KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

Waldverlust: Deutscher Papierkonsum trägt Mitschuld an dem rasanten Waldschwund

Montag 21. März 2011 von birdfish

Die Uhr tickt: Jede Minute verschwinden rund um die Welt 35 Fußballfelder wertvoller Wald.

Wald-Ticker in Leipzig
Wald-Ticker in Leipzig – Christian Hüller / WWF

Sehen kann dies jeder am Leipziger Hauptbahnhof: Eine große digitale Uhr zählt die in diesem Jahr vernichtete Waldfläche weltweit. Unter dem Zähler prangt in großer Schrift der Satz: “Innerhalb der nächsten 20 Stunden verlieren wir Wald von der Größe Leipzigs.”

Anhand alltäglicher Beispiele erklären Infografiken und Texte auf der Rückseite des Tickers, in welchen Produkten Wald zu finden ist und wofür die gigantische Zahl von 35 Fußballfeldern Wald pro Minute verschwindet. Der Waldverlust-Ticker steht bis zum 24. März in Leipzig und macht anschließend auf anderen Bahnhöfen Deutschlands Station, als nächstes in Hannover und Dresden.

Der WWF betont, dass der rasante Waldverlust auch auf das Konto Deutschlands geht. “Wir Deutschen verbrauchen jedes Jahr allein 20 Millionen Tonnen Papier”, sagt Philipp Göltenboth, Leiter des Waldprogramms beim WWF Deutschland. “Pro Kopf sind das im Durchschnitt 235 Kilo pro Jahr für Küchenrollen, Pappbecher, Werbeprospekte, Druckerpapier und Taschentücher. Damit liegt Deutschland EU-weit an der Spitze.”

Nicht nur die Papierindustrie sorgt für den Waldschwund. Der Wald bleibt auch auf der Strecke, um den wachsenden Bedarf an Fleisch, Futtermitteln, Holz und Bioenergie zu decken. An die Stelle von natürlichen Wäldern rücken Agrarflächen und Plantagen.

Allein 30 Kilo Werbeflyer landen nach WWF-Analysen jährlich in deutschen Briefkästen – eine Papierflut, die nicht sein müsste. Gleiches gilt für Tissueprodukte wie Taschentücher und Toilettenpapier. Davon verbrauchen deutsche Haushalte jährlich eine Menge in der Größenordnung von sieben Milliarden Papier-Küchenrollen. “Papier sparen und Wald schützen ist einfach”, sagt WWF-Papierexperte Johannes Zahnen. “Wir könnten bundesweit jedes Jahr sechs Milliarden Pappbecher sparen, wenn wir unseren Kaffee unterwegs aus einer Tasse trinken würden. Das sind rund eine halben Million Bäume, die nicht gefällt werden müssten.” An diesem unnötigen Papierverbrauch können wir alle was ändern, so der WWF-Experte.

Wald schützen kann jeder – hier einige WWF-Tipps zum Papiersparen:

Kategorie: Boden, Elemente, Gruppen, Luft, Ressourcen, Ressourcen sparen, Sensibilisierung, Tiere und Pflanzen, Verbraucher, Wälder, Öffentlichkeit | Keine Kommentare »

Skandal um Abholzungslizenzen im Kongo – Mensch, Tier und Wald in akuter Gefahr

Mittwoch 23. Februar 2011 von birdfish

Das Greenpeace-Büro in der Demokratischen Republik Kongo ist alarmiert. Umweltminister José Endundo plant, das Moratorium auf neue Einschlagkonzessionen aufzuheben.

Pygmäen vor Holzfällerfahrzeug. Mit jedem abtransportierten Baumstamm wird die Überlebenschance für ihre Kultur schlechter
Pygmäen vor Holzfällerfahrzeug. Mit jedem abtransportierten Baumstamm wird die Überlebenschance für ihre Kultur schlechter – Foto: Filip Verbelen / Greenpeace

Zudem will er 15 illegale Lizenzen legalisieren. Allein dadurch würde eine Urwaldfläche fünfmal so groß wie Belgien zur Zerstörung freigegeben.

Die tropischen Wälder des Kongobeckens sind nach dem Amazonas-Regenwald die größten zusammenhängenden Urwälder der Welt. Im Kampf gegen den Klimawandel spielen sie eine bedeutende Rolle. 80 Prozent der intakten afrikanischen Wälder befinden sich in der Demokratischen Republik Kongo (DRK). Das entspricht acht Prozent des weltweit in Wäldern gespeicherten Kohlenstoffs.

Nicht nur für das Klima sind diese Wälder von überragender Bedeutung. Sie sind auch Ökosysteme mit einer überwältigenden Artenvielfalt. Und sie sind die Lebensgrundlage für mehr als 40 Millionen Menschen. Die Zerstörung des Urwalds bedroht ihre Existenz.

Der angeblich schonende Einschlag

“Selektive Extraktion” nennen internationale Holzkonzerne ihre Einschlagmethode in Afrika, bei der sie – scheinbar schonend – nur die ein bis zwei wertvollsten Urwaldriesen pro Hektar absägen. Aus ihnen werden Furnierhölzer, Musikinstrumente, Fensterrahmen oder Parkettfußböden gemacht.
In der Demokratischen Republik Kongo befinden sich fast zwei Drittel des afrikanischen Regenwaldes. Der Krieg hat die Entwicklung verhindert – auch die zerstörerische im Wald…

Durch das Fällen, den Abtransport mit Bulldozern und auch den Bau von Zufahrtsstraßen werden jedoch wesentlich größere Gebiete geschädigt als der Begriff “selektive Abholzung” vorgaukeln möchte. Es wird geschätzt, dass die Treibhausgasemissionen durch die “begleitenden” Infrastrukturmaßnahmen 2,5-mal höher sind als die, die ohnehin schon durch die Abholzung entstehen.

Die Reform – Wunsch und Wirklichkeit

Auf Druck der Weltbank wurde Anfang des neuen Jahrtausends in der DR Kongo eine Reform der Forstwirtschaft eingeleitet. Sie sollte die nachhaltige Waldwirtschaft fördern, die Staatseinnahmen erhöhen, die traditionellen Rechte lokaler Gemeinden sichern und – vor allem – zur Verminderung der Armut beitragen.

Von der Weltbank eingefordert, unterzeichnete die DRK 2002 ein Moratorium auf neue Einschlagkonzessionen. Unmittelbare Folge: Es wurden innerhalb weniger Tage über 100 Einschlaglizenzen vergeben, entsprechend einer Fläche von 15 Millionen Hektar Wald. Damit war das Moratorium von vornherein untergraben.

Ein wichtiger Punkt in diesem Prozess war die Legalitätsüberprüfung von 156 Holzeinschlagstiteln. Eine Interministeriale Kommission startete in der DR Kongo 2005 eine Überprüfung der alten Titel.
Das Ergebnis gab Umweltminister José Endundo im Januar 2009 bekannt: 65 Titel (mehr als 12 Millionen Hektar) wurden in langfristige Konzessionen umgewandelt. Die meisten dieser Konzessionen hält die in Liechtenstein ansässige Unternehmensgruppe NST (Nordsüdtimber) mit ihrer Tochterfirma Soderfor und dem deutsch-schweizerischen Konzern Danzer. Allerdings war dieser Untersuchungsprozess alles andere als transparent.

Zurück zum Status Quo

Die Glaubwürdigkeit der Waldreform wird weiterhin unterminiert: Im Januar 2011 gab Enundo bekannt, dass er 15 Titel, die zwei Jahre zuvor für illegal erklärt worden waren und annulliert werden sollten, legalisieren werde. Zudem kam heraus, dass von den 156 untersuchten Ansprüchen nur rund 15 aktiv waren. Alle anderen existierten lediglich auf dem Papier.

Mit anderen Worten: Die angebliche Überprüfung von 2008 hat dazu gedient, den alten Status Quo wiederherzustellen. Laut Waldreform sollen 40 Prozent der Steuereinnahmen aus dem Holzexport an die Regionen zurückfließen. Davon ist bisher kein Cent angekommen.

“Wieder mal zeigt sich, dass eine Weltbankreform nicht die Ergebnisse liefert, die angestrebt sind”, sagt die Greenpeace-Biologin Andrea Cederquist. “Man muss sie vielmehr als legalisierte Form der Waldzerstörung betrachten. Immer noch sind Intransparenz, Korruption und fehlende Strafverfolgung die entscheidenden Charakteristika der Holzindustrie. Die Beiträge zur Armutsbekämpfung sind vernachlässigbar gering.”

Greenpeace

Kategorie: Allgemeines, Artensterben, Boden, Elemente, Entwicklungsländer, Ernährung, Gesetze, Gruppen, Luft, Mensch, Politik, Prognosen, Tiere und Pflanzen, Wasser, Wirtschaft, Wälder, Öffentlichkeit | Keine Kommentare »

Studie: Entwaldung auf indonesischem Sumatra befördert Klimawandel messbar

Dienstag 15. Februar 2011 von birdfish

Die massive Entwaldung der indonesischen Insel Sumatra beeinflusst messbar den Klimawandel.

Sumatra-Tiger - Population nimmt ab
Sumatra-Tiger – Population nimmt ab – Foto: David Lawson / WWF-UK

Nach WWF-Analysen hat der Waldverlust zwischen 1985 und 2008 mit etwa 7,5 Gigatonnen CO2-Emissionen zu Buche geschlagen. Dies entspricht etwa 20 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen, die in den 1990er Jahren durch Änderungen in der Landnutzung entstanden sind. Die Abholzung, Trockenlegung und Brandrodung von Torfmoorwäldern hat zwischen 1990 und 2002 zusätzlich geschätzte 1,1 Gigatonnen CO2 jährlich verursacht. Sumatra hat seit 1985 die Hälfte seiner Tropenwälder verloren, über 13 Millionen Hektar.

„Sumatra war einmal ein grünes, tropisches Paradies. Das ist vorbei”, sagt WWF-Experte Markus Radday. Statt dichten Waldes mit bunter Artenvielfalt beherrschen Ölpalmen und Akazien die Insel. Abgeholzt wird hauptsächlich für Papier und Zellstoff und die Umwandlung in Palmöl-Plantagen. Europa zählt zu den Hauptabnehmern der Produkte, die aus diesen  Rohstoffen hergestellt werden. Besonderen Anteil an der Waldzerstörung haben zwei Papier- und Zellstoffgiganten: die Firmen Asia Pulp & Paper (APP) und Asia Pacific Resources International Holdings (APRIL).

„Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus“, so Markus Radday. „Zuerst trifft der Kahlschlag die Menschen, Tiere und Ökosysteme vor Ort. Früher oder später aber spüren wir ihn alle.“ Jetzt komme es darauf an, den Kahlschlag zu stoppen, die verbliebenen Wälder zu erhalten und mit Aufforstungen den Schaden zu begrenzen.

Wälder sind gigantische Kohlenstoffspeicher, besonders tropische, die im Vergleich zu anderen Wäldern doppelt so viel des Klimagases speichern können. Tropenwälder wirken darüber hinaus kühlend auf das Weltklima. „Intakte Wälder sind ein wichtiges Bollwerk gegen den Klimawandel“, sagt WWF-Experte Radday  Deshalb sei es wichtig, im Rahmen eines künftigen Klimaabkommens dem in den Wäldern gebundenen Kohlenstoff einen finanziellen Wert zu geben.

Damit ließen sich auch die berühmtesten Bewohner der sechstgrößten Insel der Erde retten: Orang-Utan, Sumatra-Elefanten, -Tiger und -Nashorn. Höchstens 2.800 Exemplare des Sumatra-Elefanten durchstreifen die Insel noch – 1985 waren es doppelt so viele. Der Bestand der heute maximal 7.000 Sumatra Orang-Utans wurde seither ebenfalls halbiert. Das Sumatra-Nashorn, von dem 1991 noch785 Tiere gezählt wurden, schafft es heute auf höchstens 200 Individuen. Von den 1.000 Sumatra-Tigern, die vor 30 Jahren auf der Insel heimisch waren, leben derzeit allenfalls noch 679 Exemplare.

Die WWF Studie ‘Sumatra’s Forests, their Wildlife and the Climate’ (PDF, engl.)

Kategorie: Allgemeines, Artensterben, Boden, Elemente, Forschung, Gruppen, Klimamodelle, Landwirtschaft, Luft, Politik, Tiere und Pflanzen, Veröffentlichungen, Wälder, Öffentlichkeit | Keine Kommentare »

Das wasserreiche Amazonas-Becken wird zunehmend zur Region mit Dürreperioden

Donnerstag 10. Februar 2011 von birdfish

Ein neuer Report bestätigt, dass schwere Zeiten auf Amazonien zukommen könnten.

Sandbänke 29 km westlich von Tefé
Sandbänke 29 km westlich von Tefé – Foto: Rodrigo Baleia / Greenpeace

Die Region hat 2010 erneut eine Jahrhundertdürre erlebt – die zweite innerhalb von nur sechs Jahren. Britische und brasilianische Forscher stellten fest, dass ein noch größeres Gebiet unter extremer Trockenheit litt als 2005.

Das Amazonas-Becken mit seinen zahlreichen Flüssen, vor allem dem Amazonas selber, gehört normalerweise zu den wasserreichsten Gebieten der Erde. Seine ausgedehnten Urwälder sind als CO2-Speicher unverzichtbar für das Klima. Doch die massive Entwaldung für Rinderweiden und Soja-Anbau zeitigt bereits Folgen. Sie gilt als mitverantwortlich für die extremen Wetterereignisse der vergangenen Jahre.

Die Autoren der Studie The 2010 Amazon Drought, die jetzt im Magazin Science erschien, befürchten zudem, dass der Dürre ein Baumsterben folgen könnte. Dieser Prozess wäre doppelt schädlich für das Klima: Der Urwald fällt nicht nur zunehmend als CO2-Speicher aus, er setzt durch den Verrottungsprozess Kohlenstoff in Form von CO2 frei.

17 bis 20 Prozent des Amazonas-Urwalds sind bereits völlig vernichtet, weitere 20 Prozent sind degradiert, also nicht mehr intakt. Diese degradierten Flächen bilden keinen ausreichenden Puffer mehr gegen Folgen des Klimawandels wie schwere Stürme. Zudem sind sie durch ihren geringeren Wasserhaushalt stärker durch Waldbrände bedroht.

Wissenschaftler warnen, dass das Ökosystem Amazonas nicht mehr zu retten sei, wenn 40 Prozent des Urwalds endgültig zerstört sind. Mit ihm würde nicht nur die immense Artenvielfalt des Regenwalds verschwinden. Auch für das globale Klima wäre diese Entwicklung verhängnisvoll: Intakte Urwälder sind als CO2-Speicher unverzichtbar.

Zwar hat die Entwaldungsrate 2010 mit 645.100 Hektar den niedrigsten Stand seit 21 Jahren erreicht. Doch Grund zur Entwarnung gibt es nicht. “Machen wir uns nichts vor”, warnt die Biologin und Greenpeace-Waldexpertin Andrea Cederquist, “2010 wurde in Brasilien immer noch eine Waldfläche vernichtet, die mehr als doppelt so groß ist wie das Saarland. Wir müssen es schaffen, die Entwaldung ganz zu stoppen.”

Kategorie: Allgemeines, Artensterben, Elemente, Ernährung, Forschung, Gruppen, Klimamodelle, Mensch, Meteorologie, Prognosen, Tiere und Pflanzen, Veröffentlichungen, Wasser, Wälder, Öffentlichkeit | Keine Kommentare »

Lufthansa: Pilotprojekt mit Bio-Kerosin – Flugzeuge nun mit Palmöl unterwegs?

Dienstag 1. Februar 2011 von birdfish

Mit schlechtem Beispiel voran: Die Lufthansa startet ein Pilotprojekt mit Bio-Kerosin.

Lufthansa mit Palmöl im Tank?
Lufthansa mit Palmöl im Tank? – Foto: Bert Bostelmann / Greenpeace

Ihr Lieferant Neste Oil steht international stark in der Kritik. Der Grund: Das umstrittene Unternehmen setzt für seinen Biosprit hauptsächlich Palmöl ein. Dieses soll zwar angeblich nachhaltig produziert sein – von welchen Plantagen die Ware stammt, bleibt aber unbekannt.

Ein halbes Jahr lang wird die Lufthansa in einem Pilotprojekt 800 Tonnen Bio-Kerosin auf der Strecke Hamburg-Frankfurt ins Triebwerk mischen. Die Zugabe von Palmöl im Sprit kann nicht ausgeschlossen werden. Das Problem: Nachhaltiges Palmöl kann nicht unbegrenzt produziert werden. Je höher die Nachfrage, desto größer der Druck, wertvolle Wälder und Wiesen in Ölpalmplantagen umzuwandeln. Das zerstört den Lebensraum gefährdeter Tiere und vernichtet bedrohte Pflanzenarten.

An der steigenden Nachfrage nach Palmöl ist Neste Oil maßgeblich beteiligt: Der finnische Mineralölkonzern baut riesige Biodiesel-Fabriken in Rotterdam und Singapur. Mit deren Fertigstellung etabliert sich der Konzern mit 2,5 Millionen Tonnen pro Jahr weltweit zum größten Abnehmer von Palmöl.

Ob von nachhaltigen Plantagen oder nicht – mit der Massenabnahme des grünen Goldes trägt Neste Oil dazu bei, dass zum Beispiel Ölpalmen für Lebensmittel oder Kosmetika zukünftig auf Regenwaldflächen angebaut werden. Diese indirekten Landnutzungsänderungen stellen ein globales Problem dar, das allein durch die Zertifizierung von Biokraftstoffen nicht zu lösen ist. Kaum verwunderlich, dass Neste Oil bei der laufenden Publikumsabstimmung für den Public Eye Award ganz oben auf der Liste der übelsten Unternehmen des Jahres steht.

Bei der Lufthansa ist man über die Schattenseite ihres neuen Kooperationspartners informiert: Sie versucht immerhin, über Neste Oil den Palmölanteil durch Jatropha-Pflanzen zu ersetzen. Das funktioniert nur begrenzt – es gibt Lieferschwierigkeiten für die gewünschte Ware. “Der Trend weg vom Palmöl ist ein erster Schritt, bei dem Lufthansa versucht, die riesigen ökologischen und sozialen Probleme bei der Palmölproduktion nicht noch zu verschärfen”, erklärt Corinna Hölzel, Waldexpertin bei Greenpeace. “Die Jatropha-Produktion kann allerdings zu ähnlichen Problemen wie beim Ölpalmen-Anbau führen”, gibt Hölzel zu bedenken.

Agrar- und Biospritkonzerne argumentieren gerne, mit dem Anbau von Jatropha keine Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion zu verursachen. Diese wachse auf trockenen Flächen, auf denen kaum etwas andere gedeihe. “Firmen, die in großem Stil Biosprit auf den Markt bringen, sind trotzdem an fruchtbarem Land für den Jatropha-Anbau interessiert, weil das deutlich höhere Erträge bringt. Damit verdrängen sie letztendlich doch indirekt den Anbau von Nahrungspflanzen in den schützenswerten Regenwald”, so Hölzel.

Palmöl hat weder im Flugzeug- noch im Autotank etwas zu suchen. Klimafreundlicher Sprit kann derzeit nur aus Abfällen hergestellt werden. Die Alternative heißt: weniger Flugverkehr. Ob die Lufthansa auf der Zusammenarbeit mit Neste Oil beharren wird? Andere Unternehmen wie die DHL oder die Stuttgarter Verkehrsbetriebe haben ihre Pilotprojekte mit dem fragwürdigen Kooperationspartner auch aus ökologischen Gründen nicht verlängert. Solange Neste Oil nicht garantiert, dass sie kein Palmöl für die Produktion einsetzen, fordert Greenpeace alle Fluglinien, Autohersteller und Logistikunternehmer auf, keine Zusammenarbeit mit Neste Oil einzugehen.

Neu: Die Fluglinie Finnair, die auch mit Neste Oil über ein Pilotprojekt zu den gleichen Konditionen wie Lufthansa verhandelte, hat sich gerade gegen das Projekt entschieden. Finnair will Palmöl im Tank nicht akzeptieren. Lufthansa sollte sich ein Beispiel an der finnischen Airline nehmen.

Kategorie: Artensterben, Energiearten, Entwicklungsländer, Gruppen, Landwirtschaft, Ressourcen, Sensibilisierung, Tiere und Pflanzen, Wirtschaft, Wälder, Öffentlichkeit | 2 Kommentare »

Die Vereinten Nationen haben 2011 zum weltweiten ‘Jahr der Wälder’erklärt

Mittwoch 19. Januar 2011 von birdfish

Die Vereinten Nationen haben 2011 zum ersten Mal zum Jahr der Wälder erklärt.

Wald: Lebensraum, Existenzgrundlage und Speisekammer für Millionen von Menschen
Lebensraum, Existenzgrundlage und Speisekammer für Millionen von Menschen – Foto: Fletcher & Baylis / WWF

Der offizielle Startschuss fällt am 2. Februar in New York. Laut WWF brauchen die Wälder der Erde dringend mehr Aufmerksamkeit: Weltweit hat der Mensch bereits mehr als die Hälfte der Wälder vernichtet. Die Entwaldungsrate ist ungebremst. Rund um den Globus gehen jedes Jahr 13 Millionen Hektar Wald verloren. Illegaler Holzeinschlag, Brandrodung oder Umwandlung in Agrarland sind die Hauptursachen. Der meiste Wald schwindet in den artenreichen Tropen.

Der WWF will das UN-Jahr der Wälder nutzen, um für einen bewussten Umgang mit der Ressource Wald zu werben. „2011 sollen die Menschen verstehen, wer für das Abholzen der Wälder verantwortlich ist“, erläutert Philipp Göltenboth, Leiter des Waldschutzprogrammes des WWF Deutschland. „Das sind wir. Schließlich verschwinden die 36 Fußballfelder Wald pro Minute nicht einfach so. Aus ihnen wird Holz gewonnen, und daraus entstehen beispielsweise Wegwerfartikel aller Art, vom Papiertaschentuch bis zum Pappbecher für den täglichen Coffee to go. Oder die Wälder müssen weichen, weil an ihre Stelle Soja für die  immer stärker anwachsende Fleischproduktion angebaut wird. Dabei haben die Verbraucher viele Möglichkeiten durch bewussten Konsum zum Waldschutz beizutragen, etwa durch den Kauf FSC-zertifizierter Papierprodukte wie etwa Taschentücher, die dann nicht aus Raubbau stammen“.

Rund ein Drittel der weltweiten Landmassen, etwa 3,9 Milliarden Hektar, sind von Wäldern bedeckt – von den Tropen über die gemäßigten Breiten bis zu den borealen Weiten des Nordens und den  Regenwäldern des Südens. Von den etwa 1,8 Millionen beschriebenen Tier- und Pflanzenarten auf der Erde leben etwa zwei Drittel im Wald. Wälder sind damit die artenreichsten Lebensräume überhaupt.

Wälder sind zugleich Lebensraum, Existenzgrundlage und Speisekammer für Millionen von Menschen; laut UN leben 1,6 Milliarden Menschen direkt im und vom Wald. Darüber hinaus produzieren Wälder Sauerstoff und speichern Kohlendioxid. Sie sind Wasserspeicher, schützen vor Überschwemmungen und bewahren den Boden vor Erosion. Wissenschaftlichen Schätzungen zufolge stellen Wälder im globalen Durchschnitt Dienstleistungen und Rohstoffe im Wert von etwa 750 Euro pro Hektar und Jahr zur Verfügung. Die Wälder der Erde haben also einen Dienstleistungswert von ca. 3 Billionen Euro pro Jahr, was dem zehnfachen des deutschen  Bundeshaushaltes für 2011entspricht.

Mit mehr als 300 Projekten in fast 90 Ländern setzt sich der WWF derzeit für die Bewahrung der Wälder ein. Damit steuert der WWF das größte Waldschutzprogramms der Welt. Bis heute stehen weltweit bereits etwa zehn Prozent aller Wälder unter Schutz. Zugleich sind inzwischen über 85 Millionen Hektar Wald weltweit durch nachhaltige Nutzung vor Raubbau geschützt -  durch das vom WWF geförderten Zertifizierungssystem des Forest Stewardship Council (FSC).

Kategorie: Allgemeines, Boden, Elemente, Gesundheit, Gruppen, Luft, Mensch, Meteorologie, Politik, Prognosen, Sensibilisierung, Tiere und Pflanzen, Verbraucher, Veröffentlichungen, Wasser, Wälder, Öffentlichkeit | Keine Kommentare »

Brasiliens neue Präsidentin Rousseff ist keine Hoffnung für den Amazonas-Urwald

Freitag 7. Januar 2011 von birdfish

Das neue brasilianische Staatsoberhaupt Brasiliens heißt seit 2011 Dilma Rousseff.

Dilma Rousseff - keine Hoffnungsträgerin für den Urwald
Dilma Rousseff – keine Hoffnungsträgerin für den Urwald – Foto: Wilson Dias / Wikipedia

Unter Präsident Lula war sie zunächst Bergbau- und Energieministerin, dann Kabinettschefin. Mit leidenschaftlichem Urwaldschutz ist sie nicht in Erscheinung getreten. Was also wird sie für den Amazonas-Regenwald sein? Eine Einschätzung von Greenpeace.

Brasilien hat sich durch seine Entwaldungsrate zum viertgrößten CO2-Emittenten der Welt entwickelt. Fast 18 Prozent seiner tropischen Regenwälder sind in den vergangenen vierzig Jahren verschwunden. Allein im Bundesstaat Amazonas sind 700.000 Quadratkilometer Wald verloren – eine Fläche so groß wie die Niederlande, Deutschland und Italien zusammen. 80 Prozent dieser Entwaldung gehen auf das Konto der Rinderzucht.

Die gewaltige Zerstörung der Wälder lässt die Brasilianer nicht kalt. “Umweltschutz war im Wahlkampf ein heißes gesellschaftliches Thema”, sagt Sérgio Leitão von Greenpeace Brasilien. “Kein Brasilianer will, dass der Amazonas-Regenwald, ein so bedeutendes Naturerbe des Landes, zerstört wird.”

Das haben auch die Kongresswahlen 2010 gezeigt. 78 Prozent der Gewählten stehen mit Umweltschutzthemen in Verbindung. Ob ein Kandidat sich für oder gegen Urwaldschutz aussprach, trug zu Stimmengewinn oder -verlust bei. So gewann Ivan Valente von der Oppositionspartei PSOL 105.000 Stimmen hinzu. Er hatte gegen die Abschwächung des Urwaldschutzgesetzes Stellung bezogen.

Vor diesem Hintergrund sprach sich Rousseff (63) im Wahlkampf verhalten positiv zum Urwaldschutz aus. “Brasilien kann seine landwirtschaftliche Produktion ohne weitere Entwaldung ausweiten.” Sie neige dazu, diese zu beenden. Auf einen völligen Entwaldungsstopp wollte sie sich allerdings nicht festlegen.

Skepsis ist angebracht. Als Kabinettschefin stellte die studierte Ökonomin 25 Projekte zurück, durch die Urwaldschutzgebiete geschaffen oder schon bestehende vergößert worden wären. Gleichzeitig nannte Ex-Präsident Lula da Silva sie die “Mutter des PAC”, des nationalen Wachstumsbeschleunigungsplans. Der PAC sieht gewaltige Infrastrukturprojekte vor, die auch zu Lasten des Urwalds gehen würden.

Greenpeace

Kategorie: Allgemeines, Gesetze, Gruppen, Politik, Prognosen, Tiere und Pflanzen, Umfragen, Wirtschaft, Wälder, Öffentlichkeit | Keine Kommentare »

2011 ist Internationales Jahr der Wälder – Privatisierung unserer Wälder stoppen

Mittwoch 5. Januar 2011 von birdfish

Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2011 zum “Internationalen Jahr der Wälder” erklärt.

CO2-Speicher Wald schützen
CO2-Speicher Wald schützen- Foto: Ingwer Hansen

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) will in diesem Jahr vor allem die Rolle der Wälder beim Schutz der Artenvielfalt ins Blickfeld rücken. “Der Wald ist nicht primär ein Wirtschaftsgut für die Holzindustrie, er ist vor allem ein Refugium für viele seltene Pflanzen und Tiere. Darunter bedrohte Arten wie Luchs, Wildkatze, Rauhfußkauz und Grauspecht. Der Wald hat eine wichtige Funktion beim Klimaschutz und ist ein unverzichtbarer Erholungsraum für die Bevölkerung”, sagte die BUND-Waldexpertin Heidrun Heidecke. Auch Deutschland müsse beim Waldschutz zulegen. Nadelforste müssten in Mischwälder umgewandelt, Waldmoore renaturiert und mindestens fünf Prozent der Waldfläche aus der Nutzung genommen und als künftige Urwälder geschützt werden.

Heidecke: “Global gesehen ist bei jedem Wimpernschlag ein Hektar Wald verschwunden. Die Vernichtung der Wälder trägt weltweit ebenso viel zum Klimawandel bei wie die CO2-Emissionen aller Autos, Flugzeuge und Schiffe. Die internationale Gemeinschaft muss den Beschluss des Klimagipfels von Cancun vom letzten Dezember schnell umsetzen und mit Geldern aus dem Waldfonds zuerst den Erhalt der Regenwälder sichern.”

Der BUND werde sich in diesem Jahr vor allem für den Schutz der Buchenwälder einsetzen, sagte Heidecke. Bedenklich sei, dass inzwischen jede zweite Buche in Deutschland Schäden aufweise. Hauptursache seien die Emissionen aus Verkehr und Landwirtschaft. Hohe Stickstoffeinträge führten zur Versauerung der Böden und schädigten die Baumwurzeln. Da ein Viertel der weltweiten Buchenbestände hierzulande vorkomme, trage Deutschland für deren Erhalt eine besondere Verantwortung. Die Bemühungen der Bundesregierung, Buchenwälder in Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen 2011 von der UNESCO als Weltnaturerbe schützen zu lassen, will der BUND unterstützen. Bund und Länder seien jedoch gefordert, zusätzlich Buchenwälder wie jene im bayerischen Steigerwald als nutzungsfreie Nationalparks auszuweisen. Gestoppt werden müsse auch die weitere Privatisierung öffentlicher Waldflächen.

Kategorie: Allgemeines, Artensterben, Boden, Elemente, Gruppen, Luft, Mensch, Politik, Prognosen, Sensibilisierung, Tiere und Pflanzen, Verkehr, Wasser, Wirtschaft, Wälder, Öffentlichkeit | Keine Kommentare »