwaldes ab.
Hier können Sie gegen das neue Gesetz protestieren.

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Donnerstag 8. Dezember 2011 von birdfish
Bäume nehmen im Laufe ihres Lebens große Mengen des Treibhausgases Kohlenstoffdioxid (CO2) auf und speichern diese für längere Zeit.
Studierende und Professoren aus 21 Ländern beim Wald-Workshop
Wald ist damit ein natürlicher und hochwirksamer „Klimaregulator“, dessen Förderung vergleichsweise geringe Kosten verursacht. Um künftige Generationen von Forstwissenschaftlern mit dieser komplexen Thematik vertraut zu machen, haben Wissenschaftler und Studierende der Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie der Universität Göttingen einen Workshop im Rahmen der UN-Weltklimakonferenz im südafrikanischen Durban organisiert. An dem Workshop nahmen insgesamt 45 Studierende und Professoren aus 21 Ländern teil. Sie diskutierten Erfahrungen, Probleme und Lösungsansätze und konzentrierten sich dabei in erster Linie auf die vielfältigen naturwissenschaftlichen Fragestellungen, politischen Herausforderungen und wirtschaftlichen Implikationen.
„Wenn die Zerstörung des Waldes gestoppt wird, können wir den Ausstoß von Treibhausgasen weltweit um 15 bis 20 Prozent senken. Wir müssen deshalb nachhaltige, langfristige Maßnahmen zum Klimaschutz entwickeln, und dafür benötigen wir entsprechend ausgebildete Experten“, erläutern die Organisatoren des Workshops, Prof. Dr. Christoph Kleinn und Dr. Lutz Fehrmann von der Abteilung Waldinventur und Fernerkundung der Universität Göttingen. „Mit unserem Workshop für Studierende tragen wir zu diesen Zielen bei.“ Parallel zur Weltklimakonferenz findet in Durban der fünfte „Forest Day“ statt, eine internationale Fachtagung mit rund 1.500 Teilnehmern zum Thema „Wald und Klima“. Die Studierenden werden dabei als Konferenz-Assistenten eingesetzt und haben so die Möglichkeit, eine wichtige Brücke von der Wissenschaft zur Praxis und zur Politikberatung zu schlagen sowie sich international zu vernetzen.
Die Göttinger Initiative ist bislang die einzige in Deutschland, die einer größeren Gruppe von Studierenden die Möglichkeit gibt, die Diskussionen um Klimaschutz und -politik aus nächster Nähe zu begleiten. In die Gruppe sind auch einzelne Studierende der forstwissenschaftlichen Masterstudiengänge der Technischen Universität Dresden, der Universität Freiburg und der Universität Bonn eingebunden. Der Deutsche Akademische Austauschdienst unterstützt die Initiative mit insgesamt 80.000 Euro aus seinem Programm „Entwicklungsländerbezogene Aufbaustudiengänge“, das auch den Masterstudiengang „Tropical and International Forestry“ an der Universität Göttingen regelmäßig mit Stipendien fördert.
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Donnerstag 14. Juli 2011 von birdfish
Das Klimaschutzprojekt „Harapan Rainforest“ im indonesischen Regenwald, ist bis Ende 2013 angelegt.
Höckerstorch – der seltenste aller Störche – Foto: Hung V. Do
NABU-Präsident Olaf Tschimpke, Dr. Rudolf Specht vom Bundesumweltministerium mit Vertretern der deutschen Botschaft, Projektbeteiligten und Förderern aus England und Singapur sowie Vertretern der zuständigen indonesischen Behörden haben es besucht. Hochrangige internationale Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verbänden unterstützen das artenreiche Projektgebiet auf der indonesischen Insel Sumatra. Außer einem feierlichen Empfang und einer gemeinsamen Baumpflanzaktion stand vor allem die Begutachtung der bisherigen Projektarbeit im Vordergrund.
Seit Ende 2009 fördert das Bundesumweltministerium das „Harapan Rainforest“-Projekt mit mehr als 7,5 Millionen Euro aus Mitteln der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) über die KfW Entwicklungsbank. Im Rahmen einer Partnerschaft mit dem NABU und seinem britischen BirdLife-Partner Royal Society for the Protection of Birds (RSPB) setzt sich die indonesische Regenwald-Stiftung Yayasan KEHI dabei für die Wiederherstellung von zerstörten Lebensräumen und einen effektiven und langfristigen Schutz des artenreichen Waldes ein. Zur Instandsetzung des Ökosystems wurden inzwischen zahlreiche Baumschulen eingerichtet, in denen dieses Jahr bis zu drei Millionen Jungpflanzen gezogen werden können. Damit können mehr als 2.700 Hektar degradierter Regenwald wiederaufgeforstet werden.
“Das Harapan-Projekt demonstriert auf eindrucksvolle Weise, wie Klimaschutz und der Erhalt der biologischen Vielfalt Hand in Hand gehen”, sagte der NABU-Präsident auf seiner Eröffnungsrede am vergangenen Sonntag. „Wir sind sehr stolz, dieses großartige Projekt zu unterstützen und damit einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen den rasant fortschreitenden Wald- und Artenverlust zu leisten.“ Dabei sei es unabdingbar, die Lebenssituation der Bevölkerung zu verbessern und langfristige Alternativen zu bieten. Mittlerweile wurden dafür mehr als 170 „grüne Jobs“ im Bereich Waldschutz für die lokale Bevölkerung geschaffen. Einige Gemeinden betreiben eigene Baumschulen im Projektgebiet, außerdem gibt es zwei mobile Schulen für die indigene Bevölkerung und einen Arzt, der ihre medizinische Versorgung sicherstellt.
„Harapan Rainforest“ ist das erste Gebiet für so genannte Ökosystemrestauration in Indonesien. Als Pilotprojekt kann es als Modell für weitere 24 Millionen Hektar tropische Wälder in Indonesien dienen, die zurzeit weder aktiv bewirtschaftet noch geschützt werden. Das Projektgebiet ist mit circa 1.000 Quadratkilometern größer als Berlin und beherbergt unzählige vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten, darunter den Sumatra-Tiger, den Sumatra-Elefanten, den Schabrackentapir und den Höckerstorch, die seltenste Storchenart der Welt.
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Montag 4. Juli 2011 von birdfish
Fünf deutsche Buchenwaldgebiete wurden jetzt in die Liste der UNESCO-Weltnaturerbestätten aufgenommen.
700 Jahre alte Buche – Foto: Frank Baldus
NABU-Präsident Olaf Tschimpke dazu: „Die Ernennung ist eine hohe Auszeichnung für Deutschland. Damit sind diese Gebiete gleichgestellt mit der Serengeti in Ostafrika und dem Yellowstone Nationalpark in den USA. Das ist nicht nur ein enormer Imagegewinn für die Naturschätze Deutschlands, sondern auch ein deutliches Zeichen für die Verantwortung, die wir für diesen weltweit bedrohten Lebensraum tragen. Diese müssen wir ernst nehmen.“
Alte Buchenwälder gehören zu den am stärksten bedrohten Lebensräumen der Erde. Deutschland liegt im Zentrum des natürlichen Verbreitungsgebietes der Rotbuche und beherbergt etwa ein Viertel ihres Gesamtvorkommens. „Kein anderes Land hat einen vergleichbar hohen Anteil, zahlreiche Buchenwaldtypen gibt es nur bei uns“, erklärt Tschimpke. Besonders bedroht seien alte, naturnahe Buchenwälder mit urwaldähnlichen Strukturen und einer enormen Artenvielfalt von mehr als 4.000 Pflanzen und 6.700 Tierarten. „Solche Buchenwälder gibt es in Deutschland nur noch auf 0,16 Prozent der Waldfläche, dabei wäre die Bundesrepublik von Natur aus zu mehr als der Hälfte ein Buchenurwald.“
Derart geringe Anteile naturbelassener Wälder reichten nicht aus, um die biologische Vielfalt der Buchenwälder nachhaltig zu sichern. Die Bundesregierung und die Bundesländer müssten endlich dem Auftrag der nationalen Biodiversitätsstrategie folgen und bis 2020 auf mindestens fünf Prozent der Waldfläche ein Netzwerk von Urwäldern schaffen. „Wir brauchen weitere Nationalparke, zum Beispiel im Steigerwald und im Teutoburger Wald. Die Kernzonen bestehender Biosphärenreservate sollten vergrößert werden“, so Tschimpke.
Bei der Bewirtschaftung von Buchenwäldern in den nach EU-Recht geschützten Natura-2000-Gebieten sieht Tschimpke dringenden Nachbesserungsbedarf. „Für diese Gebiete brauchen wir verbesserte Qualitätsstandards und verbindliche Managementpläne, hierfür müssen die Bundesländer ausreichend Finanzmittel bereitstellen.“
UNESCO-Weltnaturerbe „Alte Buchenwälder Deutschlands“
Echte Buchen-Urwälder sind in Deutschland bis auf kleinere Relikte längst verschwunden und nur noch im östlichen Mitteleuropa, vor allem in den Karpaten, zu finden. Seit Juni 2007 sind zehn dieser Gebiete in der Slowakei und der Ukraine als Weltnaturerbe ausgewiesen. Seit einiger Zeit können sich jedoch auch in Deutschland wieder Wälder in Nationalparken oder Naturwaldreservaten natürlich entwickeln. Die Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Thüringen und Hessen haben daher einen gemeinsamen Antrag erarbeitet, der die Aufnahme fünf deutscher Buchenwaldgebiete in die Liste der UNESCO-Weltnaturerbestätten begründet.
Nach drei Jahren Vorbereitung wurde der Antrag nun dem UNESCO-Welterbekomitee vorgelegt. Jetzt hat das Welterbekomitee dem Antrag Deutschlands stattgegeben. Damit werden die in den Karpaten beheimateten Gebirgsbuchenwälder durch fünf Tiefland- und Mittelgebirgsbuchenwälder in Deutschland ergänzt.
Die fünf UNESCO-Buchwaldgebiete in Deutschland sind:
1. Nationalpark Jasmund (Mecklenburg-Vorpommern)
2. Müritz-Nationalpark (Mecklenburg-Vorpommern)
3. Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin (Brandenburg)
4. Nationalpark Hainich (Thüringen)
5. Nationalpark Kellerwald-Edersee (Hessen)
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Dienstag 28. Juni 2011 von birdfish
Die Novellierung des brasilianischen Waldgesetzes droht zu einer gigantischen CO2-Bombe zu werden und riesige Flächen für die Abholzung freizugeben.
Wieviel Wald wird nach dem großen Kahlschlag bleiben? – Foto: Adriano Gambarini / WWF Brasilien
Dies belegen zwei aktuelle Studien. Das regierungsnahe Applied Economic Research Insistute (Ipea) kommt in einer Untersuchung zu dem Ergebnis, dass durch die Änderungen bis zu 47 Millionen Hektar bislang formell unter Schutz stehender Waldgebiete dann schutzlos sein könnten. Das entspricht der Größe Spaniens. 60 Prozent der betroffenen Flächen liegen im Amazonas-Gebiet. Das Gesetz, das der wachsenden wirtschaftlichen Bedeutung Brasiliens Rechnung tragen möchte, sieht vor, dass die Umweltauflagen für Grundbesitzer gelockert werden und dass es eine Amnestie für zurückliegende illegale Rodungen geben soll. Schon im Vorfeld der Abstimmung im Repräsentantenhaus hatte die illegale Abholzung des Regenwaldes in Brasilien dramatisch zugenommen.
Die Auswirkungen für das Weltklima wären verheerend, wie eine Studie des Instituts Climate Observary zeigt. Demnach würden durch die zu erwartenden Abholzungen durch die Novelle 25 Milliarden Tonnen CO2 in die Atmosphäre gelangen. Das entspricht dem Treibhausgasausstoß Deutschlands über einen Zeitraum von 25 Jahren. Brasilien hat sich international verpflichtet, seine Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2020 um 38.9 Prozent um zu reduzieren.
„Dadurch könnte das Gesetz zu einer gigantischen CO2-Bombe mit globaler Wirkung werden“, sagt Philipp Göltenboth, Leiter des Waldschutzprogrammes beim WWF. “Brasilien könnte seine vereinbarten und unterzeichneten Klimaziele dann nicht annähernd erreichen“. Der WWF fordert den Senat in Brasilien auf, die Expertisen der Wissenschaftler ernst zu nehmen. Die geplanten Änderungen dürften auf keinen Fall umgesetzt werden, ansonsten hätte dies katastrophale Folgen für die Biodiversität und das Weltklima.
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Dienstag 12. April 2011 von birdfish
Weltweit ist die Menge an organischem Kohlenstoff, der in Böden gespeichert ist, mindestens dreimal größer als die Menge an Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre.
Abholzung sowie neue Ölpalmen in Jambi, Indonesien. Foto: Oliver van Straaten.
Wissenschaftler der Universität Göttingen haben nun untersucht, wie sich eine Veränderung der Landnutzung auf die Menge an organischem Kohlenstoff im Boden und damit auch auf die Konzentration von CO2 in der Atmosphäre auswirkt. Dazu haben die Forscher Datenmaterial aus bereits bestehenden Feldstudien gesammelt und analysiert. Ihre Ergebnisse sowie Empfehlungen für eine Verbesserung der Qualität der gesammelten Daten wurden nun in der renommierten Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA veröffentlicht.
Zwar wird der größte Teil des Klimagases CO2 weltweit durch die Verbrennung von fossilen Brennstoffen freigesetzt, aber rund 15 Prozent der Kohlendioxid-Emissionen entstehen durch eine veränderte Nutzung von tropischen Böden. Dabei handelt es sich sowohl um CO2 aus Biomasse, das beispielsweise bei der Verbrennung von gerodetem Tropenwald entsteht, als auch um Kohlendioxid, das aus dem Boden freigesetzt wird. Um genau vorauszusagen, wie viel CO2 bei einer geplanten veränderten Nutzung des Landes freigesetzt wird, fehlen jedoch qualitativ hochwertige Untersuchungen vor allem in den trockeneren Regionen der Tropen.
Prof. Dr. Edzo Veldkamp und Dr. Marife D. Corre von der Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie der Universität Göttingen haben daher zusammen mit Wissenschaftlern der University of Minnesota (USA) bestehende Daten über die Veränderungen der Kohlenstoffvorräte in Tropenböden gesammelt und überprüft. Dabei fanden sie unter anderem heraus, dass Niederschlag und Bodenart sowohl den Vorrat als auch die Freisetzung des CO2 beeinflussen. „Allerdings war die Verteilung der von uns ausgewerteten Feldstudien nicht repräsentativ für die Bedingungen in den Tropen, so dass eine Hochrechnung auf Basis der Daten zwingend zu einer Verzerrung führen muss“, erklärt Prof. Feldkamp. „Zwei Drittel der geänderten Landnutzung in den Tropen fand auf den relativ fruchtbaren Böden der trockeneren Tropen statt, die meisten Feldstudien dagegen eher in den Gebieten, wo eine relativ gute wissenschaftliche Infrastruktur vorliegt“, so die Bodenkundler.
Die Wissenschaftler stellten zudem fest, dass es kaum Studien über derzeit sehr populäre Landnutzungsarten wie zum Beispiel den Anbau von Ölpalmen zur Produktion von Biodiesel gibt. Zudem wurde ein wichtiger Teil der Studien auf Vulkanböden durchgeführt, obwohl diese nur etwa ein Prozent der Böden in den Tropen ausmachen. Trotzdem hat die Auswertung der Daten belastbare Ergebnisse gebracht, so die Göttinger Forscher: „Wenn man bei den Vorhersagen Niederschlag und Bodenart berücksichtigt, lässt sich die CO2-Freisetzung aus Böden deutlich besser vorhersagen, als das bisher der Fall war. Um noch verlässlichere Aussagen treffen zu können, braucht man allerdings deutlich mehr Feldstudien aus allen Bereichen der Tropen, vor allem aus den trockeneren Gebieten.“
Originalpublikation
Jennifer S. Powers et al. Geographic Bias of Field Observations of Soil Carbon Stocks with Tropical Land-Use Changes Precludes Spatial Extrapolation. Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA. DOI: 10.1073/pnas.1016774108.
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Dienstag 5. April 2011 von birdfish
In Bangkok hat am Sonntag die erste Verhandlungsrunde für den nächsten UN-Klimagipfel im Dezember in Südafrika begonnen.
Amazonas-Regenwald wird zunehmend von Dürre angegriffen – Foto: Dieter Schütz / Pixelio
Neue Analysen der Klimawissenschaft zeigen, dass der Klimawandel keine klimapolitische Verschnaufpause erlaubt und nun die Grundlagen für einen erfolgreichen Klimagipfel im südafrikanischen Durban Ende des Jahres gelegt werden müssen.
Sven Harmeling, Leiter des Germanwatch-Verhandlungsteams bei der Konferenz in Bangkok: “Das Jahr 2010 war weltweit das wärmste Jahr seit Temperaturaufzeichnung – trotz eines relativ kalten Winters in Deutschland. Die Schmelzprozesse in Grönland haben sich beschleunigt, die zweite große Dürre im Amazonas-Gebiet in einem Jahrzehnt hat massiv die “grüne Lunge” und wichtige CO2-Senke beschädigt. Gleichzeitig ist vollkommen klar, dass die bisher gemachten Klimaschutzversprechen nicht ausreichend sind, um einen gefährlichen Klimawandel noch abzuwenden.”
Die Verhandlungen in Bangkok sollen die Konkretisierung und Verschärfung von Klimazielen, den Beschluss ihrer rechtlichen Verbindlichkeit und die notwendige Langfristfinanzierung für Klimaschutz, Anpassung und den Schutz des Regenwaldes voranbringen. Zu den Aspekten der Klimaschutzziele der Industrieländer und der Klimaschutzbemühungen der Entwicklungsländer sowie der Technologiekooperation wird es in Bangkok eigene Workshops geben. Viele Länder haben im Vorfeld ihre neue Verhandlungsposition bereits eingereicht.
Zudem soll Bangkok die Vereinbarungen von Cancún weiter konkretisieren. Einerseits einen im letzten Jahr beschlossenen Mechanismus, der die internationale Kooperation zu Klimaschutztechnologien befördern soll. Andererseits wird über die Ausgestaltung eines Ausschusses verhandelt, der unter dem Dach der Klimarahmenkonvention eine bessere Koordination der Aktivitäten zur Anpassung an die Klimafolgen gewährleisten soll.
Sven Harmeling: “Die Länder müssen nun ihren Willen zeigen und die positiven Impulse aus Cancún konkret umsetzen. Dies ist dringend notwendig, um aus den Grundsatzbeschlüssen von Cancún ernsthafte Klimapolitik zu machen. Nur so kann es beim nächsten Klimagipfel im südafrikanischen Durban Ende 2011 zu ambitionierten und weitreichenden Beschlüssen kommen. Gleichzeitig müssen insbesondere die Industrieländer durch konkretes Handeln zeigen, dass sie nicht zu den Bremsern des internationalen Klimaschutzes werden wollen, sondern zu Motoren einer klimapolitischen Aufwärtsspirale. Hierzu gehört auch, dass sich die EU im Laufe dieses Jahres auf eine Reduzierung der CO2-Emissionen um 30 Prozent bis 2020 einigt. Sonst läuft sie Gefahr, ähnlich wie die USA in der Klimapolitik von aufstrebenden Ländern, wie zum Beispiel China, abgehängt zu werden.”
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Montag 21. März 2011 von birdfish
Die Uhr tickt: Jede Minute verschwinden rund um die Welt 35 Fußballfelder wertvoller Wald.
Wald-Ticker in Leipzig – Christian Hüller / WWF
Sehen kann dies jeder am Leipziger Hauptbahnhof: Eine große digitale Uhr zählt die in diesem Jahr vernichtete Waldfläche weltweit. Unter dem Zähler prangt in großer Schrift der Satz: “Innerhalb der nächsten 20 Stunden verlieren wir Wald von der Größe Leipzigs.”
Anhand alltäglicher Beispiele erklären Infografiken und Texte auf der Rückseite des Tickers, in welchen Produkten Wald zu finden ist und wofür die gigantische Zahl von 35 Fußballfeldern Wald pro Minute verschwindet. Der Waldverlust-Ticker steht bis zum 24. März in Leipzig und macht anschließend auf anderen Bahnhöfen Deutschlands Station, als nächstes in Hannover und Dresden.
Der WWF betont, dass der rasante Waldverlust auch auf das Konto Deutschlands geht. “Wir Deutschen verbrauchen jedes Jahr allein 20 Millionen Tonnen Papier”, sagt Philipp Göltenboth, Leiter des Waldprogramms beim WWF Deutschland. “Pro Kopf sind das im Durchschnitt 235 Kilo pro Jahr für Küchenrollen, Pappbecher, Werbeprospekte, Druckerpapier und Taschentücher. Damit liegt Deutschland EU-weit an der Spitze.”
Nicht nur die Papierindustrie sorgt für den Waldschwund. Der Wald bleibt auch auf der Strecke, um den wachsenden Bedarf an Fleisch, Futtermitteln, Holz und Bioenergie zu decken. An die Stelle von natürlichen Wäldern rücken Agrarflächen und Plantagen.
Allein 30 Kilo Werbeflyer landen nach WWF-Analysen jährlich in deutschen Briefkästen – eine Papierflut, die nicht sein müsste. Gleiches gilt für Tissueprodukte wie Taschentücher und Toilettenpapier. Davon verbrauchen deutsche Haushalte jährlich eine Menge in der Größenordnung von sieben Milliarden Papier-Küchenrollen. “Papier sparen und Wald schützen ist einfach”, sagt WWF-Papierexperte Johannes Zahnen. “Wir könnten bundesweit jedes Jahr sechs Milliarden Pappbecher sparen, wenn wir unseren Kaffee unterwegs aus einer Tasse trinken würden. Das sind rund eine halben Million Bäume, die nicht gefällt werden müssten.” An diesem unnötigen Papierverbrauch können wir alle was ändern, so der WWF-Experte.
Wald schützen kann jeder – hier einige WWF-Tipps zum Papiersparen:
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