KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

GEOMAR koordiniert Forschungsprogramm zur Bewertung großtechnischer Klimaregulierung

Freitag 26. April 2013 von birdfish

Schwefelpartikel in die Atmosphäre sprühen oder den Ozean mit Eisen düngen – aktuell werden zahlreiche großtechnische Maßnahmen zur künstlichen Klimaregulierung diskutiert.

climate engineering
Maßnahmen des Climate Engineering – Abb: Kiel Earth Institute

Ein neues Schwerpunktprogramm der Deutschen Forschungsgemeinschaft soll jetzt Risiken und Nebenwirkungen des sogenannten “Climate Engineering” untersuchen. Koordiniert wird das Programm am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel.

Das Experiment hat längst begonnen. Seit Beginn der Industrialisierung vor rund 200 Jahren produziert die Menschheit riesige Mengen Kohlendioxid und lässt sie in die Luft entweichen. Damit startete sie – unbewusst, unkontrolliert und lange unerkannt – einen gigantischen Versuch mit der Erdatmosphäre. Mittlerweile kennen wir das Ergebnis: Der Gehalt an Kohlendioxid ist um mehr als ein Drittel angestiegen. Der natürliche Treibhauseffekt wird von dem zusätzlichen CO2 verstärkt, die durchschnittlichen Temperaturen auf der Erde steigen, das Klima ändert sich. Jetzt sind Wege gefragt, die Folgen dieses ungewollten Experiments zu begrenzen.

Der einfachste Weg wäre theoretisch, die Emissionen von Kohlendioxid schnell wieder zu verringern. Doch bei einer rasant wachsenden Weltbevölkerung und dem aktuellen Industrialisierungsschub in großen Schwellenländern erweist er sich in der Praxis als schwierig. Deshalb werden vermehrt großtechnische Maßnahmen in die Diskussion eingebracht. Sie sollen gezielt eingesetzt werden, um die atmosphärische CO2-Konzentration abzusenken oder die einfallende Sonnenstrahlung abzuschwächen. „Diese großtechnischen Maßnahmen fasst man unter dem Begriff „Climate Engineering“ zusammen“, erklärt Professor Andreas Oschlies vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. „Doch bislang gibt es weder verlässliche Informationen über die Potenziale dieser Maßnahmen, noch über Nebenwirkungen“, so Oschlies weiter.

Um in der Diskussion über das Climate Engineering eine wissenschaftlich belastbare Grundlage zu erhalten, hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) jetzt ein Schwerpunktprogramm mit dem Titel „Climate Engineering: Risks, Challenges, Opportunities?“ bewilligt. Professor Oschlies hatte es als Initiative des „Kiel Earth Institutes“ (KEI) mit Unterstützung des Kieler Exzellenzclusters „Ozean der Zukunft“ und einer Kerngruppe von 18 Wissenschaftlern von Universitäten und Instituten aus ganz Deutschland beantragt. Das Schwerpunktprogramm wird in den kommenden sechs Jahren in insgesamt acht Teilprojekten die erheblichen Unsicherheiten untersuchen, die mit den Ideen und Konzepten des Climate Engineering verbunden sind. Die DFG stellt dafür in der ersten dreijährigen Projektphase fünf Millionen Euro zur Verfügung. Davon entfallen 1,3 Millionen Euro auf das Kieler Koordinierungsbüro und zwei Teilprojekte, die das GEOMAR und das „Kiel Earth Institute“ zusammen mit dem Max-Planck-Institut für Meteorologie Hamburg, mit der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) durchführen.

Die beteiligten Wissenschaftler beschäftigen sich sowohl mit der naturwissenschaftlich-technischen Dimension als auch mit sozialen, politischen, rechtlichen und ethischen Aspekten der diskutierten Maßnahmen. „In allen bisher vorgeschlagenen Konzepten ist Climate Engineering immer so angelegt, dass es zumindest überregionale und oft auch zeitlich verzögerte Folgen hätte. Das macht eine Bewertung schwierig“, betont Professor Oschlies. Wer dürfte über einen Einsatz von Climate Engineering überhaupt entscheiden? Wer müsste bei welchen Nebenwirkungen haften? „Auch diese Fragen müssen untersucht werden. Gerade dieser Multidimensionalität wird in der internationalen Forschung derzeit nur sehr wenig Raum eingeräumt“, so Oschlies weiter. Das nun bewilligte DFG-Schwerpunktprogramm wird das Thema deshalb in einer international einmaligen fachlichen Breite ergebnisoffen betrachten. Damit soll eine Basis für eine sorgfältige Abwägung von möglichen Vor- und Nachteilen geschaffen werden.

Maßnahmen des Climate Engineering
Übersicht über verschiedene Climate Engineering Maßnahmen, die aktuell diskutiert werden. Welche Risiken und Nebenwirkungen sie beinhalten, ist noch zu wenig erforscht. Grafik: Kiel Earth Institute

Dies kann schon für die heutige internationale klimapolitische Diskussion wichtige Argumente liefern, in der einige Akteure mit dem Verweis auf Climate Engineering von CO2-Emissionsvermeidung ablenken. Schließlich soll eine umfassende wissenschaftliche Analyse der Risiken und (Neben)wirkungen von Climate Engineering die Grundlage für fundierte gesellschaftliche Entscheidungen über einen möglichen Einsatz von Climate Engineering bilden. Wichtig für die Wissenschaftler ist daher auch eine gut informierte Öffentlichkeit. Bereits im September 2011 wurde hierzu vom „Kiel Earth Institute“ ein Internetportal aufgebaut, das Nachrichten und Informationen zu Climate Engineering tagesaktuell zusammengeführt, um der Debatte mehr Transparenz zu verleihen. Das Portal wird auch für das Schwerpunktprogramm genutzt.

Informationen:

Webseite des DFG Schwerpunktprogramms
Informationsportal zum Climate Engineering
GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
Das Kiel Earth Institute
Der Kieler Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft“

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Wird der große Wettlauf um Erze aus dem Lebensraum Tiefsee schon bald beginnen?

Montag 18. März 2013 von birdfish

Egal ob Smartphones, Solarzellen oder Stromkabel – für beinahe jede Technik werden Metalle benötigt. Bisher werden sie nur auf den Kontinenten gefördert. Doch die Weltbevölkerung wächst, die Nachfrage nach mineralischen Rohstoffen steigt.

Schwarzer Raucher in 3000m Wassertiefe weist auf wertvolle Mineralien hin‘Schwarzer Raucher’ in 3000m Wassertiefe weist auf wertvolle Mineralien hin. Foto: ROV KIEL 6000 / GEOMAR

Deshalb werden auch Lagerstätten in den Ozeanen wieder interessanter. Die weltweit führenden Experten für Tiefseegeologie, Tiefseebiologie, Seerecht und Tiefseebergbau tagen derzeit in Kiel, um wissenschaftliche, technische, ökologische und rechtliche Fragen rund um einen möglichen Erzbergbau in den Ozeanen zu diskutieren.

Es begann vor mindestens 7.000 Jahren. Damals setzten Menschen neben Steinwerkzeugen erstmals auch solche aus Kupfer ein. Seitdem ist menschliche Kultur ohne die Verwendung von Metall kaum noch vorstellbar. Das gilt auch für das digitale Zeitalter. Egal ob Smartphone, Tablet-Computer oder Server – ohne Metalle läuft nichts. Hinzu kommt eine schnell wachsende Weltbevölkerung, die neben Handys auch Häuser, Autos oder Kühlschränke benötigt. Die mineralischen Rohstoffe zur Herstellung werden bisher fast ausschließlich auf den Kontinenten gefördert. Die nehmen aber weniger als ein Drittel der Erdoberfläche ein. „Bei wachsender Nachfrage und steigenden Preisen rücken jetzt wieder Rohstofflager in den übrigen zwei Dritteln, den Ozeanen, in den Blick der Industrie“, erklärt der Meeresgeologe Prof. Dr. Colin Devey vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Ob, wann und unter welchen Bedingungen Tiefseebergbau tatsächlich möglich sein wird, darüber diskutieren vom 18. bis 20. März 16 der weltweit bekanntesten Experten für dieses Thema mit rund 150 nationalen und internationalen Studierenden beim Workshop „Seafloor Mineral Resources: scientific, environmental, and societal issues“ in Kiel. Ausrichter ist der Kieler Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft“ zusammen mit dem GEOMAR.

Im Fokus der aktuellen Diskussion stehen vor allem drei Arten mineralischer Rohstoffe: Manganknollen, die meist in großen Wassertiefen um die 5.000 Meter auf dem Meeresboden liegen, Kobaltkrusten, die sich an den Flanken unterseeischer Gebirgszüge zwischen 1.000 und 2.500 Metern Wassertiefe bilden, sowie Massivsulfide, die sich in Zonen vulkanischer Aktivität entlang der Plattengrenzen in den Ozeanen in Wassertiefen zwischen 500 und 5.000 Meter ablagern. Sie alle enthalten Bestandteile, die gerade für die High-Tech-Industrie von Bedeutung sind, darunter Kobalt, Nickel und Kupfer. „Da der größte Teil dieser Lagerstätten in der kaum erforschten Tiefsee und darüber hinaus in internationalen Gewässern liegt, müssen neben wirtschaftlichen und technischen auch ökologische und völkerrechtliche Fragen vor einem möglichen Abbau geklärt werden“, betont Professor Devey.

Deshalb informiert der Kieler Workshop nicht nur über wissenschaftliche Grundlagen und technische Entwicklungen im marinen Bergbau, sondern auch über juristische Rahmenbedingungen für Abbaulizenzen und die Auswirkungen auf die Artenvielfalt und den Lebensraum in der Tiefsee. Dazu reisen neben einigen der anerkanntesten Tiefseegeologen weltweit und Vertretern der Wirtschaft auch Spezialisten für Tiefseebiologie, Völker- und Seerechtler, Vertreter verschiedener UN-Organisationen und Abgesandte von Nicht-Regierungsorganisationen wie dem World Wide Fund for Nature (WWF) nach Kiel.

„Das Informationsbedürfnis der Industrie, aber auch der Politik und Wissenschaft zu diesem Thema ist sehr hoch. Unser Ziel ist es, gemeinsam mit allen Akteuren über nachhaltige Lösungswege für einen umweltschonenden Abbau von Ressourcen zu diskutieren“, sagt Professor Devey. „Wichtig ist uns der wissenschaftlich fundierte Dialog, bevor die Technik Schäden für Natur und Mensch anrichtet.“

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Green Climate Fund soll zentrales Instrument im Kampf gegen den Klimawandel werden

Mittwoch 13. März 2013 von birdfish

Vom 12. bis zum 15. März trifft sich in Berlin der Vorstand des Green Climate Fund (GCF) zu seinem dritten Treffen.

WüsteWüste bei Pakistan: Dürre und Überschwemmung sind Klimawandel-Folgen – Foto: Matthias Jäger / pixelio.de

Dies ist die erste Zusammenkunft nach dem 18. UN-Klimagipfel in Doha und der Entscheidung im letzten Oktober, dass der GCF dauerhaft seinen Sitz in Südkorea – und nicht in Bonn – haben soll. Bei den Beratungen in Berlin stehen zentrale Fragen auf der Agenda: Wie kann der Fonds den notwendigen Paradigmenwechsel in Richtung Entwicklung mit wenig Emissionen in Entwicklungsländern unterstützen?  Wie kann der Zugang dieser Länder zu den Mitteln des Fonds geregelt werden? Wie kann der Privatsektor einbezogen werden? Auch sollen weitere Regelungen für den Einbezug der Zivilgesellschaft beschlossen werden.

Für Germanwatch beobachtet Sven Harmeling, Teamleiter Internationale Klimapolitik, das Treffen: “2013 wird zu einem Schlüsseljahr für den Green Climate Fund, und dieses Treffen markiert den Auftakt. Der Fonds soll zu einem zentralen Instrument im Kampf gegen den Klimawandel werden. Er soll Entwicklungsländer bei der Vermeidung von Emissionen und der Anpassung an die Folgen des Klimawandels unterstützen. Fortschritte bei der Vorstandssitzung in Berlin sind dringend notwendig, damit der Fonds möglichst bald konkrete Klimaschutzmaßnahmen in Entwicklungsländern fördern kann. In der Zukunft sollen jährlich zweistellige Milliardenbeträge über den Green Climate Fund abgewickelt werden. Die Industrieländer sollen hier einzahlen, etwa aus den Erlösen der Emissionshandels-Versteigerung. Aber auch Klimaschutzinstrumente für den internationalen Flug- und Schiffsverkehrs sollen Milliardeneinnahmen erbringen. Auf dem Klimagipfel Ende 2013 in Warschau sollten hierzu die ersten substanziellen Zusagen vorliegen.”

Zum vielfach diskutierten Einbezug des Privatsektors kommentiert Sven Harmeling: “Zentral sind im Klimaschutz Rahmensetzungen, die Investitionen privater Akteure für mehr Klimaschutz attraktiv machen. Die Mehrkosten der Rahmensetzung müssen international mitfinanziert werden. Es wäre aber eine Mogelpackung, wenn die Industrieländer sich die mobilisierten Investitionen des Privatsektors einfach auf ihre Zahlungsverpflichtungen anrechnen würden.”

Kritisch sieht Germanwatch die derzeit vorliegenden Vorschläge zum Einbezug der Zivilgesellschaft in die Arbeit des GCF. Sven Harmeling: “Der Vorstand berät über Vorschläge, die zum Ausschluss aller zivilgesellschaftlichen Organisationen führen könnten, die nicht direkt in der Projektumsetzung in Entwicklungsländern aktiv sind. Dies wäre eine vollkommen unakzeptable Einschränkung. Die Entwicklung eines solchen Fonds ist komplex und vielschichtig. Sie bedarf vielfältiger Expertise, nicht nur hinsichtlich konkreter Projektumsetzung.” Zudem sei es notwendig, ausgewählten Vertretern der Zivilgesellschaft die volle aktive Beteiligung an den Diskussionen des GCF-Vorstands zu ermöglichen. In einem zweiten Schritt müsse der Fonds auch Regelungen finden, um die wirkungsvolle Teilhabe der Zivilgesellschaft in den Ländern zu ermöglichen, in denen die Projekte umgesetzt werden.

Der GCF wurde durch Entscheidungen des UN-Klimagipfels in Cancún (2010) gegründet und ein Jahr später in Durban (2011) in wichtigen Aspekten operationalisiert. Er wird seinen dauerhaften Sitz in Songdo bei Seoul in Südkorea haben.

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Klimaflucht – Klimaflüchtlinge

Freitag 1. März 2013 von birdfish

Der fortschreitende Klimawandel hat in vielen Ländern der Welt bereits existenzbedrohende Auswirkungen. Die Anzahl der Menschen, die wegen Katastrophen wie Dürre, Überschwemmungen und schweren Umweltschäden gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen, wird bereits in den kommenden Jahren dramatisch zunehmen.

Auf dieser Seite sammeln wir wichtige Materialien und Presseartikel zum Thema Klimaflucht und Klimaflüchtlinge.


Material zum Thema Klimaflucht und Klimaflüchtlinge
Broschüre “Auf der Flucht vor dem Klima”
Klimaflüchtlinge

Die Broschüre “Auf der Flucht vor dem Klima” wirft aus der Perspektive von sieben Umwelt-, Entwicklungs- und Menschenrechtsorganisationen (Amnesty International, Brot für die Welt, DGVN, Germanwatch, Medico International, Oxfam Deutschland, Pro Asyl) einen Blick auf die ungelöste Herausforderung des Schutzes von Menschen, die aufgrund der Folgen des Klimawandels migrieren.

Was sind die Szenarien für klimabedingte Migration? Welche bestehenden Maßnahmen gibt es im internationalen Recht und wie können deren Lücken gefüllt werden? Welches Gremium könnte für solidarische Klimamigrationspolitik verantwortlich werden? Mit diesen Fragen leistet die Broschüre einen Beitrag zur Diskussion über den Umgang mit klimabedingter Migration und stellt Mindestansprüche für die Klimamigrationspolitik. (Stand: 02/2013)

Download der Broschüre “Auf der Flucht vor dem Klima” (bei Germanwatch)


Großes Forschungsprojekt will Westafrikas Ernährungssicherheit langfristig sichern

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) stellt 16 Millionen Euro für die weitere Förderung der internationalen Klimaforschungsinitiative am West African Science Service Center on Climate Change and Adapted Land Use WASCAL zur Verfügung. WASCAL erforscht die Folgen des Klimawandels für die Land- und Wassernutzung, um Strategien gegen klimabedingte Risiken zu entwickeln.

Das Bonner Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) will WASCAL helfen, eine Forschungsinfrastruktur aufzubauen, die es den westafrikanischen Staaten ermöglicht, langfristig Ernährungssicherheit zu schaffen und Ressourcen zu schonen.

Kompletter Artikel vom 11. April 2013


Pressespiegel zum Thema Klimaflucht und Klimaflüchtlinge

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Extremwetterereignisse: drei asiatische Entwicklungsländer am härtesten getroffen

Mittwoch 28. November 2012 von birdfish

Germanwatch veröffentlichte jetzt den neuen Globalen Klima-Risiko-Index auf dem Klimagipfel in Doha

Überschwemmung Thailand
Überschwemmungen in Thailand – Foto: Kunstzirkus / pixelio.de

Die meisten Schäden, die durch Extremwetterereignisse verursacht werden, schaffen es oft nicht in die weltweiten Schlagzeilen. Im Gegensatz zu den Zerstörungen von Hurrikan Sandy an der Ostküste der USA werden sie oft kaum in der Öffentlichkeit wahrgenommen. Im Jahr 2011 jedoch waren ärmere Entwicklungsländer durchschnittlich deutlich schwerer als Industrieländer betroffen, wie der neue Globale Klima-Risiko-Index von Germanwatch zeigt. Auf der Rangliste, die heute auf dem Klimagipfel in Doha vorgestellt wurde, liegen Thailand, Kambodscha, Pakistan und El Salvador 2011 vorn. Diese Länder waren am stärksten von Extremwetterereignissen betroffen. In Thailand verursachten ungewöhnlich starke Regenfälle einen Schaden von mehr als 75 Milliarden US-Dollar und forderten dabei zudem annähernd 900 Menschenleben.

Sven Harmeling, Teamleiter für Internationale Klimapolitik bei Germanwatch: “Schäden und Verluste von Extremwetterereignissen sind bereits heute harte Realität in vielen Entwicklungsländern. Dies zeigen die Untersuchungsergebnisse des Globalen Klima-Risiko-Index. Jüngste Forschungsergebnisse zeigen, dass der Klimawandel ein zunehmender Faktor für die Häufigkeit von besonders heftigen Hitzewellen mit schweren Konsequenzen ist. In Doha brauchen wir ernsthafte Fortschritte in den Verhandlungen zur Reduktion von Treibhausgasen, mehr Geld für die Anpassung an den Klimawandel und den Startschuss für den Aufbau eines internationalen Mechanismus als Reaktion auf trotzdem auftretende Schäden und Verlusten.” Harmeling hofft, dass die Katastrophe auch in Thailand eine neue Nachdenklichkeit auslöst. “Thailand gehört zu den wenigen relevanten Ländern, die beim UN-Klimasekretariat noch keine konkreten Zusagen eingereicht haben, um zumindest ihren Emissionsanstieg zu mindern”, fügt Sven Harmeling hinzu.

Auf  der Langzeit-Rangliste von 1991-2011 hatten Honduras, Myanmar und Nicaragua besonders viele Schäden und Todesfälle zu beklagen. Zum ersten Mal landet Bangladesch nicht mehr unter den ersten drei Ländern, sondern verbessert sich auf Rang vier. Sven Harmeling: “Die Sturmkatastrophe von 1991 mit mehr als 140.000 Todesfällen ist nun nicht mehr in der Analyse der letzten 20 Jahre berücksichtigt. Zudem ist das Land auch eines der wenigen armen Länder, das zahlreiche Maßnahmen mit und ohne externe Unterstützung durchgeführt hat, um sich besser auf den Klimawandel vorzubereiten. Bangladesch zeigt, dass aktive Anpassung hilft, um Schäden und Verluste zu reduzieren.”

Deutsche Zusammenfassung Klima-Risiko-Index 2013 (PDF)

Der Globale Klima-Risiko-Index 2013 (engl.)

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Erste Weltklimafolgenkonferenz wird im kommenden Jahr in Potsdam stattfinden

Dienstag 27. November 2012 von birdfish

Die erste Konferenz zu weltweiten Klimafolgen, IMPACTS WORLD 2013, wird im kommenden Jahr in Potsdam stattfinden.

IMPACT WORLD 2013
Weltweite Klimafolgen stehen im Mittelpunkt der IMPACT WORLD 2013. Foto: Andreas Schachl

„Unsere Klimazukunft wird weitgehend von Entscheidungen bestimmt, die wir in den nächsten Jahrzehnten treffen– alles zwischen 2°C und 10°C globaler Erwärmung bis 2300 ist möglich“, sagt Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, das die Veranstaltung gemeinsam mit dem International Institute for Applied System Analysis (IIASA) ausrichten wird. „Die Folgenforschung ist ihren Kinderschuhen entwachsen und vermag endlich die dramatischen sektoralen und regionalen Bilder zu zeichnen, die spezifische Zunahmen der mittleren Erdoberflächentemperatur mit sich bringen können“.

Die interaktive, diskussionsbasierte Konferenz zielt darauf ab, eine neue Vision der Klimafolgenforschung zu entwickeln und soll das Fundament für regelmäßige, gemeinschaftlich bestimmte Überblicke über die Ergebnisse der Klimafolgenforschung legen. Das laufende Inter-Sectoral Impact Model Intercomparison Project (ISI-MIP) stellt einen wichtigen Schritt auf dem Weg in Richtung eines umfassenden und quantitativen Verständnis der Folgen des Klimawandels dar. Projektergebnisse werden auf der Konferenz vogestellt.

Das Treffen vom 27. Bis 30. Mai 2013 bringt führende Wissenschaftler und Entscheidungsträger von lokaler bis internationaler Ebene zusammen und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt. Mit Blick auf eine neue Architektur der Folgenforschung stehen fünf grundsätzliche Herausforderungen im Mittelpunkt: Können wir bestehendes Wissen sektorübergreifend integrieren? Welche Teile fehlen uns noch? Wie sicher sind wir uns? Wie überbrücken wir die Kluft zwischen regionalen und globalen Studien zu Klimafolgen? Hört uns überhaupt jemand zu?

Der call for papers läuft bis zum 15.Dezember 2012.

Website der Weltklimafolgenkonferenz IMPACTS WORLD 2013

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Vier-Grad-Dossier für Weltbank: Unplanbare Risiken einer Zukunft ohne Klimaschutz

Freitag 23. November 2012 von birdfish

Die Treibhausgas-Emissionen der Menschheit brechen jedes Jahr neue Rekorde.

Klimafolge: Überschwemmungen in Entwicklungsländern
Klimafolge: Überschwemmungen in Entwicklungsländern – Foto: D. Ott – Fotolia.com

Daher befinden wir uns auf einem Kurs, der schon bis zum Ende des Jahrhunderts zu einer Erderwärmung von vier Grad Celsius führen dürfte. Und somit in eine Welt mit Risiken außerhalb der Erfahrung unserer Zivilisation. Dazu zählen Hitzewellen, besonders in den Tropen, ein Hunderte Millionen Menschen betreffender Anstieg des Meeresspiegels, und Missernten, welche die globale Ernährungssicherheit gefährden – das zeigt ein für die Weltbank erstellter Report des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und von Climate Analytics aus Berlin.
Betroffen seien vor allem die Armen dieser Welt, für die Entwicklung ohne Klimaschutz nach Lage der Fakten kaum möglich sei.

„Die planetarische Maschinerie neigt zu Bocksprüngen, also unverhältnismäßigen Reaktionen auf Störungen, wie sie der menschengemachte Treibhauseffekt mit sich bringt”, betont Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des PIK. „Wenn wir uns weit über die Zwei-Grad-Linie hinauswagen, also in Richtung vier Grad, laufen wir Gefahr, Kipp-Punkte im Erdsystem zu überschreiten.“ Dies könnte bei den weltweit vom Kollaps bedrohten Korallenriffen der Fall sein, oder beim kilometerdicken Eisschild Grönlands. Dessen Schmelze würde Jahrtausende dauern, könnte aber schon bald unwiderruflich beginnen. „Der einzige Weg, dies zu vermeiden, ist ein Bruch mit den vom Zeitalter fossiler Brennstoffe geprägten Mustern von Produktion und Konsum“, so Schellnhuber.

Bereits heute sind Folgen des Klimawandels beobachtbar. So hat die Hitzewelle in Russland 2010 vorläufigen Schätzungen zufolge Tausende von Opfern gefordert, die Ernten um ein Viertel verringert, und 15 Milliarden US-Dollar wirtschaftlichen Schaden hinterlassen. Solche Extreme würden bei 4 Grad Celsius globaler Erwärmung in Teilen der Welt „die neue Normalität“, heißt es in dem Report. In den Tropen könnten Ende des Jahrhunderts die kühlsten Monate deutlich wärmer sein als die heißesten Monate der Gegenwart.

Der Meeresspiegel kann bei 4 Grad globaler Erwärmung in diesem Jahrhundert 50 bis 100 Zentimeter steigen, und danach noch deutlich höher. Dabei ist dieser Anstieg regional unterschiedlich stark, dies hängt von Meeresströmungen und anderen Faktoren ab. Am höchsten wird das Meer den Projektionen zufolge an den Küsten von Ländern wie den Philippinen, Mexiko, Indien steigen.

Auch innerhalb von wirtschaftlichen Sektoren kann es zu Kippeffekten mit plötzlich rasant ansteigenden Schäden kommen, etwa in der Landwirtschaft. So wurde bereits beobachtet, dass wichtige Getreidesorten ab bestimmten Temperaturen überaus empfindlich reagieren, was zu großflächigen Ernteausfällen führen kann. Veränderungen im Wasserkreislauf können hierbei erschwerend hinzukommen, etwa wenn Dürren vorherrschen oder landwirtschaftliche Flächen überflutet werden.

„Der Report arbeitet den gegenwärtigen Stand der Forschung auf und liefert neue Analysen zu Hitzewellen und zum regionalen Meeresanstieg. Natürlich bleiben hierbei Unsicherheiten“, erklärt William Hare, Mitbegründer von Climate Analytics in Berlin und zugleich Gastwissenschaftler am PIK. „Wir greifen das auf, indem wir Risiko definieren als ‚Schadenspotenzial multipliziert mit der Eintritts-Wahrscheinlichkeit’. Auch ein relativ unwahrscheinliches Ereignis kann ein großes Risiko darstellen, wenn seine möglichen Auswirkungen groß genug sind.“

Der erst in diesem Jahr von US-Präsident Barack Obama als neuer Weltbank-Chef vorgeschlagene Jim Yong Kim, seit Juli im Amt, hatte sich kürzlich von Schellnhuber persönlich in Washington D.C. den Bericht vorstellen lassen. „Eine vier Grad wärmere Welt kann und muss vermieden werden – wir müssen die Erwärmung unter zwei Grad halten“, sagte Kim nun in einer Erklärung. „Untätigkeit gegenüber dem Klimawandel droht, die Welt, die unsere Kinder von uns erben, zu einer ganz anderen zu machen als jene, in der wir heute leben. Der Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen für die Entwicklung, und wir müssen die moralische Verantwortung dafür übernehmen, im Namen kommender Generationen zu handeln, besonders für die Ärmsten.“

Komplettfassung des Reports (engl., PDF)

Globale Führungspersönlichkeiten zum Weltbankbericht “Turn Down The Heat” (engl., PDF)

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Deutsche unterschätzen Beitrag der Landwirtschaft zur Bekämpfung des Hungers

Freitag 19. Oktober 2012 von birdfish

Die Deutschen betrachten die Landwirtschaft nur in geringem Maß als mögliche Lösung für den Hunger auf der Welt.

Armut in Kenia
Kenianerin bereitet Mahlzeit – viele Afrikaner leiden unter Nahrungsmittel-Preisen. Foto: Uni Göttingen

Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Verbraucherbefragung der Universität Göttingen. Die Wissenschaftler haben 1200 Verbraucher in ganz Deutschland zu möglichen Ursachen der Welthungerproblematik und zu Lösungsansätzen befragt. Die Ergebnisse wurden nun auf dem Ernährungssymposium der Heinz Lohmann Stiftung in Hamburg vorgestellt.

Laut des jüngsten Hungerberichts der Vereinten Nationen leiden rund 870 Millionen Menschen auf der Welt an Unterernährung. Die weltweite Nachfrage nach Getreide wächst derzeit schneller als das Angebot, so dass die Preise in die Höhe gehen. Um mit der Entwicklung der Nachfrage Schritt zu halten, wird die Agrarproduktion bis 2050 deutlich gesteigert werden müssen – was vor dem Hintergrund des Klimawandels und knapper Ressourcen eine große Herausforderung darstellt.

Trotzdem sieht die Mehrheit der Deutschen die Lösung für das globale Ernährungsproblem nicht primär in der Landwirtschaft. Als Hauptursachen für den Hunger gelten vielmehr Dürren, Kriege und Konflikte sowie Korruption in den Entwicklungsländern. Aspekte, die unmittelbar mit der Landwirtschaft in Verbindung stehen – beispielsweise Bioenergie, fehlende moderne Technologien in Entwicklungsländern und Nachernteverluste – schätzten die Teilnehmer der Befragung als relativ unbedeutend ein. „Dürren, Kriege und Konflikte sind häufig in den Medien, machen aber de facto nur einen kleinen Teil des Hungerproblems aus“, so der Leiter der Studie, Prof. Dr. Matin Qaim vom Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung der Universität Göttingen, der die Befragung gemeinsam mit seinen Mitarbeitern Wilhelm Klümper und Jonas Kathage durchführte.

Auch die Frage, ob Hunger eher ein Problem der Verteilung oder der Produktion von Lebensmitteln ist, war Gegenstand der Erhebung: Die meisten Deutschen sehen Verteilungsprobleme als Ursache für den Welthunger an. Verbesserungen erhoffen sich die Befragten vor allem durch den verstärkten Anbau ertragreicher Pflanzensorten, Ökolandbau, fairen Handel und ein Verbot der Spekulation mit Lebensmitteln. Negativ bewertet werden der Einsatz von Gentechnik, Düngern und Pflanzenschutzmitteln. Viele Befragte sind der Ansicht, das Konsumverhalten innerhalb der Europäischen Union könne das Welternährungsproblem beeinflussen – gaben jedoch gleichzeitig an, dass das Thema bei ihrem persönlichen Kauf- und Konsumverhalten keine bedeutende Rolle spiele.

„Die Ergebnisse der Befragung machen deutlich, dass die öffentliche Meinung zum Thema Welternährung stark durch positive und negative Vorurteile geprägt ist“, so Prof. Qaim. „Pauschalurteile bringen uns jedoch bei so hochkomplexen Fragen wie der Zukunft der Welternährung nicht weiter. Um einer wachsenden Weltbevölkerung globale Ernährungssicherheit bieten zu können, werden Innovation und ressourceneffiziente Wertschöpfung zunehmend wichtig. Das erfordert auch ein gesellschaftliches Umdenken.“

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