KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

“Geniegipfel” berät über Strategien zu Klimastabilisierung und Welternährung

Dienstag 17. Mai 2011 von birdfish

Fast zwanzig Nobelpreisträger aller Fachrichtungen treffen diese Woche in Stockholm auf viele der weltweit führenden Forscher im Bereich Klima, Energie, Umwelt.

Mitglieder des UN High-level Panel
Die Mitglieder des UN High-level Panel – Foto: UN

Im Mittelpunkt ihrer Debatten stehen Visionen für die Schaffung von nachhaltigem Wohlstand innerhalb der Belastungsgrenzen unseres Planeten, insbesondere Strategien zur Stabilierung des Klimasystems und zur Sicherung der Welternährung. Eine vom UN-Generalsekretär eingesetzte hochrangige Expertengruppe zur globalen Nachhaltigkeit, der neben mehreren Staatspräsidenten und Ministern auch die EU-Umweltkommissarin Connie Hedegard angehört, wird am Mittwoch in der Königlichen Schwedischen Akademie der Wissenschaften die Schlussfolgerungen der Nobelpreisträger entgegennehmen. Diese fließen ein in die Vorbereitung der großen UN-Konferenz „Rio plus 20“ im nächsten Jahr.

„Von Stockholm wird als weltweit beachtetes Signal ausgehen: Verdrängung der wissenschaftlichen Erkenntnisse ist nicht länger eine Option“, sagt Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und Initiator der vor vier Jahren begonnenen Nobelpreisträgertreffen. Die Unabhängigkeit der Preisträger, die mehrheitlich selbst keine Nachhaltigkeitsforscher sind, ist dabei besonders wichtig. „Einige der klügsten Köpfe der Welt nehmen sich hier einiger der größten Probleme der Menschheit an“, sagt Schellnhuber. „Nicht, weil das ihr Spezialgebiet ist, auf dem sie wissenschaftlichen Ruhm suchen – den haben sie schon. Sondern weil sie wissen, dass es ums Ganze geht.“

Nach Potsdam und London ist Stockholm 2011, ausgerichtet gemeinsam mit schwedischen Partnern, das dritte globale Symposium seiner Art. Die Veranstalter freuen sich, hierfür die Unterstützung von König Carl XVI Gustaf von Schweden gewonnen zu haben, der wie auch Kronprinzessin Viktoria an der Veranstaltung selbst teilnimmt.

Der deutsche Physik-Nobelpreisträger Peter Grünberg ist ebenso dabei wie der mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnete Inder Amartya Sen, der schweizer Medizin-Nobelpreisträger Werner Arber ebenso wie der niederländische Chemie-Nobelpreisträger Paul Crutzen und der US-amerikanische Physik-Nobelpreisträger Douglas Osheroff. Neben den vielen Naturwissenschaftlern beteiligt sich aber auch etwa die südafrikanische Literaturnobelpreisträgerin Nadine Gordimer.

Die Menschheit, das ist eine Leitidee des Stockholmer Symposiums, hat durch ihre massiven Einwirkungen auf die Umwelt eine neue erdgeschichtliche Epoche eingeleitet – das „Anthropozän“, wie Crutzen es genannt hat. Vor diesem Hintergrund sollen neben den bekannten Kipp-Punkten gefährlichen Klimawandels nun umgekehrt auch Kipp-Prozesse hin zu nachhaltiger Entwicklung ermittelt werden. Im Vordergrund steht dabei der Umbau der weltweiten Energiesysteme und die Notwendigkeit eines tiefgreifenden Kulturwandels.

Das Symposium wird ermöglicht durch die Unterstützung mehrerer  Stiftungen. Neben schwedischen Organisationen zählen insbesondere auch zwei deutsche dazu.

Hierzu erklärt der Vorsitzende des Bundesverbands Deutscher Stiftungen und Generalsekretär der VolkswagenStiftung, Dr. Wilhelm Krull: “Die steigende Zahl an Umweltkatastrophen wie Erdbeben, Überschwemmungen und Hurrikane und ihre dramatischen Folgen nehmen Politiker wie Bürger gleichermaßen mit wachsender Besorgnis wahr. Immer mehr Stiftungen fühlen sich dazu verpflichtet, sich mit den Herausforderungen, die der Klimawandel mit sich bringt, zu befassen. Die VolkswagenStiftung versteht sich als Impulsgeberin für die Wissenschaft und unterstützt daher ausdrücklich Veranstaltungen wie das Nobelpreisträgertreffen zu Global Sustainability in Stockholm, bei dem die Notwendigkeit integrierter Ansätze im Hinblick auf Konflikte, Synergien und Kompromisse zwischen den einzelnen Komponenten des Klimawandels im Fokus steht.”

Das Nobelpreisträgertreffen werde von Entscheidungsträgern stark wahrgenommen, betont die Stiftung Mercator. “Die Stiftung Mercator setzt sich in ihrem Themencluster Klimawandel für ambitionierte Treibhausgas-Reduktionsziele ein”, so Dr. Bernhard Lorentz, Geschäftsführer der Stiftung. “Unsere Projekte zielen auf den dafür notwendigen politischen Wandel. Wir unterstützen die Nobelpreisträgertagungen, da sie ein wirkungsvolles Instrument zur Kommunikation wissenschaftsbasierter Lösungsstrategien zum Klimaschutz sind und bei politischen Entscheidungsträgern viel Beachtung finden.“

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DNR fordert UN-Sicherheitsratsbeschluss für Abschaltung AKW in Erdbebengebieten

Mittwoch 13. April 2011 von birdfish

Der Deutsche Naturschutzring (DNR) hat Bundeskanzlerin Merkel in einem offenen Brief dazu aufgefordert, im UN-Sicherheitsrat zur Atomkatastrophe von Fukushima einen Beschluss herbeizuführen.
Darin sollte die Abschaltung aller AKW in Erdbebengebieten weltweit verlangt werden. Der Brief an die Bundeskanzlerin hat den folgenden Wortlaut:

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel,

die in ihrem Ausmaß immer deutlicher werdenden Auswirkungen der Atomkatastrophe in Fukushima zeigen nach Tschernobyl erneut die unverantwortlich hohen Risiken bei der Nutzung der Atomenergie.

Die politischen Schlussfolgerungen aus dem atomaren GAU in Fukushima müssen natürlich die nationalen Regierungen ziehen. In Deutschland hat die Bevölkerung dazu eine eindeutige Position, den kurzfristigen Ausstieg aus der Atomenergie und die Deckung einer durch Effizienz- und Einsparmaßnahmen deutlich reduzierten Energienachfrage ausschließlich durch erneuerbare Energien.

Es gibt eine weitere Schlussfolgerung und zwar für die Weltgemeinschaft: Eine Atomkatastrophe wie in Fukushima darf sich nie mehr wiederholen. Allerdings können sich derart ungewöhnlich starke Erdbeben wie vor wenigen Wochen in Japan auch in anderen Erdbebengebieten jederzeit ereignen.

Wir bitten Sie daher dringend darum, die Mitgliedschaft Deutschlands im UN-Sicherheitsrat zu nutzen, um dort einen Beschluss herbeizuführen, der die Abschaltung aller AKW in Erdbebengebieten weltweit innerhalb einer bestimmten überschaubaren Frist vorsieht.

Mit freundlichen Grüßen
Hubert Weinzierl
DNR-Präsident

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Mit Landwirtschaft auf Dächern könnten jährlich 28 Mio. t CO2 gebunden werden

Freitag 25. Februar 2011 von birdfish

Die Zahl dicht besiedelter Ballungszentren wächst. Weltweit lebt mehr als die Hälfte aller Menschen in Städten. Unbebaute Flächen und Grün sind hier rar.

In New York City wird derzeit ein Modell der integrierten Landwirtschaft umgesetzt
In New York City wird derzeit ein Modell der integrierten Landwirtschaft umgesetzt – Foto: BrightFarm Systems

Fassaden und Dächer können in Städten als landwirtschaftliche Nutzflächen dienen. »inFARMING« heißt das Konzept, das Landwirtschaft in urbane Räume integriert und für das Fraunhofer UMSICHT Konzepte, Materialien und Anbauprozesse entwickelt. Im Fraunhofer-inHaus-Zentrum in Duisburg soll dazu ein Prototyp entstehen.
Die Stadtfarm der Zukunft: Auf dem Flachdach des fünfgeschossigen Bürogebäudes steht ein Gewächshaus zur Gemüsezucht. Die Gebäudefassade ist vollständig mit Moos bewachsen, um Feinstaub zu binden. Das Wasser wird in einem geschlossenen Kreislauf wiederverwertet, der pflanzliche Abfall und die überschüssige Wärme, z. B. aus den Gebäuden als Energie genutzt.

Das Haus steht mitten in der Großstadt. – Noch nicht real, aber reales Ziel der gebäudeintegrierten urbanen Landwirtschaft, dem »inFARMING«. Eine mögliche Antwort auf den Mangel an Ressourcen und ländlicher Anbauflächen infolge der schnell wachsenden Weltbevölkerung und zunehmenden Verstädterung. Fraunhofer UMSICHT hat sich zum Ziel gesetzt, Konzepte für gebäudeintegrierte Landwirtschaft auf Gebäudedächern zu entwickeln und entsprechende Techniken und Anbauprozesse zu optimieren. Auf der Konferenz »Greener Cities« in Vietnam stellte das Institut das Thema kürzlich vor.

In Deutschland gibt es rund 1.200 Millionen Quadratmeter an Flachdächern von Nicht-Wohngebäuden. Rund 360 Millionen Quadratmeter können davon für den Anbau von Pflanzen in Gewächshäusern genutzt und so rund 28 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr gebunden werden. Das entspricht etwa 80 Prozent der jährlichen CO2-Emissionen von industriellen Betrieben in Deutschland.

Von den 11,2 Millionen. Hektar Ackerfläche in Deutschland werden rund 120 000 Hektar (2008) für den Gemüseanbau verwendet. Dies entspricht einer Produktion von 3,5 Millionen Tonnen Gemüse. In Deutschland sind laut Angaben des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung und des Umweltbundesamtes bereits 50 Prozent der Siedlungs- und Verkehrsfläche versiegelt. Täglich kommen etwa 110 Hektar dazu.

Die herkömmliche konventionelle Landwirtschaft ist sehr ressourcenintensiv, neben der benötigten Fläche werden weltweit rund 70 Prozent des verfügbaren Trinkwassers verbraucht. Darüber hinaus trägt der Energieverbrauch in der Landwirtschaft mit etwa 14 Prozent zu den weltweiten CO2-Emissionen bei. Aus heutiger Sicht ist auch kein plausibler Weg zu sehen, um zukünftig potentiell zehn Milliarden Menschen auf den Ernährungsstand zu bringen, auf dem sich heute die reiche Welt, und damit circa 1,5 Milliarden Menschen, befindet.

inFARMING bietet Ideen und Wege an, deren konkrete Vorteile in weniger Treibhausgasemissionen, einem geringeren Flächenverbrauch und -versiegelung durch Landwirtschaft, minimierten Transportkosten, innerstädtischen Grünflächen und frischeren Produkte, regional und kontrolliert direkt beim Verbraucher erzeugt, liegen.

Prototyp für das InFarming entsteht in Duisburg

Das Fraunhofer-inHaus-Zentrum in Duisburg ist die in Europa führende Innovationswerkstatt für intelligente Raum- und Gebäudesysteme. Hier wird gerade zusammen mit dem amerikanischen Partner BrightFarm Systems ein Prototyp für das inFARMING entwickelt. Die Forscher arbeiten an langfristigen Entwicklungsstrategien für die vertikale Landwirtschaft.

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Als eines der an diesem Thema forschenden Fraunhofer-Institute optimiert UMSICHT Prozesse bei der Wasser- und Energieversorgung. Im Fokus stehen die integrierte Energieversorgung durch Abwärmenutzung, Photovoltaik oder auch Kleinstwindkraftanlagen auf den Dächern. Im Bereich der Wasserversorgung werden die Wasserkreisläufe geschlossen, Schmutzwasser wird mittels Pflanzen gereinigt und wieder genutzt.»Zudem entwickeln wir passende Materialien und Werkstoffe zur Isolierung und zum Brandschutz oder besonders leichte Materialkomponenten. Ebenso integrieren wir vermehrt Biokunststoffe auf Basis nachwachsender Rohstoffe. Weitere Schwerpunkte werden Konzepte zur optimalen Flächennutzung und Ernteunterstützung sowie zur Nachhaltigkeitsbewertung sein. Gerade für Supermarktbetreiber kann das inFARMING-Konzept ein interessanter Ansatz für die Planung zukünftiger Filialen sein«, beschreibt Projektleiter Volkmar Keuter die Aktivitäten des Instituts.

Aber auch international stößt das Konzept auf breites Interesse. Bei der Konferenz »Greener Cities« in Vietnam (Saigon, Hanoi) im Dezember 2010 im Rahmen der Deutsch-Vietnamesischen Zusammenarbeit präsentierte Fraunhofer UMSICHT sein Know-how in diesem Bereich. »Gerade in den entstehenden Megacities in Asien spielt die urbane Landwirtschaft unter dem Aspekt der Ernährungssicherheit und -gesundheit eine immer größere Rolle, die integrierte Nutzung der Ressourcen eines Gebäudes führen zu neuen Ideen und Möglichkeiten «, erklärt Simone Krause, Projektmitarbeiterin bei UMSICHT. Rund 120 Teilnehmer aus Forschungsinstituten, öffentlichen Einrichtungen und Universitäten nahmen an den Konferenzen teil. Stadtentwicklung, Umweltschutz in Städten, soziale Aspekte von Grünflächen und städtische Nutzungskonzepte waren Themen dieses erfolgreichen Austauschs mit dem Land Vietnam.

Wissenschaftler aus den Bereichen Ernährung, Energie- und Wasserwirtschaft, Ingenieure und Architekten haben bereits verschiedene Ansätze der gebäudeintegrierten Landwirtschaft umgesetzt wie zum Beispiel in Greenpark Venlo (Venlo), Science Barge (Hudson River), Green Port (Shanghai) oder Greenport India (Bangalore).
Projektpartner oder Wirtschaftsunternehmen, die Interesse an der Gestaltung innovativer Lösungen für das inFARMING haben, sind eingeladen, sich dem Projekt anzuschließen und es mitzugestalten.

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Der Klima-Risiko-Index 2011 konstatiert: Entwicklungsländer besonders betroffen

Freitag 3. Dezember 2010 von birdfish

Heute hat Germanwatch in Cancun den neuen Klima-Risiko-Index 2011 veröffentlicht.

Klimafolge: Überschwemmungen in Entwicklungsländern
Klimafolge: Überschwemmungen in Entwicklungsländern – Foto: D. Ott – Fotolia.com

Zum sechsten Male findet die Untersuchung statt, welche Länder besonders von Wetterextremen betroffen sind.
“Im Jahr 2009 waren überraschenderweise auch Länder wie Taiwan, Saudi Arabien und Australien unter den zehn besonders betroffenen Staaten”, erklärt Sven Harmeling, Autor des Index bei Germanwatch. Gerade Saudi Arabien zählt bei den Klimaverhandlungen zu den Staaten, die wichtige Entscheidungen in Sachen Klimaschutz wiederholt ausbremsen. “Dies zeigt, dass kein Land vor Wetterkatastrophen gefeit ist, auch wenn insgesamt vor allem besonders arme Länder zu den am meisten Betroffenen gehören”, so Harmeling. El Salvador belegt 2009 den ersten Rang.

Es deutet vieles darauf hin, dass der vom Menschen verursachte Klimawandel zu einem weiteren Anstieg von Wetterextremen in Form von starken Regenfällen oder extremer Trockenheit führen wird. “Vermehrt ergreifen Entwicklungsländer dabei selbst die Initiative zu Katastrophenvorsorge und Anpassung an den Klimawandel”, stellt Harmeling fest. Hier bräuchten sie aber weitere finanzielle und institutionelle Unterstützung durch die Industrieländer sowie ambitionierten Klimaschutz um zukünftige Gefährdungen zu minimieren. “Die reichen Staaten, darunter auch Deutschland, dürfen daher der Verabschiedung einer ambitionierten Rahmenvereinbarung zur Anpassung nicht im Weg stehen. Teil hiervon muss ein umfangreiches Risikomanagement, aufbauend auf Katastrophenvorsorge sein. Zusätzlich sollten neue regionale und internationale Versicherungsansätze gemäß dem Verursacherprinzip international unterstützt werden”, greift Harmeling eine Forderung vieler verletzlicher Entwicklungsländer auf.

Unter den zehn Ländern, die im Zeitrahmen von 1990-2009 am stärksten von Wetterextremen betroffen waren, befinden sich ausnahmslos Entwicklungsländer. Hierzu zählen unter anderem Bangladesch, Myanmar und Honduras.

Deutschland landete bei der Auswertung für das Jahr 2009 auf Platz 68, im langjährigen Vergleich (1990-2009) auf Platz 28.

Die Dateien zum Klima-Risiko-Index 2011 und Vorjahren (engl.)

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Klimagipfel muss endlich Fonds einrichten – Katastrophen durch Klimafolgen nehmen zu

Montag 29. November 2010 von birdfish

Angesichts der schweren Unwetterkatastrophen in diesem Jahr sieht Oxfam neue Dringlichkeiten darin, beim UN-Klimagipfel in Cancún Ergebnisse zu erzielen.

Überschwemmungsopfer
Überschwemmungsopfer – Foto: Shehab Uddin / DRIK / Oxfam GB

Seit dem gescheiterten Klimagipfel von Kopenhagen häufen sich Unwetterkatastrophen, Überschwemmungen und Rekordtemperaturen. Nach Oxfam-Analysen sind allein in den ersten neun Monaten des Jahres 2010 etwa 21.000 Menschen durch Unwetterkatastrophen ums Leben gekommen, doppelt so viele wie im gesamten Jahr 2009. Die Anzahl der extremen Unwetter dürfte 2010 deutlich höher liegen, als das bisherige Zehn-Jahres-Mittel. 2010 wird zudem als eines der bisher wärmsten Jahre überhaupt in die Geschichte eingehen.

Forderung nach Klima-Fonds

Jan Kowalzig, Klima-Experte bei Oxfam warnt: “Der Klimawandel hat nach dem Scheitern des Klimagipfels von Kopenhagen keine Pause eingelegt. Wir erleben jedes Jahr infolge des Klimawandels millionenfach mehr Leid, Hunger und Verschärfung von Armut. Die Weltklimakonferenz in Cancún wird zwar das so dringend benötigte Abkommen nicht erzielen. Aber wichtige Fortschritte sind in Vorbereitung auf ein künftiges Abkommen möglich – und angesichts der Folgen des Klimawandels in den armen Ländern unverzichtbar.”

Oxfam fordert von der Konferenz in Cancún, den bereits in Kopenhagen versprochenen Klima-Fonds für arme Länder formal einzurichten, sowie einen Fahrplan für die weitere Ausarbeitung des Fonds und für die Mobilisierung der erforderlichen finanziellen Mittel festzulegen. Dabei ist es wichtig jetzt schon sicherzustellen, dass die armen Länder direkten Zugang zu den Fondsmitteln bekommen und gleichberechtigt über die spätere Mittelverwendung mitentscheiden dürfen.

Hilfen dort, wo am dringendsten nötig

Jan Kowalzig: “Der Erfolg dieses neuen Klima-Fonds wird sich letztlich daran messen lassen müssen, ob die Hilfen später auch dort ankommen, wo sie am dringendsten benötigt werden – nämlich bei den in Armut lebenden und vom Klimawandel am stärksten bedrohten Menschen in den armen Länder, um ihnen bei der Anpassung an die klimatischen Veränderungen, etwa zur Sicherung der Ernten, zu helfen.”

Oxfam fordert alle Regierungen auf, bei den Klimazielen zur Begrenzung des Klimawandels zu einem Ergebnis zu kommen. Die seit Kopenhagen angekündigten Reduktionsziele der Industrieländer und die geplanten Klimaschutzmaßnahmen der Schwellenländer könnten in Cancún formalisiert werden, um größere Verbindlichkeit zu schaffen.

Auf der nächsten Weltklimakonferenz 2011 könnten sie dann in einem Teilabkommen völkerrechtlich verbindlich festgelegt werden. Zugleich muss aber schon in Cancún anerkannt werden, dass die bisherigen Ziele nicht ausreichen werden, die globale Erwärmung auf unter 2°C oder 1.5°C zu begrenzen. Vor allem die Ziele der Industrieländer sind aus Oxfams Sicht bisher völlig unzureichend. Auch die Europäische Union verharrt weiterhin auf einem Ziel von nur 20 Prozent Reduktionen bis 2020 (gemessen an 1990).

Brüderle muss Widerstand gegen Klimaschutz aufgeben

Jan Kowalzig: “Ihr bisheriges 20 Prozent-Ziel wird die EU fast ohne weitere Anstrengungen erfüllen. Trotzdem verhindert Wirtschaftsminister Brüderle, dass die EU ihr Ziel auf mindestens 30 Prozent Reduktionen bis 2020 aufstockt. Herr Brüderle tut dies im Interesse der klimaschädlichen Industrien und der vier großen Energiekonzerne. Angesichts der seit langem zu beobachtenden Zunahme von schlimmen Dürren und schweren Unwetterkatastrophen in den armen Ländern ist dieses Verhalten zynisch und rücksichtslos.”

Oxfam verweist auch darauf, dass die an einem Vorankommen interessierten Länder sich nicht weiter vom mangelnden Willen der Vereinigten Staaten zurückhalten lassen dürfen. Nachdem dort die Einführung eines Emissionshandelssystems bis auf Weiteres gescheitert ist, ist nicht zu erwarten, dass die USA mit neuen Angeboten oder gar einer Aufstockung ihres Klimaschutzziels von 17 Prozent Reduktionen bis 2020 (gemessen an 2005) nach Cancún reisen werden. Oxfam fordert, dass die fortschrittlicheren Länder in den zentralen Bereichen Vereinbarungen zur Not auch ohne die USA treffen. Diese müssten so gestaltet werden, dass die USA zu einem späteren Zeitpunkt wieder eingebunden werden können, wenn sich dort die Bereitschaft für mehr Klimaschutz und mehr Verantwortung bei der Unterstützung der armen Länder gegen die Folgen des Klimawandels erhöht hat.


Aktion Deutschland Hilft

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Haushaltssperre für Finanzierung des Klimaschutzes im Energie- und Klimafonds

Dienstag 2. November 2010 von birdfish

Mit der Errichtung des Sondervermögens “Energie- und Klimafonds” hat die Bundesregierung angekündigt, bis 2017 etwa eine Milliarde Euro für internationalen Klima- und Umweltschutz einsetzen zu wollen.

Dürre in Afrika
Dürre, Überschwemmungen und Wegfall der Lebensgrundlage in armen Ländern nehmen zu. – Foto: Dieter Schütz / Pixelio

Davon ist wenig übrig geblieben: Über fast die gesamte Summe haben die Koalitionsfraktionen kurzerhand für die kommenden Jahre eine Haushaltssperre gelegt.

Lediglich 35 Millionen Euro im nächsten Jahr werden von der einen Milliarde jetzt schon freigegeben. Mit dieser Haushaltssperre für die internationalen Klimagelder verzichtet Deutschland auf ein deutliches Signal für die internationale Klimaschutzdynamik. Die Freigabe des Geldes wäre dringend erforderlich für den Aufbau von Klimaschutz-Koalitionen mit Entwicklungs- und Schwellenländern.

Die Koalition setzt aber auf eine ganz andere Strategie: Erst wenn es ein internationales Klimaabkommen gibt, will man das Geld freigeben. Kurz vor der Abstimmung im Bundestag konnte wenigstens der Passus gestrichen werden, die Aufhebung der Sperrung sogar zwingend von einem umfassenden Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll abhängig zu machen.

“Die USA und China – die beiden größten Hindernisse auf dem Weg zu einem solchen Abkommen – werden von dem Geld ohnehin nichts bekommen. Durch Verweigerung des Geldes kann deshalb kein Anreiz für ein globales Abkommen gesetzt werden. Eine Dynamik für das Handeln und Verhandeln können hingegen Koalitionen mit Entwicklungs- und Schwellenländern erzeugen, die ernsthafte Klimastrategien umsetzen wollen”, kommentiert Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von Germanwatch.

November-Beschluss zur Schnellstartfinanzierung jetzt noch wichtiger

“Vertrauen für die Verhandlungen kann nur entstehen, wenn die großen Industrieländer ihre Zusagen von Kopenhagen erfüllen”, kommentiert Bals. Beim letzten Klimagipfel in Kopenhagen hat die Kanzlerin zugesagt, 1,26 Milliarden Euro für die sogenannte Schnellstartfinanzierung zwischen 2010 und 2012 bereitzustellen – jährlich wären dies durchschnittlich 420 Millionen Euro.

Schon für 2010 hatte die Bundesregierung lediglich 70 Millionen Euro als tatsächlich nach Kopenhagen beschlossene “neue und zusätzliche” Mittel eingestellt. Ansonsten rechnet sie sich etwa Gelder für den Artenschutz, die die Kanzlerin schon ein Jahr zuvor auf dem Biodiversitätsgipfel international versprochen hatte, zur Zielerreichung an. Im November wird nach dem gestrigen Beschluss über das neue Sondervermögen ebenfalls über die Schnellstartmittel für das Haushaltsjahr 2011 entschieden. Im Kabinettsentwurf wurden die Titel für wirklich neue Gelder auf “null gesetzt”. Und für die Einzahlung in Weltbankfonds für den Klimaschutz sollen, abweichend vom bisherigen Vorgehen, nicht nur die Haushaltsmittel, sondern auch Kredite angerechnet werden. “Wenn schon der Vorreiter Deutschland solche Tricks anwendet, dann lässt das für den Klimagipfel von Cancun nichts Gutes erwarten. Die Entwicklungsländer sehen in der Umsetzung der Finanzzusagen eine Nagelprobe für die Ernsthaftigkeit der Beschlüsse von Kopenhagen”, kommentiert Bals.

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Kleinwasserkraftwerke sind kostengünstig, sauber, effektiv und fast überall einsetzbar

Freitag 22. Oktober 2010 von birdfish

Wasserkraft ist die älteste und „sauberste“ erneuerbare Energie.

Klein aber effektiv und umweltfreundlich
Klappe lässt Wasser und Fische passieren. Kraftwerk steckt in Kiste vor dem Wehr. – Foto: Andreas Heddergott / TU München

Doch das Potenzial der Wasserkraft schien in Deutschland ausgeschöpft, Großprojekte in Entwicklungsländern stehen wegen des starken Eingriffs in die Umwelt in der Kritik. Forscher der Technischen Universität München (TUM) haben nun ein Kleinwasserkraftwerk entwickelt, das mehrere Probleme auf einmal löst: Es ist so einfach konstruiert und damit so kostengünstig, dass es auch an geringen Gefällen rentabel arbeitet. Zudem versteckt es sich in einem Schacht, sodass Landschaft und Gewässer geschont werden. Die Kraftwerke könnten an Tausenden ungenutzten Standorten in Europa und in bislang unversorgten Regionen weltweit Strom produzieren.
Mit Wasserkraft werden in Deutschland gut drei Prozent des verbrauchten Stroms erzeugt – und daran schien sich auch nicht mehr viel zu ändern. Denn die guten Standorte für Wasserkraftanlagen sind hierzulande schon längst belegt. In einigen Schwellenländern wird dagegen über gigantische Stauseen diskutiert, die alte Kulturlandschaften überschwemmen und Ökosysteme zerstören. Ärmeren Ländern wiederum fehlen Geld und Ingenieurwissen, um Wasserkraft einsetzen zu können.

Denn auch kleinere Anlagen sind ökonomisch aufwendig und überdies ökologisch keinesfalls unbedenklich. Will man etwa die Wasserkraft an einem relativ niedrigen Wehr nutzen, muss man bislang einen Teil des Flusses am Wehr vorbei durch ein sogenanntes Buchtenkraftwerk führen – mit folgenden Nachteilen:

  • Die große Dimension der Anlage mit einer betonierten Umleitung des Wassers und einem Maschinenhaus verschlingt hohe Baukosten und zerstört Uferlandschaft.
  • Um eine optimale Strömung im Kraftwerk zu erreichen, muss die Konstruktion je nach Höhe des Wehres und der umliegenden Topographie individuell geplant werden: Wie wird eine bis zu den Turbinen gleichmäßige Strömung erreicht? Wie soll das Wasser von dort aus ausgeleitet werden?
  • Zwar sollen Fischtreppen den Tieren helfen, das Kraftwerk zu umgehen. Der Abstieg gelingt ihnen oft aber nicht, weil sie von der Strömung Richtung Kraftwerk getrieben werden. Größere Fische werden an den Rechen gedrückt, der den „Eingang“ des Kraftwerks schützt, kleinere können durch die Turbine verletzt werden.

Das Kleinwasserkraftwerk, das ein Team um Prof. Peter Rutschmann und Dipl.-Ing. Albert Sepp am Oskar von Miller-Institut, der TUM-Versuchsanstalt für Wasserbau und Wasserwirtschaft, im Modell entwickelt hat, lässt die Landschaft dagegen weitgehend unangetastet. Nur ein kleines Transformator-Häuschen am Ufer ist sichtbar. Der wesentliche Teil des Kraftwerks verbirgt sich statt in einer aufwendigen Konstruktion in einem einfachen Schacht, der vor dem Wehr in das bestehende Flussbett gegraben wird. Das Wasser strömt in die kistenförmige Anlage hinab, treibt eine Turbine an und wird unter dem Wehr zurück in den Fluss geleitet. Möglich wird dies, weil mehrere Hersteller Generatoren entwickelt haben, die unter Wasser arbeiten können – ein Maschinenhaus am Ufer wird überflüssig.
Die TUM-Forscher mussten dennoch einige Probleme lösen: Wie verhindern sie, dass sich unerwünschte Wirbel bilden, wenn das Wasser plötzlich nach unten strömt? Und wie schonen sie die Fische? Rutschmann und Sepp schlugen zwei Fliegen mit einer Klappe – genauer gesagt mit einer Klappe im Wehr oberhalb des Kraftwerkschachts. Diese lässt einen kleinen Teil des Wassers durchfließen und damit auch die Fische passieren. Außerdem verhindert diese Fließbewegung die Wirbelbildung, die zu Wirkungsverlusten und erhöhtem Verschleiß beim Antrieb der Turbine führen würde.

Kern des Konzepts aber ist nicht die Optimierung der Effizienz, sondern die Optimierung der Kosten: Standardisierte, vorgefertigte Module sollen die Bestellung einer „Kraftwerk-Kiste“ wie aus einem Katalog ermöglichen. „Wir gehen davon aus, dass die Kosten gegenüber einem Buchtenkraftwerk um 30 bis 50 Prozent niedriger ausfallen werden“, sagt Rutschmann. Schon bei einer Fallhöhe des Wassers von nur ein bis zwei Metern kann das Schachtkraftwerk deshalb rentabel arbeiten, während ein Buchtenkraftwerk mindestens die doppelte Höhe benötigt. Ein weiterer Vorteil der Serienproduktion: Je nach Bedarf und Finanzkraft können bei einem breiteren Gewässer mehrere Schächte nebeneinander gegraben werden – auch zu unterschiedlichen Zeitpunkten.

Damit können Investoren Standorte in den Blick nehmen, die bislang für die Nutzung der Wasserkraft kaum interessant waren. Besondere Aktualität bekommt diese Möglichkeit durch die EU-Wasserrahmenrichtlinie. Diese verlangt, auch kleinere Flüsse für Fische durchgängig zu machen. Allein in Bayern gibt es mehrere Tausend Querbauwerke, wie etwa Wehre, die deshalb umgerüstet werden müssen, etliche erfüllen gleichzeitig die Voraussetzung für ein Schachtkraftwerk. Der Bau Tausender Fischrampen würde die EU-Staaten Milliarden kosten und das Klima mit Tonnen von Kohlendioxid belasten. Würden stattdessen Schachtkraftwerke mit Fisch-Klappe und einem zusätzlichen Fischaufstieg installiert werden, übernähmen die jeweiligen Investoren die Kosten und produzierten langfristig klimafreundlichen Strom, der für eine kleine Gemeinde ausreicht – ein Wasserkraftwerk im Flüsschen nebenan.

Auch in Entwicklungsländern könnte das Schachtkraftwerk eine bedeutende Rolle übernehmen. „Große Teile der Weltbevölkerung haben überhaupt keinen Zugang zu Energie“, klagt Rutschmann. „Ihre einzige Chance ist eine dezentrale Stromversorgung mit kostengünstigen, einfachen zu bedienenden Kraftwerken, die nicht oft gewartet werden müssen.“ Für den Fall, dass schon die Turbine nicht bezahlbar ist, hat Rutschmann eine Alternative ins Auge gefasst: „Man kann eine billige Tauchpumpe kaufen und sie rückwärts laufen lassen – das funktioniert in unserem Kraftwerk auch.“

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KLIMA 2010 – Klimawandel-Einfluss auf das Management weltweiter Wasserressourcen

Dienstag 19. Oktober 2010 von birdfish

Die Onlinekonferenz KLIMA 2010 / CLIMATE 2010 steht vor der Tür.

Klima 2010 Konferenz

Im Vorfeld der nächsten Runde der internationalen UN-Klimaschutzverhandlungen in Cancún/Mexico thematisiert die weltweite, wissenschaftliche und CO2-freundliche Konferenz die Frage, welchen Einfluss der Klimawandel auf das Management der weltweiten Wasserressourcen haben wird. Bereits zum dritten Mal wird die Klimakonferenz von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW Hamburg) organisiert.

Unter der Schirmherrschaft des Bundesumweltministers Röttgen können sich Forscher, Unternehmen, Behörden genauso wie die interessierte Öffentlichkeit auf der Konferenzplattform vom 1. bis 7. November 2010 über den Klimawandel informieren und miteinander diskutieren. Ziel der Online-Konferenz ist es, die Suche nach globalen und regionalen Lösungen gegen die Folgen des Klimawandels für die Wasserversorgung voranzutreiben und die Dringlichkeit der Thematik ins Licht der breiten Öffentlichkeit zu rücken.

Onlinekonferenz KLIMA 2010

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