KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

Anpassungsstrategien weltweit – Beispiele für Maßnahmen als Pressespiegel

Freitag 12. Februar 2010 von birdfish

Der Klimawandel wird unsere Welt nachhaltig verändern.

Dürre in Afrika
Dürre und Überschwemmungen in den armen Ländern nehmen zu. – (c) Dieter Schütz / Pixelio

Während noch vielerorts am Ernst der bevorstehenden Veränderung gezweifelt wird, gibt es zahlreiche Staaten, Regionen und Städte auf der Welt, die über eine Legislaturperiode hinausdenken und Schutzmaßnahmen für die Zukunft ergreifen.

Während man sich in Deutschland z.B. zu Veränderungen in der Landwirtschaft oder Küstenschutz Gedanken macht, gibt es Staaten in der Welt, die der Klimawandel weit extremer zu schaffen macht. Einige sind durch Anstieg des Meeresspiegels vom Untergang bedroht, andere verlieren durch anhaltende Dürren ihre Ernährungsgrundlage.

Hier möchten wir einen Pressespiegel entstehen lassen, der über die deutschen Grenzen hinaus sieht und bemerkenswerte Maßnahmen zum Schutz gegen die Klimawandelfolgen dokumentiert.

Vorschläge hierzu werden gern entgegen genommen!


Singapurs Schutz vor den Fluten

Ein Damm staut das Wasser des Singapore River an seiner Mündung. So erhält die City ein einzigartiges Süsswasserreservoir und schützt sich vor dem steigenden Meeresspiegel.

Singapurs Wassermanagement gewinnt immer wieder internationale Preise, die Singapore International Water Week vom 28. Juni bis 2. Juli 2010 steht denn auch unter dem Motto: «Sauberes und erschwingliches Wasser». Beides ist in manchen südostasiatischen Metropolen eine unerreichbare Utopie.

Neue Zürcher Zeitung Online vom 07.02.2010


Stand 02/2010

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Reduktionsangebote von Industrieländern bei 2 Ausnahmen nicht mit 2°C Ziel vereinbar

Montag 8. Februar 2010 von birdfish

Bis zum 31. Januar haben mehr als fünfzig Nationen ihre Reduktionsziele an das Klimasekretariat der Vereinten Nationen gemeldet.

Den Malediven steht das Wasser bis zum Hals
Den Malediven steht das Wasser bis zum Hals – (c) H. Hoppe / Pixelio

Nur zwei von insgesamt zehn Reduktionsangeboten aus Industrieländern genügen jedoch dem Anspruch, die globale Erderwärmung auf maximal zwei Grad Celsius gegenüber vorindustriellem Niveau zu begrenzen. Das ergeben neue Analysen mit dem von Ecofys, Climate Analytics und dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung entwickelten Analyseinstrument „Climate Action Tracker“. Es zeigt, welche Länder welchen Anteil bei der weltweiten Verringerung von Kohlendioxid-Emissionen bereit sind zu leisten.

Insgesamt stehen die von den Vertragsstaaten bislang bei den UN eingereichten Reduktionsangebote nicht im Einklang mit dem in der Kopenhagen-Vereinbarung (Copenhagen Accord) erwähnten Zwei-Grad-Ziel. Das Plenum der UN-Klimakonferenz im vergangenen Dezember in Kopenhagen hatte die Vereinbarung lediglich zur Kenntnis genommen. Bliebe es bei den bisherigen Zugeständnissen, würde die globale Mitteltemperatur bis zum Ende des Jahrhunderts wahrscheinlich um mehr als drei Grad Celsius gegenüber vorindustrieller Zeit steigen.

Das Maß an Bereitschaft der wichtigsten Länder, Emissionen zu vermindern, hat sich im Vergleich zu den bereits in Kopenhagen vorliegenden Angeboten insgesamt nicht verändert.

Von den Industrieländern hat Russland seine Ambitionen leicht erhöht, während Kanada diese gesenkt hat. Von den Entwicklungs- und Schwellenländern hat keines seine Angebote verändert. Mexiko, das im kommenden November die nächste UN-Klimakonferenz ausrichten wird, hatte bis zum 31. Januar 2010 keinen Vorschlag eingereicht. Israel, Kasachstan, die Marshallinseln und Moldawien legten erstmals quantitative Ziele auf den Tisch. Jordanien, Äthiopien, Madagaskar, Marokko, der Kongo und Sierra Leone legten qualitative Vorschläge vor.

Die ehrgeizigsten Ziele haben sich die Malediven und Costa Rica gesetzt. Bis 2020 wollen sie klimaneutral werden. Ebenfalls weit oben auf der Skala bewegen sich Norwegen, Japan und Brasilien, die ihre Emissionen deutlich senken wollen. Im Mittelfeld befinden sich Schwellenländer wie Indien, Indonesien und Südkorea, die das Wachstum ihrer Kohlendioxid-Emissionen ab dem Jahr 2020 drosseln wollen. Als unzureichend in Bezug auf die Erreichung des Zwei-Grad-Ziels wird hingegen die Verpflichtung der Europäischen Union eingestuft, ihre Emissionen bis 2020 um 20 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Ein Reduktionsziel von 30 Prozent hingegen würde die EU ins Mittelfeld rücken, was der Einstufung als „ausreichend“ nahekäme.

Chinas Angebot wird als „unzureichend“ bewertet, da es unterhalb dessen liegt, was nach der derzeitigen Klimaschutzpolitik des Landes zu erwarten gewesen wäre. Zwischen der Mitte und dem unteren Ende der Skala befinden sich die Vereinigten Staaten, deren Ziel ebenfalls als „unzureichend“ eingestuft wird. Am Ende der Skala sind Länder, darunter Russland, die noch kein Angebot für einen Pfad jenseits des „Business as usual“ vorgelegt haben.

Der „Climate Action Tracker“ macht die teils großen Unterschiede zwischen den Ländern hinsichtlich der Ambitioniertheit ihrer Reduktionsziele sichtbar.

Website des  “Climate Action Tracker” (engl.)

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Wie viel Mensch verkraftet der Boden?

Freitag 5. Februar 2010 von birdfish

Fruchtbare Böden sind nötig, um Nahrung und Rohstoffe zu erzeugen.

Bodenforschungsteam in Mexico
Deutsch-mexikanisches Bodenforschungsteam in der Region Quintana Roo. – (c) Institut für Geografie

Doch die Weltbevölkerung wächst – und mit ihr der “Leistungsdruck” auf die landwirtschaftlich genutzten Flächen. Wie lange halten Ackerböden so etwas durch? Darüber forscht die Geografie-Professorin Birgit Terhorst von der Universität Würzburg.
Wann trägt ein Ökosystem seine Bewohner nicht mehr und bricht zusammen? Diesen Prozess ergründet Birgit Terhorst in Mexiko, weil er dort schon einmal stattgefunden hat: auf der Halbinsel Yucatan in der Region um Quintana Roo, die unter anderem während der so genannten präklassischen Periode (250 bis 950 A. D.) von den Maya dicht besiedelt war.

Berühmt ist die Hochkultur der Maya unter anderem für ihre Landwirtschaft, in der es bereits Bewässerungssysteme gab. Das Gebiet, in dem die Würzburger Professorin forscht, war damals extrem stark besiedelt und intensiv landwirtschaftlich genutzt: Man geht davon aus, dass die Maya-Zivilisation während der Präklassik zeitweise über 13 Millionen Menschen zählte.

Maya hielten Brachzeiten nicht mehr ein

“Die Maya betrieben eine Form des Ackerbaus, bei der die Flächen regelmäßig brachzuliegen hatten”, sagt Birgit Terhorst. Doch je stärker die Bevölkerung wuchs, desto häufiger hielten die Maya die nötige Brache nicht mehr ein: “Die Böden laugten aus, fielen verstärkt der Erosion zum Opfer und überzogen das Gestein am Ende nur noch als dünne Schicht.”

Die Professorin ist überzeugt: “Die Zerstörung der Böden hat mit dazu geführt, dass die Kultur der Maya unterging.” Andere wissenschaftliche Thesen weisen einem Klimawandel die Schuld zu: Ihnen zufolge wurden den Maya mehrfache Trockenzeiten zum Verhängnis, in denen die Niederschläge für die Landwirtschaft weitgehend ausblieben. “Aber wir haben in den Böden für den gleichen Zeitraum eindeutige Beweise dafür gefunden, dass zumindest die Region von Quintana Roo gut mit Wasser versorgt war”, so Terhorst.

Die Wissenschaftlerin und ihr Team wollen in einem neuen Projekt jetzt weitere Beweise finden, die ihre These für eine größere Region untermauern. Das Bundesforschungsministerium fördert das Vorhaben; Birgit Terhorst kooperiert dabei mit dem Geografen Professor Bodo Damm von der Universität Eichstätt und mit Dr. Elizabeth Solleiro von der mexikanischen Hochschule UNAM (Universidad Nacional Autonoma de Mexico).

Im Frühling gehen die Projektpartner auf eine erste Geländeexkursion nach Mexiko: Mit Erdbohrern ziehen sie Bodenproben und bestimmen Zustand und Mächtigkeit der Böden. Mikroskopische und bodenchemische Analysen geben dann unter anderem Aufschluss über Mineralgehalt und Pflanzennährstoffe.

Interessant sind besonders Stellen, an denen geschichtlich “alte” Böden erhalten sind, meist überdeckt durch jüngere Schichten. “Mit unseren Analysen können wir dann Rückschlüsse auf die damaligen Verhältnisse ziehen und sie mit den heutigen vergleichen”, sagt Terhorst.

Wie haben sich Nährstoffhaushalt und Tragfähigkeit der Böden verändert, in welchem Ausmaß hat sich die Landschaft durch Eingriffe der Maya verändert? Für solche Untersuchungen eignet sich die Region Quintana Roo sehr gut, weil sie seit den Maya nur noch dünn besiedelt war und kaum noch landwirtschaftlich genutzt wurde.

Das Projekt läuft bis 2011. Es soll neue Erkenntnisse liefern, mit denen Wissenschaftler besser abschätzen können, wie viel “Besiedlungs- und Landwirtschaftsdruck” ein Ökosystem auf Dauer verkraftet und mit welchen Maßnahmen es sich womöglich stabilisieren lässt. Diese Frage ist in vielen Regionen der Erde aktuell – überall dort, wo die Bevölkerung stark wächst und wo Anbauflächen und Nahrung knapp sind.

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EU enttäuscht wieder bei Klimaschutzzielen – Dreißig Prozent Reduktion müssten es sein

Montag 1. Februar 2010 von birdfish

Bis zum 31. Januar musste die EU den Vereinten Nationen ihre Klimaschutzziele als Grundlage für weitere Weltklimaverhandlungen vorlegen.

Protest gegen Kohlekraftwerke
Greenpeace-Protest gegen Klimakiller Kohlekraftwerke – (c) Boris Rostami / Greenpeace

Obgleich insbesondere zahlreiche Nichtregierungsorganisationen noch einmal an die Vernunft appelliert hatten und forderten, ökologische Fakten noch vor dem internationalen CO2-Poker zu berücksichtigen, haben die EU-Staaten ihr bisheriges Ziel – eine CO2-Reduktion um 20 Prozent – noch einmal bekräftigt. Damit verpasst die EU erneut ihre Chance, die Führung im internationalen Klimaschutz zu übernehmen.

Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND konstatiert: “Was die Industriestaaten bisher gemeldet haben, addiert sich auf lediglich zwischen elf und 19 Prozent CO2-Minderung. Wenn es dabei bleibt, ist eine Erderwärmung von bis zu vier Grad Celsius unvermeidlich. Die Folgen wären zunehmende Überschwemmungen, Hurrikans, Dürren und ein Anwachsen der Umweltflüchtlingsströme. Um das in Kopenhagen vereinbarte Ziel einer maximalen Temperaturerhöhung von zwei Grad einhalten zu können, ist die Reduzierung der CO2-Emissionen der Industriestaaten um mindestens 40 Prozent bis 2020 erforderlich. Davon sind wir weit entfernt.” Der BUND fordert von Angela Merkel, sich in der EU für größere Klimaschutzziele einzusetzen.

Von der EU gibt es keine neuen Zusagen in Sachen Klimaschutz. Stattdessen werden nur alte Ziele wiederholt. Die EU bleibt dabei, den Kohlendioxid-Ausstoß bis 2020 um 20 Prozent reduzieren zu wollen. Ein bindendes Reduktionsziel um 30 Prozent will sie nur unter Vorbehalt verwirklichen. Bedingung für ein 30-Prozent-Reduktionsziel ist, dass andere Industriestaaten vergleichbare Reduktionsziele vorweisen und die Entwicklungsländer Ziele, die ihren Möglichkeiten angemessen sind.

Jan Kowalzig, Klimaexperte von Oxfam Deutschland dazu: “Die von der EU selbst gesetzten Bedingungen für die Aufstockung des EU-Reduktionsziels auf 30 Prozent, nämlich vergleichbare Anstrengungen anderer Länder, sind mindestens teilweise erfüllt. Strategisch richtig wäre jetzt, sich offensiv zu diesen 30 Prozent zu bekennen, um dadurch eine Sog-Wirkung für andere Staaten zu erzeugen und diese zu mehr Ehrgeiz zu ermuntern. So könnten nach dem Scheitern von Kopenhagen die Verhandlungen neuen Schwung bekommen. Für die Menschen in Entwicklungsländern, wo der Klimawandel bereits jetzt Ernten vertrocknen lässt und die Lebensgrundlagen zerstört, gibt es keine Alternative zu einem ambitionierten Klimaabkommen bis Ende 2010!”

“Die EU hört sich an wie eine zerkratzte Schallplatte.” kritisiert auch Joris den Blanken von Greenpeace. “Sich einfach zurückzulehnen, hat schon in Kopenhagen nicht funktioniert. Und es wird auch dieses Mal nicht funktionieren. Es gibt nur einen Weg auf dem die EU Einfluss nehmen kann. Sie muss ihr eigenes Reduktionsziel verbindlich auf 30 Prozent erhöhen”, fordert er.

Die NGOs appellieren an die EU-Führung, die sich am 11. Februar und am 25. bis 26. März in Brüssel trifft: Die europäischen Länder müssen ihre Reduktionsziele verbindlich auf 30 Prozent erhöhen!

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Globale Wasserressourcen – Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft

Donnerstag 21. Januar 2010 von birdfish

Das Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO) veranstaltete im Rahmen der Grünen Woche ein Symposium “Klima – Wasser – Landwirtschaft”.

Theesfeld hält Vortrag
Dr. Insa Theesfeld (IAMO) führte in die Thematik ein. – (c) Swetlana Renner / IAMO

Erörtert wurde hier die Frage, welche Auswirkungen Klimawandel und Bevölkerungswachstum auf die globalen Wasserressourcen haben und was dies für die Landwirtschaft und die weltweite Ernährungssicherung bedeutet.

Treibhausgasreduktion als soziales Dilemma begreifen

Nach einem Grußwort von Astrid Jakobs de Pádua, Leiterin des Referats Internationale Organisationen, Welternährung und Nachhaltige Entwicklung des BMELV, führte Dr. Insa Theesfeld in das Thema ein. Die IAMO-Wissenschaftlerin, die sich schwerpunktmäßig mit Institutionenökonomie und natürlichem Ressourcenmanagement beschäftigt, erläuterte, dass 70% der Süßwasserressourcen der Erde von der Landwirtschaft genutzt werden, aber regional große Unterscheide zu verzeichnen sind. So liegt der Anteil der Landwirtschaft am Wasserverbrauch in Deutschland lediglich bei 4%. Das Verhältnis von Klima, Wasser und Landwirtschaft müsse man sich als komplexes Beziehungsgefüge vorstellen. Unter Berufung auf die Thesen der Wirtschaftsnobelpreisträgerin von 2009, Prof. Elinor Ostrom, argumentierte Theesfeld, dass die Schaffung des globalen öffentlichen Gutes “weniger Treibhausgase in der Atmosphäre” ein soziales Dilemma sei. Ein polyzentrischer Ansatz, also ein vielschichtiges System von Koordinationsmechanismen und selbstverantwortlichen Organisationsformen auf lokaler, regionaler, nationaler und internationaler Ebene, sei notwendig, um dieses Ziel umzusetzen.

Klimawandel bedeutet Temperaturanstieg und Niederschlagsveränderungen

Dr. Hermann Lotze-Campen, Leiter der Arbeitsgruppe Landnutzungswandel im Forschungsbereich Erdsystemanalyse am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, wies darauf hin, dass Wassermangel oftmals ein Managementproblem sei. Durch den Klimawandel würden die bereits bestehenden Probleme zusätzlich verschärft. Er erläuterte, dass im Gegensatz zum Temperaturanstieg, der als Folge der Klimaveränderungen überall auf der Welt zu verzeichnen ist, Vorhersagen wie die klimatischen Veränderungen die Niederschläge beeinflussen werden erheblich variieren. Diese Veränderungen sind derzeit nicht genau prognostizierbar bzw. kämen unterschiedliche Experten, die mit unterschiedlichen Modellen rechneten zu ganz verschiedenen Prognosen. Zwei Dinge sind jedoch sicher, die Folgen sind weltweit nicht gleich wie bei den Temperaturveränderungen, sondern regional unterschiedlich. Weiterhin ist zu erwarten, dass vor allem Extremereignisse wie Dürren und Überflutungen zunehmen.

Grundwasserspeicher optimaler Nutzen

Auch aus Sicht von Dr. Wilhelm Struckmeier, Direktor und Professor an der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, ist .Wasserknappheit oftmals kein physikalisches Problem, sondern ein Managementproblem Der Hydrogeologe plädierte dafür, vor allem die Grundwasserspeicher optimaler zu bewirtschaften. Gelänge es beispielsweise Oberflächenwasser wie Regen im Grundwasser zu speichern, könne dies in Trockenzeiten für die Wasserversorgung zur Verfügung stehen. Wie bedeutsam Grundwasser auch in Deutschland ist, zeigt ein Blick auf die Zahlen: Drei Viertel des Trinkwassers stammen hierzulande aus Grundwasser.

Indigenes Wissen wird unzuverlässiger

Eine der Auswirkungen, die der Klimawandel auf Kleinbauern in Kenia und andere afrikanische Staaten hat, beschrieb Dr. Chinwe Ifejika Speranza, Geographin und Spezialistin für Geographische Informationssysteme am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik. Kleinbauern müssen zunehmend feststellen, dass ihr indigenes Wissen über Natur- und Wetterereignisse immer unzuverlässiger werde. Das Blühen einer bestimmten Pflanze, jahrhundertelang ein Indiz dafür, dass in der nächsten Zeit mit Regen zu rechnen ist und also mit der Aussaat begonnen werden kann, erwiesen sich zunehmend als trügerisch. Hinzu käme, dass viele nationale afrikanische Regierungen ihre Kleinbauern nicht unterstützten. Es fehle an Beratungsangeboten, an Daten von Wetterinformationsdiensten und an finanziellen Ressourcen. Hitzebeständiges und dürreunempfindliches Saatgut, das gleichzeitig auch mit temporärer Überflutung zurechtkomme, sei bereits entwickelt, so Ifejika Speranza, aber für die Kleinbauern in Afrika, einfach nicht bezahlbar.

Wasser allein hilft nicht

Dr. Elisabeth van den Akker, Seniorfachplanerin zum Thema “Wasser in der Landwirtschaft” bei der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit, betonte, dass über den Klimaaspekt hinaus auch die ökonomischen Zusammenhänge betrachtet werden müssen. Selbst wenn Kleinbauern ihre Produkte durch künstliche Bewässerung erzeugen könnten, was sie genauso bräuchten, sei ein Markt für ihre Produkte. In Mali beispielsweise wurden Flächen zur Bewirtschaftung eingerichtet. Fast die Hälfte davon liege aber weiterhin brach und werde nicht von Kleinbauern genutzt, da es sich für sie einfach nicht rechne; sie keine Absatzmärkte für ihre Produkte haben. Van den Akker unterstrich darüber hinaus die Notwendigkeit, für Verteilungsgerechtigkeit zu sorgen und Zugangsrechte zu Land und damit auch zu Wasser zu gewährleisten.

Auch ohne Klimawandel: Wasserressourcen werden knapper

Um den steigenden Bedarf an Nahrungsmitteln und Energie einer wachsenden Weltbevölkerung zu sichern, benötige die Landwirtschaft in Zukunft mehr Wasser als bisher. Selbst wenn man den Klimawandel außen vor lässt, die Wasserressourcen für die Landwirtschaft werden knapper. Trotzdem, von einem “global doom” wollten die Experten auf dem IAMO-Symposium nicht sprechen. Es gäbe eine Vielzahl von Anpassungsoptionen wie den Import virtuellen Wassers, die Anwendung moderner Bewässerungstechnologien, Abwasserrecycling oder handelbare Wassernutzungsrechte. Worüber man sich als Verbraucher in Deutschland allerdings bewusst sein sollte: Erdbeeren können im Winter nicht unter umweltverträglichen Bedingungen produziert werden. Für die Produktion von Nahrungsmitteln sind erhebliche Mengen an Wasser notwendig. So verbraucht jeder Deutsche täglich zwar nur zwei bis fünf Liter Trinkwasser und einhundert bis zweihundert Liter Brauchwasser, aber dafür sind mehrere tausend Liter Wasser nötig, um zu produzieren, was täglich in Form von Nahrungsmitteln konsumiert wird. Für die Erzeugung einer Kilokalorie braucht es einen Liter Wasser, so Catrin Hahn, Redakteurin der Neuen Landwirtschaft, in ihrer Schlussmoderation des Symposiums.

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Oxfam-Studie: Der Klimawandel bedroht Lebensgrundlagen von 1,7 Mrd. Kleinbauern – Agrarministertreffen ohne verbindliche Ziele

Mittwoch 20. Januar 2010 von birdfish

Der Klimawandel gefährdet die Lebensgrundlagen von 1,7 Mrd. Kleinbauern.

Klimaopfer Bangladesch
Rahela Begum (40) aus Bangladesch drischt mit ihrem Mann die magere Reisernte. Seit das Klima verrückt spielt, trocknen ihre Felder regelmäßig aus oder werden überflutet. (c) Oxfam

Das geht aus der Oxfam-Studie ‘People-Centred Resilience’ hervor. Die betroffenen Kleinbauern – davon 837 Millionen in Asien und 228 Millionen in Afrika – leben in ertragsschwachen und benachteiligten Gebieten, teils mit geringen Niederschlägen. Oxfam forderte daher die Teilnehmer des Berliner Agrarministergipfels auf, sich für agrar-ökologische Anbauverfahren einzusetzen, um Bodenschutz und Bodenfruchtbarkeit nachhaltig zu verbessern. ‘Diese Unterstützung zahlt sich dreifach aus: Sie verbessert die Ernährungssituation, fördert die Anpassung an den Klimawandel und hilft, Treibhausgase zu reduzieren’, erklärte Oxfams Agrarexpertin Marita Wiggerthale.

Umweltschonende Anbaumethoden würden allerdings bislang bei der Hungerbekämpfung kaum berücksichtigt. ‘Der EU-Fonds in Höhe von einer Milliarde Euro, der während der Nahrungsmittelkrise 2008 geschaffen wurde, finanziert nur zu 14 Prozent Projekte mit einer agrar-ökologischen Komponente’, kritisiert Wiggerthale. Hingegen fließen 51 Prozent der Mittel in Projekte, in denen Pestizide verwendet werden. ‘Die Landbewirtschaftung muss weniger auf Düngemittel, Pestizide und Technologie setzen, und mehr auf ökologische Anbaumethoden und traditionelles Wissen. So können Klimarisiken und damit auch Hunger und Armut für Kleinbauern erheblich verringert werden’, sagt Wiggerthale.

Laut Studie sind in Entwicklungsländern bereits 384 Millionen Hektar vom Verlust der Bodenfruchtbarkeit betroffen. Die fruchtbare Humusschicht werde immer dünner. In Afrika treffe dies für 65 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche zu.

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner hat kürzlich erklärt, es müssten vermehrt Treibhausgase aus der Nahrungsmittelproduktion in Kauf genommen werden, damit genügend Lebensmittel für alle Menschen verfügbar seien. Oxfam widerspricht dieser Auffassung. ‘Für den Klimaschutz macht es einen bedeutenden Unterschied, ob Düngemittel und Pestizide oder agrarökologische Anbauverfahren eingesetzt werden’, so Wiggerthale. Lachgas-Emissionen beim Ausbringen von Dünger sowie der Humusabbau durch die intensive Landbewirtschaftung trügen zum Klimawandel bei. Wichtig sei ein klimapolitischer Paradigmenwechsel in der Landwirtschaft hierzulande. ‘Das Ziel: Weniger Fleisch, weniger klimaschädliche Überdüngung, mehr Bodenschutz und mehr Grünland’.

Das Handelsblatt zitiert vom Agrargipfel die Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner. “Wir Agrarminister wollen dort weitergehen, wo die Staatengemeinschaft in Kopenhagen vorerst Stopp gemacht hat”, sagte die CSU-Frau. Sie räumte einen Konflikt zwischen Ernährungssicherung und Klimaschutz ein. “Um im Jahr 2050 alle Menschen auf unserem Planeten mit Lebensmitteln zu versorgen, muss das verfügbare Angebot an Lebensmitteln um 70 Prozent gesteigert werden”, sagte sie. “Andererseits müssen wir aber auch alles daran setzen, die Klimabelastungen zu begrenzen. Die Landwirte sind Verursacher und Leidtragende auf der anderen Seite zugleich.” Agrarprodukte müssten möglichst klimaschonend hergestellt werden.

Das hörte sich gut an, aber Verbindliches kam dann bei dem Gipfel der Landwirtschaftsminister nicht heraus. Man verständigte sich lediglich darauf, dass jedes Land Aktionen gegen den Klimawandel prüfen möge und dass man erwägt, Projekte zur Speicherung von Kohlenstoff in den Böden zu fördern. Kein großer Wurf in Anbetracht dessen, dass die Landwirtschaft nach Angaben des UN-Klimarats einen Anteil von etwa zwölf Prozent am globalen Ausstoß von Treibhausgasen hat. (Handelsblatt vom 17.01.10)

Der WWF formuliert das Fazit der Veranstaltung noch schärfer. “Mehr als warme Worte kamen bei dem Treffen nicht heraus”, so die Einschätzung von Matthias Meißner, Agrarreferent des WWF Deutschland. Die Abschlusserklärung sei eine Ansammlung von schwachen Formulierungen. Handlungsempfehlungen und Zielvorgaben suche man vergeblich. Die Minister konstatierten, dass die Branche stark unter dem Klimawandel zu leiden habe, aber sie bekannten sich nicht zu einem konkreten Klimaschutzprogramm. Der WWF betont: “weltweit gehen mindestens 14 Prozent des Treibhausgasausstoßes direkt auf das Konto der Landwirtschaft. Hinzu kommen Emissionen, die durch die Umwandlung von Wäldern zu Ackerland freigesetzt werden.” Hier bestehe dringender Handlungsbedarf. Leider wehre sich die Branche nach wie vor gegen konkrete Klimaschutzvorgaben. Klare Worte zur Umsetzung seien die Minister bei dem Treffen in Berlin schuldig geblieben. Viele wichtige Themenbereiche, wie der Schutz der weltweiten Biologischen Vielfalt; der Schutz von natürlichen Ressourcen und Konsumveränderungen fehlten im Papier gänzlich.

“Das vollmundig zum Agrargipfel deklarierte Treffen ist erneut zur überflüssigen Messefolklore zur Grünen Woche verkommen”, so Matthias Meißner. Es werde höchste Zeit, dass das Bundesministerium für Ernäh-rung Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) seine Hausaufgaben erledige. Dazu gehöre es, die Neuausrichtung der Gemeinsamen Agrarpolitik im Sinne einer nachhaltigen Landwirtschaft voranzutreiben. Leider ließen die der jüngsten Äußerungen von Ministerin Ilse Aigner zur Klimarelevanz der Landwirtschaft kein Umdenken erkennen. Die vom BMELV angestrebte Führungsrolle Deutschlands werde nur umsetzbar sein, wenn BMZ und BMELV gemeinsam ihre Politik das Thema Sicherung der Welternährung an konsequenten Nachhaltigkeitskriterien ausrichten und die schwächelnden UN-Prozesse neu beleben.

Die Oxfam-Studie  ‘People-Centred Resilience’ kann hier angesehen werden. (PDF, engl.)

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Bis zu 100.000 Menschen demonstrierten für ein verbindliches Klimaabkommen

Dienstag 15. Dezember 2009 von birdfish

Zur Halbzeit der internationalen Klimakonferenz haben am Samstag in Kopenhagen und anderen Städten der Welt Zehntausende für ein weitreichendes Abkommen zum Klimaschutz demonstriert.

Impressionen von der Demo in Kopenhagen
Impressionen von der Demo für mehr Klimaschutz in Kopenhagen 2009 – (c) Bjoern Jettka / Greenpeace

“Genug über das Klima geredet – jetzt müssen Taten folgen” forderten Klimaschützer weltweit. Zugleich müsse es schnelle Hilfe für arme Länder geben, damit diese ihren Beitrag zum Kampf gegen die Erderwärmung auch bezahlen können.

Bis zum Ende der Woche werden rund 115 Staats- und Regierungschefs in Kopenhagen erwartet. Bundeskanzlerin Merkel wird nach derzeitigem Programm am Donnerstag vor dem Gipfelplenum reden. Das Klimaschutzabkommen, auf das sich 192 Staaten in Kopenhagen verständigen wollen, muss die Erderwärmung wirksam begrenzen.

Kumi Naidoo, Geschäftsführer von Greenpeace International, kritisiert die Bundeskanzlerin. Sie tue nicht genug für den Klimaschutz. “Angela Merkel kann in Kopenhagen das Ruder herumreißen. Doch ihr Verhalten in der aktuellen Debatte ist mehr als enttäuschend.” Da Merkel gerade eine Wahl gewonnen habe, sei derzeit nichts zu verlieren. “Deutschland ist dennoch nicht zu Zugeständnissen bereit, die von Wissenschaftlern als notwendig eingefordert werden”

Auf der Demonstrantion in Kopenhagen schlugen die Redner ernste Töne an: “Wie lange wollen die Staatsführer noch zulassen, dass Menschen bei uns durch den Klimawandel sterben?” rief zornig die Sängerin Angelique Kidjou aus dem westafrikanischen Benin. Wir haben als Menschheit der Natur auf unserem Planeten eine zu große Last aufgebürdet. Jetzt müssen wir gemeinsam sehr schnell Verantwortung übernehmen, forderten viele Teilnehmer/innen.

Am frühen Abend ging die dänische Polizei massiv gegen Demonstranten vor. Nach Medienangaben wurden etwa 400 Personen festgenommen. Die Festnahmen seien vorbeugend erfolgt, so die Begründung der Polizei. Sie unterstellte den Demo-Teilnehmer/innen kriminelle Absichten während des Marsches zum Tagungsort der UN-Klimakonferenz.

Die Veranstalter sprachen von bis zu 100.000 Teilnehmern, die Polizei zum Auftakt der Kundgebung von rund 10 000. In mehr als 130 weiteren Ländern fanden zudem rund 4.000 Veranstaltungen für ein verbindliches Klimaabkommen statt. Wie in vielen anderen Städten demonstrierten etwa in Athen Menschen trotz strömenden Regens. Ihre Mahnung an alle: “Das Klima brennt”.

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Die Auswirkungen der globalen Erwärmung auf die landwirtschaftliche Produktivität

Freitag 11. Dezember 2009 von birdfish

Im Rahmen ihrer Schriftenreihe Ökologie setzt sich die Heinrich-Böll-Stiftung mit dem Thema Klimawandel und das Recht auf Nahrung auseinander.

Titelbild der Studie
(c) Heinrich Böll Stiftung

Der Klimawandel und seine Folgen haben immense Auswirkungen auf die landwirtschaftliche Produktion und die Ernährungssicherheit von Millionen von Menschen.

Zunehmende Wetterextreme wie Fluten und Dürren vernichten Ernten, der steigende Meeresspiegel bedroht die küstennahe Landwirtschaft und gleichzeitig werden die globalen Trinkwasserreserven knapper. Bereits heute leiden mehr als eine Milliarde Menschen an Hunger und Mangelernährung.

Doch nicht nur der Klimawandel selbst, sondern auch Maßnahmen dagegen beeinflussen das Recht auf Nahrung. Und das auf oftmals sehr unauffällige Weise. Der UN-Sonderbeauftragte für das Recht auf Nahrung, Olivier de Schutter macht immer wieder auf reale und mit Klimapolitik verbundene Menschenrechtsverletzungen aufmerksam. So gibt es Projekte bei denen die lokale Bevölkerung von ihrem Land vertrieben wurde, um Platz für Aufforstungsprojekte oder Plantagenwirtschaft mit Eukalyptusbäumen zu schaffen, die die Treibhausgasemission der Industrieländern kompensieren sollten. De Schutter fordert deshalb, dass der Menschenrechtsansatz konkrete Implikationen für die Maßnahmen zur Bekämpfung und Anpassung an den Klimawandel haben muss.

In der aktuellen Studie „Klimawandel und das Recht auf Nahrung“ analysiert die Heinrich-Böll-Stiftung mit dem Human Rights Institute der Columbia Law School die Folgen des Klimawandels auf die Umsetzung des Rechts auf Nahrung und gibt Empfehlungen, wie beide Agenden besser zusammengeführt werden können.

Dazu gehört beispielsweise ein verstärkter Fokus auf Belange der Ernährungssicherung bereits bei der Datenerhebung sowie die Ernennung eines UN-Sonderbeauftragen für Klimawandel und Menschenrechte, dessen Aufgabe es ist internationale Maßnahmen zur Anpassung und Bekämpfung des Klimawandels auf die Verträglichkeit mit dem Recht auf Nahrung überprüft und bei auftretenden Problemen Lösungsvorschläge zu erarbeiten.

Die Autoren der Studie plädieren für ein Klimaregime, das auf Gleichbehandlung und Gerechtigkeit beruht und in einem kooperativen Ansatz Klimapolitik und das Recht auf Nahrung verbindet.

Hier finden Sie die umfassende Studie „Climate Change and the Right to Food“ (PDF, engl.).

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