KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

Moore und Torf – die effektivsten CO2-Speicher der Erde in Gefahr

Montag 23. August 2010 von birdfish

Allgemeines zu Moor und Torf

Moore sind nasse Lebensräume. Der ständige Wasserüberschuss aus Niederschlägen oder Mineralbodenwasser bedeutet einen Sauerstoffmangel und führt zu einem unvollständigen Abbau der pflanzlichen Reste, die als Torf abgelagert werden.

Sonnentau im Moor
Der geschützte Sonnentau wächst in Mooren – Foto: Dagmar Struß

Durch die Anhäufung von Torf wächst die Oberfläche von lebenden Mooren in die Höhe. Im Gegensatz zu Sümpfen  herrscht in Mooren eine permanente Wassersättigung. Gelegentliches Austrocknen führt in Sümpfen zu einem vollständigen Abbau der organischen Substanz zu Humus. In Mooren ist durch die permanente Wassersättigung dieser Abbau gehemmt, so dass Torf entstehen kann.

Quelle: Wikipedia – dort auch mehr Informationen über Entstehung und Vorkommen

Moor und Torf als CO2-Speicher

Moorgebiete sind gigantische Kohlenstoffspeicher: Sie beherbergen weltweit mindestens 550 Gigatonnen Kohlenstoff, obwohl sie nur drei Prozent der Landoberfläche bedecken. Zum Vergleich: Die gesamte globale Vegetation speichert nur 600 Gigatonnen, der Mensch emittiert etwa acht Gigatonnen Kohlenstoff pro Jahr durch Verbrennung fossiler Energieträger.

Quelle : KlimaCampus / Universität Hamburg

Moore in Gefahr

In Anbetracht dessen, welche Bedeutung die weltweiten Moore für den Klimaschutz besitzen, ist es eine Tragödie mit anzusehen, wie ein Moor nach dem anderen zerstört wird.

Ganz extrem betrifft die Zerstörung das Land Indonesien, wo Moore entwässert werden, m hier Palmölplantagen zu errichten.

Kleine Forschritte sind vorhanden. So verspricht seit kurzem das indonesische Forstministerium, zukünftig keine Genehmigungen für die Umwandlung von Torfwäldern in Plantagen zu vergeben. Das kümmert die Großkonzerne jedoch wenig. Insbesondere der Konzern Sinar Mas zerstört unvorstellbar große Moor- und Urwaldflächen und macht auch nicht halt vor Menschen und Tieren, die im Urwald leben.

Sinar Mas beliefert renommierte Firmen wie z.B. Burger King und Pizza Hut mit Palmöl. Hier war exemplarisch Nestlé in der Kritik, die dieses Palmöl u.a. für ihre Kitkat-Schokoriegel verwenden.  Diese nahmen die Kritik zuerst nicht ernst. Nach großen Verbraucher-Protesten handelten sie jedoch und rangen dem Palmöl-Belieferer ab, den nachhaltigen Anbau zu garantieren.

Genützt hat dieses nicht, denn die Zerstörungen durch Sinar Mas gehen weiter. Da der Konzern selbst massivem Druck ausgesetzt ist, hatte er eine unabhängige Untersuchung veranlasst, um die Anschuldigungen zu überprüfen, die vor allem von Greenpeace massiv erhoben werden. Als dieses Audit nun ergab, dass die Anschuldigungen der Wahrheit entsprechen, hat das Unternehmen die Ergebnisse manipuliert.

Einen schweren Schlag hatten nun die russischen Moore zu verkraften. Im Juli 2010 waren gerade Wissenschaftler der Uni Hamburg aufgebrochen, um die Klimaschutz-Relevanz der russischen Moore zu erforschen. Bereits wenige Tage später – im August 2010 – wüteten in Russland bereits  zahlreiche Brände, die nicht zu löschen waren und große Moorgebiete zerstörten.

Wiedervernässung und Renaturierung

In Deutschland erkennt man – nicht zuletzt durch steten Druck der Umweltverbände – immer mehr die Bedeutung der Moore für den Klimaschutz. So gibt es hier Projekte zur Wiedervernässung – z.B. am niedersächsischen Theikenmoor.

Deutschland unterstützt auch osteuropäische Länder bei der Wiedervernässung ihrer Moore. Das Bundesumweltministerium (BMU) finanziert z.B.  im Rahmen der Internationalen Klima-Initiative ein Modellprojekt zur großflächigen Moorrenaturierung in Belarus (Weißrussland).

Mehr Informationen zum Thema liefert auch das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin, für das die Untersuchung von Feuchtgebieten wie Mooren und Auenlandschaften einen wichtigen Schwerpunkt bildet.

Moore in Deutschland

Von einst etwa 500.000 Hektar Hochmoorfläche in Deutschland sind nur etwa 30.000 Hektar übrig geblieben. Moore erfüllen wichtige ökologische Funktionen. Durch ihr hohes Wasserspeicher-Vermögen sind sie sehr wichtig als natürlicher Hochwasserschutz und Grundwasserspeicher. Dank ihrer beträchtlichen Reinigungskraft sind Moore unverzichtbar für den Erhalt unserer Trinkwasservorräte. Sie leisten darüber hinaus auch einen großen Beitrag zum globalen Klimaschutz, da Moore enorme Mengen an Kohlenstoff speichern – weit mehr, als dies Wälder tun. Sie beherbergen außerdem eine Vielzahl von hoch spezialisierten Tier- und Pflanzenarten, darunter Torfmoose, Zwergbirke oder die Moosbeere, Libellenarten wie die Große Moosjungfer, zahllose Tagfalter wie der Hochmoor-Perlmutterfalter und den Hochmoor-Gelbling. Durch die fortschreitende Zerstörung ihres Lebensraumes sind sie jedoch zunehmend in ihrem Bestand bedroht. Da diese Arten an die oft sehr nährstoffarmen Bedingungen in den Moorgebieten angepasst sind, können sie nicht auf andere Standorte ausweichen.

In Anbetracht dessen, wie schnell der Klimawandel und der Verlust der Biodiversität voranschreiten, reichen die deutschen Maßnahmen bei weitem noch nicht aus. Umweltverbände fordern daher von der Bundesregierung ein Programm zur Renaturierung von Mooren.

Weiterführende Infos

Der NABU hat eine informative Website zum Moorschutz zusammen gestellt

Nach den verheerenden Bränden in Russland macht der NABU auf die alarmierenden Folgen für das Weltklima aufmerksam. Nach Schätzungen von Prof. Florian Siegert vom GeoBio-Center der Ludwig-Maximilians-Universität in München könnten allein durch die Torfbrände in Russland zwischen 30 und 100 Millionen Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid entstanden sein. Das entspricht in etwa vier bis zwölf Prozent der CO2-Jahresemission Deutschlands. Diese erste Auswertung basiert auf zunächst gering aufgelösten Satellitendaten. Um das gesamte Ausmaß der Katastrophe detailliert zu erfassen bedarf es dringend weiterer Forschung. Thomas Tennhardt, NABU-Vizepräsident und Leiter des Fachbereichs Internationales: „Die Torfbrände hatten nicht nur schlimme Auswirkungen für die Menschen und Tiere in der Region. Die Gefahr für das Klima wird durch die freigesetzten Rußpartikel noch verstärkt. Sie halten sich sehr lang in der Atmosphäre und können bis zur Arktis getragen werden, wo sie die Eisschmelze weiter beschleunigen.“

Wochenlang brannten im Umland von Moskau nicht nur Wälder, sondern auch Torfmoore. Die dadurch entstandene extreme Feinstaubbelastung kostete vermutlich Tausende von Menschen das Leben. Der dichte Qualm aus brennenden Mooren enthält große Mengen des äußerst gefährlichen Kohlenstoffmonoxids und klimaschädliches Kohlendioxid. Die daraus resultierende Schadstoffbelastung ist um ein Vielfaches höher als die aus brennenden Wäldern. Die russischen Torfmoore wurden seit den dreißiger Jahren flächendeckend für eine wirtschaftliche Nutzung trockengelegt. Um das Entstehen von Torfbränden künftig zu verhindern und die Funktionstüchtigkeit dieser Ökosysteme zu sichern, müssen die ehemaligen Torfmoore wieder vernässt werden.

Aus NABU-Sicht ist es daher notwendig, in den betroffenen Regionen in Russland ein Konzept zur Wiederherstellung der Moore zu starten. Dies schließt nicht zwangsläufig eine weitere Nutzung aus. Felix Grützmacher, NABU-Referent für Moorschutz: „In Deutschland zeigen solche Projekte bereits vielversprechende Ergebnisse. Bei der wirtschaftlichen Nutzung von zum Beispiel Schilf als Brenn- oder Baustoff kann der Boden nass bleiben und die Gefahr von Feuern ist gebannt. Dies wäre nicht nur ein Beitrag für den Klimaschutz, sondern hätte positive Effekte für viele Tier- und Pflanzenarten.

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Sinar Mas manipuliert Audit, das Zerstörung von Torfböden und Urwäldern bestätigt

Montag 23. August 2010 von birdfish

Die letzten Urwälder Indonesiens werden in rasendem Tempo für die Palmölproduktion gerodet – meist illegal.

Zerstörter Torf-Urwald in Indonesien
Zerstörter Torf-Urwald auf der Halbinsel Kampar in Indonesien – Foto: Rante / Greenpeace

Greenpeace  weist dem größten indonesischen Palmölhersteller Sinar Mas schon seit 2007 Regenwaldzerstörung und mangelnde Nachhaltigkeit nach. Der Konzern hat dieses Jahr eine unabhängige Untersuchung veranlasst, um die Anschuldigungen von Greenpeace zu überprüfen. Peinlich für Sinar Mas: Die Auditoren bestätigten wesentliche Punkte der Greenpeace-Vorwürfe.

Das Greenpeace-Team betritt den zerstörten Torfurwald auf der Halbinsel Kampar in der indonesischen Provinz Riau. Die Torfschicht auf Kampar ist besonders dick. Sie speichert rund…

Auf einer Pressekonferenz vor zehn Tagen gab der Palmöl-Hersteller die Ergebnisse der Untersuchung zu seiner Arbeit verfälscht wider. Da die Auditoren selbst an der Pressekonferenz, auf der die Ergebnisse von Sinar Mas vorgestellt wurden, nicht teilnehmen durften, konnte der Konzern die Ergebnisse ganz in seinem Sinne interpretieren.

Doch die BSI Group, die Sinar Mas mit der Untersuchung beauftragt hatte, veröffentlichte nun eine Richtigstellung der Interpretation auf ihrer eigenen Website. Zusätzlich verlangt BSI von Sinar Mas, die Richtigstellung ins Internet stellen.

“Die heutige Stellungnahme zeigt, dass die Sinar Mas-Gruppe die Ergebnisse des Audits manipuliert hat, um Aktionäre und Kunden davon zu überzeugen, dass man verantwortungsbewusst und nachhaltig handle”, erklärt Bustar Maitar, Teamleiter für die Waldarbeit bei Greenpeace Südostasien.

Unternehmen der Sinar Mas-Gruppe hatten die Audit-Ergebnisse auch in Mitteilungen an ihre Aktionäre und an die Börse von Singapur falsch dargestellt. Daher hat Greenpeace die Börse aufgefordert, das Sinar Mas-Tochterunternehmen Golden Agri Resources wegen bewusster Irreführung zu untersuchen.

“Sinar Mas ist unglaubwürdig. Greenpeace fordert auch weiter, dass die Kunden des Konzerns nicht mehr mit ihm handeln, bis er damit aufhört, Torfböden und Urwälder zu zerstören”, verlangt Maitar.

Die Auditoren bestätigten noch einmal, dass Sinar Mas tiefe Torfböden entwässert und ohne Genehmigung Regenwald in Plantagen umgewandelt hat. Der Konzern hat damit eindeutig gegen indonesische Gesetze und auch gegen seine eigenen Nachhaltigkeitsrichtlinien verstoßen.

Zwei Tochterunternehmen von Sinar Mas gehören dem Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSOP; Runder Tisch für Nachhaltiges Palmöl) an, doch Sinar Mas rodet weiterhin kohlenstoffreiche Torfgebiete und die letzten Regenwälder Indonesiens. Dabei zerstört der Palmöl-Multi auch potenzielle Lebensräume des bedrohten Orang-Utans.

Autorin: Christina Hansen

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Greenpeace: In Polen sollte mindestens die Hälfte des Urwaldes Schutzgebiet werden

Donnerstag 12. August 2010 von birdfish

Greenpeace-Aktivisten hat am Donnerstag vor der polnischen Botschaft in Berlin protestiert.

 Wisent im Bialowieza-Urwald
Ein Europäischer Wisent im Bialowieza-Urwald – Foto: Public Domain

Dabei übergaben sie der Pressesprecherin der Botschaft eine Protestnote von Greenpeace-Geschäftsführerin Brigitte Behrens. In Warschau campieren Aktivisten bereits seit mehreren Tagen auf dem Dach des Umweltministeriums. Sie wollen damit auf die Bedrohung des Bialowieza-Urwaldes aufmerksam machen.

Auch die polnischen Botschaften in Österreich, der Slowakei, Rumänien und Ungarn bekamen Besuch oder Protestbriefe von Greenpeace. Kein Wunder: als letzter Tiefland-Urwald Europas gehört der Bialowieza-Urwald zum UNESCO-Weltnaturerbe. Er beherbergt mehr als 12.000 Tierarten, 5.500 Pflanzen- und 3.500 Pilzarten. Viele seltene Arten nutzen den Wald als Rückzugsgebiet. Besonders wichtig ist Bialowieza für den Europäischen Wisent: 60 Prozent der wilden Wisente der Welt leben dort.

Polen schützt hundert Quadratkilometer des Waldes als Nationalpark. Die strengste Schutzstufe gilt jedoch nur für die Hälfte dieses Gebiets. Außerdem umfasst der Nationalpark nur ein Sechstel des polnischen Teils des Waldes. Auf der restlichen Fläche gewinnt der staatliche Forstdienst jedes Jahr mehr als 100.000 Kubikmeter Holz. Angeblich werde es in der näheren Umgebung benötigt. Greenpeace wirft der Forstbehörde jedoch vor, einen großen Teil in andere Regionen Polens zu verkaufen. Die Aktivisten fordern, dass jährlich nur noch 30.000 bis 40.000 Kubikmeter Holz geschlagen werden dürfen.

“Der Umweltminister muss das Abholzen der Wälder stoppen und sich für eine Ausweitung des Nationalparks aussprechen”, erklärt Greenpeace-Campaignerin Andrea Cederquist. “Wissenschafter warnen schon seit Jahren, dass die bisher geschützten Teile des Urwaldes nicht ausreichen, um die Kontinuität der ökologischen Prozesse zu gewährleisten.”

Greenpeace will das polnische Umweltministerium dazu bewegen, mindestens die Hälfte des polnischen Urwaldgebiets zu schützen. Bereits 2009 hatte der damalige Umweltminister zugesagt, den Nationalpark stark zu erweitern. Die Pläne scheiterten jedoch am Widerstand der Bevölkerung, die ihre wirtschaftlichen Interessen bedroht sah.

Wikipedia-Artikel über den Bialowieza-Nationalpark


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WWF: Mangelhaftes Forstmanagement verschärft russisches Waldbrandinferno

Donnerstag 5. August 2010 von birdfish

Mehr als 7.000 Waldbrände lodern derzeit rund um Moskau und im russischen Fernen Osten.

Waldbrand im Amurgebiet
Waldbrand im Amurgebiet – Foto: Masterov / WWF

„Daran ist nicht allein die aktuelle Hitzewelle Schuld“, betont Aurel Heidelberg, Waldreferent beim WWF Deutschland. Die Gründe seien vielfältig, aber eine mangelhafte Vorsorge und ein miserables Waldmanagement seien die  Hauptursachen für die Brandkatastrophen. „Hier rächen sich die Fehler aus den vergangenen Jahrzehnten“, befürchtet der WWF. Illegaler Holzeinschlag, die Übernutzung der Wälder und großflächiger Kahlschlag hätten zu der aktuellen prekären Lage maßgeblich beigetragen.

Eine verfehlte Bewirtschaftung der Flächen, Kahlschlag und illegaler Holzeinschlag  habe vielerorts zu einer Verbuschung und Versteppung geführt. Diese Wälder brennen jetzt wie Zunder.  Darüber hinaus wurden vor allem im europäischen Teil Russlands im großen Stil Sümpfe trockengelegt. Ziel war es, den eingelagerten Torf abzubauen und ihn als Brennstoff für Privathaushalte zu nutzen oder den Torf als Rohmaterial für Gartenerde nach Mitteleuropa zu exportieren. „Geraten die ausgetrockneten Torfflächen in Brand, kann man sie kaum mehr löschen“, so Heidelberg.  Die Feuer ersticken wohl erst mit Einbruch des Winters. Die Rauchschwaden aus solchen trockengelegten Moorflächen enthalten Kohlenmonoxid, Feinstaub, Formaldehyd und andere giftige Verbindungen, die zu starken gesundheitlichen Belastungen der Bevölkerung führen können.

Der WWF sieht darüber hinaus große Versäumnisse in der Brandbekämpfung. Durch die Vergabe von Konzessionen auf vielen Flächen unterblieben Vorsorgemaßnahmen. Zudem habe ein 2007 verabschiedetes Forstgesetz dazu geführt, dass Kapazitäten bei der Brandbekämpfung massiv abgebaut wurden. Überwachungsflüge und der Einsatz von so genannten „Feuerspringern“, die Brände bereits im Frühstadium bekämpfen sollen, seien kontinuierlich zurückgegangen. In der Folge werden die Flammen später entdeckt und können viel schwieriger bekämpft werden.

Um künftige Brände zu reduzieren, fordert der WWF  ehemalige Torfabbauflächen zu renaturieren. Die Überflutung dieser Flächen würde Mensch und Umwelt vor Bränden schützen und wertvolle Lebensräume zurückgewinnen. Die nachhaltige Waldbewirtschaftung nach Richtlinien des FSC (Forest Stewardship Council) könne zudem einen Beitrag zur Prävention von Waldbränden leisten. Die Anlage von Waldbrandschutzstreifen aus feuerresistenten Lärchen habe sich vor allem im russischen Fernen Osten als Präventionsmaßnahme bewährt. Überdies müsse wieder ein Frühwarnsystem  gegen Waldbrände aufgebaut werden.

Studie: ‘Wälder in Flammen’ – Ursachen und Folgen der weltweiten Waldbrände (PDF)

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Burger King und Pizza Hut kaufen Palmöl, das aus Regenwaldzerstörung stammt

Dienstag 3. August 2010 von birdfish

Der Palmölgigant Sinar Mas zerstört weiter den indonesischen Regenwald.

Zerstörung geht weiter
Entgegen eigener Zusagen zerstört Sinar Mas weiter indonesischen Regenwald – Foto: Rante / Greenpeace

Die Verwüstung geht weiter. Ein neuer Greenpeace-Report deckt auf, wie Palmölgigant Sinar Mas entgegen der eigenen Zusagen weiter den indonesischen Regenwald vernichtet. Für seine Lügengeschichten ist Sinar Mas längst bekannt: Greenpeace weist dem Konzern seit Jahren illegale Rodungen von Torfland und hoch schützenswerten Waldgebieten nach.

Sinar Mas hatte seinen Kunden Anfang Februar dieses Jahres zugesagt, keine Regen- und Torfwälder mehr zu roden, um auf den Flächen Akazienholz oder Ölpalmen für seine Papier- und Palmölproduktion anzupflanzen. Der neue Greenpeace-Report “How Sinar Mas is expanding its Empires of Destruction” (Wie Sinar Mas sein Imperium der Zerstörung ausbaut) beweist das Gegenteil: “Wir haben Sinar Mas erneut auf frischer Tat ertappt”, sagt Oliver Salge, Waldexperte bei Greenpeace. “Noch nicht einmal die unzureichenden Versprechen des Unternehmens sind eingehalten worden.”

Der aktuelle Greenpeace-Report belegt mit neuen Fotos und Untersuchungen vor Ort, dass die Sinar Mas-Gruppe auf der Insel Borneo weiterhin Regenwald rodet. Davon betroffen sind auch die Lebensgebiete der bedrohten Orang-Utans: Der indonesische Wald speichert große Mengen an Kohlenstoff und schützt das weltweite Klima.

Zwei Bereiche innerhalb der Sinar-Mas-Gruppe führen die Zerstörung an: Zellstoff und Palmöl. Mitte Juli gab der Chef des Palmölbereichs in Interviews sogar zu, dass sein Unternehmen die Ölplantagen um eine weitere Million Hektar ausweiten will. Greenpeace hat mittlerweile eine ganze Reihe von Berichten vorgelegt, die das illegale Treiben des Konzerns aufdecken. Sinar Mas hatte daraufhin eine eigene Überprüfung der belasteten Konzessionen angekündigt. Die Ergebnisse sollten am 29. Juli auf einer Pressekonferenz vorgestellt werden, die dann aber kurzfristig auf August verschoben wurde.

In den vergangenen Monaten sind führende Unternehmen wie Unilever und Kraft den Greenpeace-Forderungen gefolgt und haben ihre Verträge mit Sinar Mas ausgesetzt. Auch Nestlé, der weltweit größte Lebensmittelhersteller, hat mittlerweile auf Druck von Greenpeace seine Geschäftsbeziehungen zu Sinar Mas auf Eis gelegt und erarbeitet aktuell höhere Nachhaltigkeitsstandards für seine Palmöl-Lieferkette. Andere Unternehmen wie Burger King und Pizza Hut müssen diesem Beispiel folgen, solange das Unternehmen weiterhin Regenwälder zerstört und so den Klimawandel beschleunigt. “Käufer der Palmöl- und Papierprodukte von Sinar Mas können nur zu einem Schluss kommen: Überdenken Sie Ihre Geschäftsbeziehungen zu Sinar Mas. Beteiligen Sie sich nicht an der Vernichtung des letzten Lebensraumes der Orang Utans”, betont Salge.

Greenpeace fordert Sinar Mas auf, den Einschlag zu stoppen. Damit wäre die Grundlage geschaffen, um über den künftigen Schutz und die Nutzung des Waldes in Indonesien zu diskutieren.

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EU-Holzhandelsgesetz jetzt verabschiedet – Weltweiter Urwaldschutz beginnt in Europa

Montag 12. Juli 2010 von birdfish

Endlich darf in der EU kein Holz aus illegaler Abholzung mehr verkauft werden.

Etwas mehr Schutz für Urwaldbewohner
Mehr Schutz für Urwald und seine Bewohner – Foto: Sandy Scheltema/ Greenpeace

Auf dem weltweit größten Holzmarkt stammten bisher etwa 19 Prozent des Holzes aus illegalen Quellen. Der europäische Markt hatte die Zerstörung der Regenwälder durch den Handel indirekt unterstützt. Heute hat das Europäische Parlament ein Gesetz verabschiedet, dass das in Zukunft verhindern soll.
Mit dem Holzhandelsgesetz leistet die EU einen wichtigen Beitrag zum Schutz des Urwalds.

Zehn Jahre lang hat Greenpeace auf allen Ebenen gekämpft. Experten führten Gespräche mit Politikern und gaben Empfehlungen ab. Aktivisten begaben sich in Gefahr, um illegale Abholzung aufzudecken oder Häfen zu blockieren, in die Holz aus geschützten Urwäldern geliefert werden sollte.

Nun ist das europäische Aktionsprogramm “Forest Law Enforcement, Governance and Trade” (FLEGT), übersetzt “Rechtsdurchsetzung, Politikgestaltung und Handel im Forstsektor” endlich von Erfolg gekrönt. Bei allen Holzprodukten, die in die EU importiert werden, muss die Herkunft nun klar nachzuvollziehen sein. Das macht es Händlern und Verbrauchern möglich, verantwortungsbewusst zu kaufen.

Das Gesetz ist ein klares Signal an die Holzhändler, dass sie illegal geschlagenes Holz in der EU nicht mehr loswerden. Der Anreiz geschützte Bäume in Südost-Asien, Russland, Zentral-Afrika oder dem Amazonas abzuholzen sinkt – und die Wälder werden davon sicher profitieren. “Das Gesetz ist ein dringend nötiges Signal an kriminelle Unternehmen, die sich an Urwaldzerstörung bereichern und dabei Menschenrechte verletzen, Klimawandel und Aussterben von Arten in Kauf nehmen”, sagt Andrea Cederquist, Waldexpertin von Greenpeace.

Leider hat das Gesetz noch einige Schwächen. Erstens tritt es erst in zwei Jahren in Kraft. Zweitens sind Druckerzeugnisse, wie Bücher, deren Papier ja auch aus Holz hergestellt wird, bislang von dem Gesetz ausgenommen. Dass die Mitgliedsstaaten kein einheitliches Mindeststrafmaß festgesetzt haben, ist ebenso problematisch.

Werden die empfohlenen Sanktionen befolgt, wird das Gesetz seine Wirkung zeigen: Die Geldstrafen sollen proportional zur Zerstörung sein, die durch die Abholzung angerichtet wurde und der Wert des Holzes soll berücksichtigt werden. “Es gibt aber noch zu große Schlupflöcher für die Holzmafia”, sagt Cederquist. “Nur der erste Händler, der das Holz in die EU importiert, muss die Legalität nachweisen. Es wäre sicherer, wenn alle beteiligten Unternehmen in der Warenkette den Nachweis erbringen müssten.”

Für den Leiter der Waldpolitik von Greenpeace Europa, Sébastien Risso, ist das Gesetz erst der Anfang: “Landwirtschaft ist der Hauptgrund für den Schwund der Wälder. Der Goldrausch, den die Nachfrage nach Biodiesel ausgelöst hat, droht die Situation noch zu verschlimmern. Ohne effektive Maßnahme, wie zum Beispiel finanzielle Anreize für den Waldschutz, werden uns von den Regenwäldern bald nur noch Erinnerungen bleiben.”

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FLEGT – Forest Law Enforcement, Governance and Trade

Montag 12. Juli 2010 von birdfish

FLEGT – Forest Law Enforcement, Governance and Trade

Der EU-Aktionsplan zu Rechtsdurchsetzung, Politik und Handel im Forstsektor

Etwas mehr Schutz für Urwaldbewohner
Mehr Schutz für Urwald und seine Bewohner – Foto: Sandy Scheltema/ Greenpeace

Ilegaler Holzeinschlag ist mit verantwortlich für großflächige Waldzerstörungen weltweit. Daher hat sich Deutschland parallel zu seinen Aktivitäten im Waldforum der Vereinten Nationen zusammen mit den anderen EU-Mitgliedsstaaten dazu verpflichtet, den illegalen Holzeinschlag weltweit zu bekämpfen. Hierzu wurde im Jahr 2003 der FLEGT-Aktionsplan der EU beschlossen (FLEGT = Forest Law Enforcement, Governance and Trade), nach dem nur noch nicht illegal geschlagenes Holz nach Deutschland und in die restliche EU importiert werden darf.

Zu den Handlungsfeldern des Aktionsplans gehören neben der Regulierung des Holzhandels auch die Entwicklungszusammenarbeit, Maßnahmen im öffentlichem Auftragswesen sowie privatwirtschaftliche Initiativen. Handelsrelevante Maßnahmen werden zunächst im Rahmen freiwilliger Partnerschaftsabkommen (Voluntary Partnership Agreements – VPA) mit Holz erzeugenden Ländern angegangen. Grundlage für diese Partnerschaften bildet die im Jahr 2005 verabschiedete EU-FLEGT-Verordnung. Als erstes Land hat Ghana im September 2008 mit der EU vereinbart, nur noch legal eingeschlagenes Holz in die EU zu importieren. Im Mai 2009 folgte ein zweites Abkommen mit der Republik Kongo.

Quelle: Auswärtiges Amt

Seit Juli 2010 ist das Aktionsprogramm FLEGT erst richtig von Erfolg gekrönt. Bei allen Holzprodukten, die in die EU importiert werden, muss die Herkunft nun klar nachzuvollziehen sein. Das macht es Händlern und Verbrauchern möglich, verantwortungsbewusst zu kaufen.

Das Gesetz ist ein klares Signal an die Holzhändler, dass sie illegal geschlagenes Holz in der EU nicht mehr loswerden. Der Anreiz geschützte Bäume in Südost-Asien, Russland, Zentral-Afrika oder dem Amazonas abzuholzen sinkt – und die Wälder werden davon profitieren. Ebenso profitieren hiervon Menschen, die in Urwälder leben und hier vertrieben werden sowie Tiere, die vertrieben und getötet werden.

Leider hat das Gesetz noch einige Schwächen. Erstens tritt es erst in zwei Jahren in Kraft. Zweitens sind Druckerzeugnisse, wie Bücher, deren Papier ja auch aus Holz hergestellt wird, bislang von dem Gesetz ausgenommen. Dass die Mitgliedsstaaten kein einheitliches Mindeststrafmaß festgesetzt haben, ist ebenso problematisch.

Zudem muss nur der erste Händler, der das Holz in die EU importiert, die Legalität nachweisen, was Schlupflöcher lässt.

Quelle: Greenpeace

Informationen zu FLEGT bei der EU-Kommission (engl.)

Stand:  Juli 2010

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Nach wie vor werden Stuttgarter Stadtbusse mit Palmöl gefahren und Regenwald zerstört

Dienstag 6. Juli 2010 von birdfish

Seit zwei Jahren verheizen vier Linienbusse der Stuttgarter Straßenbahnen Palmöldiesel aus Urwaldzerstörung.

Proteste gegen Palmöl-Einsatz in Stuttgart
Proteste gegen Einsatz von Palmöl in Stuttgarter Linienbussen – Foto: Martin Storz / Greenpeace

Gegen dieses klimaschädliche Palmölprojekt haben Greenpeace-Aktivisten vor dem Rathaus anlässlich eines internationalen Mobilitätskongresses in Stuttgart protestiert. Warum nimmt Stuttgart an dem fragwürdigen Pilotprojekt zweier Mineralölkonzerne und Daimler teil, obwohl sich die Stadt das Thema Nachhaltigkeit eigentlich groß auf die Fahnen geschrieben hat?

Palmöl-Diesel von Neste Oil in Stuttgarter Bussen = Urwaldzerstörung steht auf dem Greenpeace-Flugblatt, das Corinna Hölzel, Waldexpertin bei Greenpeace, gemeinsam mit den Aktivisten an die Teilnehmer des Kongresses Cities for Mobility verteilt. Hölzel erklärt: “Das Interesse der Stadt Stuttgart an Klima- und Urwaldschutz ist vorgetäuscht. Wer Diesel aus Urwaldzerstörung einsetzt und Nachhaltigkeit predigt, ist komplett unglaubwürdig.”

Riesige Flächen wertvoller Regenwälder fallen in Indonesien der wachsenden europäischen Palmölnachfrage zum Opfer. Die Umwandlung in Plantagen vernichtet die Heimat bedrohter Arten wie dem Orang-Utan. Besonders heikel ist die Zerstörung der kohlenstoffreichen Torfwälder. Mit jeder Rodung entweichen riesige Mengen CO2 in die Atmosphäre.

Ehrenamtliche Greenpeace-Aktivisten informieren seit Mai 2010 die Stuttgarter Bürger über das klimaschädliche Palmölprojekt ihrer Stadt. Greenpeace hat bei Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster (CDU) im Vorfeld nachgehakt. Die Antwort kam per Post: Auch aus seiner Sicht sei es der falsche Ansatz, lokale Umwelt- und Klimaziele durch Maßnahmen zu erreichen, die global kontraproduktiv seien. Das Roden der Regenwälder zur Kraftstoffgewinnung würde kaum mit den Stuttgarter Nachhaltigkeitszielen im Einklang stehen. Das Pilotprojekt soll jedoch bis 2011 fortgeführt werden, um Erkenntnisse zur Verträglichkeit von Palmöl in Motoren zu sammeln.

Ob die Fortführung des Stuttgarter Projekts tatsächlich zu relevanten Erkenntnissen führen wird? Immerhin fahren im finnischen Helsinki zu Testzwecken seit drei Jahren 300 Linienbusse mit Palmöl-Diesel, so dass Datenmaterial bereits zur Genüge vorliegen sollte. Den Diesel aus Urwaldzerstörung liefert Neste Oil. Der finnische Mineralölkonzern behauptet, nachhaltiges Palmöl vom Hersteller IOI zu beziehen. Diese Aussage scheint äußerst fragwürdig, wenn man bedenkt, dass IOI nachweislich in illegalen Holzeinschlag, Brandrodungen und Vernichtung von Orang-Utan-Gebieten verwickelt ist.

Neste Oil hat große Pläne. Der Konzern baut nach Finnland weitere Raffinerien in Rotterdam und Singapur. Damit wird sich der Ölmulti an die Spitze der weltweit größten Palmöl-Abnehmer schwingen. Die Konsequenz: Neste Oil kann seine hochgefahrene Produktion nur decken, wenn in Indonesien weitere Plantagen auf Kosten des Urwalds und seiner Bewohner angelegt werden.

Bereits im Dezember 2008 musste Neste Oil aufgrund des öffentlichen Protestes ein ähnliches Projekt abbrechen. Um Folgeprojekte zu verhindern, fordert Greenpeace den sofortigen Stopp des Stuttgarter Pilotprojektes mit Palmöl-Diesel.

Wer diese Forderung unterstützen möchte, kann bei Greenpeace online an der Petition teilnehmen oder selbst Unterschriften sammeln (letzteres ein PDF).

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