KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

Studie: Treibhausgase im Verkehrssektor bis 2050 um 60 Prozent senken können

Mittwoch 27. März 2013 von birdfish

Das europäische Weissbuch für den Verkehr gibt als Ziel bis 2050 eine Reduktion der Treibhausgase um mindestens 60 Prozent gegenüber 1990 vor.

LKW belasten Straßen mehr als andere Fahrzeuge
Bei LKWs durch Effizienztechnologien bis 2025 bis zu 40 Prozent einsparen – Foto: Erika Hartmann / Pixelio

Diese Reduktion kann auch tatsächlich erreicht werden, wie das vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI koordinierte europäische Forschungsprojekt GHG-TransPoRD aufzeigt. Notwendig ist dafür eine Kombination aus technischen Verbesserungen und geändertem Verhalten, die beide durch Anreize in Form von preispolitischen Instrumenten unter Berücksichtigung von sozial- und haushaltspolitischen Rahmenbedingungen erreicht werden könnten.

Im Straßenverkehr können laut Studie die größten Mengen an Treibhausgasen eingespart und auch am schnellsten erzielt werden. Dies gilt insbesondere für den Bereich der PKW und leichten Nutzfahrzeuge. Durch den Einsatz zahlreicher, bereits heute verfügbarer Technologien würden sich für den Verbraucher zwar leicht höhere Fahrzeugpreise ergeben, aber durch den sinkenden Verbrauch kann auf Dauer sogar Geld gespart werden.

Die wichtigste Maßnahme zur Realisierung dieser Einsparungen ist die ambitionierte Setzung von CO2-Flottengrenzwerten für Neuwagen. Wichtig dabei ist vor allem, die richtige Balance zwischen Fortschritten bei der Effizienz fossil betriebener Fahrzeuge und dem Umstieg auf alternative Energieträger wie Strom und Wasserstoff aus Erneuerbaren Energien zu wahren. Obwohl die Automobilindustrie über die größten Forschungsbudgets in Europa verfügt, können nicht auf beiden Gebieten gleichzeitig die vollen Potenziale ausgeschöpft werden. Kurzfristig ist daher aus Klimaschutzsicht der Fokus auf Effizienztechnologien zu legen, ohne die Reifung und Markteinführung von alternativen Antrieben zu vernachlässigen. Für Dr. Wolfgang Schade, Projektleiter am Fraunhofer ISI, steht fest, „um 2030 dürfte die Verbesserung der Effizienz für fossil betriebene PKW ausgereizt sein. Spätestens dann müssen die alternativen Antriebe einen zuverlässigen und bezahlbaren Ersatz bieten. Dafür müssen sie aber bereits zehn bis 15 Jahre früher in den Markt eingeführt werden, um ihre Kosten zu senken und den Verbraucher damit allmählich vertraut zu machen“.

Die wichtigste Maßnahme zur Realisierung dieser Einsparungen ist die ambitionierte Setzung von CO2-Flottengrenzwerten für Neuwagen. Unter Anrechnung von Elektromobilen mit Null-Emission sind für 2020 Ziele von 70 bis 90 gCO2/km erreichbar. „Damit stellt die europäische Zielsetzung für PKW von 95 gCO2/km für 2020 eine realistische Zielsetzung dar, wie uns auch während unserer Workshops von den Akteuren bestätigt wurde“, so Dr. Wolfgang Schade.

Auch im LKW-Bereich sind durch Effizienztechnologien bis 2025 bis zu 40 Prozent Einsparungen zu erzielen, ergab die Studie. Die übrigen Verkehrsträger Luft, Wasser und Schiene weisen alle lange Erneuerungszyklen ihrer Flotten auf, so das kurz- bis mittelfristig vor allem operative Maßnahmen relevante Einsparungen leisten können. So dürfte beispielsweise für den Luftverkehr mittel- bis langfristig die verbreitete Einführung von nachhaltig erzeugtem Bio-Kerosin den größten Beitrag liefern. Die Entwicklung des Bio-Kerosins erfordert aber Unterstützung seitens des Staates für Forschungs- und Entwicklungsmaßnahmen (FuE). Ansonsten sollte für den Luftverkehr der Grundstein politisch vorbereitet werden, um marktwirtschaftliche Instrumente wie etwa Energiesteuern einzuführen beziehungsweise die Wettbewerbsnachteile anderer Verkehrsträger durch eine Erhebung der Mehrwertsteuer auf internationale Flüge auszugleichen.

Im Schiffsverkehr stellt kurzfristig die Absenkung der Fahrgeschwindigkeit die effektivste Einsparmaßnahme dar. Mittel- und langfristig sind auch hier FuE-Förderungen hinsichtlich schrittweiser Verbesserungen am Antrieb und bei der Einführung Erneuerbarer Energien wie Wind notwendig sowie zur Einleitung von Technologiesprüngen durch neue Designs der Schiffshüllen und -strukturen.

Der Bahnverkehr muss in die Lage versetzt werden, zusätzlichen Verkehr aufzunehmen. Im Güterverkehr bedeutet dies eine Erweiterung der Infrastrukturen durch weitere Gleisanschlüsse und Umschlagterminals sowie spezielle Gütergleise zur Beseitigung von Engpässen und Konfliktstellen mit dem Personenverkehr.

Zur Erreichung des Klimaschutzzieles von 60 Prozent weniger Treibhausgasemission im Verkehr bis 2050 im Vergleich zu 1990 können neue Technologien ungefähr einen Beitrag von 60 Prozent leisten. Änderungen im Verhalten der Verbraucher durch neue Mobilitätskonzepte oder Nutzung von effizienteren Verkehrsmitteln würden 40 Prozent ausmachen. Vor diesem Hintergrund kann der Verkehr gegenüber 2010 bis 2020 eine Treibhausgasreduktion von zehn bis 20 Prozent erzielen, bis 2030 eine Reduktion von 40 bis 50 Prozent und bis 2050 von 70 bis 90 Prozent. Voraussetzung ist dabei aber, dass im Jahr 2050 die Elektrizitätserzeugung zu mindestens 80 Prozent auf Erneuerbare Energien umgestellt ist.

Hier die komplette Studie (PDF, engl.)

Weitere Informationen

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Taufe des Kreuzfahrtschiffes ‘AIDAstella’ – NABU kritisiert umweltfeindlichen ‘Stern’

Samstag 16. März 2013 von birdfish

Mit Blick auf die heutige Taufe des neuen Kreuzfahrtschiffes „AIDAstella“ hat der NABU die mangelhaften Umweltstandards des Flottenneuzugangs der Reederei AIDA Cruises kritisiert.

Kampagne Mir stinkts für sauberere Kreuzfahrtschiffe
Kampagne ‘Mir stinkts’ für sauberere Kreuzfahrtschiffe

„Kein Stickoxidkatalysator, kein Rußpartikelfilter, kein sauberer Treibstoff. Mit der AIDAstella macht die Reederei weiter wie bisher und verpasst damit die Chance, Umweltvorreiter der Kreuzfahrtbranche zu werden. Anders, als der Name vermuten lässt, funkelt hier nach wie vor nur die Fassade, unter Deck aber geht der Schweröl-Wahnsinn weiter“, kommentiert NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller die Taufe des zehnten AIDA Kreuzfahrtschiffes in Rostock.

Erst am Dienstag hatte sich AIDA im aktuellen Nachhaltigkeitsbericht gerühmt, Vorreiter in Sachen Umweltschutz zu sein. Allein, die dort wortreich beschriebenen Maßnahmen wie Energiesparlampen und reibungsarme Unterwasseranstriche sind ein Tropfen auf den heißen Stein. Die wahre Umweltsünde der Schifffahrt resultiert nach wie vor aus der Verwendung von giftigem Schweröl und den Verzicht auf Abgasreinigungssysteme wie Rußpartikelfilter und Stickoxidkatalysatoren. Auf diese Weise werden gigantische Mengen schädlicher Luftschadstoffe freigesetzt, die den Klimawandel beschleunigen und die Gesundheit von Millionen Menschen schädigen. Dabei ist die notwendige Technik einsatzbereit: So wird Mitbewerber Hapag-Lloyd in acht Wochen die „MS Europa 2“ vorstellen, die als erstes Kreuzfahrtschiff immerhin über einen Stickoxidkatalysator verfügen wird, der die für Mensch, Tier und Pflanzen schädlichen Stickoxide fast vollständig zurückhält.

„Ein modernes Kreuzfahrtschiff fährt ohne Schweröl und setzt auch einen Partikelfilter ein. Erfreut nehmen wir daher die AIDA-Aussage zur Kenntnis, dass das Unternehmen mit Hochdruck an einem ganzheitlichen Filterkonzept für die Schiffe arbeitet“, so Miller. Der NABU fordert diese Technik seit Jahren und hält sie für einen der wichtigsten Bausteine auf dem Weg zu mehr Umweltverträglichkeit von Schiffsreisen. Die „neue“ AIDAstella ist daher bereits auf ihrer Jungfernfahrt veraltet, da sie den neuesten Stand der Technik nicht einsetzt.

Zum NABU-Hintergrundpapier zu den Umweltauswirkungen von Kreuzfahrtschiffen (PDF)

Zur Kampagne “Mir stinkt’s”

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Green Climate Fund soll zentrales Instrument im Kampf gegen den Klimawandel werden

Mittwoch 13. März 2013 von birdfish

Vom 12. bis zum 15. März trifft sich in Berlin der Vorstand des Green Climate Fund (GCF) zu seinem dritten Treffen.

WüsteWüste bei Pakistan: Dürre und Überschwemmung sind Klimawandel-Folgen – Foto: Matthias Jäger / pixelio.de

Dies ist die erste Zusammenkunft nach dem 18. UN-Klimagipfel in Doha und der Entscheidung im letzten Oktober, dass der GCF dauerhaft seinen Sitz in Südkorea – und nicht in Bonn – haben soll. Bei den Beratungen in Berlin stehen zentrale Fragen auf der Agenda: Wie kann der Fonds den notwendigen Paradigmenwechsel in Richtung Entwicklung mit wenig Emissionen in Entwicklungsländern unterstützen?  Wie kann der Zugang dieser Länder zu den Mitteln des Fonds geregelt werden? Wie kann der Privatsektor einbezogen werden? Auch sollen weitere Regelungen für den Einbezug der Zivilgesellschaft beschlossen werden.

Für Germanwatch beobachtet Sven Harmeling, Teamleiter Internationale Klimapolitik, das Treffen: “2013 wird zu einem Schlüsseljahr für den Green Climate Fund, und dieses Treffen markiert den Auftakt. Der Fonds soll zu einem zentralen Instrument im Kampf gegen den Klimawandel werden. Er soll Entwicklungsländer bei der Vermeidung von Emissionen und der Anpassung an die Folgen des Klimawandels unterstützen. Fortschritte bei der Vorstandssitzung in Berlin sind dringend notwendig, damit der Fonds möglichst bald konkrete Klimaschutzmaßnahmen in Entwicklungsländern fördern kann. In der Zukunft sollen jährlich zweistellige Milliardenbeträge über den Green Climate Fund abgewickelt werden. Die Industrieländer sollen hier einzahlen, etwa aus den Erlösen der Emissionshandels-Versteigerung. Aber auch Klimaschutzinstrumente für den internationalen Flug- und Schiffsverkehrs sollen Milliardeneinnahmen erbringen. Auf dem Klimagipfel Ende 2013 in Warschau sollten hierzu die ersten substanziellen Zusagen vorliegen.”

Zum vielfach diskutierten Einbezug des Privatsektors kommentiert Sven Harmeling: “Zentral sind im Klimaschutz Rahmensetzungen, die Investitionen privater Akteure für mehr Klimaschutz attraktiv machen. Die Mehrkosten der Rahmensetzung müssen international mitfinanziert werden. Es wäre aber eine Mogelpackung, wenn die Industrieländer sich die mobilisierten Investitionen des Privatsektors einfach auf ihre Zahlungsverpflichtungen anrechnen würden.”

Kritisch sieht Germanwatch die derzeit vorliegenden Vorschläge zum Einbezug der Zivilgesellschaft in die Arbeit des GCF. Sven Harmeling: “Der Vorstand berät über Vorschläge, die zum Ausschluss aller zivilgesellschaftlichen Organisationen führen könnten, die nicht direkt in der Projektumsetzung in Entwicklungsländern aktiv sind. Dies wäre eine vollkommen unakzeptable Einschränkung. Die Entwicklung eines solchen Fonds ist komplex und vielschichtig. Sie bedarf vielfältiger Expertise, nicht nur hinsichtlich konkreter Projektumsetzung.” Zudem sei es notwendig, ausgewählten Vertretern der Zivilgesellschaft die volle aktive Beteiligung an den Diskussionen des GCF-Vorstands zu ermöglichen. In einem zweiten Schritt müsse der Fonds auch Regelungen finden, um die wirkungsvolle Teilhabe der Zivilgesellschaft in den Ländern zu ermöglichen, in denen die Projekte umgesetzt werden.

Der GCF wurde durch Entscheidungen des UN-Klimagipfels in Cancún (2010) gegründet und ein Jahr später in Durban (2011) in wichtigen Aspekten operationalisiert. Er wird seinen dauerhaften Sitz in Songdo bei Seoul in Südkorea haben.

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Deutsche Umwelthilfe fordert ein Verbot des toxischen Kältemittels R1234yf in Autos

Montag 11. März 2013 von birdfish

Die Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH) fordert die Bundesregierung und die Europäische Kommission auf, das im Brandfall extrem toxische chemische Kältemittel R1234yf zu verbieten.

Einige Hersteller wollen umstellen
Einige Hersteller wollen in unbestimmter Zeit auf CO2 als Kältemittel umstellen. Foto: Viktor Mildenberger / Pixelio

Seit mehreren Jahren setzt sich die DUH für ein Anwendungsverbot der Chemikalie ein und hat im Dezember 2012 abermals einen entsprechenden Antrag beim Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) gestellt. In der vergangenen Woche hatten die deutschen Autohersteller Daimler, VW und BMW am Rande des Genfer Autosalons erneut erklärt, zukünftig auf das natürliche Kältemittel CO2 umzusteigen. Jedoch machten sie keine Angaben zum Zeitplan und zur Frage, wann sie die rechtswidrige Weiterverwendung des klimaschädlichen Kältemittels R134a beenden werden.

„Die deutschen Autohersteller kündigen bereits seit 15 Jahren regelmäßig den Umstieg auf ein klimafreundliches und ungiftiges Kältemittel CO2 an, ohne ihre Versprechungen einzuhalten. Tatsächlich bezwecken sie eine möglichst lange Weiterverwendung des extrem klimaschädlichen aber billigen Kältemittels R134a“, kritisiert Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH. 1998 hatte die Daimler AG erstmals den Einsatz des Kältemittels CO2 versprochen, diese Zusage aber bis heute nicht umgesetzt. 2007 hatten sich die deutschen Autohersteller im Rahmen einer Vorstandsentscheidung des VDA darauf verständigt, die Entwicklung der Kältetechnik mit chemischen Mitteln einzustellen und die verbindliche Einführung des natürlichen Kältemittels CO2 zugesagt. Auch dieses Versprechen wurde vom VDA-Präsidenten Matthias Wissmann im Folgejahr gebrochen.

Dass sich die Chemikalie R1234yf aufgrund ihrer gravierenden Sicherheitsrisiken nicht als Ersatz für R134a eignet, ist seit vielen Jahren bekannt. Bereits 2008 und 2009 wiesen die DUH und die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) durch Unfallsimulationen auf die Brandgefahr und die Bildung hochtoxischer Flusssäure hin. Doch auch eine aufwändige dritte Untersuchung der BAM im Auftrag des Umweltbundesamtes  ignorierten die Automobilbauer, bis die Daimler AG im Herbst 2012 in eigenen Tests zu den selben Ergebnissen kam.

„Egal ob BMW, Audi oder Volkswagen – fast alle Autohersteller bringen auch weiterhin neue Modelle auf Basis alter Typgenehmigungen mit R134a auf die Straßen. Mit diesen Tricks umgehen sie nicht nur die EU-Richtlinie zu Lasten des Klimaschutzes, sondern sie ignorieren auch die Sicherheitsdebatte rund um R1234yf“, erklärt Dorothee Saar, Leiterin der Abteilung für Verkehr und Luftreinhaltung bei der DUH. Nach Auffassung der Umweltschutzorganisation steckt hinter der Verzögerungstaktik Kalkül. Das patentgeschützte R1234yf ist pro Füllung rund 80 Euro teurer als R134a. Ähnliche Mehrkosten pro Fahrzeug sind auch für den Einsatz einer CO2-Klimaanlage zu erwarten, jedoch ist das natürliche Kältemittel selbst weitaus günstiger als seine chemischen Alternativen. Solange die Hersteller ihre Fahrzeuge mit R134a befüllen, erhöht das folglich ihren Profit.

Die DUH fordert sowohl die Europäische Kommission als auch die Bundesregierung auf, Autohersteller mit einer Strafzahlung in Höhe von 665 Euro für jedes rechtswidrig mit R134a in Verkehr gebrachte Fahrzeug zu belegen, um den schnellstmöglichen Umstieg auf das Kältemittel CO2 zu garantieren. Gemeinsam mit dem Verkehrsclub Deutschland (VCD) setzt sie sich für den Umstieg auf umweltschonende Klimatechnik ein. Die gemeinsame Kampagne „PRO KLIMA: Effiziente Autoklimaanlagen mit natürlichen Kältemitteln“ wird im Rahmen eines EU-Programms LIFE+ gefördert.

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Gesundheitsrelevante Effekte durch zwei Jahre bestehende Umweltzone nachgewiesen

Montag 11. März 2013 von birdfish

Für die im März 2011 in Leipzig eingerichtete Umweltzone kann eine positive Startbilanz gezogen werden.

Umweltzone
Umweltzone. Foto: Foto: Tilo Arnhold / TROPOS

Auf der Pressekonferenz anlässlich des zweijährigen Bestehender Umweltzone wies das Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e. V. (TROPOS) in Leipzig die Minderung der Rußkonzentration und damit einen elementaren gesundheitsrelevanten Effekt durch die Kernmaßnahme der insgesamt 48 kurz-, mittel- und langfristig wirkenden Maßnahmen des Luftreinhalteplans nach.
„Der Luftreinhalteplan mit der Einzelmaßnahme Umweltzone dient vor allem dem Gesundheitsschutz der Bevölkerung“, konstatiert Heiko Rosenthal, Bürgermeister für Umwelt, Ordnung, Sport der Stadt Leipzig. „Speziell die Umweltzone bewirkt jedoch mehr, als sich aus den von gesetzlicher Seite vorgegebenen Messungen ablesen lässt. Ihre Wirkung resultiert dabei aus dreierlei Effekten: der Nachrüstung älterer Dieselfahrzeuge mit einem Rußpartikelfilter, der Erneuerung und Verjüngung der Fahrzeugflotte sowie der immer stärkeren Nutzung des Umweltverbundes.“
Einen gesundheitsrelevanten Effekt der Umweltzone Leipzig hat das Leibniz-Institut für Troposphärenforschung nachgewiesen. „In Leipzig-Mitte am Ring wurde ein Rückgang des schwarzen, toxischen Kohlenstoffs, also Ruß, von circa 30 Prozent gemessen“, sagt Prof. Dr. Alfred Wiedensohler, Leiter der Abteilung Aerosole und Wolken am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e. V.. „Diese Minderung in der Rußkonzentration an der Straße hängt direkt mit dem Rückgang der dieselbetriebenen Fahrzeuge und der veränderten Fahrzeugflotte zusammen. Ein Rückgang der Rußkonzentration von 1 µg pro Kubikmeter führt allerdings nur zu einer Minderung von wenigen Überschreitungstagen. Die Minderung der Toxizität des Feinstaubes an der Straße ist jedoch signifikant, da die toxischen Stoffe hauptsächlich auch in Verbindung mit Rußpartikeln stehen.“
„Die Erfahrung in Leipzig zeigt, dass sich die Luftqualität durch konsequent umgesetzte Maßnahmen, die gezielt auf die Minderung der Rußemissionen des Straßenverkehrs gerichtet sind, verbessern lässt“, sagt Dorothee Saar, Leiterin der Abteilung Verkehr und Luftreinhaltung im Berliner Büro des Deutsche Umwelthilfe e. V.. „Aktuelle Untersuchungen nennen Ruß als Klimatreiber an zweiter Stelle nach Kohlendioxid. Der Kampf gegen Ruß dient also sowohl dem Gesundheits-, als auch dem Klimaschutz. Die Ergebnisse zeigen auch, dass eine Maßnahme allein, und sei sie noch so effektiv wie die Umweltzone, nicht ausreicht, um dauerhaft die Einhaltung der Grenzwerte sicherzustellen.“
Der 2009 in Kraft gesetzte Luftreinhalteplan der Stadt Leipzig soll neben der Rußminderung vor allem absichern, dass der vorgegebene Grenzwert für das Tagesmittel an Feinstaub in Höhe von 50 µg pro Kubikmeter nicht mehr als 35 mal im Kalenderjahr überschritten wird. Daneben gilt es, den Jahres-grenzwert für Stickstoffdioxid in Höhe von 40 µg pro Kubikmeter zu unterschreiten. Einen wesentlichen Einfluss auf die Messergebnisse, insbesondere auf die Feinstaubbelastung, hat jedoch auch das Wetter, welches indirekt die Wahrnehmung der Wirkung von Luftreinhaltemaßnahmen wie die der Umweltzone in der Öffentlichkeit beeinflusst. Auch eine wetterbedingt höhere Belastung sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass durch das Wirken der Luftreinhaltemaßnahmen, das Konzentrationsniveau der kanzerogenen Feinstaubpartikel bereits erfolgreich gesenkt wurde. Im Ergebnis steht damit eine höhere Luftqualität.
Innerhalb der seit 1. März 2011 eingerichteten Umweltzone, eines mit Schildern gekennzeichneten Areals (etwa zwei Drittel des Leipziger Stadtgebietes), dürfen nur Fahrzeuge mit einer grünen Umweltplakette (Schadstoffgruppe 4) am öffentlichen Straßenverkehr teilnehmen.
Neben der Verpflichtung zur Gewährleistung eines hinreichenden Gesundheitsschutzes, bleiben auch andere grundlegende Bedürfnisse der Bevölkerung nicht unbeachtet. So wurden seitens der Stadt Leipzig Ausnahmeregelungen für den Privat- und Wirtschaftsverkehr erarbeitet, die soziale und wirtschaftliche Härten vermeidbar machen. Mit Stand zum 1. Januar 2013 waren insgesamt 4.530 Fahrzeuge vom Fahrverbot ausgenommen, hierunter fallen auch auswärtige Fahrzeuge. Dazu kommen noch die Euro 3-Fahrzeuge (gelbe Plakette), die auf Grund fehlender Partikelfilter am Markt derzeit nicht auf Grün nachgerüstet werden können.

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Germanwatch: Die Emissionen begrenzen und Mittel für Klimafinanzierung generieren

Mittwoch 6. März 2013 von birdfish

Germanwatch präsentiert ein Positionspapier, in dem dargestellt wird, wie der Weg hin zu einem globalen Mechanismus zur Begrenzung von Luftverkehrsemissionen aussehen sollte und warum dessen Implementierung so wichtig ist.

Cover Flugemissionen

Der Mechanismus sollte im Rahmen der Internationalen Organisation für Zivile Luftfahrt (ICAO), der innerhalb der UN zuständigen Organisation, von der Staatengemeinschaft verabschiedet werden. Neben dem Hauptziel der Emissionsreduktionen ist es wichtig, dass dieses Instrument Mittel für die internationale Klimafinanzierung generiert.

Positionspapier Emissionen im Flugverkehr (PDF)

Kurzpapier zur Bepreisung globaler Schiffs- und Flugemissionen (PDF)

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Deutschland kann wiederholt EU-Grenzwerte für Stickstoffdioxid nicht einhalten

Dienstag 26. Februar 2013 von birdfish

Nach Kenntnis des BUND will die Europäische Kommission 33 von 56 Fristverlängerungsanträge deutscher Städte zur Einhaltung der Stickstoffdioxid-Grenzwerte nicht genehmigen.

Schiffe tragen zum Ausstoß bei
Schiffe tragen zum Ausstoß der Gase bei – Foto: siepmannH / pixelio

Die Unterlagen seien nicht ausreichend und gingen in einigen Fällen nicht über das Niveau von Entwürfen hinaus, so die Begründung der EU-Kommission. So beinhalteten unter anderem die Minderungspläne für Hamburg, München, Stuttgart und viele Städte im Ruhrgebiet unzureichende Maßnahmen, durch die eine Einhaltung der Stickstoffdioxid-Grenzwerte bis zum Jahr 2015 nicht gewährleistet sei.

Jens Hilgenberg, BUND-Verkehrsexperte: “Die EU hat den zuständigen Behörden in Deutschland eine klare Watsche erteilt. Mit unausgegorenen Plänen zur Bekämpfung der Stickoxidbelastung lässt sich die Kommission nicht abspeisen. Wir fordern die Kommunen auf, sofort zu handeln und den motorisierten Individualverkehr zu reduzieren. Nur das kann zu einer Entlastung der Luft führen.”

Sollte die Kommission die Einwände gegen die Fristverlängerung aufrechterhalten, kämen enorme Strafzahlungen auf Deutschland zu.

Diese würden von der Bundesregierung mit großer Sicherheit an die Länder und Kommunen weitergereicht. “Es kann nicht sein, dass die Steuerzahler mal wieder für die Fehlplanungen der Politik zahlen müssen. Diese Gelder würden in den chronisch unterfinanzierten Haushalten der Kommunen eine viel sinnvollere Verwendung für eine Verbesserung des Radverkehrs oder den Ausbau des ÖPNV finden”, sagte Hilgenberg.

Hauptversucher von Stickstoffdioxid-Emissionen sei der Verkehr. Zu viele Pkw und Lkw in den Städten seien das größte Problem. In Städten mit großen Flüssen oder Hochseehäfen käme die Schifffahrt als eine der Hauptemittenten dazu. Aber auch ungefilterte Baumaschinen und Diesellokomotiven trügen zu den erhöhten Stickstoffdioxid-Belastungen bei.

2015 ist das Jahr, bis zum dem die Grenzwerteinhaltung von den Kommunen laut EU-Richtlinie 2008/50/EG maximal aufgeschoben werden kann. Voraussetzung dafür sind aber genaue Aufstellungen, welche Maßnahmen in den Städten wann getroffen werden sollen und welches Minderungspotential gesehen wird.

Zum “Beschluss der EU-Kommission vom 20.2.2013 betreffend die Mitteilung der Bundesrepublik Deutschland über die Verlängerung der Frist für das Erreichen der NO2-Grenzwerte in 57 Luftqualitätsgebieten” (PDF)

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Fraunhofer Mobilitätsforschung: Wann macht der Einsatz von Elektroautos Sinn?

Montag 18. Februar 2013 von birdfish

Stehen wir vor dem Autokauf, ist unser erster Gedanke selten an den daraus resultierenden Impetus auf den Klimawandel.

Fraunhofer Elektroauto FreccODer Fraunhofer ‘FreccO’ schafft eine Reichweite von mind. 200km – Foto: Ingo Daute / Fraunhofer

Wir beschäftigen uns lieber mit den Vorteilen eines neuen Autos. Ein wesentlicher Pluspunkt: es macht uns individuell mobil und flexibel. Im Jahr 2012 standen laut einer Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes 30.452.019 mit Benzin und 11.891.375 mit Diesel betriebene PKWs gerade mal 4.541 Elektroautos gegenüber. Der Großteil aller zugelassenen Fahrzeuge sind somit Autos mit Verbrennungsmotor. Das heißt, sie werden mit einem endlichen Rohstoff betrieben, sie erzeugen Abgase und in geballter Menge machen sie Lärm. Ist deshalb ein Elektroauto grundsätzlich sinnvoller?

Die Forschung beschäftigt sich schon seit geraumer Zeit mit der Frage nach Alternativen zu klassisch betriebenen Fahrzeugen. Der Umstieg auf Elektroautos stellt dabei eine der am intensivsten verfolgten Möglichkeiten dar. Doch hier sehen sich nicht nur Wissenschaftler, sondern auch die Automobilindustrie und letztlich der Endabnehmer vielerlei Fragen gegenüber gestellt: Wie sinnvoll ist ein Elektroauto? Inwiefern ist die Herstellung der Batteriesysteme für ihren Antrieb umweltfreundlicher als das Tanken mit Benzin oder Diesel? Können Elektroautos wirklich die Bedürfnisse der Menschen nach grenzenloser Mobilität erfüllen? Derartige Fragen und noch viele mehr beschäftigen auch Michael Held, Leiter der Arbeitsgruppe “Energie und Mobilität” am Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP, jeden Tag. Sein Fachgebiet ist die Ökobilanzierung, genauer die Ökobilanzierung von Energie- und Mobilitätssystemen.

“Wir leben in einer Zeit, in der wir uns Gedanken machen müssen, wie wir langfristig Ressourcen schonen und mit ihnen haushalten können. Dieser Grundgedanke der Nachhaltigkeit ist die Basis der Arbeit in der Abteilung Ganzheitliche Bilanzierung”, schildert Held seine tägliche Forschungsarbeit. Für den Automobilbereich, so der Fraunhofer-Forscher, ist die Auseinandersetzung mit alternativen Antriebssystemen aber nicht allein eine Frage der Umweltbilanz. “Natürlich trägt der Transportsektor wesentlich zur Klimabilanz bei. Jedoch wirft die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen weitere Fragestellungen auf”, erklärt Held. So habe sich in den vergangenen Jahren die Versorgungslage mit Erdöl zunehmend verschärft. Deutschland hat keine entsprechenden eigenen Quellen, um einen langfristigen Nachschub ohne kostenintensive Importe sicherzustellen. Gleichzeitig steigt der Mobilitätsbedarf der Bevölkerung weiter rasant an. Schon heute beträgt der weltweite Kraftfahrzeugbestand etwa eine Milliarde Fahrzeuge. Bis zum Jahr 2030 erwarten Experten eine Verdopplung. Ein extremes Wachstum der Kraftfahrzeugzulassungen zeichnet sich vor allem auch in aufstrebenden Ländern wie China oder Indien ab. Die Bundesregierung hat sich deshalb dazu entschlossen, die Abhängigkeit von erdölbasierten Kraftstoffen zu verringern, indem sie beispielsweise die Elektromobilität fördert. Der Vorteil der Elektromobilität liegt in der höheren Vielfalt an Energieträgern und Stromerzeugungstechnologien. Werden Elektrofahrzeuge mit Strom aus zusätzlich installierten Erneuerbaren Energien geladen, können diese zudem einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Klimabilanz im Transportsektor (Individualverkehr) leisten.

Doch es genügt nicht einfach einen elektrischen Antrieb in ein Auto zu bauen. Ein Elektroauto muss eine echte Alternative zum konventionell betriebenen Fahrzeug sein – und zwar vom ökologischen wie ökonomischen Standpunkt aus. Hier setzt die Ökobilanz und darauf aufbauend die Ganzheitliche Bilanzierung an. Die Ökobilanz ist eine systematische Analyse aller Umweltwirkungen eines Produkts, Verfahrens oder einer Dienstleistung entlang des gesamten Lebensweges. “Dabei soll sie den wirtschaftlichen und technischen Aspekt nicht ausblenden oder gar ersetzen”, erklärt Held. Denn die wesentliche Frage ist immer die nach der Sinnhaftigkeit. In diesem Fall müssen die Wissenschaftler erforschen, in wie weit sich die Umweltbilanz des Fahrzeuglebenszyklus durch den Einsatz der alternativen Antriebskomponenten verändert. Welcher Energiemix zur Betankung von Elektroautos am effektivsten und ob es zweckmäßig ist, Strom zu tanken, wenn dieser von konventionellen Kraftwerken (fossilen Energieträgern) erzeugt wird, steht dabei ebenso im Mittelpunkt der Forschung wie der zu erreichende ökologische Mehrwert beim Einsatz von Elektrofahrzeugen. Gleichzeitig darf dabei aber auch nie der Faktor Mensch und seine Bedürfnisse ausgeklammert werden. “Das macht meine Arbeit immer sehr fallspezifisch”, erläutert Held die Vielfalt seines Forschungsbereichs. Trotzdem könne man Trends ermitteln und somit Aussagen zu möglichen Bandbreiten und erforderlichen Rahmenbedingungen treffen. “Ein Auto hat viele Komponenten, die wir im Rahmen der Ökobilanzierung bewerten. Wir schauen uns den Fahrzeugbau, die verwendeten Materialien sowie die Art ihrer Verwendung bis hin zur Entsorgung des Autos an – also von der Wiege bis zur Bahre”, so Held. Eine der verwendeten Komponenten, die den Fraunhofer-Forscher interessiert, ist die Batterie, denn sie stellt derzeit eine Schlüsseltechnologie der Elektromobilität dar. Die Herstellung der eingesetzten High-Tech Werkstoffe erfordern oftmals einen aufwendigen Abbau seltener Rohstoffe und eine energieintensive Verarbeitung. Das macht sich wiederum in der Ökobilanz der Elektrofahrzeuge bemerkbar. Im Sinne der Nachhaltigkeit müssen Automobilhersteller bzw. ihre Zulieferer beispielsweise die Ressourcenverfügbarkeit oder die Einhaltung der Umweltrichtlinien in den abbauenden Ländern berücksichtigen. Diese Umweltbeiträge können nämlich den Fahrzeuglebenszyklus maßgeblich beeinflussen. Darüber hinaus fließt auch das Recycling der Batterie, ebenso wie das der restlichen Autoteile in die Ökobilanz mit ein. “Maßgeschneiderte Lösungen tragen letztlich dazu bei, sicherzustellen, dass ein Produkt langfristig einen ökologischen Mehrwert hat”, erklärt Held.

Eine Batterie, die in der Ökobilanz eines Fahrzeugs im Bereich ihrer Herstellung schwer ins Gewicht gefallen ist, kann das an anderer Stelle der Bilanz allerdings auch wieder ausgleichen. So kann sich beispielsweise, abhängig von der Dimensionierung des Batteriesystems, die Klimabilanz der Fahrzeugherstellung im Vergleich zum konventionellen Auto verdoppeln. Verwenden die Autofahrer unter anderem einen sauberen, durch Erneuerbare Energien gewonnen Strommix zum Tanken und fahren vergleichsweise viele Kilometer, lassen sich diese gewichtigen Aspekte im Vergleich zum konventionellen Fahrzeug amortisieren. “Je früher dieser so genannte Break Even eintritt, desto größer ist der ökologische Mehrwert”, so Held. Die Anschaffung eines Elektroautos bringt also nichts, wenn die erforderliche Fahrleistung möglicherweise nicht erreicht werden kann. Beim Thema Batterie kommt derzeit allerdings auch noch ein anderes Problem hinzu: die Reichweite. Elektrofahrzeuge von heute sind in diesem Bereich immer noch kaum mit konventionellen Autos vergleichbar. Gleichzeitig nimmt die Ladung der Batterien bisher deutlich mehr Zeit in Anspruch als ein normaler Tankvorgang. “Autofahrer wünschen sich eine hohe Reichweite, selbst wenn das eigentlich nur ein psychologischer Faktor ist.” Die meisten, so der Wissenschaftler, würden pro Tag nämlich durchschnittlich nur maximal 50 Kilometer mit dem Auto zurücklegen. Eine Distanz, die auch ein Elektroauto locker schafft. Somit bietet sich ihr Einsatz vor allem im Stadtverkehr an. Hier können sie einen wichtigen Beitrag zur Reduktion von städtischen Emissionen sowie zur Lärmminderung leisten.

“Viele Menschen denken, dass die Elektromobilität die konventionelle Mobilität auf lange Sicht ablösen wird. Dieser Meinung bin ich nicht”, erklärt Held. “Vielmehr muss sich eine stärkere Vernetzung der Verkehrsmittel ergeben, in deren Rahmen sich Elektro- sowie konventionelle Mobilität dort ergänzen, wo es Sinn macht.” Und genau aus diesem Grund ist die Ökobilanzierung als Teil der Nachhaltigkeitsbewertung ein bedeutender Faktor. “Aus unseren bisherigen Erkenntnissen heraus werden wir uns jetzt damit auseinandersetzen müssen, wie die Akzeptanz von Elektroautos im Privatgebrauch oder im öffentlichen Nahverkehr in Städten gesteigert werden kann. Und schließlich müssen wir Mittel und Wege finden, diese Konzepte von der Stadt auf den ländlichen Raum auszuweiten.”

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