KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

Atlantikwasser wärmt die Arktis auf: Spektakulärer Temperaturanstieg einmalig

Montag 31. Januar 2011 von birdfish

Nie in den vergangenen 2000 Jahren war das atlantische Wasser in der östlichen Framstraße zwischen Grönland und Spitzbergen so warm wie heute.

Dr. Spielhagen beprobt den Sedimentkern
Dr. Spielhagen beprobt den Sedimentkern – Foto: J. Steffen / IFM-GEOMAR

Dies belegt eine Untersuchung von Meeressedimenten am westlichen Kontinentalhang Spitzbergens, die federführend von Wissenschaftlern des Leibniz-Institut für Meereswissenschaften IFM-GEOMAR und der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz, gemeinsam mit Kollegen aus Bremerhaven, Tromsö (Norwegen) und Boulder (USA) durchgeführt wurde. Die entsprechende Studie erschien in der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift „Science“.

Die Framstraße zwischen Grönland und Spitzbergen ist die wichtigste Verbindung zwischen dem Arktischen Ozean und den übrigen Weltmeeren. Auf der Ostseite der Meeresstraße fließen warme und salzreiche Wassermassen aus dem Nordatlantik in die Arktis. Dieser warme Strom, die nördlichste Fortsetzung des Golfstroms, sorgt sogar im Winter für überwiegend eisfreie Bedingungen westlich von Spitzbergen. Wissenschaftler des Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) und der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz, konnten jetzt zusammen mit Kollegen des Alfred-Wegener-Instituts für Polar und Meereforschung in Bremerhaven sowie Kollegen aus Tromsö (Norwegen) und Boulder (USA) anhand von Meeressedimenten nachweisen, dass die Wassertemperaturen des einströmenden Atlantikwassers in der östlichen Framstraße im Verlauf der vergangenen 2000 Jahre immer wieder um mehrere Zehntel Grad Celsius schwankten. Der jüngste Temperaturanstieg um etwa 2 Grad Celsius in den vergangenen 100 Jahren ist jedoch beispiellos im untersuchten Zeitraum. „Eine solche Erwärmung von Atlantikwasser in der Framstraße hebt sich wesentlich von den Klimaschwankungen der vergangenen 2000 Jahre ab“, sagt Dr. Robert Spielhagen, der für die Mainzer Akademie als Paläoozeanograph am IFM-GEOMAR forscht. Er ist Erstautor der Studie, die in der aktuellen Ausgabe von „Science“ erschien.

Erwärmung in der Framstraße
Karte der Grönlandsee und des Arktischen Ozeans. Die weiß abgetönten Flächen zeigen die durchschnittliche sommerliche Eisbedeckung, die weißen Pfeile markieren die Eisdrift. Die roten Pfeile zeigen den Transportweg für warmes Atlantikwasser in den Arktischen Ozean. Der gelbe Punkt markiert die Probenentnahmestelle für die aktuelle “Science”-Studie.
Kartengrundlage: www.ibcao.org, Bearbeitung: R. Spielhagen, AdWMainz/IFM-GEOMAR

Da kontinuierliche meteorologische und ozeanographische Messdaten nur etwa 150 Jahre zurückreichen, müssen die Wissenschaftler für die Untersuchung des Klimas der Vergangenheit indirekte Klimaarchive wie zum Beispiel Eisbohrkerne oder Sedimentkerne nutzen. Für die Rekonstruktion der Wassertemperaturen in der Framstraße nutzten die Autoren der „Science“-Studie spezielle Arten von Foraminiferen. Diese tierischen Einzeller leben in Wassertiefen von 50 bis 200 Metern und bilden während ihres Lebenszyklus Kalkschalen aus. Sterben sie ab, sinken die Schalen auf den Meeresboden, wo sie im Laufe der Zeit von Sediment bedeckt werden. So bleiben die Schalen als Fossilien im Meeresboden über lange Zeiträume gut erhalten. Da bestimmte Foraminiferen-Arten ganz spezielle Wassertemperaturen bevorzugen, können die Wissenschaftler anhand der im Meeresboden gefundenen Arten und ihres Alters die ozeanischen und klimatischen Bedingungen der Vergangenheit rekonstruieren. Parallel untersuchten sie die chemische Zusammensetzung der fossilen Kalkschalen, die ebenfalls Rückschlüsse auf Temperaturen in der Vergangenheit zulassen. So stellten Spielhagen und sein Team anhand zweier unabhängiger Untersuchungsmethoden fest, dass es während der jüngsten 2000 Jahre der Erdgeschichte immer wieder deutliche Schwankungen zwischen wärmeren und kühleren Phasen gab: „Besonders kalt war es während der ,Kleinen Eiszeit’, von etwa Mitte des 15. bis ins späte 19. Jahrhundert“, erklärt Koautorin Kirstin Werner vom IFM-GEOMAR. Ungewöhnlich viele wärmeliebende Foraminiferenarten, die mit dem Atlantischen Wasser in die Arktis transportiert werden, fanden die Autoren der Studie dagegen in den allerjüngsten Ablagerungen. Beide Untersuchungsmethoden zeigten übereinstimmend einen Temperaturanstieg von etwa 2 Grad Celsius in den letzten 100 Jahren. „Die heutigen Temperaturen des Atlantikwassers in der Framstraße liegen ca. 1,5 Grad Celsius höher als etwa im klimatisch warmen Hochmittelalter. Vieles spricht dafür, dass der beschleunigte Rückgang des Meereises und die in den letzten Jahrzehnten gemessene Erwärmung von Ozean und Atmosphäre in der Arktis unter anderem eine Folge des verstärkten Wärmetransports aus dem Atlantik sind“, so Robert Spielhagen.

Eine fehlende Meereisbedeckung verstärkt die Klimaveränderungen in der Arktis, wo anstelle der Rückstrahlung der Sonnenenergie durch das helle Eis (“Eis-Albedo-Effekt”) die Wärme vom dunkleren Ozeanwasser aufgenommen und nachfolgend teilweise an die Atmosphäre abgegeben wird. Die aktuell in „Science“ publizierten Ergebnisse bestätigen eine weitere, am IFM-GEOMAR durchgeführte Untersuchung über den Verbleib des Atlantischen Wassers auf den sibirischen Schelfen im Arktischen Ozean. Im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekts „System Laptev-See“ fanden die Autoren jener Studie, die 2010 in der Fachzeitschrift „Journal of Geophysical Research“ veröffentlicht wurde, die Schicht mit warmem Atlantischen Wasser in deutlich geringeren Wassertiefen als in den vorangegangen achtzig Jahren. Sollte sich die Atlantikwasserschicht weiter erwärmen und ausdehnen, so könnte dies dramatische Folgen für die Eisbildung und Eisbedeckung im Arktischen Ozean haben.

Originalpublikation
Spielhagen, R.F., K. Werner, S. Aagaard Sørensen, K. Zamelczyk, E. Kandiano, G. Budeus, K. Husum, T. M. Marchitto, M. Hald, 2011: Enhanced Modern Heat Transfer to the Arctic by Warm Atlantic Water. Science, 331, 450-453, doi: 10.1126/science.1197397.

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Projekt „Ozean der Zukunft“ forscht zu Folgen und Ursachen der Ölkatastrophe

Dienstag 10. August 2010 von birdfish

Die Deepwater Horizon-Katastrophe am 22. April im Golf von Mexiko hat zur zweitgrößten vom Menschen verursachten Ölverschmutzung des Meeres und der angrenzenden Küsten geführt.

Explorationsplattform Deep Water Horizon
Explorationsplattform “Deep Water Horizon” – Foto: US Coast Guard

Laut US-Behördenangaben flossen insgesamt rund 780 Millionen Liter Rohöl ins Meer und schädigen die einzigartigen Ökosysteme an der Küste von Louisiana, im Mississippi-Delta und an den Küsten der angrenzenden US-Bundesstaaten. Die Abschätzung der ökologischen und wirtschaftlichen Folgen ist kompliziert und wirft zahlreiche unbeantwortete Fragen besonders nach der Sicherheit von Ölbohrungen in großen Tiefen auf.

Wissenschaftler aus dem Kieler Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft“ widmen sich der Katastrophe und ihren Ursachen aus den unterschiedlichen Blickwinkeln von Geologen, Chemikern, Ozeanographen, Biologen, Rechtswissenschaftlern und Ökonomen. Entstanden ist ein umfangreiches Hintergrundpapier, das zum besseren Verständnis der Schwierigkeiten bei der Schließung des Lecks, den Folgen der Ölverschmutzung beiträgt und den zukünftigen Forschungsbedarf aufzeigt.

„Als Wissenschaftler können wir dazu beitragen, dass die Menschen wesentliche Fakten und Hintergründe besser verstehen. Das Ausmaß der Katastrophe ist aus unserer Sicht keineswegs zu verharmlosen und der zukünftige Forschungsbedarf enorm“, sagt Prof. Martin Visbeck, Sprecher des Kieler Exzellenzclusters „Ozean der Zukunft“ und Leiter der Forschungseinheit „Physikalische Ozeanographie“ am Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR). „Gerade bei Themen wie dem Ölunfall im Golf von Mexiko können wir die konzentrierte Schlagkraft des Exzellenzclusters ausspielen und eine differenzierte Bewertung aus vielen Fachbereichen beisteuern“, so Visbeck weiter.

Hintergrundpapier zu Ursachen und Folgen der Ölkatastrophe (PDF)

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Pflanze könnte helfen, 1 Prozent weltweit verbrauchten Kraftstoffs einzusparen

Mittwoch 5. Mai 2010 von birdfish

Eine unscheinbare Pflanze könnte bald Karriere als Klimaretter machen.

Wassertropfens auf Schwimmfarn-Blatt unter Elektronen-Mikroskop
Wassertropfens auf Schwimmfarn-Blatt unter Elektronen-Mikroskop. Härchen halten Tropfen fest. (c) Nees-Institut / Uni Bonn

Die Oberflächenhaare des Schwimmfarns sollen Schiffen zu einem zehn Prozent geringeren Kraftstoffverbrauch verhelfen. Die Pflanze hat die seltene Gabe, sich unter Wasser in ein hauchdünnes Kleid aus Luft zu hüllen und dieses monatelang festzuhalten. Forscher der Universitäten Bonn, Karlsruhe und Rostock haben nun aufgeklärt, wie der Farn das macht. Ihre Ergebnisse lassen sich vielleicht zur Konstruktion neuartiger reibungsarmer Schiffsrümpfe nutzen. Die Forscher stellen ihre Studie in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Advanced Materials“ vor (doi: 10.1002/adma.200904411).
Der Schwimmfarn Salvinia molesta ist extrem wasserscheu: Taucht man ihn unter und zieht ihn danach wieder heraus, perlt die Flüssigkeit sofort von ihm ab. Danach ist er wieder komplett trocken. Oder richtiger: Er war nie wirklich nass. Denn unter Wasser hüllt sich der Farn in ein hauchdünnes Kleid aus Luft. Diese Schicht verhindert, dass die Pflanze mit Flüssigkeit in Kontakt kommt. Und das selbst bei einem wochenlangen Tauchgang.

Materialforscher nennen dieses Verhalten „superhydrophob“. Diese Eigenschaft ist für viele Anwendungen von Interesse – etwa für schnell trocknende Bademode oder eben Sprit sparende Schiffe. Es ist inzwischen möglich, superhydrophobe Oberflächen nach dem Vorbild der Natur zu konstruieren. Diese „Nachbauten“ haben aber einen Nachteil: Die Luftschicht, die sich auf ihnen bildet, ist zu instabil. In bewegtem Wasser verschwindet sie spätestens nach einigen Stunden.

Die Forscher aus Bonn, Rostock und Karlsruhe haben nun enträtselt, mit welchem Trick der Schwimmfarn sein luftiges Kleidchen festhält. Schon seit einigen Jahren ist bekannt, dass auf der Oberfläche seiner Blätter winzigkleine schneebesenartige Härchen sitzen. Diese sind hydrophob: Sie halten das Wasser in der Umgebung auf Distanz.

Wasser wird „festgetackert“

Das ist aber nur eine Seite der Medaille: „Wir haben zeigen können, dass die äußersten Spitzen dieser Schneebesen hydrophil sind, also wasserliebend“, erklärt Professor Dr. Wilhelm Barthlott von der Uni Bonn. „Sie tauchen in die umgebende Flüssigkeit ein und ‚tackern’ das Wasser gewissermaßen in regelmäßigen Abständen auf der Pflanze fest. Die darunter sitzende Luftschicht kann daher nicht so leicht entweichen.“

Barthlott leitet in Bonn das Nees-Institut für Biodiversität der Pflanzen. Dort nahmen die Untersuchungen ihren Anfang, die heute zusammen mit dem Lehrstuhl für Strömungsmechanik der Universität Rostock und dem Institut für Angewandte Physik der Universität Karlsruhe weitergeführt werden. „Nach Aufklärung der Selbstreinigung durch das Lotus-Blatt vor zwanzig Jahren ist die Entdeckung des Salvinia-Effektes eine der wichtigsten neuen Erkenntnisse in der Bionik“, sagt Professor Dr. Thomas Schimmel von der Universität Karlsruhe.

Weltweite Kraftstoffersparnis: ein Prozent

Und zwar eine mit gewaltigem technischen Potenzial: Bislang geht bei Containerschiffen mehr als die Hälfte der Antriebsenergie durch Reibung des Wassers am Rumpf verloren. Mit einer Luftschicht ließe sich dieser Verlust nach Schätzung der Forscher um zehn Prozent reduzieren. Da Schiffe riesige Spritschlucker sind, wäre der Gesamteffekt enorm. „Man könnte so wahrscheinlich ein Prozent des weltweiten Gesamtverbrauchs an Treibstoff einsparen“, prognostiziert Professor Barthlott. „Oberflächen nach dem Vorbild des Schwimmfarns könnten den Schiffsbau revolutionieren“, meint auch Professor Dr. Alfred Leder von der Universität Rostock.

Lotus und der Schwimmfarn Salvinia sind nur zwei von vielleicht zwanzig Millionen Arten, die unseren Erdball bevölkern. Sie alle haben ihre Geheimnisse, an deren Entschleierung man in Bonn, Rostock und Karlsruhe arbeitet.

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Europäischer Gerichtshof entscheidet, dass sich die Auswahl von Schutzgebieten nicht an wirtschaftlichen Aspekten ausrichtet

Montag 18. Januar 2010 von birdfish

Der Europäische Gerichtshof hat jetzt eine Entscheidung getroffen.

Emssperrwerk bei Emden
Emssperrwerk bei Emden – (c) Andreas Eistert / WWF

Die Auswahl von Naturschutzgebieten im Rahmen des gemeinsamen EU-weiten Schutzgebietsnetz darf demnach ausschließlich nach Naturschutzkriterien erfolgen. Die Gebietsausweisung darf nach Beschluss der EU-Richter nicht aus wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Gründen verweigert werden. Der WWF begrüßt die Entscheidung des höchsten europäischen Gerichts als klares Bekenntnis zum Naturschutzprinzip und fordert das Verwaltungsgericht Oldenburg und die Bundesregierung auf, jetzt die erforderlichen Schritte zur Ausweisung zügig einzuleiten. Die Stadt Papenburg hatte gegen die Listung des Schutzgebiets in Brüssel Klage erhoben, weil sie als Werftstandort wirtschaftliche Nachteile befürchtete.

„Hier ist endlich ein längst fälliges Machtwort für den Naturschutz gesprochen worden, das sich nicht auf die Unterems beschränkt “ sagte Uwe Johannsen, Naturschutzexperte des WWF. Diese Grundsatzentscheidung habe Signalwirkung auch für die Flussmündungen von Elbe und Weser sowie für andere europäische Schutzgebiete. „Mit dem Urteil ist der Blockadepolitik ein Riegel vorgeschoben worden und das Gebiet der Unterems muss nun schnell als schützenswerte Naturregion nach der EU-Habitatrichtlinie ausgewiesen werden“ sagte Johannsen weiter. Dazu sei das Verwaltungsgericht Oldenburg nun aufgefordert, zügig ein Urteil zu sprechen und den Weg für die Ausweisung des Gebiets freizumachen. An die Bundesregierung richtet sich die Forderung, der EU-Kommission schnellstmöglich ihr Einvernehmen zur Listung der Region als besonders schützenswertes Gebiet zu erteilen.

Zur Frage der regelmäßigen Flussvertiefungen der Ems, betonte das Gericht ausdrücklich die Pflicht, Verschlechterungen der natürlichen Lebensräume im Schutzgebiet und Beeinträchtigungen der dort lebenden Arten zu vermeiden.  Dies gelte auch, wenn eine FFH-Verträglichkeitsprüfung der Baggerarbeiten aus formalen Gründen nicht erforderlich sein sollte. „Eine strengere Prüfung der Ausbaggerungen ist die logische Konsequenz“ sagte WWF-Naturschutzexperte Uwe Johannsen „Es ist nicht vorstellbar, dass die bisherige Vertiefungspraxis, die zur Verschlickung und Sauerstoffverknappung in der Ems geführt hat, mit den Schutzzielen eines FFH Gebiets vereinbar ist.“

Die Umweltverbände WWF, BUND und NABU suchen seit einiger Zeit gemeinsam mit der in Papenburg ansässigen Meyer Werft und den zuständigen Behörden nach nachhaltigen Lösungen zur Renaturierung der Unterems. „Wir wollen, dass die Ems wieder ein lebendiger Fluss wird und sich die Werft in Papenburg entwickeln kann. Es ist nicht einfach, ökologische, ökonomische und soziale Aspekte unter einen Hut zu bekommen, aber der eingeschlagene Weg zur Zusammenarbeit ist der einzige erfolgversprechende“, ist Johannsen überzeugt. Das Urteil aus Brüssel verpflichte die Akteure zum Erfolg.

Zur Bürgerinitiative “Rettet die Ems”

Zu Original-Klage sowie Urteilsbegründung

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Baumaßnahmen an Elbe und Saale nicht mit Schutz von Flussauen zu vereinbaren

Dienstag 17. November 2009 von birdfish

Neuer Koalitionsvertrag vs.  aktuelle Baumaßnahmen?

Bisamratte an der Saale
Bisamratte in der Saale bei Jena – (c) Kellermeister / Pixelio

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer aufgefordert, die laufenden Maßnahmen zur Vertiefung der Fahrrinne an der Mittelelbe, den Bau des Saale-Elbe-Kanals und Planungen für eine Donau-Staustufe zwischen Straubing und Vilshofen zu stoppen. Eine Fortsetzung dieser Projekte widerspreche dem schwarz-gelben Koalitionsvertrag, in dem sich die Regierungsparteien auf den Schutz von Flussauen und Flusstälern verständigt hätten. Das Vorhaben der Koalition, der Wasserstraßenverwaltung neue Aufgaben beim Auenschutz und bei der ökologischen Hochwasservorsorge zu übertragen, wurde vom BUND-Vorsitzenden Hubert Weiger begrüßt. Aufgrund fehlender Wirtschaftlichkeit der Elb-Schifffahrt müssten vor allem in diesem Bereich die Verwaltungskapazitäten umgeschichtet werden.

Das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) kommt in einer Untersuchung der Wirtschaftlichkeit von Baumaßnahmen an Elbe und Saale zu dem Schluss, dass sich die Elbschifffahrt aufgrund des Klimawandels immer weniger rechne. Das Fazit der vom BUND unter dem Titel “Binnenschifffahrt auf Elbe und Saale – Strombaumaßnahmen in der Diskussion” herausgegebenen Wirtschaftlichkeitsanalyse ist eindeutig: Die zunehmende Klimaerwärmung stellt den Schiffsverkehr auf der Elbe generell in Frage und macht damit sowohl Maßnahmen zur Elbvertiefung als auch den Bau eines Saale-Elbe-Kanals obsolet. “Die Elbe ist eine hoch subventionierte Bundeswasserstraße ohne nennenswerten Verkehr”, sagte Ulrich Petschow, Forschungsleiter Umweltökonomie am IÖW.

“Niemand kann für Binnenschiffe auf der Elbe dauerhaft stabile Fahrrinnentiefen an ausreichend vielen Tagen im Jahr garantieren. Das bedeutet auch, dass bisherige Annahmen über ein sehr positives Kosten-Nutzen-Verhältnis für die Ausbaumaßnahmen vom Anfang der 90er Jahre nicht mehr haltbar sind. Die Schiffe werden dort nicht fahren, weil die Elbe an den meisten Tagen im Jahr zuwenig Wasser führt”, sagte Petschow. Durch den Klimawandel verursachte Trockenzeiten würden regelmäßig zu kritischen Pegelständen auch weit unterhalb der notwendigen 1,60-Meter-Marke führen. Das Vorhaben, mit den Ausbaumaßnahmen an der Elbe nahezu ganzjährig eine Fahrrinnentiefe von 1,60 Meter zu garantieren, müsse deshalb aufgegeben werden, so Petschow.

Das Güterverkehrsaufkommen in der mittleren Elbregion sei vergleichsweise gering und ein Transport per Bahn hier wesentlich umweltfreundlicher. Wegen der eingeschränkten Wasserverfügbarkeit und der dadurch begrenzten Abladetiefe sei die Wirtschaftlichkeit von Transporten per Binnenschiff in dieser Region generell in Frage gestellt. Da die Binnenschifffahrt nur noch sechs Prozent des Güterverkehrs in Deutschland abwickle, und dies vorrangig auf dem Rhein stattfinde, sei im Falle der Elbe auch mit sehr hohen Investitionssummen kein wesentlicher Güter-Verlagerungseffekt weg von der Straße zu erreichen. Die Binnenschifffahrt habe nur dort Vorteile, wo Industrie- und Agglomerationszentren mit Gütern versorgt würden und dementsprechend große Gütermengen transportiert werden müssten, sagte Petschow. Wegen erhöhter Schadstoffemissionen sei auch eine Verlagerung der Güter von der Bahn auf das Binnenschiff kontraproduktiv. Das Argument der “umweltfreundlichen Binnenschiffe” werde im Elberaum noch fragwürdiger, wenn man die Schäden an Natur und Landschaft, an wertvollen Feuchtgebieten und Auen berücksichtige.

“Von einem Ausbau von Elbe und Donau gehen extreme Gefährdungen für empfindliche Flussbiotope und viele bedrohte Tiere und Pflanzen aus”, sagte der BUND-Vorsitzende Weiger. Der für die Baumaßnahmen zuständigen Wasser- und Schifffahrtsverwaltung sollten deshalb neue Aufgaben im Umwelt- und Hochwasserschutz übertragen werden. Weiger forderte Ramsauer zu einer grundlegenden Umstrukturierung der Verwaltung auf: “Wenn es pro Elb-Schiffer mehr als zehn Schifffahrtszuständige gibt, steht die neue Koalition vor der Aufgabe, in diesem Bereich eine tatsächlich überflüssige Bürokratie abzubauen.”

“Binnenschifffahrt auf Elbe und Saale – Strombaumaßnahmen in der Diskussion” (PDF)

Studie “Stand und Potenziale der Elbe-Binnenschifffahrt und deren wirtschaftliche Wirkungen auf die Elbe-Region” (PDF)

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Weltweite Wasserkrise wird sich mit Klima-Wandel verschärfen – Weltwasserwoche 09

Dienstag 18. August 2009 von birdfish

Zur Zeit läuft die Weltwasserwoche in Stockholm. Hierbei handelt es sich um ein internationales Expertentreffen.

Wasser - kostbares Gut
Wasser – kostbares Gut – (c) Monika Tugcu / Pixelio

In mehr als 100 Veranstaltungen werden Konfliktursachen und Lösungswege rund ums Wasser diskutiert. Im Fokus stehen grenzüberschreitende Gewässer. weitere Themen sind unter anderen Hygiene, sanitäre Anlagen und Gesundheit, Herausforderung Stadt, Landwirtschaft, Sicherung ausreichender Wassermenge und -qualität und der Wasserfußabdruck.

Anlässlich der Weltwasserwoche fordert die Umweltschutzorganisation WWF verstärkte, internationale Anstrengungen im Kampf gegen die weltweite Wasserkrise. „Die Auswirkungen des Klimawandels, die zunehmende Verbauung durch Infrastruktur für Wasserkraft, Schifffahrt und Bewässerung und der steigende Bedarf an landwirtschaftlichen Gütern und Nahrungsmitteln, sind die größten Herausforderungen für eine nachhaltige und gerechte Wassernutzung“, sagt Martin Geiger, Leiter des Bereichs Süßwasser beim WWF Deutschland. Aufgrund der menschenverursachten Erderwärmung schmelzen etwa die Gletscher im Himalaya rapide ab, was die Wasserversorgung von mehreren hundert Millionen Menschen in Bangladesh, China, Indien, Nepal und Pakistan bedroht.

Doch die Wasserkrise werde, so der WWF, vor Nationalstaatsgrenzen keinen Halt machen. Deshalb sei auch Deutschland direkt von den Auswirkungen betroffen. „In einer globalisierten Welt ist auch ein wasserreiches Land wie die Bundesrepublik in seinem Wasserbedarf nicht mehr unabhängig, warnt Martin Geiger. „Wenn beispielsweise die Himalaya-Gletscher verschwinden und in Indien das Wasser knapp wird, ist unsere Versorgung mit Baumwolle betroffen.“ So kommt eine aktuelle WWF-Studie zu dem Ergebnis, dass die Bundesrepublik durch den Import von landwirtschaftlichen Güter jedes Jahr auf 2.181 Mrd. m³ Wasser aus indischen Ressourcen angewiesen ist. Neben Öl-Saat, Kaffee und Reis bezieht Deutschland einen bedeutenden Anteil seiner Baumwolle aus Indien, Pakistan und Bangladesh.

Angesichts der wachsenden, weltweiten Probleme sei es geradezu paradox, dass die UN-Konvention für ein nachhaltiges, verantwortungsvolles und vor allem grenzüberschreitendes Management von Trinkwasservorkommen noch immer auf Eis liegt. „Die internationale Staatengemeinschaft hat es bisher nicht geschafft, dieses wichtige Abkommen zu ratifizieren und umzusetzen“, kritisiert Martin Geiger. Doch nur so könnten in Zukunft Konflikte um Wasserressourcen geschlichtet und gelöst werden. Die UN-Konvention dient als Rahmen für die Bewirtschaftung grenzüberschreitender Vorkommen, wie etwa Flüsse, Seen oder unterirdische Wasserreservoire, die sich im Hoheitsgebiet mehrerer Staaten befinden. „Gerade zur Weltwasserwoche, die unter dem Motto des grenzüberschreitenden Wassermanagements steht, sollten sich noch mehr Länder zu dieser Konvention bekennen und sie anerkennen“, fordert Martin Geiger.

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Anpassungsmaßnahmen an Klimawandel stecken noch in den Kinderschuhen

Mittwoch 24. Juni 2009 von birdfish

Die Anpassung an den Klimawandel steht in den Staaten der Europäischen Union erst am Anfang und weist noch erheblichen Entwicklungsbedarf auf.

Hochwasser durch Klimawandel
Deutschland wird unter anderem im Bereich Hochwasserschutz vom Klimawandel betroffen sein. So deuten Prognosen darauf hin, dass das Hochwasserrisiko im Winterhalbjahr steigen wird. – (c) André Künzelmann / UFZ

So fehlen zum Beispiel Aussagen zu Kosten und Nutzen der Anpassung. Auch eine koordinierte europaweite Forschungsstrategie sei noch nicht zu erkennen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die am Dienstag in Brüssel vom PEER-Verbund vorgestellt wurde. In PEER (Partnership for European Environmental Research) arbeiten sechs Umweltforschungszentren aus den Niederlanden, Großbritannien, Frankreich, Dänemark, Finnland und Deutschland sowie die Gemeinsame Forschungsstelle der Europäischen Kommission zusammen.

Die nationalen Anpassungsstrategien verschiedener EU-Mitgliedsstaaten an den Klimawandel sind jetzt erstmals miteinander verglichen worden. Dabei fanden die Wissenschaftler einige gemeinsame Stärken und Schwächen. So werden der systematische bereichsübergreifende Ansatz sowie die Einbeziehung der Betroffenen als positiv, fehlende Bekenntnisse zur weiteren Umsetzung und Bereitstellung der nötigen Ressourcen dagegen als überwiegend negativ bewertet. Sieben EU-Staaten verfügen über eine solche Anpassungsstrategie und in sieben Staaten wird diese zurzeit offiziell erarbeitet. Für die Studie wurden die Anpassungsstrategien von Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden und Spanien
untersucht.

Lange haben sich die Bemühungen allein auf die Vermeidung des Klimawandels konzentriert. Mit dem Wissen um die Folgen ist in den letzten Jahren auch das Bewusstsein gewachsen, dass parallel zur Vermeidung eine Anpassung an den Klimawandel erfolgen muss. Die Herausforderung dabei ist jedoch, dass es kein einheitliches, klares Ziel wie beim Klimaschutz gibt. Stattdessen handelt es sich um eine Vielzahl von Problemen in unterschiedlichen Bereichen der Gesellschaft mit unterschiedlichen Zuständigkeiten, und es bestehen noch hohe Unsicherheiten darüber, wie gravierend sich der Klimawandel vor Ort auswirken wird. Um dieser Herausforderung zu begegnen, haben viele Länder in den letzten Jahren Anpassungsstrategien entwickelt. Anhand dieser Strategien sollen in den nächsten Jahren konkrete Umsetzungspläne und Anpassungsmaßnahmen entwickelt werden.

Landwirtschaft im Klimawandel
Auch die Landwirtschaft wird sich an den Klimawandel anpassen müssen. Beispielsweise rechnen Klimaszenarien mit einem Anstieg von Hitzetagen mit über 30 Grad Celsius und längeren Trockenperioden. – (c) André Künzelmann / UFZ

In Deutschland sind vom Klimawandel unter anderem die Bereiche Gesundheit, Hochwasserschutz, Wasserversorgung sowie die Land- und Forstwirtschaft betroffen. Die Klimaszenarien rechnen beispielsweise damit, dass sich die Anzahl der Hitzetage mit Temperaturen über 30 Grad deutlich erhöhen wird, was besonders Gesundheitsrisiken für ältere Menschen bedeutet. So werden sich Stadtplaner und Architekten darauf einstellen müssen, Schatten und Kühlung künftig stärker zu berücksichtigen. Ein zentraler Punkt wird der Faktor Wasser sein, da die Niederschläge im Sommer voraussichtlich zurückgehen werden, das Hochwasserrisiko im Winterhalbjahr jedoch steigen wird. Die deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel wurde vom Bundeskabinett im Dezember 2008 verabschiedet und wird von den Autoren der Studie als vergleichsweise gründlich und konkret in der weiteren Planung gelobt. Eine interministerielle Arbeitsgruppe soll einen ersten Entwurf für ein Aktionsprogramm bereits im April 2011 vorlegen.

Vorreiter in Europa sei in vieler Hinsicht Großbritannien, das durch sein engagiertes “Climate Impact Programme” bereits vielfältige Forschungen durchgeführt und konkrete Anpassungsempfehlungen für die betroffenen Regionen und Unternehmen entwickelt hat.

Für den wichtigen Bereich der Klimafolgen- und Anpassungsforschung kommt die Studie insgesamt zu dem Ergebnis, dass es erheblich an nationaler und europaweiter Koordinierung mangelt. Gäbe es eine inhaltliche Strategie und würde diese durch dafür zuständige Institutionen umgesetzt, dann könnten Doppelungen vermieden und Forschungsgelder effektiver eingesetzt werden.

Weiteren Handlungsbedarf sieht Dr. Moritz Reese vom UFZ, Mitautor der Studie, unter anderem bei der langfristigen politischen und rechtlichen Planung in den verschiedenen vom Klimawandel betroffenen Bereichen. So müssten nunmehr auch sektorale Anpassungsstrategien in den wichtigsten betroffenen Politikfeldern entwickelt werden und dafür gesorgt werden, dass die Erfordernisse der Klimaanpassung z.B. in der Raumplanung, der kommunalen Entwicklungs- und Bebauungsplanung, der wasserwirtschaftlichen Planung und den Infrastrukturplanungen besser verankert werden. Entscheidend für das Gelingen des Anpassungsprozesses sei auch eine klares Konzept zur kontinuierlichen Fortentwicklung und Erfolgskontrolle der Anpassungsstrategien und Anpassungsmaßnahmen. “Wir brauchen dazu vor allen Dingen aussagekräftige Indikatoren und ein integriertes belastbares Monitoring. Dazu finden sich jedoch in den Anpassungsstrategien kaum konkrete Planungen”, betont Reese. Überwiegend bleibt noch völlig offen, wie und wann eine Überprüfung stattfinden soll.

Publikation:
Swart, R.J., Biesbroek, G.R., Binnerup, S. Carter, T.R., Cowan, C., Henrichs, T., Loquen, S., Mela, H., Morecroft, M.D., Reese, M., and D. Rey, (2009):
Europe Adapts to Climate Change: Comparing National Adaptation Strategies.
(no. 01/2009). Partnership for European Environmental Research (PEER), Helsinki
ISBN: 978-952-11-3450-0 (pbk.)
ISBN: 978-952-11-3451-7 (pdf)

Die PEER-Studie “Europe Adapts to Climate Change: Comparing National Adaptation Strategies.” (engl. / PDF)

Die Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel in der Fassung von 12/2009 (Diverse PDF-Dateien vom Bundesumweltministerium)

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Anpassung – Deutsche Anpassungsstrategie

Mittwoch 24. Juni 2009 von birdfish

Anpassungsstrategien an den Klimawandel für Deutschland und im europäischen Vergleich.

Die Maßnahmen stecken noch in den Kinderschuhen. Europaweit gibt es für Maßnahmenpläne keine Kosten-Nutzen-Aufstellungen. Projekte müssen besser kontrolliert und sollten zur Effizienzsteigerung und Kostenminimierung staatenübergreifend koordiniert werden.

Zu den Themenbereichen:

Allgemein

Landwirtschaft

Tourismus

Küstenschutz

Lokal/Regional

Flora/Fauna

Allgemein

Die Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel in der Fassung von 12/2009 (Diverse PDF-Dateien vom Bundesumweltministerium)

Eine Studie zu europäischen Anpassungsstrategien im Vergleich:
Die PEER-Studie “Europe Adapts to Climate Change: Comparing National Adaptation Strategies.” (engl. / PDF)


Landwirtschaft
Roggen

Uni Hohenheim will Hybridroggen-Züchtung beschleunigen. Man will den Roggen kurzfristig für Trockenperioden fit machen.

Hart im Nehmen: Roggen stellt an Witterung und Boden zwar keine großen Ansprüche. Trotzdem können ihm ausgedehnte Trockenperioden leicht zum Verhängnis werden, da er sowieso schon in trockenen Gegenden angebaut wird. Damit wir auch in Zukunft nicht auf Roggenbrot verzichten müssen, sollen drei Wissenschaftler an der Universität Hohenheim Roggen besser an die Herausforderungen des Klimawandels anpassen. Mit einem neuen statistischen Verfahren und verbessertem Zuchtmaterial wollen sie dabei die Zuchtauswahl beschleunigen und die genetische Verarmung mindern.[...]

Kompletter Artikel bei der Uni Hohenheim vom 24.04.2013


Weizen

Getreide im Klima der Zukunft:

Hitzetod oder Zusatzdüngung?

Weltweit erstmals sollen Feldstudien zur Wechselwirkung von Hitzeperioden und CO2-reicherer Atmosphäre bei Weizen erstellt werden.
Klimamodelle besagen, dass es im Zuge des Klimawandels nicht nur durchschnittlich wärmer wird, sondern dass auch die Anzahl heißer Tage während der Vegetationszeit deutlich zunimmt.
Extremtemperaturen wirken sich stark auf das reproduktive Wachstum bzw. die geschlechtliche Vermehrung von Kulturpflanzen aus. Das Thünen-Institut für Biodiversität in Braunschweig will dieser Frage für die wichtigste einheimische Getreidepflanze, den Weizen, nachgehen. [...]

Zur kompletten Meldung vom Thünen-Institut (07.11.12)


Tourismus
Alpen

Wie sich Gäste und Anbieter im Alpenraum an den Klimawandel anpassen

Tourismusforscher aus dem deutschsprachigen Alpenraum stellten Mitte April 2011 Ergebnisse aus dem EU-Projekt ClimAlpTour an der Hochschule München vor. Neue Fakten zu Nachfrage und Markt wurden dabei präsentiert. ClimAlpTour zielt auf Strategien ab, wie Tourismusregionen sich dem Klimawandel stellen können.

Insgesamt arbeiten im Projekt 17 Partner, davon elf Forschungsinstitute mit 22 Modellregionen aus dem gesamten Alpenraum zusammen. Rund 50 Fachleute waren der Einladung der Fakultät für Tourismus an die Hochschule München gefolgt, darunter Wissenschaftler ebenso wie Vertreter aller wichtigen Teilbranchen des alpinen Tourismus: Bergbahnbetreiber, Destinationentwickler, Hoteliers, Veranstalter, Regionalpolitiker, Naturschützer und Verbraucher. Die Forscher stellten Ergebnisse der angewandten wissenschaftlichen Forschung (Delphi-Studie, Quellmarktbefragung, Netzwerkanalyse) sowie aus Workshops mit Praktikern in Tirol, Wallis/Graubünden, Bayern und Südtirol vor. Die Erfahrungen aus verschiedensten alpinen Tourismusregionen, die sich in Höhe, Lage, bestehender Infrastruktur, ökonomischem Wohlstand, aber auch durch mehr oder weniger gute Zusammenarbeit vor Ort unterscheiden, wurden diskutiert. Eines der Ergebnisse lautete: Anbieter sollten versuchen, die Klimawirkung innerhalb dieser Angebote zu optimieren, anstatt Klimaschutz als Hauptaspekt zu vermarkten. [...]

Hier der vollständige Artikel der Münchner Hochschule (PDF)

Hier ein Artikel zu den ersten Forschungsergebnisse im EU-Forschungsprojekt „ClimAlpTour“ (PDF)

Wintersport

GIS-KliSchee – Anpassung des Wintersporttourismus in den deutschen Mittelgebirgen an Klimawandel und Witterungsvariabilität

In den deutschen Mittelgebirgsregionen ist der Wintertourismus traditionell der wichtigste Wirtschaftsfaktor, der maßgeblich die wirtschaftliche Prosperität und die Entwicklung dieser Gebirgsräume beeinflusst. Die Adaption an die zu erwartenden klimatischen Veränderungen im Schneesport ist zukünftig zwingend in raumbezogenen Entwicklungskonzepten und Planungsaufgaben zu berücksichtigen.

GIS-KliSchee Projekt-Website


Küstenschutz

Küstenschutzbedarf an der deutschen Nordsee – heute und in Zukunft

Die interaktive Karte des Norddeutschen Klimabüros zeigt auf der Basis der Sturmflut vom 16. / 17. Februar 1962, welche Regionen in Norddeutschland heute durch Küstenschutzmaßnahmen vor Sturmfluten geschützt werden. Zusätzlich können Sie sich anzeigen lassen, welche Gebiete Ende des 21. Jahrhunderts voraussichtlich zusätzlich geschützt werden müssen, weil bis dahin hohe Sturmfluten, wie beispielsweise die Sturmflut von 16. / 17. Februar 1962, bis 2100 durch den Meeresspiegelanstieg und ein verändertes Windklima bis zu 1,1 m höher auflaufen könnten. Hierfür können Sie auch eine entsprechende Postleitzahl in die Suche einfügen.

Interaktive Karte zum Küstenschutzbedarf an der deutschen Nordsee


Regionale Anpassungsstrategien für die deutsche Ostseeküste

Ziel des RADOST-Vorhabens ist es, Anpassungsstrategien für die deutsche Ostseeküstenregion im Dialog zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft zu erarbeiten. Dabei geht es gleichermaßen darum, Schaden für Wirtschaft, Gesellschaft und Natur zu minimieren und mit dem Wandel verbundene Entwicklungschancen optimal zu nutzen. Ein weiteres Ziel ist die dauerhafte Stärkung von Akteursnetzwerken und Kommunikationsstrukturen, auch über die Region hinaus.

RADOST-Website


Hochwasserschutz: Intelligente Deiche sollen eigenständig vor Hochwassergefahr warnen

Eingebaute Sensoren beobachten die Stabilität von Deichen. Die selbst steuernde Software kann Gefahrensituationen vorhersagen, damit rechtzeitig Maßnahmen ergriffen werden.
Siemens entwickelt in Europa intelligente Deiche als Maßnahme vor der Klimawandelfolge Hochwasser.

Zum klima-media-Artikel vom 18.01.2011


Nordfriesische Halligen: Forscher entwickeln Strategien

Wissenschaftler aus Siegen, Aachen, Göttingen und Schleswig-Holstein entwickeln Konzepte zur Sicherung der Halligen.

Halligen sind noch nicht für den Klimawandel gewappnet
Halligen sind noch nicht für den Klimawandel gewappnet – Foto: Irene Lehmann / Pixelio

Die Ergebnisse des Forschungsvorhabens sollen zum dauerhaften Schutz der Weltnaturerbes Wattenmeer beitragen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Projekt mit rund 1 Million Euro. Die Koordination erfolgt durch das Forschungsinstitut Wasser und Umwelt (fwu) der Universität Siegen.

Zum klima-media-Artikel vom 07.01.2011


Regional / Lokal
Ruhrgebiet

Forschungsprojekt dynaklim und Unternehmenscheck ADAPTUS

dynaklim steht für „Dynamische Anpassung an den Klimawandel in der Emscher-Lippe-Region“ und entwickelt seit 2009 Strategien, wie besonders in urbanen Räumen mit ihrer Infrastruktur den prognostizierten Klimafolgen vorausschauend begegnet werden kann. Das Forschungsprojekt läuft zunächst bis 2014. Auch die in der Region verankerten Wasserwirtschaftsverbände Emschergenossenschaft und Lippeverband unterstützen das Projekt mit ihrem Know-how. Koordiniert wird das Projekt vom Forschungsinstitut für Wasser- und Abfallwirtschaft an der RWTH Aachen (FiW) e.V..

ADAPTUS

Um die Risiken zu erkennen, die durch die Folgen des Klimawandels für ein Unternehmen entstehen, hat das FiW – Forschungsinstitut für Wasser- und Abfallwirtschaft an der RWTH Aachen zusammen mit der Prognos AG in Düsseldorf und dem Ruhr-Forschungsinstitut für Innovations- und Strukturpolitik e.V. (RUFIS) im Rahmen von dynaklim den Selbst-Check ADAPTUS für Unternehmen entwickelt. Wirtschaftsförderer und Unternehmen der Region haben die Entwicklung mit ihrem Praxiswissen unterstützt.

mehr Infos zu dynaklim und ADAPTUS

Süddeutschland / Alpen

EU-Projekt WINALP: Forschung zum Schutz der Bergwälder in den Nordalpen

Drei Jahre wurde im Rahmen des EU-Projekts WINALP (Waldinformationssystem Nordalpen) geforscht.
Im September 2011 wurden die Ergebnisse präsentiert unter dem Motto “Wissen zum Schutz der Bergwälder – eine grenzüberschreitende Aufgabe”.

Das Ziel von WINALP ist es, das Wissen zum Schutz der Bergwälder zu erweitern, um drängende Fragen zu den Folgen des Klimawandels zu beantworten und Grundlagen zur optimalen Waldbewirtschaftung zu erarbeiten.
München – Die Bergwälder der Nordalpen sind eines der faszinierendsten Ökosysteme Europas. Ihre Funktionen für die nächsten Generationen zu erhalten, ist für Bürger, Behörden und Wirtschaft der Region eine Überlebensfrage. Bisher fehlten Försterinnen und Förstern aber flächendeckende Standortinformationen, um eine optimale Pflege zu garantieren und Faktoren wie den Klimawandel zu berücksichtigen. Einen großen Beitrag zu diesen umfassenden, dringend benötigten Daten leistet jetzt WINALP mit seinen Forschungsergebnissen. Wie viel Nährstoffe, Wasser und Wärme stehen den Wäldern zur Verfügung? Welche Baumarten sind geeignet? Werden sie bei einer Klimaänderung bestehen? „Diese Fragen können wir jetzt detailliert für das ganze Gebiet der Nordalpen beantworten,“ so der Koordinator des Projekts, Prof. Dr. Jörg Ewald von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf.

Zum Forschungsprojekt WINALP


Brandenburg / Berlin

Das INKA BB (Innovationsnetzwerk Klimaanpassung Brandenburg Berlin) hat sich das Ziel gesetzt, Unter­neh­mer und deren Interessenvertretungen sowie poli­tisch-administrative Entscheidungsträger in die Lage zu versetzen,

  • innovativ mit klimawandelbedingten Chancen und Risiken der Landnutzung und des Wasser- und Gesundheitsmanagements umzugehen,
  • geeignete Anpassungsstrategien in der Koope­ration von Wissenschaft und Praxis zu entwi­ckeln und dauerhaft zu implementieren
  • erprobte Anpassungsstrategien politisch admi­nistrativ oder institutionell zu unterstützen.

Mitteldeutschland

Das Mitteldeutsche Klimabüro konzentriert sich auf natur- und sozialwissenschaftliche Aspekte des Klimawandels. Dies sind z.B. Wechselwirkungen zwischen Klimawandel und Landnutzung oder die Bewertung von Anpassungsmaßnahmen an die Folgen der Klimaänderung. Im Mitteldeutschen Raum ist bis zum Ende des Jahrhunderts vor allem mit weniger Sommerniederschlägen bei gleichzeitig höheren Temperaturen zu rechnen.

Das Mitteldeutsche Klimabüro am UFZ


Sachsen

Das sächsische Leuchtturmprojekt von REGKLAM – dem Regionalen Klimaanpassungsprogramm für die Modellregion Dresden wurde im Januar 2013 auch auf europäischer Ebene vorgestellt.

Kurzversion des Regionalen Anpassungsprogramms für die Modellregion Dresden


Sachsen-Anhalt

Der Klimawandel könnte in einigen Regionen des Bundeslandes Sachsen-Anhalt die Trockenheit im Sommer verschärfen und die Neubildung von Grundwasser mindern.

Während die Forstwirtschaft zunächst profitieren könnte, muss in der Landwirtschaft mit leicht abnehmenden Erträgen gerechnet werden. Wasser könnte in Sachsen-Anhalt zu einer kostbaren Ressource werden.

PIK-Studie zum Anpassungsbedarf: „Klimawandel in Sachsen-Anhalt“


Kosten der Klimaanpassung im Wasserbereich bisher unsicher

Seit der Wende hat sich der Trinkwasserverbrauch in Sachsen-Anhalt auf ein Drittel verringert, weil die Bevölkerung um eine halbe Million gesunken ist, aus Kostengründen mehr Wasser eingespart wird und durch die Modernisierung des Leitungsnetzes weniger Verluste entstehen. Aus Sicht der Umweltökonomen steht einer entsprechenden Anpassung des Leitungsnetzes durch die Wasserversorger jedoch der anhaltend hohe Wasserbedarf in den Sommermonaten entgegen.

Der Klimawandel spielt bei den Planungen der Wasserversorger in Sachsen-Anhalt noch eine untergeordnete Rolle. Stattdessen steht bislang die Anpassung an die durch den Bevölkerungsrückgang und das veränderte Verbrauchsverhalten rückläufige Wassernachfrage im Mittelpunkt der Überlegungen. Insgesamt seien die Anpassungskosten im Wasserbereich auf Grundlage der bestehenden Datenlage nur schwer abzuschätzen, schreiben Forscher des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung im Fachblatt „Wasser und Abfall“. [...]

Kompletter Artikel des UFZ vom 1.12.11


Flora & Fauna

Bundesamt für Naturschutz: Biotopverbund für Anpassung an Klimawandel notwendig

Nach Ansicht des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) ist es zur Anpassung an den Klimawandel dringend erforderlich, den im Bundesnaturschutzgesetz (§ 20, 21) geforderten länderübergreifenden Biotopverbund in der Fläche voranzutreiben. In vielen Bereichen ist die Umsetzung gegenwärtig jedoch noch mangelhaft. Die bestehenden Lücken im Netzwerk der Lebensräume müssen geschlossen und insbesondere die internationalen Anknüpfungspunkte in ihrer Funktionalität gesichert und verbessert werden.

Kompletter klima-media.Artikel vom 24.02.13



Stand: Februar 2013

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