KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

Zukunft bringt mehr Hitzewellen: Extreme Wetterlagen sind Folge des Klimawandels

Dienstag 25. Oktober 2011 von birdfish

Die Moskauer Hitzewelle des vergangenen Jahres war mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Folge des Klimawandels – anders als bislang teils angenommen.

Smog über dem Roten Platz
Smog über dem Roten Platz in Moskau durch die Waldbrände 2010 – Foto: Flickr, Timon91

Statt auf natürliche kurzfristige Klimaschwankungen ist der Temperaturrekord in der Region um die russische Hauptstadt auf den langfristigen Trend der Klimaerwärmung zurückzuführen, und zwar mit einer Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent, wie Analysen von Wissenschaftlern des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) ergaben. Sie entwickelten eine Formel zur Berechnung der Häufigkeit von Klimaextremen. Ihre Ergebnisse werden diese Woche in der renommierten Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht.

Mehr Hitzewellen: Extreme sind Folge des Klimawandels

„In vielen Ländern sind in den letzten Jahren nie dagewesene Wetterextreme zu beobachten, zugleich steigt die weltweite Mitteltemperatur seit Jahrzehnten steil an“, sagt Hauptautor Stefan Rahmstorf. „Wir haben untersucht, wie das zusammenhängt.“ Die Forscher machen in Zahlen fassbar, wieviele zusätzliche Wetterrekorde durch die Klimaerwärmung verursacht werden. Auch ohne Klimaerwärmung kann es durch natürliche Schwankungen zu neuen Rekorden kommen, aber deutlich seltener. Zunächst wenden die Forscher ihre Analysemethode auf Hitzerekorde an, zukünftig sollen auch andere Arten von Extremen untersucht werden. „Was die Temperaturen betrifft, so konnten wir zeigen, dass der Klimawandel unter dem Strich zu deutlich mehr Extremen führt“, so Rahmstorf. „Für die Menschen sind diese oft schädlich.“

“Für die Menschen oft schädlich”

So hat der vielfach als Jahrhundertsommer bezeichnete Sommer 2003 in Europa Tausende von Toten gefordert. Die Rekordhitze 2010 mit Schwerpunkt im westlichen Russland hat europaweit den extrem heißen Sommer 2003 sogar noch übertroffen – und führte zu Missernten beim Weizen, für den zwischenzeitlich in Russland ein Exportverbot erlassen wurde. Außerdem plagten zahlreiche Großbrände das Land.

Die Anzahl der Hitzerekorde wird um so größer, je steiler der klimatische Erwärmungstrend ist –  starke Temperaturschwankungen von Jahr zu Jahr verringern dagegen die Zahl der Rekorde. Auf den ersten Blick wirkt dies widersprüchlich, denn für das Einzelereignis ist es natürlich die starke Schwankung, die den Rekord ausmacht. In der Summe aber führen heftige Schwankungen dazu, dass die einmal erreichten Spitzenwerte nicht so rasch wieder übertroffen werden. Aus dem Verhältnis von Erwärmungstrend zu Schwankungen lässt sich die erwartete Häufigkeit neuer Rekorde berechnen. Beobachtungsdaten stützen diese Berechnungen und werden durch die theoretische Erkenntnis erklärbar.

Kälte-Extreme nur wenig verringert

Extreme Kälte lässt die Menschen genauso leiden wie extreme Hitze. „Unsere Analyse zeigt aber leider, dass die Zunahme der Hitze-Extreme bei weitem nicht ausgeglichen wird durch eine Abnahme der Kälte-Extreme“, so der Co-Autor Dim Coumou. Diese Abnahme ist nämlich gering. „Insgesamt ist die Häufigkeit von monatlichen Temperaturrekorden schon um ein Mehrfaches angestiegen.“

Originalpublikation:
Rahmstorf, S., Coumou, D. (2011): Increase of extreme events in a warming world. Proceedings of the National Academy of Sciences (early edition), [doi:10.1073/pnas.1101766108]

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Millionen von Dürre in China betroffen – Regenfälle bringen nur teilweise Besserung

Donnerstag 9. Juni 2011 von birdfish

Teile des Gebietes des Jangtse Flusses in China leiden unter der schlimmsten Dürre seit rund 50 Jahren.

Ohne Wasser liegen die Terrassen am Jangtse trocken
Ohne Wasser liegen die Terrassen am Jangtse trocken – Foto: Mauri Rautkari / WWF-Canon

Seit März blieben in vielen Regionen die Regenfälle aus. Illegale und ineffiziente Wassernutzung und der Mangel an Abstimmung in Bezug auf die am Jangtse etablierte Wasserinfrastruktur verstärken die Auswirkungen der Wasserknappheit. Glücklicherweise nimmt seit Freitag dank starker Regenfälle die Trockenheit in einigen Regionen ab. Jedoch kam es in den Provinzen Guizhou, Jiangxi und Hunan stattdessen zu Hochwasser.

“Diese Dürre ist selbst für die Trockenheit gewohnten Provinzen Chinas dramatisch”, so Martin Geiger, Wasserexperte beim WWF Deutschland. “35 Millionen Menschen am Mittel- und Unterlauf des Jangtse sind betroffen, akuter Trinkwassermangel bedroht auch nach den starken Regenfällen noch über zwei Millionen Menschen.”

Nach offiziellen Angaben hat die Dürre bislang Schäden in Höhe von rund 2,3 Millionen US-Dollar verursacht. Der WWF hält diese Zahl aber für zu niedrig angesetzt, da neben der Landwirtschaft auch die Fischwirtschaft, die Wasserkraft und die Trinkwasserversorgung direkt betroffen sind. Langjährige Investitionen des WWF sind entlang des Mittel- und Unterlaufs des Jangtse zunichte gemacht.

“Es ist schwierig dieses Ereignis wissenschaftlich unmittelbar dem Klimawandel zuzuordnen, aber es könnte ein Vorbote dessen sein, was uns in Zukunft in China und vielen anderen trockenen Regionen dieser Welt ereilen könnte”, so Geiger. “Die aktuellen heftigen Regenfälle in Teilen der Jangtse-Region dürfen nicht dazu verleiten, jetzt diese Dürre ad acta zu legen und untätig die nächste abzuwarten.”

Der WWF hält es für dringend notwendig, Wasser vom Jangtse auch in betroffene Feuchtebiete zu leiten, die durch den Bau des Drei-Schluchten-Staudamms teilweise vom Wasser des Jangtse abgeschnitten wurden. Mittel- und langfristig muss China sein Wassermanagement deutlich verbessern und sich den Risiken von Trockenperioden besser anzupassen. Verantwortlich für die sich weiter verschärfende Wasserkrise in China ist neben den längeren Trockenperioden und Bodenerosion vor allem Wasserverschwendung. Seit 1949 hat sich der Wasserbrauch in China in etwa verfünffacht. Bis zu 70 Prozent des verbrauchten Wassers wird in der Landwirtschaft eingesetzt. Vor allem im trockenen Norden und am mittleren Jangtse ist man auf Bewässerungssysteme angewiesen. Aufgrund veralteter Bewässerungsanlagen und hoher Verdunstungsraten kommt höchstens die Hälfte des Wassers auf den Feldern an.

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Wasserknappheit wird zum Wachstumsrisiko – Wasserrisikofilter veröffentlicht

Donnerstag 7. April 2011 von birdfish

Nach einer aktuellen Studie vom WWF und der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) wird der Mangel an Süßwasser nicht nur zu einem zunehmenden ökologischen Risiko, sondern auch zu einem ökonomischen.

Wasserrisikofilter 2011
Wasserrisikofilter 2011 – Foto: WWF

Klimawandel, Bevölkerungswachstum und steigende Lebensstandards tragen dem Bericht zufolge dazu bei, dass der Druck vor allem in Entwicklungsländern auf die vorhandenen und ohnehin schon knappen Wasserressourcen weiter zunehme. Der Wassermangel bedrohe in Südostasien und Afrika ganze Ökosysteme und den Lebensstandard der Menschen vor Ort.

„Die Verfügbarkeit von Wasser wird auch für Unternehmen zu einem Entwicklungsengpass – mit dem Wasserrisikofilter haben wir jetzt ein Instrument entwickelt, Unternehmen diese Risiken aufzuzeigen und Unterstützung im Wassermanagement anzubieten“, erklärt Dr. Peter Thimme, Leiter Nachhaltige Entwicklung/Umwelt von der DEG. Der Zugang zu genügend Wasser in ausreichender Qualität sei somit von erheblichem wirtschaftlichem Wert. „Der nachhaltige Umgang mit Wasser ist für die Unternehmen eine Verantwortung gegenüber Ökosystemen und der lokalen Bevölkerung, die von eben diesem Wasser abhängen“, bekräftigt Martin Geiger, Leiter Süßwasser beim WWF Deutschland. Vor allem die Agrarindustrie sei in diesem Bereich gefordert, da sie immerhin 70 Prozent des weltweiten Wasserverbrauchs beanspruche. Wenn jetzt nicht gegengesteuert werde, seien in Zukunft Engpässe bei wasserintensiven Agrargütern und für die betroffenen Unternehmen wirtschaftliche Risiken zu erwarten, warnen WWF und DEG.

Der neu entwickelte „Wasserrisikofilter“ soll ähnlich einem Lackmus-Test dazu dienen, wasserbezogene Risiken frühzeitig zu erkennen und in Investitionsentscheidungen einzubeziehen. Zudem soll er Handlungsmöglichkeiten für Unternehmen aus verschiedenen Branchen und Regionen aufzeigen, die von Risiken wie Wasserknappheit, -verschmutzung oder Überflutungen direkt oder in ihrer Zulieferkette bedroht sein könnten. Die DEG plant, einzelne Verbesserungsansätze in einem Anschlussprojekt konkret umzusetzen und aus Mitteln für Begleitmaßnahmen zu fördern. Auf diese Weise will der Entwicklungsfinanzierer die ökologischen und ökonomischen Auswirkungen der sich verschärfenden Wasserkrise abfedern.

In das Projekt flossen mehr als 80 detaillierte und umfassende Länderinformationen zur jeweiligen Wassersituation sowie umfangreiches Kartenmaterial ein. Von über 300 untersuchten Unternehmen haben nach Angaben von DEG und WWF 191 hohe potentielle Risiken im Wasserbereich. Es gilt nun, diese Wasserrisiken durch konkrete Unterstützungsmaßnahmen zu  reduzieren.

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Der weltweite Ausbau von Energie aus Biomasse erfordert schwierige Abwägungen

Montag 10. Januar 2011 von birdfish

Energie aus Pflanzen kann bis zu 20 Prozent des weltweiten Bedarfs an Strom und Wärme im Jahr 2050 decken, davon rund die Hälfte aus Biomasseplantagen.

Biomasse: Energie zu welchem ökologischen Preis?
Biomasse: Energie zu welchem ökologischen Preis? – Foto: Thorben Wengert / Pixelio

Dies aber nur um den Preis einer deutlichen Ausweitung der Anbauflächen zu Lasten der Natur. Das ist Ergebnis einer Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), „die erstmals das Potenzial und die Risiken der Energiegewinnung aus Biomasseplantagen in einer aufwändigen biogeochemischen Computersimulation ermittelt“, wie der Leitautor Tim Beringer erklärt. Die vom Menschen genutzte Landfläche würde sich je nach Szenario um zehn bis dreißig Prozent gegenüber dem heutigen Wert vergrößern, die nötige Bewässerung könnte sich im Extremfall verdoppeln.

Felder und Weiden für die Erzeugung von Lebensmitteln wurden in den Berechnungen der Wissenschaftler von einer Umwandlung in Plantagen für Energiepflanzen ausgenommen, weil diese Flächen nach Einschätzung der Wissenschaftler zur Ernährung der wachsenden Erdbevölkerung benötigt werden. Diese wird mit großer Wahrscheinlichkeit bis Mitte des Jahrhunderts um zwei Milliarden Menschen wachsen. Ausgenommen wurden zudem Gebiete unberührter Wildnis oder hoher Artenvielfalt sowie jene Wälder und Moore, welche auf natürliche Weise besonders große Mengen des Treibhausgases Kohlendioxid binden. Für die gesamte Erdoberfläche wurden die Wachstumsbedingungen von Gewächsen wie Pappeln, Eukalyptus oder Präriegräsern analysiert – also von Energiepflanzen der so genannten zweiten Generation, nicht jenen der ersten Generation, wozu Feldfrüchte wie Mais oder Raps zählen.

Die Computersimulation zeigt die räumliche Verteilung der nach diesen Kriterien möglichen Anbaugebiete. In diesen Gebieten wäre die Produktion von Bioenergie zwar umweltverträglicher als an anderen Orten. Jedoch würden von der Flächenumwandlung auch sensible Gebiete betroffen sein wie etwa in Südamerika die Feucht-Pampa, heißt es in der Untersuchung. Sie ist soeben in der Fachzeitschrift ‚Global Change Biology – Bioenergy’ erschienen. Das Projekt wurde vom Forschungsverbund der Leibniz-Gemeinschaft im Rahmen seiner Exzellenzförderung mit einer Million Euro finanziert.

Die Forscher rechneten eine ganze Reihe von Szenarien für Biomasseplantagen durch. Dies ergab Energieerträge zwischen 25 und 175 Exajoule jährlich: Geringe Werte bei einem strikten Schutz der Flächen und ohne Bewässerung, hohe Werte bei geringem Schutz der Flächen und starker Bewässerung. Ein mittleres Szenario brächte rund 100 Exajoule, bei einer geschätzten Verdoppelung des weltweiten Energiebedarfs von heute 500 auf 1000 Exajoule im Jahr 2050. Zu der Energie aus Biomasseplantagen käme wahrscheinlich dieselbe Menge etwa aus landwirtschaftlichen Abfällen.

„Zahlreiche Studien zeigen, dass ohne Energie aus Biomasse ambitionierte Klimaschutzziele kaum erreichbar sind“, sagt der PIK-Forschungsbereichsleiter Wolfgang Lucht. Die Erderwärmung auf zwei Grad über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen, mit einem Ausstieg aus den fossilen Energien, erfordere wohl unvermeidbar 20 Prozent Bioenergie.  „Wieviel Energie zu welchen Umweltkosten erzeugt werden kann, ist daher eine wichtige und immer noch strittige Frage.“ Speziell zur Biomasseproduktion angelegte Plantagen mit schnell wachsenden Pflanzen könnten nach Einschätzung der Wissenschaftler zukünftig eine besonders große Rolle spielen. Bestehende Studien zu deren Potenzial seien jedoch „vielfach zu optimistisch“ und vernachlässigten die Umweltkosten, sagt Lucht. Oft werde davon ausgegangen, dass Produktivitätssteigerungen der Bauern so stark ausfallen könnten, dass bedeutende Ackerflächen für den Anbau von Energiepflanzen frei würden. Dies vernachlässige aber, dass der Nahrungsbedarf wachse – und zugleich beispielsweise Wasserknappheit vielerorts intensive Landwirtschaft erschwere.

Die Umwandlung der Flächen trägt nach Einschätzung der PIK-Forscher nur dann zur Energiesicherheit und ländlichen Entwicklung bei, wenn sie international koordiniert und regional angepasst wird. Nützlich sein könnte hierbei eine Zertifizierung von Biomasseproduktion. Vor allem auch die verstärkte Nutzung landwirtschaftlicher Abfälle als Biomasse anstelle von eigens angebauten Pflanzen könnte ein wichtiger Beitrag zur Nachhaltigkeit sein.

Originalpublikation:

Beringer, T., Lucht, W., Schaphoff, S.: Bioenergy production potential of global biomass plantations under environmental and agricultural constraints. GCB Bioenergy, 2011 [doi:10.1111/j.1757-1707.2010.01088.x]

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Haushaltssperre für Finanzierung des Klimaschutzes im Energie- und Klimafonds

Dienstag 2. November 2010 von birdfish

Mit der Errichtung des Sondervermögens “Energie- und Klimafonds” hat die Bundesregierung angekündigt, bis 2017 etwa eine Milliarde Euro für internationalen Klima- und Umweltschutz einsetzen zu wollen.

Dürre in Afrika
Dürre, Überschwemmungen und Wegfall der Lebensgrundlage in armen Ländern nehmen zu. – Foto: Dieter Schütz / Pixelio

Davon ist wenig übrig geblieben: Über fast die gesamte Summe haben die Koalitionsfraktionen kurzerhand für die kommenden Jahre eine Haushaltssperre gelegt.

Lediglich 35 Millionen Euro im nächsten Jahr werden von der einen Milliarde jetzt schon freigegeben. Mit dieser Haushaltssperre für die internationalen Klimagelder verzichtet Deutschland auf ein deutliches Signal für die internationale Klimaschutzdynamik. Die Freigabe des Geldes wäre dringend erforderlich für den Aufbau von Klimaschutz-Koalitionen mit Entwicklungs- und Schwellenländern.

Die Koalition setzt aber auf eine ganz andere Strategie: Erst wenn es ein internationales Klimaabkommen gibt, will man das Geld freigeben. Kurz vor der Abstimmung im Bundestag konnte wenigstens der Passus gestrichen werden, die Aufhebung der Sperrung sogar zwingend von einem umfassenden Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll abhängig zu machen.

“Die USA und China – die beiden größten Hindernisse auf dem Weg zu einem solchen Abkommen – werden von dem Geld ohnehin nichts bekommen. Durch Verweigerung des Geldes kann deshalb kein Anreiz für ein globales Abkommen gesetzt werden. Eine Dynamik für das Handeln und Verhandeln können hingegen Koalitionen mit Entwicklungs- und Schwellenländern erzeugen, die ernsthafte Klimastrategien umsetzen wollen”, kommentiert Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von Germanwatch.

November-Beschluss zur Schnellstartfinanzierung jetzt noch wichtiger

“Vertrauen für die Verhandlungen kann nur entstehen, wenn die großen Industrieländer ihre Zusagen von Kopenhagen erfüllen”, kommentiert Bals. Beim letzten Klimagipfel in Kopenhagen hat die Kanzlerin zugesagt, 1,26 Milliarden Euro für die sogenannte Schnellstartfinanzierung zwischen 2010 und 2012 bereitzustellen – jährlich wären dies durchschnittlich 420 Millionen Euro.

Schon für 2010 hatte die Bundesregierung lediglich 70 Millionen Euro als tatsächlich nach Kopenhagen beschlossene “neue und zusätzliche” Mittel eingestellt. Ansonsten rechnet sie sich etwa Gelder für den Artenschutz, die die Kanzlerin schon ein Jahr zuvor auf dem Biodiversitätsgipfel international versprochen hatte, zur Zielerreichung an. Im November wird nach dem gestrigen Beschluss über das neue Sondervermögen ebenfalls über die Schnellstartmittel für das Haushaltsjahr 2011 entschieden. Im Kabinettsentwurf wurden die Titel für wirklich neue Gelder auf “null gesetzt”. Und für die Einzahlung in Weltbankfonds für den Klimaschutz sollen, abweichend vom bisherigen Vorgehen, nicht nur die Haushaltsmittel, sondern auch Kredite angerechnet werden. “Wenn schon der Vorreiter Deutschland solche Tricks anwendet, dann lässt das für den Klimagipfel von Cancun nichts Gutes erwarten. Die Entwicklungsländer sehen in der Umsetzung der Finanzzusagen eine Nagelprobe für die Ernsthaftigkeit der Beschlüsse von Kopenhagen”, kommentiert Bals.

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KLIMA 2010 – Klimawandel-Einfluss auf das Management weltweiter Wasserressourcen

Dienstag 19. Oktober 2010 von birdfish

Die Onlinekonferenz KLIMA 2010 / CLIMATE 2010 steht vor der Tür.

Klima 2010 Konferenz

Im Vorfeld der nächsten Runde der internationalen UN-Klimaschutzverhandlungen in Cancún/Mexico thematisiert die weltweite, wissenschaftliche und CO2-freundliche Konferenz die Frage, welchen Einfluss der Klimawandel auf das Management der weltweiten Wasserressourcen haben wird. Bereits zum dritten Mal wird die Klimakonferenz von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW Hamburg) organisiert.

Unter der Schirmherrschaft des Bundesumweltministers Röttgen können sich Forscher, Unternehmen, Behörden genauso wie die interessierte Öffentlichkeit auf der Konferenzplattform vom 1. bis 7. November 2010 über den Klimawandel informieren und miteinander diskutieren. Ziel der Online-Konferenz ist es, die Suche nach globalen und regionalen Lösungen gegen die Folgen des Klimawandels für die Wasserversorgung voranzutreiben und die Dringlichkeit der Thematik ins Licht der breiten Öffentlichkeit zu rücken.

Onlinekonferenz KLIMA 2010

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Sozial- und kulturwissenschaftliche Aspekte bei Anpassungsstrategien berücksichtigen

Dienstag 14. September 2010 von birdfish

Die Wissenschaft ist sich weitgehend darüber einig, dass der Klimawandel die Lebensbedingungen auf der Erde erheblich verändern wird.

Leben mit dem Klimawandel
Leben mit dem Klimawandel – Foto: I. Friedrich / Pixelio

Wie können, wie sollen sich die Menschen auf die absehbaren Konsequenzen einstellen? Mit dieser Frage befassen sich weltweit immer mehr Forschungsprojekte. Auf der Basis empirischer Daten wollen sie globale oder regionale Strategien der Anpassung an den Klimawandel erarbeiten. Dabei ändern sich bisherige Sichtweisen auf soziale und wirtschaftliche Prozesse – mit erheblichen, oftmals unbeachteten Folgen für Entwicklungskonzepte in Wissenschaft und Politik.

Auf diese Zusammenhänge macht Prof. Dr. Detlef Müller-Mahn aufmerksam, der an der Universität Bayreuth den Lehrstuhl für Bevölkerungs- und Sozialgeographie innehat. In Afrika ist er seit vielen Jahren an Forschungs- und Entwicklungsprojekten beteiligt. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen beobachtet er mit wachsender Sorge, wie internationale Debatten über den Klimawandel sich auf den Umgang mit Entwicklungsfragen auswirken. Gemeinsam mit seinem britischen Kollegen Terry Cannon vom Institute for Development Studies (IDS) in Brighton hat er in der Zeitschrift “Natural Hazards” eine kritische Analyse vorgelegt.

Sozioökonomische Entwicklungen und politische Verantwortung:
Ein Plädoyer gegen naturalistische Vorstellungen

Die beiden Autoren betonen, wie dringlich es ist, dass über Anpassungsstrategien an den Klimawandel weltweit nachgedacht wird. Zugleich aber warnen sie davor, menschliche Gesellschaften wie natürliche Ökosysteme zu betrachten, die auf klimatische Veränderungen immer nur nachträglich reagieren können. Wissenschaft und Politik sollten nicht allein darauf hinarbeiten, die Widerstandsfähigkeit (”resilience”) ganzer Gesellschaften durch klimapolitische Abwehrmaßnahmen zu stärken, sondern dabei immer auch die Verwundbarkeit (”vulnerability”) von Individuen und gesellschaftlichen Gruppen im Blick behalten und deren Interessen schützen.

Wie Cannon und Müller-Mahn kritisch anmerken, verleitet der Vergleich mit natürlichen Ökosystemen dazu, einen wesentlichen Aspekt zu vernachlässigen: Soziale und wirtschaftliche Gegebenheiten und etablierte Machtstrukturen haben einen entscheidenden Anteil daran, wie verwundbar die Menschen sind. Sozioökonomische Verhältnisse in den ärmsten Regionen der Erde so zu gestalten, dass die Menschen in ihrem lokalen Umfeld möglichst autonom und sicher leben können – dies muss nach Auffassung der beiden Wissenschaftler ein elementares Ziel von Entwicklung bleiben. Das gelte erst recht angesichts der dramatischen Veränderungen, die der Klimawandel mit sich bringt. “Naturalistische Sichtweisen verleiten dazu, ethisch-politische Leitbegriffe wie Gerechtigkeit und Gleichheit zu vernachlässigen. Auch die individuelle Verantwortung der Akteure in Wirtschaft und Politik wird dabei zu leicht ausgeblendet,” erklärt Müller-Mahn und fügt hinzu: “Die blumige Redeweise von der Gerechtigkeit gegenüber künftigen Generationen ist dafür kein Ersatz.”

Risiken und Katastrophen:
Sozial- und kulturwissenschaftliche Perspektiven

Wer an die Herausforderungen des Klimawandels so herangehen will, dass die ethische und politische Dimension von Entwicklungsfragen im Blickfeld bleibt, darf – so die beiden Autoren – einen grundlegenden Sachverhalt nicht übersehen: Wetterereignisse und Klimaentwicklungen sind keinesfalls aus sich selbst heraus, sozusagen ihrer inneren Natur nach, Risiken oder Katastrophen. Diesen Charakter gewinnen sie erst im Zusammenwirken mit der Lebenswelt von Menschen. Es hängt wesentlich auch von deren Bedürfnissen, Interessen, Gewohnheiten und Zukunftsentwürfen ab, in welcher Weise die Natur als gefährlich oder katastrophal erlebt wird. “Nur wer diesen Zusammenhang anerkennt, ist angesichts des Klimawandels zu einem angemessenen Umgang mit Entwicklungsfragen in der Lage,” so Müller-Mahn.

“An dieser Stelle sind nicht die Naturwissenschaften, sondern die Sozial- und Kulturwissenschaften gefordert. Die Forschung muss sich viel stärker als bisher dafür interessieren, wie Menschen in ihren jeweiligen Regionen mit Wetterereignissen und Klimaentwicklungen umgehen. Deren Interessen, Erfahrungen und lokales Wissen sind wertvolle Beiträge für Entwicklungskonzepte, die ihnen dabei helfen wollen, die eigenen Lebensverhältnisse gegenüber dem Klimawandel abzusichern,” erläutert der Bayreuther Experte für Sozialgeographie seinen Forschungsansatz. Auch über die Begriffswelten, in denen öffentlich über Wetter und Klima geredet wird, sollte seiner Überzeugung nach intensiver nachgedacht werden. Denn dadurch könnten Interessens- und Machtstrukturen deutlicher zutage treten, die einer Entwicklung zugunsten armer Regionen und Bevölkerungsgruppen möglicherweise im Weg stehen.

Online-Veröffentlichung:

Terry Cannon, Detlef Müller-Mahn:
Vulnerability, resilience and development discourses in context of climate change,
in: Natural Hazards, “Online First”.
DOI-Bookmark: 10.1007/s11069-010-9499-4

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Klimawandelfolgen weltweit

Mittwoch 8. September 2010 von birdfish

Alle Länder der Erde sind auf die eine oder andere Weise vom Klimawandel betroffen.

Hier beginnen wir eine Sammlung von Klimawandelfolgen aus aller Welt.

Allgemeines

Leben mit dem neuen Stress – Der Klimawandel wird zur katastrophalen Normalität

Naturkatastrophen werden im fortschreitenden Klimawandel zur Normalität.
Eine Bestandsaufnahme der ZEIT nach dem Hochwasser 2011 von Bangkok.

ZEIT Online vom 6.11.11

Europa
Alpen

Gletscherschmelze und ihre Folgen: Deutsch-österreichisches Verbundprojekt zu Gesteinsbewegungen in den Alpen

Welche Auswirkungen die rasch voranschreitende Gletscherschmelze in den Alpen auf die Bewegung von Gesteinsmassen hat, untersuchen deutsche und österreichische Wissenschaftler in einem Verbundprojekt, das vom Lehrstuhl für Physische Geographie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) koordiniert wird. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen auch der Identifizierung möglicher Naturgefahren und der weiteren Entwicklung des Untersuchungsgebietes in Österreich dienen. [...]

Quelle und kompletter Artikel: Kath. Uni Eichstätt vom 03.11.11


Gefährlich nah an der Null-Grad-Grenze
In den Alpen ist der Gletscherschwund am größten

Eine Studie im Fachmagazin “Nature Geoscience” geht der Frage nach, wie viel Eis Gletscher im Zuge der Klimaerwärmung verlieren könnten. Dabei differenzieren die Autorinnen in 19 Weltregionen. Von allen Gebirgsmassiven werden die Alpen demnach das meiste Eis einbüßen.

Nirgendwo sonst werden Gebirgsgletscher so empfindlich auf die Klimaerwärmung reagieren wie in den Europäischen Alpen. Das ist das Ergebnis der neuen Modellstudie, die die Fachzeitschrift “Nature Geoscience” jetzt veröffentlicht. [...]

Quelle und kompletter Artikel: Deutschlandradio vom 10.01.11

Asien
China

Schwere Dürre in Chinas Kornkammer
Weltweite Auswirkungen auf Preise befürchtet

Eine für den Getreideanbau wichtige chinesische Provinz leidet derzeit unter der schwersten Dürre seit mindestens 40 Jahren. Mindestens die Hälfte der Anbaufläche, zwei Millionen Hektar, sei bereits von der Wasserknappheit betroffen, teilte die Verwaltung der Provinz Shandong am Montag mit. Die Dürre könnte weltweite Auswirkungen haben.

Mehr als 240.000 Menschen und 107.000 Nutztiere hätten den Zugang zu Trinkwasser verloren, sie würden von Feuerwehrautos mit Wasser versorgt. In vielen Gegenden habe es seit vier Monaten keinen Niederschlag mehr gegeben, hieß es auf Internetseite von Shandong. [...]

Kompletter Artikel in RP Online vom 24.01.11


Zentralasien

“Wasserknappheit und Klimawandel in Zentralasien
Gefahr für die ehemaligen mittelasiatischen Sowjetrepubliken?”

Ein Länderbericht der Konrad-Adenauer-Stiftung -  23. 08. 2010

Zum Länderbericht (PDF)


Südamerika
Brasilien

Das wasserreiche Amazonas-Becken wird zunehmend zur Region mit Dürreperioden

Die Region hat 2010 erneut eine Jahrhundertdürre erlebt – die zweite innerhalb von nur sechs Jahren. Britische und brasilianische Forscher stellten fest, dass ein noch größeres Gebiet unter extremer Trockenheit litt als 2005.

Das Amazonas-Becken mit seinen zahlreichen Flüssen, vor allem dem Amazonas selber, gehört normalerweise zu den wasserreichsten Gebieten der Erde. Seine ausgedehnten Urwälder sind als CO2-Speicher unverzichtbar für das Klima. Doch die massive Entwaldung für Rinderweiden und Soja-Anbau zeitigt bereits Folgen. Sie gilt als mitverantwortlich für die extremen Wetterereignisse der vergangenen Jahre. [...]

klima-media Artikel vom 10.02.11


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