Der Begriff Geo-Engineering (oder Climate Engineering) bezeichnet vorsätzliche und großräumige Eingriffe mit technologischen Mitteln in geochemische oder biogeochemische Kreisläufe der Erde. Als Ziele derartiger Eingriffe werden hauptsächlich das Stoppen der Klimaerwärmung, der Abbau der CO2-Konzentration in der Atmosphäre oder die Verhinderung einer Versauerung der Meere genannt.
Quelle: Wikipedia.de
Übersicht über verschiedene Climate Engineering Maßnahmen, die aktuell diskutiert werden. Welche Risiken und Nebenwirkungen sie beinhalten, ist noch zu wenig erforscht. Ein neues Schwerpunktprogramm der DFG soll das ändern.
Grafik: Kiel Earth Institute
Das Experiment hat längst begonnen. Als der Mensch vor rund 200 Jahren begann, mit Fabriken und Verkehrsmitteln auch große Mengen Kohlendioxid zu produzieren, startete er damit – unbewusst, unkontrolliert und lange unerkannt – einen gigantischen Versuch mit der Erdatmosphäre. Mittlerweile kennen wir das Ergebnis: Der natürliche Treibhauseffekt wird von dem zusätzlichen CO2 verstärkt, die durchschnittlichen Temperaturen auf der Erde steigen, das Klima ändert sich. Jetzt sind Möglichkeiten gefragt, die Folgen dieses ungewollten Experiments zu begrenzen.
Theoretisch ist der einfachste Weg, die Emissionen von Kohlendioxid schnell wieder zu verringern. Doch bei einer rasant wachsenden Weltbevölkerung und dem Industrialisierungsschub großer Schwellenländer erweist sich dieser Weg in der Praxis als schwierig. Deshalb werden vermehrt großtechnische Maßnahmen in die Diskussion eingebracht, die gezielt eingesetzt werden sollen, die atmosphärische CO2-Konzentration abzusenken oder die einfallende Sonnenstrahlung abzuschwächen. „Diese großtechnischen Maßnahmen fasst man unter dem Begriff Climate Engineering zusammen“, erklärt Professor Andreas Oschlies vom GEOMAR | Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. „Doch bislang gibt es weder verlässliche Informationen über die Potenziale dieser Maßnahmen, noch über Nebenwirkungen“, so Oschlies weiter.
Um in der Diskussion über das Climate Engineering eine wissenschaftlich belastbare Grundlage zu erhalten, hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) jetzt ein Schwerpunktprogramm mit dem Titel „Climate Engineering: Risks, Challenges, Opportunities?“ bewilligt. Professor Oschlies hatte es als Initiative des Kiel Earth Institute mit Unterstützung des Kieler Exzellenzclusters „Ozean der Zukunft“ und einer Kerngruppe von 18 Wissenschaftlern von Universitäten und Instituten aus ganz Deutschland beantragt. Das Schwerpunktprogramm soll in den kommenden sechs Jahren die erheblichen Unsicherheiten untersuchen, die mit den Ideen und Konzepten des Climate Engineering verbunden sind.
Die beteiligten Wissenschaftler beschäftigen sich dabei sowohl mit der naturwissenschaftlich-technischen Dimension der diskutierten Maßnahmen, als auch mit sozialen, politischen, rechtlichen und ethischen Aspekten. „Climate Engineering ist immer so angelegt, dass es zumindest überregionale, oft aber auch zeitlich verzögerte Folgen hat, was eine Bewertung so schwierig macht. Da stellen sich zum Beispiel die Fragen, wer über einen Einsatz von Climate Engineering überhaupt entscheiden dürfte und wer bei welchen Nebenwirkungen haften müsste. Gerade dieser Multidimensionalität wird in der internationalen Forschung derzeit nur sehr wenig Raum eingeräumt“, betont Professor Oschlies. Das nun bewilligte DFG-Schwerpunktprogramm wird das Thema deshalb in einer international einmaligen fachlichen Breite ergebnisoffen betrachten. Damit soll eine Basis für eine sorgfältige Abwägung von möglichen Vor- und Nachteilen geschaffen werden.
Dies kann wichtige Argumente sowohl für die internationale klimapolitische Diskussion als auch für gesellschaftliche Entscheidungen über einen möglichen Einsatz von Climate Engineering liefern.
Wichtig für die Wissenschaftler ist aber auch eine informierte Öffentlichkeit. Bereits im September 2011 wurde hierzu vom Kiel Earth Institute in Kooperation mit dem Marsilius Kolleg der Universität Heidelberg einInternetportal aufgebaut. Nachrichten und Informationen zu Climate Engineering werden hier tagesaktuell zusammengeführt, um der Debatte mehr Transparenz zu verleihen. Hierzu wird das Portal auch während des Schwerpunktprogramms genutzt werden.
Schwefelpartikel in die Atmosphäre sprühen oder den Ozean mit Eisen düngen – aktuell werden zahlreiche großtechnische Maßnahmen zur künstlichen Klimaregulierung diskutiert.
Maßnahmen des Climate Engineering – Abb: Kiel Earth Institute
Ein neues Schwerpunktprogramm der Deutschen Forschungsgemeinschaft soll jetzt Risiken und Nebenwirkungen des sogenannten „Climate Engineering“ untersuchen. Koordiniert wird das Programm von Professor Andreas Oschlies vom GEOMAR | Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel.
Das Experiment hat längst begonnen. Als der Mensch vor rund 200 Jahren begann, mit Fabriken und Verkehrsmitteln auch große Mengen Kohlendioxid zu produzieren, startete er damit – unbewusst, unkontrolliert und lange unerkannt – einen gigantischen Versuch mit der Erdatmosphäre. Mittlerweile kennen wir das Ergebnis: Der natürliche Treibhauseffekt wird von dem zusätzlichen CO2 verstärkt, die durchschnittlichen Temperaturen auf der Erde steigen, das Klima ändert sich. Jetzt sind Möglichkeiten gefragt, die Folgen dieses ungewollten Experiments zu begrenzen.
Theoretisch ist der einfachste Weg, die Emissionen von Kohlendioxid schnell wieder zu verringern. Doch bei einer rasant wachsenden Weltbevölkerung und dem Industrialisierungsschub großer Schwellenländer erweist sich dieser Weg in der Praxis als schwierig. Deshalb werden vermehrt großtechnische Maßnahmen in die Diskussion eingebracht, die gezielt eingesetzt werden sollen, die atmosphärische CO2-Konzentration abzusenken oder die einfallende Sonnenstrahlung abzuschwächen. „Diese großtechnischen Maßnahmen fasst man unter dem Begriff Climate Engineering zusammen“, erklärt Professor Andreas Oschlies vom GEOMAR | Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. „Doch bislang gibt es weder verlässliche Informationen über die Potenziale dieser Maßnahmen, noch über Nebenwirkungen“, so Oschlies weiter.
Um in der Diskussion über das Climate Engineering eine wissenschaftlich belastbare Grundlage zu erhalten, hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) jetzt ein Schwerpunktprogramm mit dem Titel „Climate Engineering: Risks, Challenges, Opportunities?“ bewilligt. Professor Oschlies hatte es als Initiative des Kiel Earth Institute mit Unterstützung des Kieler Exzellenzclusters „Ozean der Zukunft“ und einer Kerngruppe von 18 Wissenschaftlern von Universitäten und Instituten aus ganz Deutschland beantragt. Das Schwerpunktprogramm soll in den kommenden sechs Jahren die erheblichen Unsicherheiten untersuchen, die mit den Ideen und Konzepten des Climate Engineering verbunden sind.
Die beteiligten Wissenschaftler beschäftigen sich dabei sowohl mit der naturwissenschaftlich-technischen Dimension der diskutierten Maßnahmen, als auch mit sozialen, politischen, rechtlichen und ethischen Aspekten. „Climate Engineering ist immer so angelegt, dass es zumindest überregionale, oft aber auch zeitlich verzögerte Folgen hat, was eine Bewertung so schwierig macht. Da stellen sich zum Beispiel die Fragen, wer über einen Einsatz von Climate Engineering überhaupt entscheiden dürfte und wer bei welchen Nebenwirkungen haften müsste. Gerade dieser Multidimensionalität wird in der internationalen Forschung derzeit nur sehr wenig Raum eingeräumt“, betont Professor Oschlies. Das nun bewilligte DFG-Schwerpunktprogramm wird das Thema deshalb in einer international einmaligen fachlichen Breite ergebnisoffen betrachten. Damit soll eine Basis für eine sorgfältige Abwägung von möglichen Vor- und Nachteilen geschaffen werden.
Dies kann wichtige Argumente sowohl für die internationale klimapolitische Diskussion als auch für gesellschaftliche Entscheidungen über einen möglichen Einsatz von Climate Engineering liefern.
Wichtig für die Wissenschaftler ist aber auch eine informierte Öffentlichkeit. Bereits im September 2011 wurde hierzu vom Kiel Earth Institute in Kooperation mit dem Marsilius Kolleg der Universität Heidelberg ein Internetportal zum Climate Engineering aufgebaut. Nachrichten und Informationen zu Climate Engineering werden hier tagesaktuell zusammengeführt, um der Debatte mehr Transparenz zu verleihen. Hierzu wird das Portal auch während des Schwerpunktprogramms genutzt werden.
Hintergrundinformation: Das Kiel Earth Institute
Im Kiel Earth Institute (KEI) werden wichtige Themen des globalen Wandels und seiner gesellschaftlichen Folgen interdisziplinär erforscht und behandelt. Das KEI ist eine Initiative des Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel (GEOMAR) und des Instituts für Weltwirtschaft an der Universität Kiel (IfW), die auch im Kieler Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft“ zusammenarbeiten.
Wissenschaftler aus aller Welt haben zunehmend Zweifel, dass sich nationale Regierungen auf eine globale Nachhaltigkeitspolitik verständigen können.
In Ländern wie Brasilien schreitet die Umweltzerstörung voran – Foto: Dieter Schütz / Pixelio
Umwelt- und Nachhaltigkeitsexperten aus 50 Nationen sprachen sich jetzt bei einem dreitägigen Nachhaltigkeitsseminar an der Leuphana Universität Lüneburg übereinstimmend für die Schaffung einer durchsetzungsfähigen Weltumweltorganisation und eines Rates für globale Nachhaltigkeit aus.
Sie fordern eine internationale Verständigung über Grenzen des Wachstums und die Definition von Wohlstand. Sie treten dafür ein, die Rahmenbedingungen für Weltwirtschaft und Finanzindustrie so zu verändern, dass nachhaltiges Wirtschaften verpflichtend wird. Die Wissenschaft selbst soll künftig eine aktivere Rolle bei der Entwicklung von Lösungen für die globalen Probleme übernehmen. Außerdem sollen die Bildungsanstrengungen für eine nachhaltige Entwicklung forciert werden.
20 Jahre nach der ersten UN-Konferenz über Klima und Entwicklung im brasilianischen Rio de Janeiro halten die Wissenschaftler die bisherigen Bemühungen um mehr Nachhaltigkeit für gescheitert. Vielmehr zeigten aktuelle Untersuchungsergebnisse, dass die Umweltzerstörung weiter dramatisch zunimmt. So ist etwa der Ausstoß an klimaschädlichen Treibhausgasen zwischen 1990 und 2010 weltweit um 45 Prozent gestiegen. Auch die soziale Ungleichheit auf der Welt hat sich nach Überzeugung der Wissenschaftler weiter verschärft. Heute verfügen die reichsten zehn Prozent der Weltbevölkerung über 85 Prozent des weltweiten Vermögens.
Die Lüneburger Konferenzbeiträge belegen, dass wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse über Klimawandel, Artensterben, ökonomische und soziale Krisen zum Teil schon seit Jahren vorliegen. Sie konnten aber bisher nicht verhindern, dass die Zerstörung der Umwelt ungebremst voranschreitet. „Das Problem liegt in der mangelnden Bereitschaft, die richtigen Schlüsse zu ziehen und in eine konsequente Nachhaltigkeitspolitik umzusetzen“, sagt Konferenzleiter Prof. Dr. Harald Heinrichs von der Leuphana. Der Wissenschaft komme dabei eine Schlüsselrolle zu, so Heinrichs weiter. Sie müsse Verantwortung übernehmen und gemeinsam mit den Entscheidungsträgern in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft realistische und umsetzbare Problemlösungen erarbeiten.
Im Juni dieses Jahres findet in Rio de Janeiro erneut eine Weltkonferenz zur nachhaltigen Entwicklung statt. Die Teilnehmer des Lüneburger Nachhaltigkeitsgipfels haben wenig Hoffnung, dass es dort zu einem Durchbruch kommen wird. Sie gehen davon aus, dass allenfalls kleine Fortschritte erzielt werden können. „Angesichts der komplexen Probleme und des großen Handlungsdrucks wird das aber nicht ausreichen, um den Übergang zu einer weltweit getragenen nachhaltigen Entwicklung endlich zu schaffen“, ist sich Professor Heinrichs sicher. „Was wir brauchen, ist eine Trendwende. Die kann nur gelingen, wenn Staaten wie Deutschland weiter eine Vorreiterrolle übernehmen.“
Das Sekretariat der Konferenz der Vereinten Nationen für Nachhaltige Entwicklung (UNCSD) hat einen Entwurfstext für den für Juni anberaumten UN-Gipfel Rio+20 veröffentlicht.
Klimafolge: Überschwemmungen in Entwicklungsländern – Foto: D. Ott – Fotolia.com
Bis 23. Januar beziehungsweise 17. Februar haben die Regierungen und die EU Zeit für erste Kommentare.
“Die Zukunft, die wir wollen” (The Future We Want) – so ist der erste Entwurf des Textes für die UN-Verhandlungen über nachhaltige Entwicklung überschrieben. 20 Jahre nach dem ersten Weltgipfel, der die Themen Umwelt und Entwicklung zusammen behandelte, soll vom 20. bis 22. Juni 2012 im brasilianischen Rio de Janeiro das nächste Nationentreffen zu nachhaltiger Entwicklung stattfinden. “Grünes” Wirtschaften und ein neuer globaler institutioneller Rahmen für die internationale Umweltpolitik werden die Hauptthemen sein. Es soll aber auch Bilanz gezogen werden, was 1992 in Rio und 2002 in Johannesburg in puncto nachhaltige Entwicklung beschlossen wurde und was davon umgesetzt ist. Die EU hatte im Oktober 2011 Schlussfolgerungen zu ihrer Position für den Rio+20-Gipfel veröffentlicht.
Vom 25.-27. Januar finden die ersten offiziellen Diskussionen über den 2012er UN-Gipfel über nachhaltige Entwicklung statt. Die Staats- und RegierungsvertreterInnen haben bis 23. Januar Zeit, die ersten beiden Teile des Textes (sogenannter “Zero Draft”) schriftlich zu kommentieren. Es geht dabei um die fünfseitige Präambel, die “Vision” der UN für die Zukunft (Teil I) und die bereits bestehenden Beschlüsse (”Renewing Political Commitment”)
Teil III-V können bis Mitte Februar schriftlich kommentiert werden. Diese Textteile werden zusammen mit den Anmerkungen der einzelnen Staaten im März debattiert. Darin geht es um “grünes” Wirtschaften im Kontext nachhaltiger Entwicklung und Armtusbekämpfung (Teil III), den institutionellen Rahmen für nachhaltige Entwicklung (Teil IV) und dann die konkrete Umsetzung (”Framework for action and follow-up” – Teil V). Der letzte Teil enthält zum Beispiel Unterüberschriften wie Wasser, Energie, Lebensmittelsicherheit, Meere, Klimawandel und Wälder.
Nichtregierungsorganisationen sind eine der sogenannten “Major Groups”, die im Rahmen von UN-Verhandlungen – ohne Stimmrecht – beteiligt werden müssen.
Eine Studie der UNO zeigt die Zusammenhänge von Klimawandel, Migration und Konflikten auf.
Studie zum Klimawandel in Afrika
In Afrika schreitet der Klimawandel schon heute merklich voran. So stieg die durchschnittliche Temperatur in der westafrikanischen Sahelzone von 1970 bis 2006 um durchschnittlich 1 Grad, in anderen Gebieten sogar um bis zu 2 Grad.
Eine solch drastische Erwärming hat enorme Auswirkungen auf Niederschläge, Vegetation und Bevölkerung. Eine Studie der UNO, die jetzt auf dem Klimagipfel in Durban vorgestellt wurde zeigt diese Veränderungen für 17 westafrikanische Länder auf.
Die Studie entstand in Zusammenarbeit von UNEP und weiteren Einrichtungen. UNEP-Direktor Achim Steiner zur Studie: „Die Analyse unterstreicht, wie die Konkurrenz von Gemeinschaften um knappe Ressourcen wie Land, Wasser und Wälder in Westafrika bereits Realität ist. Die regionale Zusammenarbeit bildet den Schlüssel dafür, Spannungen abzubauen, Risiken zu beherrschen und die Möglichkeiten zunehmender Konflikte durch die Umweltveränderungen ausgelöste Migration zu drosseln.“
Erdgeschichtliche Klimaveränderungen haben das Schicksal der Vorfahren des modernen Menschen beeinflusst – warum aber manche evolutionäre Varianten entstanden oder verschwanden, war bislang unklar.
Fossiler Schädel – Foto: Martin Trauth / Uni Potsdam
Wissenschaftler des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und der Universität Potsdam haben nun eine neuartige Betrachtungsweise für die Entwicklung der vergangenen fünf Millionen Jahre vorgelegt. Eine nichtlineare statistische Analyse von Ablagerungen auf dem Meeresboden vor Afrika deutet darauf hin, dass abrupte Änderungen der Schwankungsneigung des Klimas die Evolution des Menschen entscheidend geprägt haben könnten. Zunächst drei solcher urzeitlicher Kipp-Punkte haben die Forscher ausgemacht.
„Dass Klimaänderungen für die Menschheitsgeschichte bedeutsam sind, wurde schon lange angenommen – aber bisher nie wirklich statistisch belegt“, sagt Jonathan Donges vom PIK, Leitautor der in den renommierten Proceedings of the National Academy of Sciences diese Woche veröffentlichten Studie. Dieser Beleg sei aber wichtig. „Wir können erstmals zeigen, dass das Zusammentreffen von Veränderungen der Schwankungsneigung des Klimas und solchen in der frühmenschlichen Evolution mit hoher Wahrscheinlichkeit kein Zufall war“, so Donges. Entscheidend sei der Wechsel von Zeiten geringer Klimaschwankungen zu solchen starker Klimaschwankungen – „also gleichsam die Änderungen der Änderungen“. Diese erhöhten offenbar den Selektionsdruck.
Staubspuren auf dem Boden der Ozeane als Datenlieferant
Statt längerer Trends haben sich die Forscher vergleichsweise kurzfristige Veränderungen angeschaut, die allerdings immer noch einige tausend Jahre umfassen. Die mathematische Auswertung der Millionen Jahre umfassenden Zeitreihen stützte sich auf Daten, die marine Geologen bereits vor längerer Zeit veröffentlichten. Sie stammen aus Bohrkernen aus dem Untergrund des indischen und atlantischen Ozeans sowie des Mittelmeeres. Hier finden sich Spuren von Wüstenstaub, die Rückschlüsse auf das zu bestimmten Zeiten an Land herrschende Klima zulassen.
Dabei konnten die Forscher auch einige der Mechanismen identifizieren, welche die Klimaänderung vermutlich ausgelöst haben. So hat sich etwa der Zufluss von warmem Wasser aus dem Pazifik Richtung Afrika verringert, weil sich in der Region des heutigen Indonesiens Landmassen verschoben. Da Meeresströmungen aber Förderbänder für Wärme sind, veränderten sich in der Folge die regionalen Temperaturen und Niederschläge in Afrika. Dies hatte wiederum Auswirkungen auf die örtliche Pflanzenwelt und damit den Tierbestand sowie Vormenschen wie den Australopithecus, der vor etwa einer Million Jahren ausstarb. Andere Vorläufer des Menschen hingegen konnten sich unter den geänderten Bedingungen plötzlich besser durchsetzen, weil sie anpassungsfähiger waren. „Der Generalist Homo hatte im stärker schwankenden Klima bessere Chancen als spezialisiertere Vormenschen“, so Donges.
Blick auf die Vergangenheit schärft den auf die Zukunft
Der Blick auf die Vergangenheit könnte auch den auf die Zukunft schärfen helfen. „Klimaänderungen haben Auswirkungen auf die Lebensbedingungen des Menschen – und was in der Vergangenheit viele hunderttausend Jahre gedauert hat, das könnte durch den menschengemachten Treibhauseffekt jetzt im Zeitraffer ablaufen“, erklärt der Leiter des Forschungsteams und Ko-Autor Jürgen Kurths. Eine der drei relevanten Perioden vor gut drei Millionen Jahren gilt von den Temperaturen her als Gegenstück zu einer Welt mit ungebremstem CO2-Ausstoß Ende unseres Jahrhunderts. „Dabei geht es nicht um eine Übertragung Eins zu Eins, sondern um das Verstehen der grundlegenden Mechanismen von Klimaveränderungen“, so Kurths. „Die so genannte Paläo-Klimatologie dient oft der Überprüfung von Annahmen für das Klima von Heute, Morgen und Übermorgen.“
„Es ist ein großer Schritt nach vorn, dass endlich die Methoden der nichtlinearen Physik auch in der Forschung zur Entwicklung der Menschheit genutzt werden können“, sagt Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des PIK und gleichfalls einer der Ko-Autoren der Studie. Er ist einer der Pioniere bei der Anwendung dieser auch als Chaostheorie bekannten Disziplin in der Erdsystemforschung. „Besser und besser gelingt es uns, komplexe dynamische Systeme zu verstehen“, so Schellnhuber. „Und dabei zeigt sich immer mehr, dass es sich hier nicht um ein Glasperlenspiel handelt, sondern ein außerordentlich relevantes Forschungsfeld – gerade mit Blick auf den Klimawandel.“
Originalpublikation
Donges, J., Donner, R.V., Trauth, M.H., Marwan, N., Schellnhuber, H.J., Kurths, J.: Nonlinear detection of paleoclimate-variability transitions possibly related to human evolution. Proceedings of the National Academy of Sciences [doi:10.1073/pnas.0709640104]
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat die Bundesregierung aufgefordert, die Einführung des Agrosprits “E10″ endgültig zu stoppen.
E10 an der Zapfsäule – Foto: berlin-pics / Pixelio
“E10″ halte die Autohersteller davon ab, stärker auf Spritspar-Technologien zu setzen. “Weil sich die Hersteller die Beimischung von E10 als Klimaschutzmaßnahme anrechnen lassen, gibt der sogenannte Biosprit der Autoindustrie das fatale Signal, ihre falsche Modellpolitik fortzusetzen zu können. Deshalb muss das Ziel, 2020 zehn oder mehr Prozent Agrarkraftstoffe im Verkehrssektor einzusetzen, endlich aufgegeben werden”, sagte der BUND-Verkehrsexperte Werner Reh. Sowieso fehle in Deutschland die dafür nötige Anbaufläche. Wenn die Bundesregierung wirksam Treibhausgase einsparen wolle, müsse sie ambitionierte CO2-Minderungsziele für den gesamten Verkehrssektor festlegen und dafür sorgen, dass die Fahrzeuge sehr viel sparsamer würden als heute.
Mit Verweis auf die innerhalb der zurückliegenden zwölf Monate auf dem Weltmarkt registrierte Steigerung der Weizenpreise um 70 Prozent forderte Reh die sofortige Rückkehr zur vor der “E10″-Einführung vorhandenen Beimischungsquote von maximal fünf Prozent Bioethanol. “Es muss aufhören, dass die Reichen in ihren PS-Boliden und Luxuskarossen die Nahrung der Armen verfeuern”, sagte Reh.
Guido Reinhardt vom IFEU-Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg kritisierte ebenfalls die Pläne der Bundesregierung und der Europäischen Union zur Beimischung von Agrarkraftstoffen. “An die Stelle der Beimischungsquote von aktuell 6,25 Prozent Biosprit in Otto- und Dieselkraftstoffen in Deutschland und der EU-Vorgabe von zehn und mehr Prozent Anteil erneuerbarer Energien im Verkehrssektor für 2020 muss die bestmögliche und umweltgerechte Nutzung der vorhandenen Ackerflächen treten. Der Anbau von Getreide für die Ethanolproduktion und von Raps für Biodiesel ist nicht effizient”, sagte Reinhardt.
Derzeit würden in Deutschland auf rund 2,5 Millionen Hektar Energiepflanzen angebaut. Nach Prognosen des IFEU-Instituts verringere sich diese Fläche bis 2020 auf rund eine Million Hektar. Allein der Anbau von Weizen für einen zehnprozentigen Anteil von Ethanol im Benzin würde 2020 rund achtzig Prozent dieser Fläche benötigen. Reinhardt forderte eine gesellschaftliche Debatte darüber, wie die begrenzte Fläche am besten genutzt werden könne. “Der Fakten-Check wird zeigen, dass zur Ausweitung des Anbaus von Biomasse für den Tank keine zusätzlichen Flächen vorhanden sind”, sagte Reinhardt. Eine wesentlich bessere Ökobilanz als der Anbau von Weizen und Raps hätten der Anbau schnell wachsender Baumarten und die Nutzung von Bioabfällen. Die daraus erzeugte Biomasse könne in Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen verfeuert werden, die zugleich Strom und Wärme erzeugen.
Reinhardt: “Es ist nicht sinnvoll, bei der Zertifizierung von Biokraftstoffen prozentuale CO2-Einsparungen auszurechnen und nicht die maximal mögliche CO2-Minderung pro Hektar zum Maßstab zu machen. Deshalb wird dringend eine neue Biomassestrategie mit einem Flächen-Nutzungsplan benötigt. Darin müssen sämtliche Flächennutzungen einer umfassenden CO2-Bilanz unterzogen werden.”
Es ist nicht notwendig, die Lebensmittelproduktion in den kommenden vier Jahrzehnten deutlich zu steigern, damit alle Menschen satt werden.
Gerechte und effiziente Landwirtschaft gegen Welthunger – Foto: Manfred Schimmel / Pixelio
Dieser Prognose der Welternährungsorganisation FAO widersprachen die Autoren von der Universität Hohenheim.
2009 forderte die FAO, wegen der wachsenden Bevölkerung bis 2050 weltweit 70 Prozent mehr Nahrungsmittel anzubauen. Laut WWF, der gemeinsam mit der Heinrich-Böll-Stiftung die Studie in Auftrag gab, berücksichtigte die FAO bei ihrer Berechnung wichtige Faktoren wie den Klimawandel nicht. Die postulierte Produktionssteigerung sei nur ein Teil der Lösung, sagte der Agrarreferent des WWF Matthias Meissner. Dringlicher sei es, dass Nahrungsmittel und knappe Produktionsmittel wie Wasser und Böden gerechter und effizienter genutzt würden.
Die Zahlen der FAO wurden von der Agrarindustrie gern als Argument für mehr Chemie auf den Äckern verwendet. Auch den Einsatz von Gentechnik und Agrarsubventionen ohne zusätzliche Umweltauflagen begründeten die Verfechter der industriellen Landwirtschaft mit der FAO-Prognose. Die Argumente richteten sich auch gegen den Ökolandbau, der ohne Pestizide oder synthetischen Dünger auskommt und dadurch weniger erntet.
Auch die Menge der Nahrungsmittel, die weggeworfen würden, habe die FAO nicht bei ihrer Vorhersage berücksichtigt. Nach eigenen Angaben beträgt die Lebensmittelverschwendung je nach Region zwischen 20 und fast 35 Prozent.